Nichts wissen und keine Ahnung...

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Tue May 08, 2018 6:49 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Eine lange zeit glaubte ich, das die Abwesenheit des ichs die ultimative Freiheit und Erleichterung bedeutet, nur in der jetzigen Erfahrung ist alles ein einzig großes Fragezeichen. Ich kann weder behaupten das es ein Selbst gibt, noch das es dies nicht gibt. Momentan habe ich keinerlei Ahnung was das wirklich bedeutet (außer Intellektuell)

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Ich könnte behaupten, dass ich hier aufgrund der Empfehlung meiner Freundin bin und das Liberation Unleashed dabei helfen könnte eine Klarheit über den momentanen Zustand zu schaffen. Ehrlich gesagt ist mir der Impuls oder die Motivation dahinter nicht bekannt. Ich hatte einige Tage Widerstand mich hier hier anzumelden, aber nun scheint es wohl so weit zu sein.

Es fühlt sich an wie ein sein zwischen zwei Welten die dennoch parallel zueinander verlaufen. Wenn das ich gesucht wird ist es nicht auffindbar, jedoch fühlt es sich im alltäglichen umher oft an als würde da jemand sein dem etwas geschieht, der Dinge erlebt und mit Situationen/Personen interagiert, bis wieder für ein paar Sekunden die "Fassade" fällt und erkannt wird das nichts wirklich stattfindet, und das es weder jemandem noch etwas gibt.
Was mich hierher führt sind keine Gedanken die glauben das alles besser wird oder das sich eine Tiefere Einsicht ergibt, wie es vor kurzem noch oft der fall war.
Es ist eher wie ein sanfter Windstoß von hinten der ohne jeglichen Grund einfach in eine gewisse Richtung weht.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Durch eine damals Kriesen-artig wirkende Wende in meinem Leben, geriet ich vor 3 Jahren an die Persönlichkeitsentwicklung und ein halbes Jahr später dadurch in die Spiritualität mit dem Ziel der Erleuchtung. Hardcore-seeking war bis vor kurzem noch mein Alltag und Freizeitbeschäftigung Nr.1.
Viele Praktiken und Dränge dem nachzugehen sind seither stark abgefallen, mit kleinen verbleibenden Überresten hier und da.
Das es keinen Suchenden gibt wurde vor ein paar Wochen in kleineren Schritten einschneidender als jemals zuvor, bis zu einem gewissen Grad erkannt und doch "nagt" da noch etwas in der Tiefe.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Bei genauerer Betrachtung gibt es rein gar nichts zu finden, scheiß egal wie oft und wie sehr man es auch versucht.
Trotzdem herrscht oft eine Verwirrung des Verstandes, weil es nichts zu fassen gibt und dieser sich aber anscheinend damit nicht abfinden kann.
Der Gedankenstrom hat noch oft genug Momentum um mich eine ganze weile mitzureißen und dabei vergessen zu lassen, was die absolut vordergründige Wahrheit vor allen Konzepten und Etiketten ist.
Ich dachte den größten Teil meines Lebens das ich so viel weis und alles (relativ) im Griff habe, aber das ist eine riesige Lüge mit null Anhaltspunkten egal wie man es dreht oder wendet.
Es gibt da keinen der etwas wissen kann, es kann auch absolut nichts wirklich gewusst werden und trotz allem sind da so viele Konzepte des Verstandes die nonstop unglaublich viele dinge behaupten.

Diese Punkte tiefgreifender zu bearbeiten und Licht auf weitere verborgene Aspekte des Verstandes zu scheinen, wird vermutlich einige Identifikationen auflösen.
Die Erwartungen an eine durchdringende Befreiung sind zwar unterschwellig auf jeden Fall da, doch sie sind eher mit dem Spaß an der Selbsterfahrung verbunden als mit festgedeckten Zielen.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
7
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Wed May 09, 2018 9:55 am

Hallo, PatrickJonsn!
Hast du die Einführenden Worte gelesen?
Bitte stell Fragen, falls da etwas unklar ist!

Trotzdem herrscht oft eine Verwirrung des Verstandes, weil es nichts zu fassen gibt und dieser sich aber anscheinend damit nicht abfinden kann.
(...)
Es gibt da keinen der etwas wissen kann, es kann auch absolut nichts wirklich gewusst werden und trotz allem sind da so viele Konzepte des Verstandes die nonstop unglaublich viele dinge behaupten.
Ja, der Verstand möchte immer alles ordentlich benennen, erklären, unterscheiden, einordnen, beurteilen, verstehen usw.
Das, was wirklich ist - also das unmittelbare Erleben, unkommentiert und ungefiltert - ist immer da, auch wenn der Verstand im Hintergrund plappert und plappert.
Die Untersuchung des direkten Erlebens ist im Grunde genommen nichts anderes als den Fokus von diesem Geplapper weg und auf die reine Wahrnehmung im Hier & Jetzt zu lenken.
"Den Verstand verlieren" ist also eine deiner Ausgaben in diesem Prozess. Das heisst nicht unbedingt, dass der Verstand aufhören soll, zu arbeiten, sondern dass die Identifikation mit den Gedankeninhalten aufgelöst wird, dass man nicht mehr jeden Scheiss glaubt, der da so verzapft wird.

Diese "Konzepte des Verstandes die nonstop unglaublich viele dinge behaupten" sind also das größtes Hindernis - wenn ihnen geglaubt wird. Womit ich zur ersten Frage komme:
Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
7

Wieso steht da eine "7"?



Alles Liebe,
Daniel
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Wed May 09, 2018 9:13 pm

Grüß dich Daniel, schön das du dich meiner annimst :)
Ja die einführenden Worte habe ich mir gerade durchgelesen und den Unterschied zwischen direct pointing und "wer bin ich?" auch.

Dort steht nur eine 7 weil ich nicht das Gefühl habe das es großartig etwas zu finden gibt. ich bin es einfach leid irgendetwas zu suchen und fühle mich so ausgebrannt davon. oft wenn ich mir fragen stelle warum ich etwas mache oder wie es zu etwas kommt ist da einfach nichts, mit einem anschließendem Kommentar "ich weis es nicht". Ab und zu folgt drauf ein Gefühl von Verzweiflung und manchmal eine Erleichterung.
Vor ein paar Wochen noch wäre es mir nicht schwer gefallen eine 10 oder 11 einzutragen weil ich mit voller elan meditiert, yoga, qi-gong usw. gemacht hätte und mich jede neue Hoffnung auf Befreiung gelockt hätte. Aber dieser Antrieb ist größtenteils ist einfach weggebröselt, ich denke mir nur noch wozu? und habe gar-keine motivation mehr auf diese ewige Gesuche. Ich weis einfach nicht warum ich gewisse Dinge mache oder worin das Ziel davon liegt und trotzdem geschieht es.

Danke dir und LG,
Patrick
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Thu May 10, 2018 10:32 am

Okay, das kann ich nachvollziehen; und gerade das Wegfallen von diesem "Ich-will-ich-will-ich-will" kann eine ganz gute Vorraussetzung sein, um unverkrampfter und mit einer gewissen Leichtigkeit auf alles zu schauen.
Oftmals ist nämlich gerade diese starre Ausrichtung auf "Das Große Ziel" das Problem.
Wie heisst es so schön: "Das Ziel ist im Weg" ;)

oft wenn ich mir fragen stelle warum ich etwas mache oder wie es zu etwas kommt ist da einfach nichts, mit einem anschließendem Kommentar "ich weis es nicht".
Prima!
Lass uns an diese Stelle direkt mal eine virtuelle Markierung setzen!
Wann immer im Prozess beim Schauen ins direkte Erleben oder beim sackenlassen einer Frage "nichts" auftaucht (oder Stille, oder Leerheit) liegst du nämlich goldrichtig!
(Dem anschliessenden Kommentar "Ich weiss es nicht" brauchst du keine weitere Beachtung zu schenken; das ist bloß Gedankenschnickschnack vom Verstand, der für sich eine klar einzuordnende befriedigende Antwort sucht und führt nicht weiter. Lass das dann einfach im Hintergrund laufen, inklusive eventuell auftauchendem Frust oder ähnlichem.)

jedoch fühlt es sich im alltäglichen umher oft an als würde da jemand sein dem etwas geschieht, der Dinge erlebt und mit Situationen/Personen interagiert
Steh mal bitte auf, geh in ein anderes Zimmer, nimm einen Gegenstand deiner Wahl und bring ihn zurück an deinen Platz.

Bitte beschreib mir, was geschehen ist.
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Thu May 10, 2018 8:37 pm

Das dieser starke Drang weniger geworden ist, ist auf jeden Fall eine starke Erleichterung.
Ich merke wie das Suchen dem Verstand sehr stark halt gegeben hat und wie viel Verzweiflung der Mind manchmal kreiert, weil dieser Stützpfeiler dabei ist umzukippen und zu zerbrechen.

Genau, die Kommentare lasse ich mittlerweile einfach sein wie sie sind und sehe immer mehr, dass diese nur eine verzögerte Beurteilung sind von dem was sowieso schon bereits geschehen ist. Sie haben haben keinerlei Relevanz. Manchmal schaffen sie es jedoch mich wieder für eine weile in trance zu versetzen, vor allem bei tiefgreifenderen Themen oder gewissen punkten die dem ich-konstrukt näher gehen.

Es war unglaublich lustig als ich las,
Steh mal bitte auf, geh in ein anderes Zimmer, nimm einen Gegenstand deiner Wahl und bring ihn zurück an deinen Platz.

Bitte beschreib mir, was geschehen ist.
war einfach der Impuls sofort da dies zu tun und es ist einfach geschehen. ich hatte weder Kontrolle darüber ob ich genau jetzt oder in 5 Sekunden aufstehe, noch in welches Zimmer gegangen wurde oder welcher Gegenstand der auserwählte war.
Als ich mit einer Zitrone zurück zum Pc lief musste ich unglaublich lachen weil mir aufgefallen ist, das man überhaupt null Komma nichts zu entscheiden hat und wie befreiend das ist.

Danke und alles Liebe,
Patrick
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Fri May 11, 2018 11:33 am

Nun beobachte das, was wir "Entscheiden" und "Handeln" nennen mal in anderen Situationen.

Stell zwei unterschiedliche Getränke vor dich hin.
Auch wenn ein spontaner Impuls für eines der beiden da sein sollte:
Nimm dir etwas Zeit, in Ruhe zu überlegen, für welches du dich entscheiden möchtest.
Wäge ab, berücksichtige die Pros und Cons der beiden Möglichkeiten.
Prost!

Wie kommt die Wahl zustande?
"Ich habe mich für ... entschieden!" Was passiert da genau?
Achte darauf, hier nicht ins Spekulieren zu verfallen; schau stattdessen aufs direkte Erleben der mentalen Prozesse, die da ablaufen.
Wie entstehen die? Wie machst du das?


Du kannst auch mal im Alltag versuchen, dich zwischendurch bei irgendwelchen Aktivitäten zu erwischen und zu schauen.
Zum Beispiel nach (oder während) einem Gespräch /Telefonat / Chat o.Ä.:
Hat Patrick jeden Satz, den er sprach, vorher bewusst ausgewählt bzw. vorformuliert?
Gibt es da irgendeine Wahl, was als nächstes gesagt wird?
Vielleicht kriegst du das sogar hin, während des Gesprächs "dich selbst" zu beobachten. Was passiert da?


Viel Spass!


PS: Solltest du irgendeine Übung oder Frage, die ich stelle schonmal gemacht haben, antworte bitte nicht aus der Erinnerung heraus, sondern nimm dir die Zeit, das zu wiederholen
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Fri May 11, 2018 10:48 pm

Der verstand wägt ab, was ist gesünder? Was schmeckt besser? Jedoch hab ich keinerlei Macht darüber warum er diese Kriterien wählt, oder was der letztendliche Auslöser und Hintergrund ist für die Wahl die getroffen wird.

Die Gedankenprozesse passieren komplett von alleine.
Ich kann weder sagen woher sie kommen, noch aus welchem Grund sie auftauchen, oder wie sie entstehen, sie sind plötzlich einfach da und dann ist das nun mal so.
Es bin nicht ich, der diese Gedanken produziert oder geschehen lässt. Das entstehen der Konzepte ist gleich dem wahrnehmen und bewusst werden dieser Gedanken aber nicht das schaffen oder kreieren von ihnen.

Alleine der Versuch darüber nachzudenken, wie ich etwas erschaffen kann wirft sofort die Frage auf, was genau die "Instanz" ist die etwas erschaffen will, oder etwas kreieren könnte?... Auf der suche danach bleibt nichts als stille und die Wahrnehmung von dem was jetzt genau so ist, wie es gerade ist.
Vielleicht kriegst du das sogar hin, während des Gesprächs "dich selbst" zu beobachten. Was passiert da?
Alles klar ich werde morgen mal darauf achten.

Diese Übungen sind echt hilfreich. Danke und gute Nacht.
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Sat May 12, 2018 6:19 pm

Saubere Arbeit!

Hatten wir jemals eine Wahl?
Suchen wir uns unsere Lieblingsfarbe aus? Entscheiden wir freiwillig, ob wir Heavy Metal, Rote Bete oder Schlangen mögen? Sind wir freiwillig launisch, extrovertiert oder arrogant?
No, Sir!

Wenn wir ans Denken denken, werden der "denkende Denker" und der "gedachte Gedanke" automatisch zum eigentlichen Denkprozess hinzuinterpretiert.
Tatsächlich ist da nur das Denken, welches geschieht.
Oder gibt es etwa Gedanken, die irgendwo unabhängig vom Denken existieren? Ungedachte Gedanken?
Oder findet sich ein autonomer Denker, wenn Denken nicht passiert? Ein nicht-denkender Denker?


Wenn du hierzu noch etwas mitteilen willst: Nur zu!
Ansonsten sehen wir uns als Nächstes mal das Sehen an...

> > > > > > > < < < < < < < > > > > > > > < < < < < < < > > > > > > > < < < < < < < > > > > > > > < < < < < < <

Normalerweile sagen wir: "Da ist ein 'Objekt', und durch den Prozess des Sehens nehme 'ich' dieses Objekt wahr.

Such dir für die nächste Übung einen Platz, von dem aus du in deinem direkten Blickfeld vor dir eine gewisse Anzahl verschiedener Objekte hast... Tisch, Blumen, Tasse, Bilder, Kerzen, Obstkorb, Fenster... sowas in der Art.
Sitze entspannt und schau dir das eine Weile an. Nimm zur Kenntnis, wie einzelne Objekte automatisch unterschieden, etikettiert und zugeordnet werden, vielleicht werden noch weitere Assoziationen und Geschichten an sie angehängt, die mit der Idee vom 'Ich', dem 'Seher' verknüpft sind.
Wenn du das eine Weile gemacht hast, ändere deinen Fokus.

Beobachte nun das Sehen an sich.
Dein Blick sollte jetzt nicht mehr zwischen einzelnen Punkten in deinem Blickfeld hin- und herwandern, sondern sozusagen durch den Raum hindurch oder in den Raum hinein starren.
Wenn deine ganze Aufmerksamkeit diesem Sehen gewidmet ist (klappt vielleicht nicht auf Anhieb, Geduld!) und die unterteilenden Gedanken nicht mehr vorne sind, untersuche diese Fragen:

Macht hier irgendjemand etwas, damit das Sehen geschieht?
Ist im reinen wirklichen Sehen eine Trennung zwischen dem 'gesehenen Objekt' und dem 'sehenden Patrick' zu beobachten?
Ist hier überhaupt irgendwo ein 'Seher' zu sehen?
Gibt es im wirklichen Erleben die Möglichkeit, ein "ungesehenes Objekt" zu sehen? Oder einen nicht-sehenden Seher?
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Sun May 13, 2018 8:27 pm

Du hast vollkommen recht, meiner Erfahrung nach ist dem nichts hinzuzufügen. Manchmal fühlt es sich jedoch immer noch an als hätte ich wirklich eine Wahl in gewissen Dingen. Der Verstand will diese komplette Machtlosigkeit nicht wahrhaben und versuch immer wieder mit Argumenten zu behaupten das hier und da doch noch ein Funke freier Wille und Entscheidungskraft herrscht.
Die Aufgabe die du mir gegeben hast waren echt interessant, da ich gerade frisch umgezogen bin, gibt es noch viel zu tun und ich habe einige male inne gehalten um immer wieder festzustellen das es keinen tuenden oder auch nichts tuenden gibt, sondern einfach der fortlaufende Akt des Geschehens an sich der sich jeden moment neu entfaltet. Der Feststellung nach war ich auch erneut etwas verblüfft das jede Sekunde etwas komplett überraschendes passieren könnte und man weder weis was wieso noch warum es passiert... Es fühlt sich bestätigen und befreiend zu gleich an und manchmal nur das eine oder das andere und jedoch lässt sich auch hier nicht entscheiden was passiert oder was davon stattfindet.

Ein unabhängiger Denker konnte von mir bis jetzt noch nicht gefunden werden und ungedachte Gedanken habe ich auch keine entdeckt.

Beim starren in den Raum: Das Blickfeld vergrößert sich, es kommen mehr wahrgenommen "Eindrücke" ins Bewusstsein, jedoch weniger Etikettierungen als bei dem tunnel artigen focus auf die einzelnen Gegenstände.
Niemand der sieht und nichts was gesehen wird. Es ensteht gefühlsmäßig eine Distanz, jedoch ist da niemand der distanziert ist. Trotzdem ist alles so intim und untrennbar voneinander.

Diese Momentanen wechsel der Perspektive bleiben flüchtig, da der Verstand hartnäckig bemüht ist schnell wieder alles "in Ordnung" zu bringen und fachgerecht zu etikettieren und sortieren.
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Mon May 14, 2018 11:24 am

Beim starren in den Raum: Das Blickfeld vergrößert sich, es kommen mehr wahrgenommen "Eindrücke" ins Bewusstsein, jedoch weniger Etikettierungen als bei dem tunnel artigen focus auf die einzelnen Gegenstände.
Niemand der sieht und nichts was gesehen wird. Es ensteht gefühlsmäßig eine Distanz, jedoch ist da niemand der distanziert ist. Trotzdem ist alles so intim und untrennbar voneinander.
Das ist das Direkte Erleben, auch bekannt als 'Wirklichkeit' :)
Diese Momentanen wechsel der Perspektive bleiben flüchtig, da der Verstand hartnäckig bemüht ist schnell wieder alles "in Ordnung" zu bringen und fachgerecht zu etikettieren und sortieren.
Ja, diese Muster sind hartnäckig; die haben sich schliesslich unser ganzes Leben lang "eingefräst". Du musst garnicht versuchen, den Verstand zum Schweigen zu bringen. Lass ihn plappern! Wichtig ist, ihm nicht alles zu glauben.
Es geht in diesem Prozess nicht primär darum, in einen andauernd-gedankenfreien gleichmütig-verzückten nondualen Seinszustand zu gelangen, (das mag irgendwann passieren, wer weiß?), sondern einfach darum, die Illusion des abgetrennten Selbst zu durchschauen.

Die Weihnachtsmann-Analogie verdeutlicht das sehr schön:
Wenn ich als Kind den Weihnachtsmann als fiktive Figur durchschaut habe, verschwindet er deshalb nicht automatisch aus meinem Leben. Und auch irgendwelche "Weihnachtsmannmuster" mögen noch in mir aktiv sein (feierliches Gefühl, Respekt oder etwas Angst vorm Weihnachtsmann etc.) - obwohl ich weiss, dass eigentlich alles nur Show ist.
Die Fragen und Übungen im Direct Pointing sollen also in erster Linie dazu dienen, zu erkennen, wie die Ich-Illusion funktioniert, ohne sie zwangsläufig auszumerzen dauerhaft abzustellen (das mag irgendwann passieren, wer weiß?).
In diesem "flüchtigen Wechsel der Perspektive" schauen wir uns also die Wirklichkeit an - bevor der Verstand zu interpretieren beginnt. Und wir schauen uns diese hauchdünne Trennlinie an zwischen wirklichem direkten Erleben und der zusätzlichen Schicht der Gedanken, denen wir dann glauben schenken.


Mach mal das gleiche Experiment mit dem Hören!
Komm zur Ruhe (Meditation, Autogenes Training oder entspannt aufs Sofa legen kann helfen), schliess dann die Augen und achte auf die Umgebungsgeräusche.
Erlaube dem Etikettiermaschinchen für einige Minuten, seinen gewohnten Job zu machen und beobachte, wie einzelne Geräusche mental getrennt oder anvisiert und benannt werden.
Beobachte auch, wie der Verstand einen Bezug herstellt zwischen 'dem Objekt da hinten, welches das Geräusch erzeugt' und 'mir hier, der Geräuschempfänger'.
Dann richte deinen Fokus auf das direkte wirkliche Erleben des Hörens an sich.

Kannst du die Geräuschquelle wahrnehmen?
Kannst du eine hörende Instanz wahrzunehmen?
Kannst du eine Trennung zwischen Innen und Aussen wahrnehmen?
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Tue May 15, 2018 9:27 pm

Was du sagst fühlt sich sehr stimmig an, da in letzter Zeit immer mehr ein erkennen stattfindet, dass es nicht darum geht gedankenleer und glückselig zu werden. Das verweilen im hier und jetzt mit dem was ist, ist immer da und vollkommen, ganz gleich was gerade passiert oder wie sich der Moment ausdrückt.

Die Quelle des Geräusches kann nicht exakt bestimmt werden, zumindest fühlt es sich bei genauerer Betrachtung nicht an als käme es von Außen und würde nach innen eindringen. Das wahrnehmen und das wahrgenommene sind nicht getrennt voneinander, es gibt keinen punkt an dem sie sich treffen oder keine Barriere die überwunden werden muss damit ein wahrnehmen stattfindet. Es kommt nirgendwo an, mann kann weder anfangs noch Endpunkt bestimmen.
Wenn alles genaustens beobachtet wird kann keinerlei Trennung wahrgenommen werden.
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Wed May 16, 2018 9:24 am

Trennung geschieht nämlich nur auf mentaler Ebene!
Im wirklichen Erleben ist keine Trennung erfahrbar - genauso, wie im wirklichen Erleben kein Ich erfahrbar ist.
"Ich hier drinnen" und "Die Welt da draussen" sind mentale Konzepte, Glaubenssätze.
Aber mach nicht den Fehler und glaube das jetzt einfach, weil es sich richtig anhört:
Überprüfe das weiterhin, Patrick! Sei unnachgiebig! Versuche, diese Aussagen durch eigene Beobachtung zu widerlegen!


Lass uns als nächstes mal den 'Körper' untersuchen.
Der Körper wird von uns im allgemeinen als Behälter des Ichs, als Wohnstätte der Seele angesehen.
Er grenzt uns klar und eindeutig von der Aussenwelt ab - darin sind wir uns eigentlich alle einig.
Aber ist das wirklich so? Was erleben wir wirklich, wenn wir von Körperwahrnehmungen sprechen und was wird per "Etikettierungs-App" dazuinterpretiert?

Wie ist das zum Beispiel jetzt, während du wahrscheinlich auf einem Stuhl an einem Tisch vorm Rechner sitzt?
Spürst du die Sitzfläche am Hintern?
Was genau wird da erlebt?
Spürst du eine Grenze zwischen Stuhl und Körper?

Und wie ist das, wenn du beide Hände auf die Tischplatte legst?
Spürst du "Tisch"? Spürst du "zehn Finger"?
Spürst du eine Grenze?

Schliess mal die Augen und "fühle deinen Körper", nimm die "Begrenzung des Körpers" wahr.
Was genau fühlst du da?
Und wo genau kommt die Vorstellungskraft ins Spiel?

Ach und bevor ich's vergesse:
Ist irgendwo in all diesem Erleben ein Körper-Besitzer oder Bewohner zu finden?
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Thu May 17, 2018 5:22 pm

Alle Beobachtungen haben sich bis jetzt als zutreffend erwiesen, wohingegen die Glaubenssätze dadurch wiederlegt wurden. Einmal reicht jedoch anscheinend für den Mind nicht aus da ich festgestellt habe das er immer wieder glaubt aufs neue getrennt zu sein. Durch häufiges beobachten des Geschehens im hier und jetzt entstehen Lücken in der kreierten Separation des Verstandes auftauchen.

Viele Dieser Wahrgenommenen Sensationen sind bereits vorher "da" doch werden erst bemerkt wenn Aufmerksamkeit auf sie gerichtet wird wie beispielsweise der Druck auf dem Hintern vom sitzen auf dem Stuhl.
Es kann nicht gefühlt werden an welchem Schnittpunkt der Hintern den Stuhl trifft, geschweigenden das es überhaupt einen Punkt gibt an dem sie sich treffen, denn da ist nur das spüren an sich.
Ohne den Tisch als solches zu benennen gibt es nur ein fühlen, nichts weiter. Selbst das Wort Fühlen ist schon zu viel nur fällt mir nichts ein wie man das beschreiben könnte. Es ist eher ein stattfinden weil da niemand ist der etwas fühlt und nichts das gefühlt wird.
Sehr amüsant. Mit geschlossenen Augen kann ich nicht einmal genau sagen wie viele Finger da überhaupt sind.

Selbst die äußerste Hautschicht kann nicht als Grenze wahrgenommen werden.
Ich kann weder ein ende noch ein Anfang des Körpers wahrnehmen, es gibt nur Sensationen die auftauchen und Verschwinden oder sich ändern. Das was das die Veränderung wahrnimmt bleibt jedoch trotz allen Geschehnissen unberührt und ist fortwährend konstant.
Es ist ein zusammenspiel aus Fokus, also gerichteter Aufmerksamkeit plus Interpretation des Verstandes die eine scheinbare Getrenntheit hervorrufen wie ("Das ist meine Wirbelsäule und dort kribbelt es gerade")
Ein Besitzer oder Bewohner ist im reinen Erleben nicht zu finden , nur Vorstellungen und Überzeugungen sagen etwas anderes jedoch hat dies keinen wirklichen Untergrund bei genauerer Betrachtung.

Vielen Dank Daniel, dass war wieder sehr aufschlussreich und schön :)
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.

User avatar
flowings
Posts: 529
Joined: Thu Oct 06, 2016 10:38 am

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby flowings » Fri May 18, 2018 10:10 am

Alle Beobachtungen haben sich bis jetzt als zutreffend erwiesen, wohingegen die Glaubenssätze dadurch wiederlegt wurden. Einmal reicht jedoch anscheinend für den Mind nicht aus da ich festgestellt habe das er immer wieder glaubt aufs neue getrennt zu sein.

Was ist das, was immer wieder glaubt aufs neue getrennt zu sein?
Was ist das, was dies festgestellt hat?
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

User avatar
PatrickJonsn
Posts: 59
Joined: Tue May 08, 2018 6:45 pm

Re: Nichts wissen und keine Ahnung...

Postby PatrickJonsn » Sat May 19, 2018 6:43 pm

Oh shit ... es ist gerade so klar geworden, dass da überhaupt nichts oder niemand ist der glauben könnte das alles getrennt ist was passiert.
Es ist einfach nur ein Gedanke der passiert und diese Geschichte erzählt.
Es ist Nichtmal ein "etwas" das dies festgestellt hat, so wie Bewusstsein oder gerichtete Aufmerksamkeit, sondern es ist einfach geschehen ganz von alleine und komplett ohne tuerschaft....
Sei mit dem was ist, genau so wie es ist, sieh was geschieht.


Return to “Deutsch (Archiv)”

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 0 guests