Schritte zur Freiheit

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seestille
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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Fri Sep 25, 2020 8:30 pm

Vielen Dank für die Erklärungen. Das hilft mir auf jeden Fall. Es deckt sich mit dem, was ich auch vermutet habe, worum es eigentlich geht. Die Gedanken, die ihre Geschichten erzählen und die Erkenntnis, dass die Gedanken nicht zu einem "ich" gehören.
Tatsächlich gibt es kaum etwas Einfacheres, als nachzuschauen. Entweder es ist da oder nicht.
...
Keinerlei Anstrengung ist nötig, um alles wahrzunehmen, oder?
Ich merke, dass es einen Moment dauert und Ruhe erfordert, um einfach nur nachzuschauen und zu erkennen. Es ist wie bei der Meditation. Der Blick muss erstmal nach innen wandern statt mit den Gedanken verschmolzen die Welt im außen zu betrachten.
Kannst du "nicht denken"? ;) Ohne geht gar nicht, um die Unterscheidung geht es.
Das Wahrgenommene und das Hinzugedichtete kann erst dann erkannt werden, wenn sozusagen von außen geschaut wird. Die Gedanken laufen weiter, aber irgendwie kommt erst dann ein "Beobachten" dazu, welches vorher nicht da war bzw. nicht bewusst wahrgenommen wurde. Ich denke, das macht es für mich manchmal anstrengend. Im vollen Alltag ist man es gewöhnt, komplett identifiziert zu sein und erkennt dabei dann nicht den Unterschied von Gedanken und Wahrnehmung.
Findest du "das", was alles wahrnimmt?
Es ist nichts zu finden, das wahrnimmt. Man spürt nur die Wahrnehmung selbst. Es fühlt sich an wie ein Beobachten. Aber dieses ist nicht immer "aktiv". Wenn die Identifikation mit den Gedanken passiert, dann findet kein Beobachten statt. Man ist wie in der Matrix gefangen. Er wenn das Beobachten beginnt, wird die Trennung von Gedanken und Sinneswahrnehmung deutlich. Aber dieses Beobachten kommt und geht.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Sat Sep 26, 2020 8:14 pm

Ich merke, dass es einen Moment dauert und Ruhe erfordert, um einfach nur nachzuschauen und zu erkennen. Es ist wie bei der Meditation. Der Blick muss erstmal nach innen wandern statt mit den Gedanken verschmolzen die Welt im außen zu betrachten.
Das Wahrgenommene und das Hinzugedichtete kann erst dann erkannt werden, wenn sozusagen von außen geschaut wird. Die Gedanken laufen weiter, aber irgendwie kommt erst dann ein "Beobachten" dazu, welches vorher nicht da war bzw. nicht bewusst wahrgenommen wurde. Ich denke, das macht es für mich manchmal anstrengend. Im vollen Alltag ist man es gewöhnt, komplett identifiziert zu sein und erkennt dabei dann nicht den Unterschied von Gedanken und Wahrnehmung.
Nichts muss. Alles darf so bleiben. Es läuft genau richtig ab, weil es nicht anders ablaufen kann. Für die Uebungen nimm dir etwas Zeit und Ruhe, wie es gerade machbar ist. Druck ist vollkommen überflüssig, weil der Prozess eh im Rollen ist.

Du spielst ja Klavier und weißt daher, dass zB eine spezielle Uebung zur Unabhängigkeit von linker und rechter Hand kein Selbstzweck ist, sondern es geht um dein Klavierspiel im Allgemeinen. Die Gründlichkeit des Schauens während der Uebungen kann ja im Alltag gar nicht bestehen bleiben, dennoch verändert sich was.

Könnte "Wahrheit" irgendetwas ausschließen, was doch da ist?
So ein Familie-Beruf-Dasein bietet doch wunderbares Material zum Immer-wieder-Schauen: Was ist wirklich da?? :)
Es ist nichts zu finden, das wahrnimmt. Man spürt nur die Wahrnehmung selbst. Es fühlt sich an wie ein Beobachten. Aber dieses ist nicht immer "aktiv". Wenn die Identifikation mit den Gedanken passiert, dann findet kein Beobachten statt. Man ist wie in der Matrix gefangen. Erst wenn das Beobachten beginnt, wird die Trennung von Gedanken und Sinneswahrnehmung deutlich. Aber dieses Beobachten kommt und geht.
Genau so ist es. Ich bin ja auch im Familiengewusel hier... Mal ist da ein Gedanke/Gefühl "muss ich das jetzt schon wieder machen" mit Spannungen in Hals, Unterkiefer, erhöhter Puls ;-)............. dann wieder Loslassen und Schauen, Da-Sein-Lassen dessen, was nicht anders sein kann.

Niemand, den es "betrifft", der es "erleidet" :)


--------------------------

Wenn du magst, schreib doch noch was zu der Videoclip- Uebung.
Oder was noch unklar ist.
Bemerke dabei, wie das "Denken" wie zwanghaft immer neue Fragen erscheinen lässt und scheinbar Antworten braucht.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Sun Sep 27, 2020 8:45 pm

Zur Videclip Übung:
Was kann beim Ein- und Ausschalten des Tons beobachtet werden? Was passiert
und erscheint tatsächlich?
Ist der Kommentar zu dem Fußballspiel eine Notwendigkeit, dass das Spiel
geschieht?
Und in der selben Weise:
Ist der innere Kommentar der Gedanken eine Notwendigkeit, dass das Spiel des
Lebens geschieht?
Wenn ich den Ton einschalte, dann haften die Gedanken sofort an den Worten des Kommentators. Ich sehe das Spiel fast schon durch seine Brille :) Die Emotionen und Bewertungen die der Kommentator ausdrückt, übertragen sich automatisch auch auf mich. Sobald der Ton aus ist, flachen die Emotionen ab und man sieht einfach nur Männer, die über den Rasen laufen und sich den Ball zuspielen. Genauer gesagt, sind eben nur Farben und Formen auf dem Bildschirm zu sehen.
Wenn der Ton wieder an geht, ist es schwer zu ignorieren, was gesagt wird. Es war nicht möglich nur den Klang ohne Bedeutung zu hören. Was tatsächlich passiert, wird durch den Kommentar nicht beeinflusst, jedoch die Bewertung wird stark verändert und damit auch die Emotionen. Das Spiel wäre natürlich auch ohne Kommentator so geschehen, genauso wie auch das Leben ohne Gedanken geschieht. Aber es wird anders empfunden als ohne Gedanken. Dies so bewusst zu beobachten, war sehr interessant. Der Effekt ist enorm, welchen die Gedanken hierbei spielen.
Erzählen Gedanken die Wahrheit oder Unwahrheit?
Was würde es bedeuten, wenn aller Gedankeninhalt nur eine Geschichte wäre?
Tja, aller Gedankeninhalt ist ja nur eine Geschichte. Eine Geschichte über das Wahrgenommene, welches mit Bewertungen und Emotionen angereichert wird. Im Prinzip ist der Gedankeninhalt bedeutungslos für das Geschehene. Aber die Emotionen, die die Gedanken auslösen können, sind natürlich real.

Ich merke, wie immer wieder neue Fragen vom Verstand auftauchen. "Kann ich durch Bücher oder Übungen erreichen, dass die Bewertungen der Gedanken positiver werden in bestimmten Situationen? Kann ich also durch Einüben von Mustern glücklicher werden? Es scheint ja um den Blickwinkel zu gehen, um die Auswirkungen die die Gedanken auf die Emotionen haben zu verändern..."
Niemand, den es "betrifft", der es "erleidet" :)
Ja, das ist eine Aussage, die sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung trifft. Es gibt kein "Ich" oder irgendetwas, dass von den Emotionen betroffen ist. Jedoch spürt der Körper die Emotionen und die Gedanken machen daraus, "das will ich nicht spüren - das ist negativ". Die Gedanken bauen also die Geschichte vom betroffenen Ich wieder auf.
Und das lässt sich auch nicht einfach so abschalten.
Ich merke, wie die Gedanken einen Zustand von dauerhaft positiven Emotionen anstreben und deshalb diesen Weg hier auch gehen wollen. Ich weiß, dass das jedoch nicht Ziel der Begleitung ist.

Eine andere Frage ist noch die nach dem freien Willen. Die Gedanken lassen sich nicht steuern. Die Sinneseindrücke ebenfalls nicht. Das einzige was jedoch mal da ist und mal nicht ist das Beobachten. Woher kommt dies? Wer oder was löst Beobachten und Wahrnehmung aus? Wodurch geht man manchmal in Identifikation mit den Gedanken und manchmal schaut man einfach zu. Lässt sich dies steuern? Hast du dazu eine Übung?

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Mon Sep 28, 2020 10:09 am

Zur Video-Uebung:
Schön beobachtet! Von meiner Seite (fast) keine Fragen :)
Im Prinzip ist der Gedankeninhalt bedeutungslos für das Geschehene. Aber die Emotionen, die die Gedanken auslösen können, sind natürlich real.
Ja genau, da wird's interessant. Jetzt schauen wir uns mal an, was da genau passiert.
Beobachte mal, wie viele Gedanken von Empfindungen - oft nur geringe Anspannungen im Gesicht - begleitet werden.

Lies die beiden folgenden Sätze einzeln und beobachte jeweils, was unmittelbar an Empfindungen/Gedanken erscheint:

"Ein ruhiger, breiter Fluß durchzieht die sanften Wiesen." .......................................

----------------------

"...wie jemand heimlich mehrere Tonnen Altöl in den Fluß kippt".

----------------------

Bemerke, wie einer dieser beiden Gedanken einfach da sein darf, und beim anderen (möglicherweise) unmittelbare Kontraktionen und diverse andere Gedanken (Bewertungen etc.) auftauchen..........
WER wehrt sich da?
Wer ist überzeugt, dass das schlecht ist?
Was ist dieses "Auslösen" von Empfindungen? Machen die Gedanken das wirklich oder ist da eher eine Art Echo in der Empfindung?

Die erste unmittelbare Reaktion, die aus der jeweiligen Konditionierung heraus passiert, kann meist nur hingenommen werden - aber der ganze Gedanken-Rattenschwanz aus Einordnung, Bewertung, Ich-Bezug, Bestätigungen usw. - so wie beim Fußball-Clip - wer braucht's wofür? :-D

P.S. Identifikation kann natürlich auch beim ersten Satz stattfinden, nur etwas subtiler.

Ich merke, wie immer wieder neue Fragen vom Verstand auftauchen. "Kann ich durch Bücher oder Übungen erreichen, dass die Bewertungen der Gedanken positiver werden in bestimmten Situationen? Kann ich also durch Einüben von Mustern glücklicher werden? Es scheint ja um den Blickwinkel zu gehen, um die Auswirkungen die die Gedanken auf die Emotionen haben zu verändern..."
Ich merke, wie die Gedanken einen Zustand von dauerhaft positiven Emotionen anstreben und deshalb diesen Weg hier auch gehen wollen. Ich weiß, dass das jedoch nicht Ziel der Begleitung ist.
Genau. Du kannst aber sehen, wie das "Denken" permanent irgendwo hin will, dass sich irgendwas ändern soll, dass es so gut ist und so nicht.
Das ist die direkte Erfahrung des Gedankenwahrnehmens. Mehr nicht.
Es gibt kein "besseres Morgen". Nur das, was jetzt wunderbarerweise da ist.


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Ja, das ist eine Aussage, die sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung trifft. Es gibt kein "Ich" oder irgendetwas, dass von den Emotionen betroffen ist. Jedoch spürt der Körper die Emotionen und die Gedanken machen daraus, "das will ich nicht spüren - das ist negativ". Die Gedanken bauen also die Geschichte vom betroffenen Ich wieder auf.
Und das lässt sich auch nicht einfach so abschalten.
Nein, das läßt sich nicht abschalten. Versuche immer mal wieder in den Körper zu spüren. Wenn "Schauen" weg ist und Identifikation passiert, kontrahieren bestimmte Stellen im Körper. Laß es so sein - lass es durchziehen, freue dich einfach, dass du es bemerkst! Auch wenn es erst später gesehen wird.
Eine andere Frage ist noch die nach dem freien Willen. Die Gedanken lassen sich nicht steuern. Die Sinneseindrücke ebenfalls nicht. Das einzige was jedoch mal da ist und mal nicht ist das Beobachten. Woher kommt dies? Wer oder was löst Beobachten und Wahrnehmung aus? Wodurch geht man manchmal in Identifikation mit den Gedanken und manchmal schaut man einfach zu. Lässt sich dies steuern? Hast du dazu eine Übung?
Alle diese Übungen zielen darauf ab, dass dieses "einfach zuschauen" und dieses unvorstellbare Potential an Freiheit, das darin liegt, langsam immer mehr zu etablieren.
Zum "Freien Willen": Sag du mir: Wenn es "dein freier Wille" ist, durchs Üben das Schauen zu vertiefen, wer hat wann diese Entscheidung gefällt?
Wenn die Ich-Instanz eine Illusion ist, wie du ja immer öfter siehst, was soll dann noch unter freien Willen verstanden werden?


WER WILL DAS ALLES WISSEN?

BESCHREIB MIR BITTE DEN; DER DA AUS 2 LÖCHERN IM KOPF IN DIE WELT SCHAUT!



Alles nur Gedanken??
(...)die Vorstellung hat nichts mit der erfahrung zu tun. Erfahrung/Realität lässt sich nicht in Worte fassen.

---------------------------------------------
Sobald mir noch ne gute Übung einfällt, melde ich mich :)

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Tue Sep 29, 2020 7:47 pm

Bemerke, wie einer dieser beiden Gedanken einfach da sein darf, und beim anderen (möglicherweise) unmittelbare Kontraktionen und diverse andere Gedanken (Bewertungen etc.) auftauchen..........
WER wehrt sich da?
Wer ist überzeugt, dass das schlecht ist?
Was ist dieses "Auslösen" von Empfindungen? Machen die Gedanken das wirklich oder ist da eher eine Art Echo in der Empfindung?
Tatsächlich haben die beiden Sätze unterschiedliche körperliche Empfindungen ausgelöst. Der zweite Satz ging einher mit einer leichten Enge im Hals und ein Kribbeln im Brustkorb. Wer sich da wehrt, ist nicht zu erkennen. Es ist auch zu sehen, dass die Gedanken die Gefühle nicht auslösen oder "machen". Wie du schreibst, ist es eher sowas wie ein Echo oder eine Begleiterscheinung. Ich vermute, dass der Grund, warum die Emotionen ausgelöst werden in der Konditionierung liegt. Wenn ich meine Tochter beobachte, dann macht sie auch einige Dinge, die ich ihr dann als "falsch" etikettiere, sodass sie es nicht wieder macht. Kinder sind da weniger emotional, wenn sie etwas tun oder beobachten.
Zum "Freien Willen": Sag du mir: Wenn es "dein freier Wille" ist, durchs Üben das Schauen zu vertiefen, wer hat wann diese Entscheidung gefällt?
Das kann man nicht sagen. Die Entscheidung war irgendwann einfach da.
Wenn die Ich-Instanz eine Illusion ist, wie du ja immer öfter siehst, was soll dann noch unter freien Willen verstanden werden?
Ja so betrachtet, ist der freie Wille eigentlich lächerlich. :D
Ich erinnere mich (und sehe in der DE auch), dass der Impuls für eine Handlung oder einen Gedanken einfach passiert. Es gibt niemanden, der es beeinflusst. Das Leben geschieht einfach.
WER WILL DAS ALLES WISSEN?
BESCHREIB MIR BITTE DEN; DER DA AUS 2 LÖCHERN IM KOPF IN DIE WELT SCHAUT!
Da ist keiner zu finden. Nur Wahrnehmung dessen was von allein geschieht.
Versuche immer mal wieder in den Körper zu spüren. Wenn "Schauen" weg ist und Identifikation passiert, kontrahieren bestimmte Stellen im Körper. Laß es so sein - lass es durchziehen, freue dich einfach, dass du es bemerkst! Auch wenn es erst später gesehen wird.
Wenn ich das lese, kommt die Frage auf: Wie soll ich versuchen in den Körper zu spüren, wenn ich doch keine Kontrolle über meine Taten habe :) Es passiert doch eher einfach, dass ich durch diese Gespräche hier neue Verhaltensweisen antrainiere die dazu führen, dass von allein immer mal wieder "gespürt" und "geschaut" wird, oder?
Im Prinzip ist der Verlauf des Lebens davon abhängig, welche äußeren Einflüsse auf mich einwirken. Mein Umfeld prägt mich also mehr als mir bislang bewusst war.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Wed Sep 30, 2020 10:26 am

Zum "Freien Willen": Sag du mir: Wenn es "dein freier Wille" ist, durchs Üben das Schauen zu vertiefen, wer hat wann diese Entscheidung gefällt?
Das kann man nicht sagen. Die Entscheidung war irgendwann einfach da.
Wenn die Ich-Instanz eine Illusion ist, wie du ja immer öfter siehst, was soll dann noch unter freien Willen verstanden werden?
Ja so betrachtet, ist der freie Wille eigentlich lächerlich. :D
Ich erinnere mich (und sehe in der DE auch), dass der Impuls für eine Handlung oder einen Gedanken einfach passiert. Es gibt niemanden, der es beeinflusst. Das Leben geschieht einfach.
:-)
...alles geschieht, wie es schon immer geschehen ist. Und in Gedanken erscheint dann: "ich" und "meine Entscheidung" und die Bewertung "lächerlich" ;-)

WER WILL DAS ALLES WISSEN?
BESCHREIB MIR BITTE DEN; DER DA AUS 2 LÖCHERN IM KOPF IN DIE WELT SCHAUT!
Da ist keiner zu finden. Nur Wahrnehmung dessen was von allein geschieht.
:-)

Im Prinzip ist der Verlauf des Lebens davon abhängig, welche äußeren Einflüsse auf mich einwirken. Mein Umfeld prägt mich also mehr als mir bislang bewusst war.
.....und auch dies wird wahrgenommen: Gedanken, die einfach erscheinen und wieder vergehen.
Was ist es, das einen Gedanken wichtig/relevant erscheinen lässt?
Was ist es, das immer wieder nach Erklärungen sucht?


Braucht es ein "kontrollierendes Ich", dass dieser Gedanke "in den Körper spüren" erscheint? Oder dass Spüren einfach passiert? MACHST du "Erinnern"?
;-) "Versuch mal.." ...im Sinne von "Unbekanntes entdecken" :)


Untersuche mal, was an Reaktionen (z.B. Körperempfindungen, Gefühlen, Gedanken) auftaucht, wenn du folgende Sätze liest und auf dich wirken lässt.

Es gibt kein getrenntes Ich, und es hat nie eines gegeben, auch jetzt nicht genau in diesem Moment.
Das Ich ist eine Illusion, eine Täuschung, ein unbeweisbarer Gedankeninhalt.
Es gibt nur Prozesse, die passieren, aber niemandem gehören.
Da ist niemand, der über irgendetwas eine Kontrolle hat, nur Leben, das sich entfaltet.


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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Wed Sep 30, 2020 7:36 pm

Es gibt kein getrenntes Ich, und es hat nie eines gegeben, auch jetzt nicht genau in diesem Moment.
Das Ich ist eine Illusion, eine Täuschung, ein unbeweisbarer Gedankeninhalt.
Es gibt nur Prozesse, die passieren, aber niemandem gehören.
Da ist niemand, der über irgendetwas eine Kontrolle hat, nur Leben, das sich entfaltet.
Wenn Das gelesen wird entsteht nur ein sanftes Gefühl von Zustimmung. Es taucht das Bild von einem Samen auf der durch Wasser anfängt zu sprießen und dann von allein immer weiter heranwächst. Das ist ein Symbol von "das Leben, das sich entfaltet". Es braucht dabei niemanden, der kontrolliert oder dem der Samen gehört.

Danach folgen wieder andere Gedanken und Fragen. Aber sowohl das Bild vom Samen als auch die anderen Gedanken werden nur wahrgenommen.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Thu Oct 01, 2020 9:30 am

Das klingt sehr schön was du schreibst!

Magst du noch auf die beiden schwarzen Fragen eingehen?



----------------------------

Worum dreht sich denn das automatische Gedankenkarussell? Geht es da nicht hauptsächlich um ich/mein/mir/mich in den verschiedensten Gewändern?
Wenn du etwas Zeit findest, nimm dir einen Zettel und einen Stift und teile das Blatt durch einen mittigen Strich.
Mach es dir gemütlich und lass den Atem ruhiger werden. Schließe die Augen und beobachte die Gedanken.
Nun mache für jeden auftauchenden Gedanken, der irgendeine Form von Ich-Bezug hat, auf der linken Seite einen Strich.
Für jeden Gedanken ohne Ich-Bezug auf der rechten Seite einen Kreis.

Achte auch auf "verkleidete" Ich-Gedanken wie "die Suppe war so lecker.." oder "ohje,Tante Berta kommt ja morgen...".

:-)

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Fri Oct 02, 2020 7:56 am

Was ist es, das einen Gedanken wichtig/relevant erscheinen lässt?
Gedanken werden dann als wichtig eingestuft, wenn bestimmte Körperempfindungen dazu auftauchen. Z.B. kommt dabei ein Kribbeln im Brustkorb hoch. Andere Gedanken, die nicht von solchen Körperempfindungen begleitet werden, vergehen schneller wieder. Es ist also sehr subjektiv, ob etwas als wichtig oder nicht eingestuft wird. Neutral betrachtet sind es immer nur Gedanken und Körperempfindungen, egal was der Inhalt ist.
Was ist es, das immer wieder nach Erklärungen sucht?
Was nach Erklärung sucht, kann man nicht sagen. Die Gedanken kommen einfach und drehen sich dann um das Thema und versuchen einen logischen Zusammenhang zu erkennen. Wenn dieser gefunden ist, dann wird dies wieder mit bestimmten Körperempfindungen begleitet. Wird der Zusammenhang nicht gefunden, bleibt ein Gefühl von Unruhe oder Neugier und die Gedanken drehen sich weiter um das Thema. Sowohl Gedanken und Körperempfindungen passieren einfach ohne dass jemand dies kontrolliert.

Zum Gedankenkarussell:
Bei mir ist das Verhältnis von ICH-Gedanken zu neutralen Gedanken 15:4.
Ich habs auch schon vermutet, dass es nicht anders ist :)

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Fri Oct 02, 2020 2:30 pm

Das hast du gut beobachtet. Aber was ist dieses "Einstufen"?? Da mag ein Kribbeln im Bauch sein, oder Herzklopfen - ist das die Einstufung/Bewertung? Hat Spüren an sich eine Bedeutung?
Wenn im Tagesverlauf wieder so eine Identifikation stattfindet (zB "genervt", "Ungeduld") probiere nochmal ins Schauen zu kommen und zu Spüren, a) was ohne den Gedanken noch da ist und b) ob und wie es sich verändert.

Ausgangspunkt war "dein" Gedanke, dass "äußere Einflüsse mich mehr prägen als gedacht ".
Also wen interessiert das? Und sag nicht "Niemanden" ;-) Dann wäre das nicht geschrieben worden!
Sowohl Gedanken und Körperempfindungen passieren einfach ohne dass jemand dies kontrolliert.
....und siehst du, dass "das", was immer wieder nach Erklärungen sucht, eben auch nur eine Erscheinung ist, die passiert? :-)


Ist da noch jemand der sucht?
Jemand, der etwas erhofft?



Es kann in dieser Phase auch gut tun, mal länger in der Natur oder in einem Park spazieren zu gehen, um alles etwas sacken zu lassen.
Kannst du ein wenig beschreiben, wie es so im Vergleich zu vor unserem Dialog jetzt ist?

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Fri Oct 02, 2020 6:02 pm

Aber was ist dieses "Einstufen"?? Da mag ein Kribbeln im Bauch sein, oder Herzklopfen - ist das die Einstufung/Bewertung? Hat Spüren an sich eine Bedeutung?
Das Spüren selbst liefert nicht die Bedeutung. Es ist wiederum die Gedanken, die aus dem Spüren dann ein "das will ich" oder "will ich nicht" machen. Die Gedanken nehmen also Bezug auf das gespürte und interpretieren es.

Wenn während des Spürens und Denkens beobachtet wird, dann vergeht das Spüren wieder und die Gedanken sind ebenfalls nicht mehr beim Interpretieren und verstärken der Emotion sondern durch das Schauen, lassen die Gedanken von der Emotion ab und drehen sich eher um die Wahrnehmung an sich. Sie fachen das Feuer also nicht weiter an :)
Das war meine erste Beobachtung. Ich werde das aber noch etwas mehr beobachten.
Ausgangspunkt war "dein" Gedanke, dass "äußere Einflüsse mich mehr prägen als gedacht ".
Also wen interessiert das? Und sag nicht "Niemanden" ;-) Dann wäre das nicht geschrieben worden!
Das Interesse wird durch die Kombination von Gefühlen und Gedanken erzeugt. Wie oben beschrieben, interpretieren die Gedanken die Gefühle, erzeugen neue Gedanken, die wieder Gefühle als Echo haben usw. Es gibt ein Streben nach positiven Emotionen. Unabhängig davon, warum meine Gedanken etwas als positiv oder negativ bewerten, wird scheinbar durch dieses Prinzip ein Gedankenkarussel am Laufen gehalten. Biologisch gesehen macht das ja auch Sinn, damit ich meine Hand von der heißen Herdplatte nehme und meine Tochter nicht mit Worten verletze.
Was ich damit sagen will, ist, dass alles was "interessiert" aus bestimmten Gründen da ist. Ich würde es mal als Naturgesetz bezeichnen. Da gibt es kein "Ich" den das interessiert, sondern lediglich das Gehirn das nach Kohärenz (= Stimmigkeit) sucht.
Das kann sehr unterschiedliche Themen betreffen... oben war es das Beispiel "äußere Einflüsse prägen mich".
und siehst du, dass "das", was immer wieder nach Erklärungen sucht, eben auch nur eine Erscheinung ist, die passiert? :-)
Ja, das sehe ich. Es kommt einfach ohne Zutun von einer Instanz. Wenn dann passiert es durch die Biologie oder Chemie im Kopf :)
Ist da noch jemand der sucht?
Jemand, der etwas erhofft?
Jemand nicht. Nur die Suche und das Hoffen ist wahrnehmbar als Kombination von Gefühlen und Gedanken. Es verschwindet nicht, hat aber keinen erkennbaren Ursprung.
Kannst du ein wenig beschreiben, wie es so im Vergleich zu vor unserem Dialog jetzt ist?
Es ist schwer sich zu erinnern :) Es sind auf jeden Fall Dinge dazugelernt worden, die ebenfalls die Gedanken verändert haben und es ist noch tiefer gesehen worden, dass es kein ICH oder eine andere Instanz gibt, die etwas kontrolliert oder bewusst steuert. Das Leben passiert von allein und wird wahrgenommen. Vorher wurde gefragt, ob es etwas gibt, dass die Aufmerksamkeit bewusst steuert. Das kann jetzt mit "nein" beantwortet werden. Die Fragen um das Thema werden immer weniger. Ich werde nochmal spüren, was ich noch dazu sagen kann und mich nochmal melden.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Fri Oct 02, 2020 11:53 pm

Du beobachtest das alles sehr gut und gründlich.

Es scheint aber, dass der Unterschied zwischen dem, was IST, und dem, was NICHT IST, noch nicht klar ist.
Erinnere dich an unsere Abmachung, nur in der direkten Erfahrung nachzuschauen.
Das Interesse wird durch die Kombination von Gefühlen und Gedanken erzeugt. Wie oben beschrieben, interpretieren die Gedanken die Gefühle, erzeugen neue Gedanken, die wieder Gefühle als Echo haben usw. Es gibt ein Streben nach positiven Emotionen. Unabhängig davon, warum meine Gedanken etwas als positiv oder negativ bewerten, wird scheinbar durch dieses Prinzip ein Gedankenkarussel am Laufen gehalten. Biologisch gesehen macht das ja auch Sinn, damit ich meine Hand von der heißen Herdplatte nehme und meine Tochter nicht mit Worten verletze.
Was ich damit sagen will, ist, dass alles was "interessiert" aus bestimmten Gründen da ist. Ich würde es mal als Naturgesetz bezeichnen. Da gibt es kein "Ich" den das interessiert, sondern lediglich das Gehirn das nach Kohärenz (= Stimmigkeit) sucht.
Das kann sehr unterschiedliche Themen betreffen... oben war es das Beispiel "äußere Einflüsse prägen mich".
Das sind (fast) alles Gedankengeschichten, sie haben keinerlei Relevanz für diese Untersuchung!

Noch einmal:
Ausgangspunkt war "dein" Gedanke, dass "äußere Einflüsse mich mehr prägen als gedacht ".
Also wen interessiert das?
Was findest du außer "DENKEN" (mit "SPüREN") ?

und siehst du, dass "das", was immer wieder nach Erklärungen sucht, eben auch nur eine Erscheinung ist, die passiert? :-)
Ja, das sehe ich. Es kommt einfach ohne Zutun von einer Instanz. Wenn dann passiert es durch die Biologie oder Chemie im Kopf :)
Wozu also immer wieder auf den Zug des Erklären-Wollens, des Verstehen-Wollens aufspringen??? :-)
Das Erfahrene IST. Das Interpretierte nicht.

Was wahr ist, ist eben nicht verstehbar.

Ist da noch jemand der sucht?
Jemand, der etwas erhofft?
Jemand nicht. Nur die Suche und das Hoffen ist wahrnehmbar als Kombination von Gefühlen und Gedanken.
Siehst du den großen Witz, dass sowas wie "Suche" überhaupt nicht existiert? Da ist "Spüren", meinetwegen. Aber sonst?

Zum "Ich" muss ich dich wohl nicht mehr befragen. ;-)

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Sat Oct 03, 2020 1:38 pm

Ich sehe schon, ich rede zu viel (:
Noch einmal:
Ausgangspunkt war "dein" Gedanke, dass "äußere Einflüsse mich mehr prägen als gedacht ".
Also wen interessiert das?
Was findest du außer "DENKEN" (mit "SPüREN") ?
Wahrgenommen wird nichts außer Denken und Spüren.
Siehst du den großen Witz, dass sowas wie "Suche" überhaupt nicht existiert? Da ist "Spüren", meinetwegen. Aber sonst?
Ja, "Suche" ist nur ein Gedankeninhalt. Wahrgenommen wird nur das Denken an sich.

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seeadler » Sat Oct 03, 2020 5:00 pm

Ok! Danke dass du da nochmal nachgeschaut hast :)
Die Fragen um das Thema werden immer weniger. Ich werde nochmal spüren, was ich noch dazu sagen kann und mich nochmal melden.
Sehr schön. Das automatische, konditionierte Denken hat bestimmt bald die nächste Frage parat ;-)
Und das wird sich möglicherweise nie ändern.
Schau mal eher, was im Moment so im "Körper" passiert.
Es muss gar nichts gesagt werden..;-)


Ich hatte ja schon angeregt, mal allein in die Natur zu gehen, oder einen Park, ein lauschiges Café- was auch immer für dich möglich ist.
Das könntest du mit der folgenden schönen Übung verbinden:

Sobald du dort bist, setze dich oder stehe einfach für eine Weile still und bemerke, was passiert: Vogelgezwitscher, Wind, vielleicht Sonne, Bäume, Gras, vielleicht Wasser, alle Erlebnisse die in diesem Moment geschehen. Tiere, Geräusche, Insekten. Alles ist gleichzeitig lebendig und erfahrbar. Und bemerke auch Gefühle und Gedanken, die geschehen.

Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.

IST da eine solche Grenze?
Bist "du" getrennt von allem anderen?

Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?

Lass die Fragen einfach einsinken, und "erspüre" die Antworten. Vielleicht auch nur Empfindungen :)

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Re: Schritte zur Freiheit

Postby seestille » Mon Oct 05, 2020 10:21 pm

Ich habe die Übung im Wald gemacht. Es war sehr schön, da mal so bewusst rein zu spüren.
Suche nun nach einer Grenze oder Trennung in der Erfahrung, hinter der sich "Du" befindest und hinter der sich "alles andere" befindet.

IST da eine solche Grenze?
Bist "du" getrennt von allem anderen?
Es ist in der direkten Wahrnehmung keine Grenze zu spüren. Die Gedanken sind wahrnehmbar und wollen die Dinge benennen, aber wenn ich bei der Erfahrung bleibe dann ist da nur Sehen, Hören, Spüren, Denken. Es ist auch keine Trennung zu spüren zwischen dem Wahrgenommenen und der Wahrnehmung, es ist einfach nur Wahrnehmung da mit verschiedenen Sinnen.
Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?
Da ist einfach Beobachten. Es fehlt nichts. Es wird gesehen, wie die Gedanken ein inneres Bild formen von einem Beobachter, der im Wald steht, aber die Wahrnehmung selbst und die Sinne lassen den Beobachter nicht erscheinen. Da sind Gedanken und Gedankeninhalte. Der Rest ist spüren, hören und sehen von vielen Farben, Formen, Geräuschen und Düften.

Dann schau: Ist da ein Beobachter? Oder ist da einfach “beobachten”? Fehlt hier irgendetwas? Ist hier irgendetwas unvollständig? Könnte jemals etwas unvollständig sein? Könnte irgendein Moment jemals anders sein als er gerade ist?

Unvollständig ist es auch nicht, alles ist da und wahrnehmbar. So wie der Moment ist, ist er eben. Er kann nicht anders sein, dann wäre es ein anderer Moment. Jeder Moment für sich ist vollkommen.


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