wirklich erfahren

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Lily234
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wirklich erfahren

Postby Lily234 » Mon Aug 03, 2020 4:51 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Dieses illusionäre Ich zu durchschauen, das wünsche ich mir. Das zu erkennen und das Leben im hier und jetzt zu leben statt in Gedanken zu sein. Wahrscheinlich wird nach dem Durchschauen der Illusion mehr Leichtigkeit verspürt, da man Gedanken nicht mehr so stark unterlegen ist. Ich verfange mich oft in Gedankenspiralen.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Als Kind wurde ich schon früh konfrontiert mit schwierigen und unheilbaren Krankheiten und Tod von nahen Verwandten. Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellte sich mir schon sehr früh. Viele ‚Warum‘ Fragen, die mich jahrelang beschäftigten. Heute bin ich Ärztin und zweifache Mutter. Das Heranwachsen der Kinder und die Veränderungen, die Entstehung des Ichs haben mich zum Thema Ego und Ich- Illusion geführt. Durch das Googeln bin ich dann vor ca einem Jahr auf eure Seite gestoßen. Habe einige Threads gelesen und mir immer wieder die Sätze auf der App durchgelesen. Rein Intellektuell sind einige Dinge klarer geworden aber die Ich- Illusion wurde noch nicht durchschaut.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Die Themen Gesundheit und Spiritualität haben mich schon immer stark interessiert vorallem aufgrund meiner Kindheit ( Leben mit unheilbaren Krankheiten und Sterben der Angehörigen). Später Medizinstudium, Interesse an Komplementärmedizin, das Erkennen von Grenzen in der Schulmedizin. Hier und da habe ich mir Satsangs auf Youtube angehört, Eckart Tolle gelesen. Mehr nicht.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich habe in meinem Leben oft und lange in Gedanken nach Lösungen gesucht. Ich wünsche mir Klarheit über das, was wirklich da ist.
Die Hoffnung, mich nicht mehr so stark von Gedanken herumkommandieren zu lassen. Eine Distanz und Klarheit zu den Gedanken zu bekommen und die Ich- Illusion zu durchschauen.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Tue Aug 04, 2020 12:14 pm

Hi :)

Wenn du möchtest, werde ich dich gerne ein Stück des Weges begleiten.

Zu Beginn ein paar Erklärungen:

Dies ist kein "normaler Dialog". Im Wesentlichen geht es darum, dass ich dir Fragen stelle und Aufgaben gebe und du sie aus deiner direkten Erfahrung heraus beantwortest. Wir arbeiten hier mit dem Erkennen durch direktes Erfahren, mit dem was in diesem Moment durch die Sinne erfahrbar ist:

Sehen, Hören, Riechen, körperliche Empfindungen, Schmecken, Denken. Ein Gedanke ist auch erfahrbar, als „hier ist ein Gedanke“, der Inhalt des Gedanken ist im direktem Erfahren nicht vorhanden. Das was direkt erfahrbar ist nennen wir real.

Für die Dauer dieser Untersuchung lass bitte alle Bücher, Videos, Satsangs, andere Threads in diesem Forum oder was auch immer zu dem Thema links liegen, das könnte das direkte Schauen und die Wahrnehmung beeinflussen. Wenn du eine Meditationspraxis hast, kannst du die natürlich gerne aufrecht erhalten, notwendig ist es aber nicht.

Damit der Prozess hier im Fluss bleibt wäre es gut, wenn du möglichst jeden Tag zumindest jeden zweiten Tag antworten könntest. Wenn es mal nicht passen sollte oder du mehr Zeit zum Indichgehen brauchst, sag einfach Bescheid.


Falls du es noch nicht gemacht hast, dann lies dir bitte auch die einführenden Worte unter diesem Link durch viewtopic.php?f=18&t=6280


Und damit das Lesen einfacher wird, benutze bitte die Zitierfunktion. Wie diese funktioniert findest du hier: viewtopic.php?f=18&t=6275

Manchmal stürzt die Seite ab (hin und wieder genau dann wenn man auf "Absenden" geht :) ), deshalb wäre es eine gute Idee in einem Textprogramm zu schreiben und dann erst in das Antwortfenster zu kopieren...

Für diese Untersuchung ist es wichtig, möglichst frisch und unvoreingenommen auf das, was im Augenblick erlebt wird, zu schauen.

Hier soll es einzig und allein um die Frage gehen, ob das "Ich" real ist oder nicht.
Deine Aufgabe in diesem Prozess ist unter anderem, dich nicht in Gedanken zu verlieren, sondern immer auf das direkte Erleben des Augenblicks zu schauen. Nachdenken, um Antworten zu finden, ist am Ende nichts weiter als eine Ablenkung von der direkten Erfahrung :)

Wenn diese Punkte grundsätzlich in Ordnung sind für dich dann lass uns mal deine Erwartungen anschauen:

Wie wird es sich in dem Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Was wird sich verändern, was wird gleich bleiben?
Was erhoffst du dir davon die Ich-Illusion zu durchschauen?

Freue mich auf deine Antworten :)
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Lily234
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Tue Aug 04, 2020 12:45 pm

Hallo Barb,

vielen Dank, dass Du mich begleitest.

Die Erklärungen habe ich verstanden.
Die einführenden Worte und die Zitierfunktion habe ich gerade gelesen.


Wie wird es sich in dem Augenblick anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Was wird sich verändern, was wird gleich bleiben?
Was erhoffst du dir davon die Ich-Illusion zu durchschauen?
Hm, lange überlegt, ich weiss es nicht.
Wahrscheinlich werde ich dann weniger in Gedankengeschichten reingezogen. Mehr Empfinden statt Denken tritt ein. Oder die vielen Gedanken bleiben aber es tritt ein Abstand zu den Gedanken auf.
Der Alltag wird der gleiche bleiben. Also der Ablauf der alltäglichen Dinge wird sich nicht verändern.
Ich erhoffe mir dadurch, mehr im Hier und Jetzt zu sein. Meinen Gedanken nicht mehr so stark unterlegen zu sein.

Liebe Grüße,
Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Tue Aug 04, 2020 1:14 pm

Hui, das ging aber schnell :)

Deine Erwartungen klingen ziemlich realistisch und könnten eventuell auch eintreten oder auch nicht ;) Bitte versuche sie während der Dauer der Untersuchung auf die Seite zu geben, da Erwartungen das Haupthindernis sind um die Illusion zu durchschauen...

Es ist gut sich etwas Zeit zu nehmen, um zu schauen, was direktes Erleben ganz konkret ist – das erleichtert alle anderen Schritte. 

Wenn ich dich z.B frage, wie das Wetter bei dir ist kannst du es mal kurz googeln, darüber nachdenken und in deinen Erinnerungen schauen, was der Wetterbericht gesagt hat, jemanden anrufen – oder du stehst einfach auf und schaust aus dem Fenster. Ganz sicher kannst du dir nur sein, wenn du selber geguckt hast. Richtig?

Wenn du mal nachsiehst, kannst du etwas auf eine andere Art und Weise erfahren als durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, körperliche Empfindung, denken (nur den Vorgang des Denkens, nicht der Inhalt)?
Kannst du außer dem Genannten noch was finden?


Alles, was gesehen, gehört, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann, ist das Wirkliche, das was ist. Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie.

Die meiste Zeit bewegen wir uns in dieser Cyberwirklichkeit und nehmen gar nicht an dem Leben teil, durch das der Körper geht.

Probiere es mal aus wie es ist, in der Wirklichkeit zu sein. Reduziere dabei die Wirklichkeit auf die Bezeichnungen, die der Wahrnehmung am nächsten sind und mache diese Übung so häufig wie möglich über den ganzen Tag verteilt.

Das könnte in etwa so aussehen:

Eine Tasse wahrnehmen = sehen
Der Geruch von Kaffee = riechen
Die Wärme der Tasse = spüren
Das Klirren des Löffels in der Tasse beim Umrühren = hören
Gedanke jetzt gleich einen Schluck zu nehmen = denken
Einen Baum im Blickfeld = sehen
Den Wind im Gesicht = spüren .
Die Zahnpasta auf der Zahnbürste = schmecken .
Ein vorbeifahrendes Auto = hören.
Gedanke an die Arbeit = denken . (Gedanken können Wörter und geistige Bilder sein).

Es gibt zwei Arten von Gedanken:

1- Der Gedanke weist auf etwas was in diesem Moment via Sinne wahrnehmbar ist – der Gedanke ‚labelt‘.
2- Der Gedanke weist auf einen anderen Gedanken, das ist Gedankeninhalt und die Geschichte, die erzählt wird.

Nimm dir ausreichend Zeit für diese Übung und erzähl mal, wie das für dich ist und was dir auffällt und gib mir bitte ein paar Beispiele.


PS: Ich hoffe es macht dir nichts aus wenn ich auf die Grußformeln verzichte, aber für mich erscheint die Kommunikation so fließender... :)
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Lily234
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Tue Aug 04, 2020 5:59 pm

Gerne können wir auf die Grußformeln verzichten :)

Ok, habe alle Erwartungen beiseite gelegt.

Ganz sicher kannst du dir nur sein, wenn du selber geguckt hast. Richtig?
Ja, richtig.
Wenn du mal nachsiehst, kannst du etwas auf eine andere Art und Weise erfahren als durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, körperliche Empfindung, denken (nur den Vorgang des Denkens, nicht der Inhalt)?
Kannst du außer dem Genannten noch was finden?
Stimmt, es kann nichts anderes gefunden werden.
Tue mich noch schwer damit, zwischen dem Vorgang des Denkens und dem Gedankeninhalt zu unterscheiden.
Sobald ich einen Gedanken registriere, ist der Inhalt schon da.
Ich nehme an, dass ich da noch genauer schauen oder üben muss :)


Also, hier paar Beispiele:

ein schreiendes Baby hören- hören
Kissen auf dem Schoß- spüren
Spielzeuge auf dem Boden- sehen
Was soll ich kochen- denken
Handcreme auftragen- spüren, riechen
auf der couch liegen- spüren
Bild an der Wand anschauen- sehen
Was gehe ich später einkaufen- denken
fernsehen- sehen, hören
smoothie trinken- sehen, riechen, schmecken

Durch diese Übung nehme ich mehr wahr. Z. B. Handcreme auftragen: Normalerweise würde ich die Hände einfach schnell eincremen und fertig.
Durch diese Übung habe ich die Creme auf der Haut deutlich gespürt und den Duft intensiv gerochen.


Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich diese Übung nur durchführen kann, wenn ich Ruhe habe und nicht im Stress bin.
In schwierigen oder nervigen Situationen, z. B. der Umgang mit dem Trotzverhalten meiner Tochter Einkaufen mit Zeitdruck, Diskussion mit dem Partner, usw..komme ich sehr schnell ins Denken und Fühlen, vorallem Ungeduld und Ärger kommen dann auf, dann bin ich nicht mehr in der Wahrnehmung.



LG, Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Wed Aug 05, 2020 11:44 am

Tue mich noch schwer damit, zwischen dem Vorgang des Denkens und dem Gedankeninhalt zu unterscheiden.
Sobald ich einen Gedanken registriere, ist der Inhalt schon da.
Ich nehme an, dass ich da noch genauer schauen oder üben muss :)
Genau dafür sind wir hier :) Der Gedankeninhalt muss oder wird auch nicht verschwinden oder aufhören aufzutauchen, es reicht völlig ihn als das zu erkennen.
Also, hier paar Beispiele:

ein schreiendes Baby hören- hören
Kissen auf dem Schoß- spüren
Spielzeuge auf dem Boden- sehen
Was soll ich kochen- denken
Handcreme auftragen- spüren, riechen
auf der couch liegen- spüren
Bild an der Wand anschauen- sehen
Was gehe ich später einkaufen- denken
fernsehen- sehen, hören
smoothie trinken- sehen, riechen, schmecken


Durch diese Übung nehme ich mehr wahr. Z. B. Handcreme auftragen: Normalerweise würde ich die Hände einfach schnell eincremen und fertig.
Durch diese Übung habe ich die Creme auf der Haut deutlich gespürt und den Duft intensiv gerochen.
Ja genau so, super :)

Wenn du die Übung noch mehr verinnerlichen möchtest ist es ganz hilfreich, wenn du alleine bist die Label (sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken) laut oder flüsternd auszusprechen. Das macht es noch einfacher und eindrücklicher.
Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich diese Übung nur durchführen kann, wenn ich Ruhe habe und nicht im Stress bin.
In schwierigen oder nervigen Situationen, z. B. der Umgang mit dem Trotzverhalten meiner Tochter Einkaufen mit Zeitdruck, Diskussion mit dem Partner, usw..komme ich sehr schnell ins Denken und Fühlen, vorallem Ungeduld und Ärger kommen dann auf, dann bin ich nicht mehr in der Wahrnehmung.
Es ist ganz normal dass es nicht immer so gut geht, vor allem in Stresssituationen. Einfach immer wieder üben. Wir sind es so gewohnt uns auf die Gedanken zu fokussieren und uns damit zu identifizieren, einfach weil wir so konditioniert wurden von ganz klein auf. Es ist gut immer wieder nachzuschauen was denn nun wirklich da ist im Gegensatz zu dem was die Gedanken erzählen.

Darum geht es in erster Linie hier: Wir untersuchen die Natur der Gedanken, schauen nach, ob das was sie erzählen real ist, und dann schauen wir ob das getrennte „Ich“ mehr ist als nur ein Gedanke.

Bleiben wir mal ein bisschen dabei:

Untersuche bitte mal, was an Reaktionen (z.B. Körperempfindungen, Gefühlen, Gedanken) auftaucht, wenn du folgende Sätze liest und auf dich wirken lässt und schreibe es gleich auf:

Es gibt kein Ich, und es hat nie eins gegeben – auch jetzt nicht, genau in diesem Moment. Das Ich ist eine Illusion, eine Täuschung, ein unbeweisbarer Gedankeninhalt. Es gibt nur Prozesse die passieren, sie gehören aber niemandem.
Da ist kein getrenntes "Ich", das über irgendetwas Kontrolle hat, nur ungeteiltes Leben, das sich entfaltet.


Bin schon neugierig auf deine Antworten :)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Thu Aug 06, 2020 8:21 am

Genau dafür sind wir hier :) Der Gedankeninhalt muss oder wird auch nicht verschwinden oder aufhören aufzutauchen, es reicht völlig ihn als das zu erkennen.
ok, das ist angenehm zu lesen :)
Wenn du die Übung noch mehr verinnerlichen möchtest ist es ganz hilfreich, wenn du alleine bist die Label (sehen-hören-spüren-riechen-schmecken-denken) laut oder flüsternd auszusprechen. Das macht es noch einfacher und eindrücklicher.
Danke für den Tipp!
Damit habe ich heute morgen begonnen, unglaublich wieviele Gedanken durch den Kopf schwirren. Mit der Übung werden zwei Dinge sehr deutlich:
Zum einen, wie blitzschnell alles gelabelt wird und zum anderen, wieviele Gedanken ( 2. Kategorie) auftauchen, die überhaupt nichts mit dem ‚hier und jetzt‘ zu tun haben.

Wir sind es so gewohnt uns auf die Gedanken zu fokussieren und uns damit zu identifizieren, einfach weil wir so konditioniert wurden von ganz klein auf. Es ist gut immer wieder nachzuschauen was denn nun wirklich da ist im Gegensatz zu dem was die Gedanken erzählen.
Ja, die Gedanken erzählen ganz schön viel :)

Es gibt kein Ich, und es hat nie eins gegeben – auch jetzt nicht, genau in diesem Moment. Das Ich ist eine Illusion, eine Täuschung, ein unbeweisbarer Gedankeninhalt. Es gibt nur Prozesse die passieren, sie gehören aber niemandem.
Da ist kein getrenntes "Ich", das über irgendetwas Kontrolle hat, nur ungeteiltes Leben, das sich entfaltet.
Es kommt direkt ein Widerstand und ein Druckgefühl im Oberbauch, Brustbereich. Ein Kloß im Hals. Beim vorletzten Satz musste ich schlucken.
Gedanken erzählen: Das kann überhaupt nicht sein usw..

Der letzte Satz wirkt irgendwie befreiend. Langer Atem, Gefühl von Weite und Leichtigkeit kommt auf.

Die Seite ist mehrmals abgestürzt, danke für deine Vorwarnung :) Den Text hatte ich vorher gespeichert.

LG, Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Thu Aug 06, 2020 12:52 pm

unglaublich wieviele Gedanken durch den Kopf schwirren. Mit der Übung werden zwei Dinge sehr deutlich:
Zum einen, wie blitzschnell alles gelabelt wird und zum anderen, wieviele Gedanken ( 2. Kategorie) auftauchen, die überhaupt nichts mit dem ‚hier und jetzt‘ zu tun haben.
Wunderbar beobachtet :)

Bleib da gleich noch ein bisschen dran. Betrachte den Verstand einfach als automatische Etikettiermaschine, einen Sprecher ohne An/Aus Knopf. Gedanken sind einfach das – Etiketten. Ihr Zweck ist zu benennen, was die Sinne wahrnehmen, Gefühle zu bezeichnen und die Geschichten zu erzählen.

Setze dich ein paar Minuten mit geschlossen Augen hin, entspanne wieder und dann öffne die Augen:

Sieh dich langsam im Zimmer um.
Nimm wahr, wie der Verstand sofort damit anfängt, Geschichten zu erzählen und Dinge zu benennen. Bemerke, wie Gedanken aufkommen und Objekte etikettieren, eine Geschichte über die Dinge erzählen, und darüber, wie sie dorthin gekommen sind, ohne dass du irgendeine Kontrolle darüber hättest.

Achte nicht so sehr auf den Inhalt der Gedanken, sondern beobachte, wie der Etikettiermechanismus funktioniert. Dann schließe die Augen wieder.

Ein Klang wird gehört, und Gedanken beschreiben, was passiert ist. Ein kribbelndes Gefühl
taucht auf, und Gedanken etikettieren es.
Achte genau darauf, wie etwas erlebt und dann unmittelbar danach bezeichnet wird.

Erkenne, wie alles automatisch abläuft. Der Verstand etikettiert alles, worauf er sich konzentriert. (Ganz spannend ist das bei Texten, Prospekten, Werbeplakaten, Ortsschildern – einfach überall wo geschriebene Worte stehen... schau dir an, wie da das Lesen automatisch geschieht :))

Erzähl mir bitte, wie es dir damit gegangen ist.

Es kommt direkt ein Widerstand und ein Druckgefühl im Oberbauch, Brustbereich. Ein Kloß im Hals. Beim vorletzten Satz musste ich schlucken.
Gedanken erzählen: Das kann überhaupt nicht sein usw..

Der letzte Satz wirkt irgendwie befreiend. Langer Atem, Gefühl von Weite und Leichtigkeit kommt auf.
Hört sich gut an! Auf das Thema Emotionen/Gefühle kommen wir ein wenig später noch mal zurück... :)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Thu Aug 06, 2020 8:50 pm

Setze dich ein paar Minuten mit geschlossen Augen hin, entspanne wieder und dann öffne die Augen:

Sieh dich langsam im Zimmer um.
Nimm wahr, wie der Verstand sofort damit anfängt, Geschichten zu erzählen und Dinge zu benennen...
Ja, das geht so wahnsinnig schnell.
Es ist erschreckend wieviele Geschichten erzählt werden, zu den gesehenen Gegenständen. Aber auch wieder viele Gedanken über ganz andere Dinge, die nichts mit dem Gesehenen zu tun haben.

Ein Klang wird gehört, und Gedanken beschreiben, was passiert ist. Ein kribbelndes Gefühl
taucht auf, und Gedanken etikettieren es.
Achte genau darauf, wie etwas erlebt und dann unmittelbar danach bezeichnet wird.
Ja, wieder sofort ist der Gedanke da, das Etikett zu den gehörten Dingen.
Interessant, wenn ein Geräusch nicht sofort zugeordnet werden kann, (ein ratterndes Geräusch, ein Kinderspielzeug wie sich später herausstellte) dann kommt sofort Verwirrung auf.
Das Erleben kommt zuerst und danach die Benennung. Das zu erkennen fiel mir beim Sehen schwer, weil das Etikett sofort da war.
Richtig deutlich wurde das beim Hören, als plötzlich die Tür zufiel, ich zuckte zusammen und dann kam erst der Gedanke: Oh, die Tür ist zugefallen, wegen Durchzug etc..

Erkenne, wie alles automatisch abläuft. Der Verstand etikettiert alles, worauf er sich konzentriert. (Ganz spannend ist das bei Texten, Prospekten, Werbeplakaten, Ortsschildern – einfach überall wo geschriebene Worte stehen... schau dir an, wie da das Lesen automatisch geschieht :)
Im halbdunklen Raum vor einem Bücherregal sitzend, konnte ich bemerken, dass Buchstaben sofort erkannt und als Worte gelesen wurden. Interessant, wie sehr sich der Verstand bemüht, kaum sichtbare Buchtitel noch irgendwie zu erkennen.
Das muss ja ganz schön anstrengend sein für den Verstand :)

LG,
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Fri Aug 07, 2020 12:15 pm

Ja, das geht so wahnsinnig schnell.
Es ist erschreckend wieviele Geschichten erzählt werden, zu den gesehenen Gegenständen. Aber auch wieder viele Gedanken über ganz andere Dinge, die nichts mit dem Gesehenen zu tun haben.
Haha, ja da staunt man schon wenn da mal nachgesehen wird... :)
Im halbdunklen Raum vor einem Bücherregal sitzend, konnte ich bemerken, dass Buchstaben sofort erkannt und als Worte gelesen wurden. Interessant, wie sehr sich der Verstand bemüht, kaum sichtbare Buchtitel noch irgendwie zu erkennen.
Das muss ja ganz schön anstrengend sein für den Verstand :)
Ja interessant, nicht wahr? Sehr gut hast du das alles erkannt!


Schauen wir noch ein bisschen tiefer in die Natur der Gedanken. Nimm dir wieder ausreichend Zeit, entspanne dich, atme sanft und langsam. Schließe die Augen und beginne die Gedanken zu beobachten:


Kannst du sagen wo die Gedanken herkommen und wo sie hin gehen? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh genau nach.

Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken ungeschehen machen, wenn er einmal erschienen ist?

Kannst du die Entscheidung treffen, längere Zeit NICHT zu denken?

Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?

Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?

Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken

Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?


Beantworte bitte jede Frage einzeln, und du kannst ruhig während des Tages wann immer es dir einfällt dir die eine oder andere Frage noch mal stellen... :)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Sat Aug 08, 2020 7:32 am


Kannst du sagen wo die Gedanken herkommen und wo sie hin gehen?
Nein.
Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes kommt?


Nein.
Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt?


Nein.

Kannst du einen Gedanken ungeschehen machen, wenn er einmal erschienen ist?
Nein.
Kannst du die Entscheidung treffen, längere Zeit NICHT zu denken
Mit geschlossenen Augen hatte ich den Eindruck, dass es für eine kurze Zeit geht, aber dann war ein Vogel zu hören und schon war der Gedanke (Vogelgezwitscher) da :)
Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?
Diese Frage hat mich lange beschäftigt :)
Es gibt bestimmte Songs, die ich mit bestimmten Orten und Menschen verbinde.
Wenn ich sie höre, dann sind es sehr schöne Gedanken und Erinnerungen, die aufkommen. Deswegen hätte ich die Frage mit ‚ja‘ beantwortet.
Dann hab ich überlegt, ob ich diesen Gedanken ‚ Ich höre mir jetzt mal den Song an‘ kontrollieren kann ob das auch wieder nur ein Gedanke ist, der auftaucht. Weil dann ist die Frage mit ‚nein‘ zu beantworten.

Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?
Nein, erstaunlich wie schnell die Zahl da ist :)


Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken
Das ‚ich’ scheint den anderen Gedanken übergeordnet zu sein. Vom Gefühl her irgendwie wichtiger..aber das ‚ich‘ ist nicht greifbar. Also auch ein Gedanke?! Da bin ich mir nicht ganz sicher..Ich vermute, dass es von derselben Stelle kommt.

Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?
Ich kann niemanden finden, der denkt. Gedanken tauchen auf und verschwinden wieder. Irgendwie will ich das nicht wahrhaben, dass es keine Kontrolle gibt.
Ein mulmiges Gefühl kommt auf..

Liebe Grüße,
Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Sat Aug 08, 2020 11:57 am

Kannst du die Entscheidung treffen, längere Zeit NICHT zu denken
Mit geschlossenen Augen hatte ich den Eindruck, dass es für eine kurze Zeit geht, aber dann war ein Vogel zu hören und schon war der Gedanke (Vogelgezwitscher) da :)
Ja mit etwas Übung kann man das sogar länger hinkriegen, aber sobald die Natur der Gedanken durchschaut wird ist das gar nicht mehr nötig... :)
Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?
Diese Frage hat mich lange beschäftigt :)
Es gibt bestimmte Songs, die ich mit bestimmten Orten und Menschen verbinde.
Wenn ich sie höre, dann sind es sehr schöne Gedanken und Erinnerungen, die aufkommen. Deswegen hätte ich die Frage mit ‚ja‘ beantwortet.
Dann hab ich überlegt, ob ich diesen Gedanken ‚ Ich höre mir jetzt mal den Song an‘ kontrollieren kann ob das auch wieder nur ein Gedanke ist, der auftaucht. Weil dann ist die Frage mit ‚nein‘ zu beantworten.
Und was ist jetzt die konkrete Antwort? Machst „du“ es dass der Gedanke: „Ich höre jetzt diesen oder jenen Song“ auftaucht, oder erscheint der auch einfach so aus dem Nichts wie die Zahl z.B.?
Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?
Nein, erstaunlich wie schnell die Zahl da ist :)
:)
Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken
Das ‚ich’ scheint den anderen Gedanken übergeordnet zu sein. Vom Gefühl her irgendwie wichtiger..aber das ‚ich‘ ist nicht greifbar. Also auch ein Gedanke?! Da bin ich mir nicht ganz sicher..Ich vermute, dass es von derselben Stelle kommt.
Was bedeutet „übergeordnet“? Gibt es eine Hierarchie in den Gedankeninhalten? Oder tauchen „Ich-Gedanken“ einfach nur öfter auf?
Und vermuten bringt nix – ist auch wieder nur Gedankengeschichte ;) Wie ist die direkte Erfahrung? Was davon ist wirklich zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Schau da genau nach!
Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?
Ich kann niemanden finden, der denkt. Gedanken tauchen auf und verschwinden wieder. Irgendwie will ich das nicht wahrhaben, dass es keine Kontrolle gibt.
Ein mulmiges Gefühl kommt auf
Das ist ganz üblich wenn man einem mehr oder weniger verborgenen Glaubenssatz auf die Schliche kommt der dem direkten Hinsehen nicht standhält... :) Wenn das mulmige Gefühl stärker wird oder andere heftigere Emotionen auftauchen gib mir bitte unbedingt Bescheid dass wir die gleich untersuchen können. Im Laufe des Prozesses könnte schon einiges auftauchen...

Schau dir das mit den Entscheidungen und mit der Kontrolle mal genauer an:

Hebe deinen rechten oder linken Arm (oder lass ihn unten). Während des Hebens oder Nicht-Hebens wird eine Entscheidung getroffen, zumindest geschieht etwas (oder nicht).

Kannst du den genauen Augenblick der Entscheidung bestimmen und das konkrete Wesen finden, das diese Entscheidung zu treffen scheint?
Ist es wirklich möglich, den Moment der Entscheidung sowie den scheinbaren „Entscheider“ zu finden? Taucht vielleicht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?


Mache die Übung mehrmals und ganz neugierig wie ein Forscher...

Viel Spaß dabei :)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Sun Aug 09, 2020 8:39 am

Und was ist jetzt die konkrete Antwort? Machst „du“ es dass der Gedanke: „Ich höre jetzt diesen oder jenen Song“ auftaucht, oder erscheint der auch einfach so aus dem Nichts wie die Zahl z.B.?
Auch dieser Gedanke erscheint einfach so. Ich verstehe das so, dass dieser Gedanke, der ja offensichtlich einfach so auftaucht, dann zu der Handlung ‚ den bestimmten Song auswählen und anhören‘ führt. Ist das richtig?

Was bedeutet „übergeordnet“? Gibt es eine Hierarchie in den Gedankeninhalten? Oder tauchen „Ich-Gedanken“ einfach nur öfter auf?
Und vermuten bringt nix – ist auch wieder nur Gedankengeschichte ;) Wie ist die direkte Erfahrung? Was davon ist wirklich zu sehen-hören-spüren-riechen-schmecken? Schau da genau nach!
Ich finde keine Hierarchie. Das wird es sein, der Ich- Gedanke taucht sehr oft auf. Allein schon wegen der Sprache/ Kommunikation. Deswegen ist er irgendwie vertrauter/ präsenter..
Das ‚Ich’ ist ein Gedanke wie jeder andere. Fühlt sich komisch an, das zu erkennen.

Die direkte Erfahrung von ‚ich‘ ist Denken/Gedanke.

Das ist ganz üblich wenn man einem mehr oder weniger verborgenen Glaubenssatz auf die Schliche kommt der dem direkten Hinsehen nicht standhält... :) Wenn das mulmige Gefühl stärker wird oder andere heftigere Emotionen auftauchen gib mir bitte unbedingt Bescheid dass wir die gleich untersuchen können. Im Laufe des Prozesses könnte schon einiges auftauchen...
Ok. Werde Dir Bescheid geben.
Beim Lesen dieser Frage: Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?- musste ich erstmal schlucken. Fühlte einen Kloß im Hals.
Bisher war ich davon überzeugt, dass ich die Kontrolle über meine Gedanken hatte. Zu erkennen, dass es nicht so ist, gibt mir ein Gefühl von Unsicherheit und Angst.


Zu der Übung mit dem Arm:
Ich kann den Augenblick der Entscheidung nicht bestimmen.
Ich finde niemanden, der entscheidet. ‚Arm heben oder nicht heben’ geschieht einfach.
Taucht vielleicht die Idee „Ich habe mich entschieden, meinen rechten oder linken Arm (nicht) zu heben“ erst nach dem eigentlichen Ereignis auf?
Dass der Gedanke erst nach dem eigentlichen Ereignis auftaucht, kann ich nicht erkennen.
Vielleicht bin ich auch zu sehr ‚im Kopf‘ :)
Denn wir hatten doch festgestellt, dass Gedanken einfach auftauchen.
Also in diesem Fall: Arm hebt sich oder Arm hebt sich nicht. Die darauffolgende Handlung wäre ja dann eine der beiden Optionen, also erst Gedanke, dann darauffolgende Handlung und nicht umgekehrt. Oder sind Handlung und Gedanke unabhängig voneinander? Bin mal wieder verwirrt. Werde diese Übung mit dem Arm immer mal wieder machen.


Ich hoffe, ich mache es nicht unnötig kompliziert.

Vielen Dank Barb, dass Du das hier mit mir machst!!

Liebe Grüße,

Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Sun Aug 09, 2020 12:29 pm

Auch dieser Gedanke erscheint einfach so. Ich verstehe das so, dass dieser Gedanke, der ja offensichtlich einfach so auftaucht, dann zu der Handlung ‚ den bestimmten Song auswählen und anhören‘ führt. Ist das richtig?
Finde das am Besten durch Beobachten selbst heraus ob einer Handlung immer ein Gedanke vorausgeht oder ob es mal so und mal so ist... :) (Es gibt hier kein richtig oder falsch – einfach immer nur das was ist.)
Ich finde keine Hierarchie. Das wird es sein, der Ich- Gedanke taucht sehr oft auf. Allein schon wegen der Sprache/ Kommunikation. Deswegen ist er irgendwie vertrauter/ präsenter..
Das ‚Ich’ ist ein Gedanke wie jeder andere. Fühlt sich komisch an, das zu erkennen.
Super erkannt! Ja, immer wenn vertrautes Terrain verlassen wird (und dazu gehören ganz besonders Glaubenssätze ob bewusste oder unbewusste) kann das gemischte Gefühle auslösen... Einfach weil Gewohnheiten die sich eingebürgert haben schön langsam aufbrechen... :)
Bisher war ich davon überzeugt, dass ich die Kontrolle über meine Gedanken hatte. Zu erkennen, dass es nicht so ist, gibt mir ein Gefühl von Unsicherheit und Angst.
Gutes Zeichen :)

Schauen wir uns „Unsicherheit“ und „Angst“ mal näher an:

Kannst du diese Gefühle wieder hervorbringen, also wirklich fühlen? Untersuche nur dann wenn das Gefühl (kann auch ein anderes sein) aktuell vorhanden ist. Aus der Erinnerung führt es zu nichts...

Wenn du eine Emotion fühlen kannst dann untersuche: Wie und wo im Körper ist was zu spüren? Was von der „Emotion“ ist nur Gedankengeschichte?
Versuche dann die Geschichte zu ignorieren und fokussiere dich ganz auf die körperliche Empfindung.
Was bleibt von der Emotion ohne Geschichte übrig? Wie ist das für dich?


Zu der Übung mit dem Arm:
Ich kann den Augenblick der Entscheidung nicht bestimmen.
Ich finde niemanden, der entscheidet. ‚Arm heben oder nicht heben’ geschieht einfach.
:)
Dass der Gedanke erst nach dem eigentlichen Ereignis auftaucht, kann ich nicht erkennen.
Vielleicht bin ich auch zu sehr ‚im Kopf‘ :)
Denn wir hatten doch festgestellt, dass Gedanken einfach auftauchen.
Also in diesem Fall: Arm hebt sich oder Arm hebt sich nicht. Die darauffolgende Handlung wäre ja dann eine der beiden Optionen, also erst Gedanke, dann darauffolgende Handlung und nicht umgekehrt. Oder sind Handlung und Gedanke unabhängig voneinander? Bin mal wieder verwirrt. Werde diese Übung mit dem Arm immer mal wieder machen.
Verwirrung ist sehr gut :) Wie schon weiter oben erwähnt kann es mal so mal so sein, oder es taucht auch gar kein Gedanke zur Handlung auf... :) Einfach beobachten...

Eine wunderbare Möglichkeit Entscheidungen zu observieren bietet auch der Alltag. Versuche bei Routine-Entscheidungen, z.B. was einkaufen, was kochen, was anziehen, was hören, lesen etc. die Entscheidung bis zum Ursprung zurück zu verfolgen. Ist das möglich? Ist in diesen Fällen irgendwo eine getrennte Entität – eine Steuerfrau – auszumachen die eine Entscheidung fällt, die das Ruder in der Hand hält?
Ich hoffe, ich mache es nicht unnötig kompliziert.
Absolut nicht, du machst das ganz super :)
Vielen Dank Barb, dass Du das hier mit mir machst!!
Sehr gerne, ist mir eine große Freude! Danke für dein Vertrauen und deine Ehrlichkeit <3
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Lily234
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Mon Aug 10, 2020 8:49 am

Finde das am Besten durch Beobachten selbst heraus ob einer Handlung immer ein Gedanke vorausgeht oder ob es mal so und mal so ist... :) (Es gibt hier kein richtig oder falsch – einfach immer nur das was ist.)
Ok, das habe ich jetzt mehrmals beobachtet. Einer Handlung gehen nicht immer Gedanken voraus. Viele Handlungen geschehen automatisch, ohne dass ihnen Gedanken vorausgehen.
...Super erkannt! Ja, immer wenn vertrautes Terrain verlassen wird (und dazu gehören ganz besonders Glaubenssätze ob bewusste oder unbewusste) kann das gemischte Gefühle auslösen... Einfach weil Gewohnheiten die sich eingebürgert haben schön langsam aufbrechen... :)
Ja, immer wieder, wenn ich diesen Satz lese (Das ich ist ein Gedanke wie jeder andere) spüre ich Widerstand. Es ist nach wie vor ein mulmiges Gefühl.. So richtig starke Gefühle sind (noch) nicht da.


Wenn du eine Emotion fühlen kannst dann untersuche: Wie und wo im Körper ist was zu spüren? Was von der „Emotion“ ist nur Gedankengeschichte?
Das ist eine sehr spannende Sache mit den Emotionen.
Ich habe bisher in meinem Leben schwierige Emotionen (Angst, Unsicherheit) so gut wie möglich, unterdrückt, weil ich sie nicht fühlen wollte und funktionieren musste.
Gerade hatte ich einen Anruf in Abwesenheit, ich rief meine Ärztin zurück. Schon während ich die Nummer eintippte, spürte ich ganz deutlich Herzklopfen, ein Kloß im Hals.
Es ging um ein Untersuchungsergebnis und es war alles ok.
Das veränderte körperliche Unwohlsein begann mit der Information ,Oh die Ärztin hat angerufen, es geht um dies und das.. also viele Gedanken und Gedankengeschichten, die plötzlich da waren, vieles auch aus der Vergangenheit, schlechte Nachrichten von Ärzten damals bei meinem Vater, der schwer krank war und verstarb.
Als die Ärztin am Telefon sagte, es sei alles in Ordnung, war ‚ich‘ erleichtert und die körperlichen Symptome waren sofort weg. Es war ein Gefühl von Leichtigkeit in der Brust zu spüren, ein Aufatmen.

..Versuche dann die Geschichte zu ignorieren und fokussiere dich ganz auf die körperliche Empfindung.
Was bleibt von der Emotion ohne Geschichte übrig? Wie ist das für dich?

Übrig bleiben Empfindungen, zB Druck im Brustbereich, Druck im Hals, Herzrasen, leichtes Zittern in den Händen.
Anspannung im Nacken.
(Ganz spontan würde ich diese Empfindungen als negativ bezeichnen. Wahrscheinlich weil ich es nicht anders gelernt habe.) Ich hab es in Klammern gesetzt, weil ich gerade merke, dass es eine Gedankengeschichte ist.

Barb, eine Frage, die sich mir gerade stellt: Sollte ich jetzt unangenehme Erfahrungen aus der Vergangenheit, die ja Erinnerungen sind und offensichtlich noch was bewirken im Körper, einfach zur Seite legen?
Weil Du ja sagtest, Emotionen nur aus der direkten Erfahrung heraus untersuchen.
Denn diese Emotionen sind ohne diese Bewertungen (Erinnerungen) einfach nur Empfindungen.

Eine wunderbare Möglichkeit Entscheidungen zu observieren bietet auch der Alltag. Versuche bei Routine-Entscheidungen, z.B. was einkaufen, was kochen, was anziehen, was hören, lesen etc. die Entscheidung bis zum Ursprung zurück zu verfolgen. Ist das möglich? Ist in diesen Fällen irgendwo eine getrennte Entität – eine Steuerfrau – auszumachen die eine Entscheidung fällt, die das Ruder in der Hand hält?

Da stimme ich Dir zu. Bei den gewohnten Vorgängen, zB morgens aufstehen, ins Bad gehen, Anziehen, das geschieht alles einfach so. Ich kann niemanden finden, der eine Entscheidung trifft, ich kann auch keinen Moment der Entscheidung festmachen. Die Dinge geschehen einfach.
Ein typisches Beispiel ist das Einkaufen, meistens kaufe ich andere ( oder zusätzliche) Dinge ein als geplant. Oder
ein kleiner Hunger wird verspürt, beim Öffnen des Kühlschrankes wird nach etwas gegriffen woran ich garnicht gedacht hatte. Irgendwie witzig ;)

Liebe Grüße,

Lily


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