Als ob es tausend Stäbe gäbe

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Wolkengucker
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Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Mon Dec 02, 2019 11:10 am

LU is focused guiding for seeing there is no real, inherent 'self' - what do you understand by this?
Self / I / Me are names given to a sense of presence that comes and goes but erroneously believed to be continuous and solid.

What are you looking for at LU?
Freedom. More specifically: turning 'my' intellectual understanding and acceptance of the non-existence of a 'self' into real and liberating insight.
The promise of a 'Liberation Unleashed' sounds exactly what I've been looking for since decades ...

What do you expect from a guided conversation?
Personal guidance in where and what to look for; someone who can point out my blind spots in my looking for a 'self' and who can nudge me back on track when I drift off and loose focus in my inquiry about what is real and what is fantasy about 'me'.

What is your experience in terms of spiritual practices, seeking and inquiry?
I'm 65, began my search driven by a sense of anxiety and meaninglessness in my late teens with Transcendental Meditation, then years of Zen practice and Gurdjieff work and later involvement in contemporary non-duality teachings and teachers, most recently Greg Goode and Rupert Spira. There were many insights and deep meditative states along the way but none of them seemed to "stick" and give me the sense that the search was over, once and for all.

On a scale from 1 to 10, how willing are you to question any currently held beliefs about 'self?

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flowings
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Mon Dec 02, 2019 2:40 pm

Lieber Wolkengucker!

Direct Pointing ist eine Methode, die sich mit Greg Goode's Direct Path viele Gemeinsamkeiten teilt. Viele der Übungen aus Greg's gleichnamigen Buch werden auch gerne von uns Guides hier verwendet.
Der größte Unterschied ist, dass wir hier den Fokus vor allem auf das Nichtfinden eines abgetrennten Selbst richten und nicht direkt nondual schauen.
Es gibt dazu auch einen Artikel auf LU:
https://www.liberationunleashed.com/res ... implified/
Hast du dazu noch Fragen?

Dein Wissen/Glauben/intellektuelles Verständnis wird ab sofort nicht mehr benötigt:
Alleine das Schauen auf das, was Jetzt ist, soll Gegenstand dieser Inquiry sein!
Tatsächlich können Erwartungen/Vorstellungen/Hoffnungen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, hinderlich sein und den schlichten Blick in die Wirklichkeit des direkten Erlebens verschleiern.
Gehe also in diesen Prozess wie ein leeres Blatt Papier, mit dem Blick eines Neugeborenen!

Self / I / Me are names given to a sense of presence that comes and goes but erroneously believed to be continuous and solid.
Wie ist dein Erleben hier und heute?
Spürst du eine feste kontinuierliche Instanz im Zentrum des Erlebens?
Spürst du eine Präsenz, die kommt und geht?
Versuch mal, möglichst präzise dein Ich-Empfinden zu beschreiben - und hüte dich vor Vermutungen/Ansichten/Glauben usw.
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

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Wolkengucker
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Mon Dec 02, 2019 5:45 pm

Liebe/r flowings,
Vielen Dank dafür, dass du dich meiner annimmst. Dein Guide-Name "flowings" allein sagt mir schon, dass ich in guten Händen bin.
"Der größte Unterschied ist, dass wir hier den Fokus vor allem auf das Nichtfinden eines abgetrennten Selbst richten und nicht direkt nondual schauen."
Wie seltsam dass mir dies nicht vorher aufgefallen ist. Als erwartete ich eine Art von erfahrbarem, substanziellem "Nicht-Ich" anstelle eines "Ichs" zu finden. Sowas wie Onkel Robert der sich das Weihnachtsmann Kostüm vor meinen Augen abstreift.
"Spürst du eine feste kontinuierliche Instanz im Zentrum des Erlebens?"
Nein. Das Erleben hat kein Zentrum und keine Grenzen. Früher hätte ich gesagt: "Wahrnehmung is kontinuierlich und immer da." Aber jetzt klingt das nur wie eine Idee ohne direkte Erfahrung .
"Spürst du eine Präsenz, die kommt und geht?"
Nein, einfach nur alle möglichen Erfahrungen die kommen und gehen.
"Versuch mal, möglichst präzise dein Ich-Empfinden zu beschreiben - und hüte dich vor Vermutungen/Ansichten/Glauben usw."
Mein Ich-Empfinden: In erster Linie ein Empfinden von visuell identifizierter Örtlichkeit: ich bin hier und alles andere is "da draussen", sichtbar ist das was sich "vor mir" befindet, unsichtbar was "hinter mir" liegt. Mit geschlossenen Augen ist das ganz anders: da ist kein hier oder dort - alles is in gleicher Weise "hier". Ebenso mit Fühlen: es gibt keine Grenze zwischen mir und dem Gefühlten oder Getasteten. Seltsamerweise ist auch das Denken unterschiedlich erfahren: mit offenen Augen geschehn die Gedanken "in mir", aber mit geschlossenen Augen sind sie Teil einer Hören-Fühlen-Denken Gleichzeitigkeit in einem Ich-losen Feld.
Dagegen hatte ich eine merkwürdige Erfahrung von spontaner und ganz klarer "Abwesenheit" heute Nachmittag: ging einer Einkaufs-Strasse entlang, und da war nur die sich bewegende Szene mit Läden, Autos und Passanten, aber keine Empfindung von "ich hier" und "alles andere dort", kein "Erfahrer" oder "Wahrnehmer", nirgendwo. Dann kam der Gedanke "Ja, das ist es! So sollte es von nun an immer sein." War's aber nicht.

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Mon Dec 02, 2019 7:45 pm

"Spürst du eine feste kontinuierliche Instanz im Zentrum des Erlebens?"
Nein. Das Erleben hat kein Zentrum und keine Grenzen.
"Spürst du eine Präsenz, die kommt und geht?"
Nein, einfach nur alle möglichen Erfahrungen die kommen und gehen.
Gut gut gut. Kein Zentrum, keine Grenzen, nur fortwährendes Erleben. (Wo soll sich denn da noch ein "Ich" verstecken? dachte ich, als ich das las)

Mein Ich-Empfinden: In erster Linie ein Empfinden von visuell identifizierter Örtlichkeit: ich bin hier und alles andere is "da draussen"
"Ich bin hier" hört sich, um mal sprachlich penibel zu sein, weniger nach einer Empfindung an, sondern eher nach einem Gedanken (These, Idee, Vermutung, Glauben), oder?

Fokussiere deine Aufmerksamkeit mal auf das visuelle Sehen und beobachte, was wirklich direktes tatsächliches Erleben ist, und was an Gedanken-Schnickschnack alles so anhaftet.
Lass erstmal den Blick entspannt durch den Raum schweifen. Ein Objekt fällt ins Auge, es wird umgehend benannt, schaust du länger auf dieses Objekt, kommen vielleicht kleine Geschichten dazu. Und immer ist da dieses "Wissen": "Das dort draußen die Wolke, ich hier drinnen der Gucker". Bist du dir der mentalen Anhaftungen bewusst, die das Sehen wie selbstverständlich begleiten/ergänzen?
Nun beobachte das Sehen an sich. Versuch nicht, die Gedanken, Benennungen und Interpretationen zu vermeiden, sondern Schenk ihnen einfach keine Aufmerksamkeit.

Findet das Sehen "Innen" oder "Außen" statt?

Kannst du in der Wirklichkeit des (visuellen) Sehens tatsächlich einen Beobachter ausmachen, der das Sehen macht, von dem das Sehen ausgeht?

Im wirklichen Erleben, angesehen von Gedanken, die dies und das behaupten mögen:
Kannst du unterscheiden zwischen dem Erlebnis (Sehen) und dem (gesehenen) Objekt?

Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Mon Dec 02, 2019 7:49 pm

Im letzten Abschnitt soll es natürlich heißen:

Im wirklichen Erleben, abgesehen von Gedanken...
Truth isn’t about knowing things; you already know too much. It’s about unknowing.

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Tue Dec 03, 2019 4:21 pm

Fokussiere deine Aufmerksamkeit mal auf das visuelle Sehen und beobachte, was wirklich direktes tatsächliches Erleben ist, und was an Gedanken-Schnickschnack alles so anhaftet.
Danke, flowings. Was da passiert is eine total andere Erfahrung, aber schwer zu beschreiben, ein Austreten aus der "gedeuteten Welt" in eine von Unmittelbarkeit, Frische und Neuheit von allem Gesehenen. Aber schwer aufrechtzuerhalten. Die Gedanken sind so hartnaecking und manchmal so belaestigend wie Stechfliegen.
Lass erstmal den Blick entspannt durch den Raum schweifen.

Ja, das in entspannter Weise zu tun macht einen riesigen Unterschied. Der Bennenungs-Prozess scheint sich zu verlangsamen.
Bist du dir der mentalen Anhaftungen bewusst, die das Sehen wie selbstverständlich begleiten/ergänzen?
Das erkenne ich jetzt ganz klar.
Nun beobachte das Sehen an sich. Versuch nicht, die Gedanken, Benennungen und Interpretationen zu vermeiden, sondern Schenk ihnen einfach keine Aufmerksamkeit.
Das geht fuer kurze Momente. Die Aufmerksamkeit will immer wieder zum "Gedanken-Schnickschnak" zurueck. Aber ich kann den Prozess klar sehen wann immer ich deinen Hinweisen folge.
Findet das Sehen "Innen" oder "Außen" statt?
Weder ... noch! Wenn ich der Frage folge is es als ob das Sehen sich mit dem Fuehlen und Hoeren verschmelzt! Was bleibt is ein einziges Erfahrungs-Feld in dem sich verschiedenartige Ereignisse abspielen.
Kannst du in der Wirklichkeit des (visuellen) Sehens tatsächlich einen Beobachter ausmachen, der das Sehen macht, von dem das Sehen ausgeht?
Nein, da ist nur Sehen (und Hoeren und Fuehlen - alles gleichzeitig)
Im wirklichen Erleben, angesehen von Gedanken, die dies und das behaupten mögen:
Kannst du unterscheiden zwischen dem Erlebnis (Sehen) und dem (gesehenen) Objekt?
Absolut nicht. Alles ist einfach nur da. Wie seltsam!

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Tue Dec 03, 2019 7:00 pm

Gut geschaut, Wolkengucker! ;)
ein Austreten aus der "gedeuteten Welt" in eine von Unmittelbarkeit, Frische und Neuheit von allem Gesehenen. Aber schwer aufrechtzuerhalten. Die Gedanken sind so hartnaecking und manchmal so belaestigend wie Stechfliegen.
Tja, so ist das mit alten Gewohnheiten. :)
Die guten Nachrichten:
Es geht gar nicht darum, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Es geht einfach um eine klare Sicht auf die Realität. Die ist ja immer da, oder? Nur meist eingehüllt in Gedanken-Ge-Schichten.
Das geht fuer kurze Momente. Die Aufmerksamkeit will immer wieder zum "Gedanken-Schnickschnak" zurueck. Aber ich kann den Prozess klar sehen wann immer ich deinen Hinweisen folge.
Eben! Das ist, was hier zählt: Klares Sehen: "Dies ist wirklich, jenes ist Glauben" (Deutung, Interpretation etc).

(Anmerkung: Natürlich sind Gedanken auch wirklich ... Aber eben nicht wahr!)

Also:
Findet das Sehen "Innen" oder "Außen" statt?
Weder ... noch!
Kannst du in der Wirklichkeit des (visuellen) Sehens tatsächlich einen Beobachter ausmachen, der das Sehen macht, von dem das Sehen ausgeht?
Nein, da ist nur Sehen
Kannst du unterscheiden zwischen dem Erlebnis (Sehen) und dem (gesehenen) Objekt?
Absolut nicht. Alles ist einfach nur da. Wie seltsam!
In der Tat!
"Beobachter", "Innen" vs "Objekt", "Außen" - das sind nur Wörter, Gedanken-Schnickschnack. Nur das Erleben ist wirklich.

Wie steht es nun mit diesem "Ich-Empfinden":
Mein Ich-Empfinden: In erster Linie ein Empfinden von visuell identifizierter Örtlichkeit: ich bin hier und alles andere is "da draussen"
?
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Wed Dec 04, 2019 1:27 pm

Es geht gar nicht darum, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Es geht einfach um eine klare Sicht auf die Realität. Die ist ja immer da, oder? Nur meist eingehüllt in Gedanken-Ge-Schichten.
Wunderbar, wunderbar! Es is so einfach hinter oder durch den Wolken in den klaren Himmel zu sehen. Einfach nur schauen ist genug!
Natürlich sind Gedanken auch wirklich ... Aber eben nicht wahr!
Schaute mir einen Film an gestern Abend. Darin beschrieb ein (fiktiver) Charakter seinen verstorbenen (fiktiven) Bruders so emotional, dass das "mich" zum Weinen brachte. Ein wenig später im Film offenbarte dieser Charakter, dass er seinen Bruder nie leiden mochte und er seine traurige Geschichte nur erfand, um andere zu manipulieren. Ich musste lachen über diese gelungene Doppe-l oder Dreifach-Verarschung: mein Weinen wegen einer fiktiven Figur die ander fiktive Figuren mit Fiktionen zum Weinen bringt. Ja, ebenso bin "ich" wirklich eine Fiktion - "based on a true story?". Noch nicht mal das ...
Wie steht es nun mit diesem "Ich-Empfinden"?
Jetzt is es überhaupt nicht mehr klar, worauf dieses Wort hindeuten soll. "Ich bin hier" macht soviel Sinn wie "hier is hier". Und es ist auch nicht klar wo sich so ein "Ich" in Relation zu einem "Tor" befinden soll. Davor, dahinter, mitten drin? Wo genau ist das Tor noch einmal? Zwischen einem "Ich" und einem "dort"? Hahahah.
Ja, hier ist jetzt viel Lachen und Kichern (idiotisch vielleicht - aber ist es denn nicht noch idiotischer von einem fiktionalen Ich ein Leben lang an der Nase herumgeführt zu werden?) . Und ein euphorisches Gefühl grenzenloser Offenheit. So sweet!

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Wed Dec 04, 2019 3:49 pm

Ach wie schön, das alles zu lesen!

Lachen und kichern über den kosmischen Witz. Oh ja!
Für mich repräsentiert der dicke lachende Buddha genau das, was dir gerade zu widerfahren scheint.

Wie sieht das nun aus? War's das jetzt?
Würdest du sagen, die Ich-Illusion wurde durchschaut?
Kristallklar, ohne jeden Zweifel?
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Wed Dec 04, 2019 6:16 pm

Mensch, verdammt nochmal, ja! So sieht's aus. Ich hab gar kein Zeitgefühl gerade, aber anscheinend geschah der Bühnenabgang meines imaginären Characters ja ziemlich rasant. Kurz und schmerzlos. Aber wie soll "ich" "mich" denn auf "mich" beziehen im Gespräch mit anderen ohne zu lachen: als der "Wolkengucker-Charakter" or "die erste Person Singular" vielleicht. Und wer sind die denn wirklich, die anderen?
Da ist jetzt eine tiefe Freude und soviel Neugier wie's weitergeht, wie sich das Leben entfalten wird nach der klaren Ich-losigkeit und mit diesem Gefühl der Leichtigkeit und Offenheit.
Vielen herzlichen Dank, flowings. Hast du mir doch den Kopf in die richtige Richtung gedreht. Gerne würde ich mit dir und anderen Gate-Crashern in Kontakt bleiben. Ist mir doch jetzt klar was ich so oft gelesen habe: das ist nur ein Anfang ...

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Wed Dec 04, 2019 7:48 pm

Lieber Wolkengucker!
we soll "ich" "mich" denn auf "mich" beziehen im Gespräch mit anderen ohne zu lachen: als der "Wolkengucker-Charakter" or "die erste Person Singular" vielleicht.
Das wird sich legen. :)

Natürlich können wir in Kontakt bleiben!
Es gibt hier im Forum einen "Further investigations"-Bereich, außerdem eine Gatecrasher-Gruppe auf Facebook. Aber ich möchte unseren Thread an dieser Stelle noch gar nicht abrupt beenden, wenn dir das Recht ist.
Nimm dir doch ein zwei Tage, alles ein wenig sacken zu lassen und berichte mir dann, wie es dir so ergeht.

Schau dir alle Bereiche des Erlebens an:
Denken, Fühlen, Hören usw.

Hier ein paar Pointer, die du benutzen kannst (oder auch nicht):

Werden die Gedanken erschaffen? Von was?
Gibt es eine Instanz, die Entscheidungen trifft?

Ist der Wolkengucker-Körper eine abgetrennte Einheit?
Was ist innen? Was ist außen? Wie wird das erlebt?
"Und wer sind die denn wirklich, die anderen?"
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Fri Dec 06, 2019 3:46 pm

Liebe/r flowings,
Hatte mir zwei Tage frei genommen um mein neues Da-Sein “ungestört” zu geniessen.
Es ist ziemlich “unspektakulär”, keine erschütternde Erdbeben oder umwerfende Soundeffekte, nur meistens innere Ruhe und gelegentlich Wellen der Euphorie. Auch die ich-Gedanken sind noch da, “ich sollte …”, “ich erinnere …”, aber die sind meistens Einladungen, mal genauer hinzugucken, und da lösen sie sich dann auch einfach auf, in dieser Weite hinein.
“Werden die Gedanken erschaffen? Von was?
Gibt es eine Instanz, die Entscheidungen trifft?“
Gedanken kommen und gehen, ich weiss nicht woher oder wohin …
Da gibt es eigentlich keine Entscheidungen, nur jede Menge von Impulsen: hinsetzen, Tasse hochheben, trinken, raus aus dem Haus, einkaufen gehen … und auch die kommen in mysteriöser Weise von irgendwo oder nirgendwo.
“Was ist innen? Was ist außen? Wie wird das erlebt?”
Da gibt es keine Abgrenzungen. Alles ist gleichermassen innen und aussen. Diesen Fragen oder Pointers zu folgen resultiert in Erstaunen und Lachen.
"Und wer sind die denn wirklich, die anderen?"
Keine Ahnung, wirklich. Im Grunde sind die anderen auch nur Erscheinungen die kommen und gehen sie so wie alles andere auch. Und doch erscheinen sie mit einer anderen Qualität, die ich nicht wirklich beschreiben kann. Besonders beim Augenkontakt, der mich intensiv auf eine Art Leere oder Offenheit hier bewusst macht.
Mit lieben Grüßen aus Wunderland

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Fri Dec 06, 2019 10:48 pm

Lieber Wolkengucker!

Ich möchte dir gerne die obligatorischen abschließenden Fragen stellen. Sie dienen dazu zu schauen, ob sich im Wonderland vielleicht doch noch das eine oder andere Rabbit Hole verbirgt. (Eigentlich hast du alles gesagt, aber nutze die Fragen einfach nochmal für die eigene Klarheit)

Ich würde mich freuen, wenn wir im Anschluss noch ein wenig weiter in Kommunikation bleiben - das ging ja recht flott vonstatten mit "dir", da kann es sicherlich nicht schaden, noch etwas Staub zu wischen :)


1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.

4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?

6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby Wolkengucker » Sat Dec 07, 2019 12:46 pm

1) Gibt es irgendwo in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "Mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?
Nein, niemals, nur ein gelegentliches Ich-Gefühl, das als permanent und unabhängig von allen Erscheinungen und Situationen misverstanden wurde.
2) Erkläre detailliert, was die Ich-Illusion ist. Wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie du es jetzt gerade erlebst.
Es scheint eine Art von Orientierungs- und Schutz-Mechanismus zu sein. Zum Beispiel wachte ich heute morgen mit einigen Traumfragmenten auf und bemerkte wie sich ein Ich-Gedankenfigur auftauchte, die sich mit dem Traum-Ich verglich, in einer Art Realitäts-Orientierung – “ich” bin wirklich aber das Traum-ich war eine Illusion. Auch zeigt sich das Ich-Gefühl immer am stärksten wenn es Probleme bei der Arbeit (“werde ICH jetzt gefeuert?”) oder im Konflikt mit anderen (“wie kann dieser Idiot es wagen so mit MIR zu sprechen?”).
3) Wie fühlt es sich an, die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Bitte berichte aus den letzten Tagen.
Eine grosse Klarheit und Ruhe, Heiterkeit und Neugierde auf ein Leben ohne falsches Ich. Ich habe eine grosse Büchersammlung spiritueller Literatur und vor dem Dialog las ich jeden Tag ein paar Seiten, dachte darürber nach und meditierte dann für eine Weile. Jetzt geht das nicht mehr. Die Antworten, die diese Bücher geben wollen, sind jetzt in meiner unmittelbaren Erfahrung. Und es ist so unglaublich einfach: “Schau doch einfach mal wirklich hin! Was siehst du? Was ist wirklich da?”
4) Was hat den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?
Deine Aufforderung: “Fokussiere deine Aufmerksamkeit mal auf das visuelle Sehen und beobachte, was wirklich direktes tatsächliches Erleben ist, und was an Gedanken-Schnickschnack alles so anhaftet.” Und deine nachfolgende Beschreibung wie sich dieser Gedanken-Schnickschack (so ein tolles Wort!) dem reinen Sehen anhaftet.
5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wofür bist du verantwortlich? Bitte gib auch ein paar Beispiele aus direkter Erfahrung. Hätte je irgendetwas irgendwie anders entschieden worden oder geschehen können?
Da gibt es nur Impulse zum Handeln die spontan auftauchen, manche stark genug um diesen Körper in Bewegung zu setzen und manche zu schwach und die lösen sich dann in eine Art Tagtraum und virtuelles Ausleben des Impulses auf. Meine Bitte um Guidance hier ist ein Beispiel. Seit Wochen kam der Gedanke dazu auf. Dann die “Entscheidung”: “Nein, besser nicht, ich brauch das nicht.” Und am nächsten Tag hat sich meine erste Email als Wolkengucker wie von selbst geschrieben. Mit der Schein-Kontrolle verschwindet auch die Verantwortlichkeit. Vielleicht ist es meine Verantwortung, diese Realsierung des Nicht-Ichs und ihre Implikationen zu vertiefen und ihr gemäss zu leben, aber dier Gedanke fühlt sich gerade wie eine andere Art von Schnickschnack an. Hätte irgendetwas geschehen können, da wäre es geschehn. Einfach so.
6) Gibt es noch etwas zu ergänzen?
Ausser deinem letzten Schubs war der beständige Fokus durch täglichen Kontakt und Emails ausschlaggebend. Deshalb möchtige ich auch weiterhin im Kontakt bleiben. Und nochmals, vielen herzlichen Dank flowings. Der Wolkengucker wurde zur Wolke, und die löste sich auf ins ….

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Re: Als ob es tausend Stäbe gäbe

Postby flowings » Sat Dec 07, 2019 1:38 pm

Lieber ..... .... ... .. .

Vielen Danke für deine Antworten!

Kleiner Hinweis:
Es scheint eine Art von Orientierungs- und Schutz-Mechanismus zu sein.
Kann sein. Aber hier befindest du dich wieder im Bereich der Spekulation, gell!?
#Gedankenschnickschnack ;)
Auch zeigt sich das Ich-Gefühl immer am stärksten wenn es Probleme bei der Arbeit (“werde ICH jetzt gefeuert?”) oder im Konflikt mit anderen (“wie kann dieser Idiot es wagen so mit MIR zu sprechen?”).
Klar, diese Verhaltensmuster sind noch da. Erlaube ihnen ruhig, weiterhin ihr Ding zu machen.
Gib auf. Widerstand ist zwecklos ;)
Sie werden immer unwichtiger und sich eventuell nach und nach auflösen. Ein häufiges Missverständnis ist zu glauben, Erwachen wäre gleichbedeutend mit dem augenblicklichen Totalausfall von sämtlichen Prägungen. Was wegfällt, ist die Identifikation mit dem ganzen Egozeugs.
Ausser deinem letzten Schubs war der beständige Fokus durch täglichen Kontakt und Emails ausschlaggebend. Deshalb möchtige ich auch weiterhin im Kontakt bleiben. Und nochmals, vielen herzlichen Dank flowings
Sehr sehr gerne!

Ich werde nun mal ein paar andere Guides bitten zu schauen, ob sie noch irgendwo nachhaken wollen.
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