Und los geht's!

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RogerW
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Und los geht's!

Postby RogerW » Mon Jun 03, 2019 9:18 am

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Ich "glaube" daran, dass es keine zusätzliche Institution zu den Wahrnehmungen und dem Denken gibt, konnte das bisher aber noch nicht aus eigener Kraft sehen. Offensichtlich gibt es da in mir blinde Flecken und erhebliche Widerstände.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Das Ziel, die Selbst-Illusion zu erkennen und zu überwinden. Die Hoffnung auf eine kompetente Begleitung. Die Idee, dass ich durch eine Verpflichtung hier (mir selbst gegenüber) meine Widerstände leichter überwinden kann. Die Neugier auf das Erkennen der wahren Natur des Selbst.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Ich praktiziere seit ein paar Jahren Vipassana, mit einem starken Fokus auf der Praxis. Das Konzept von Nicht-Selbst ist mir bekannt, aber wenn ich versuche, wirklich hinzugucken, bleibe ich immer wieder stecken. Ich denke aber, dass es mir helfen kann, dass ich schon etwas Erfahrung mit Wahrnehmung ohne kommentierende Gedanken habe.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Durch die Begleitung erhoffe ich mir, dass ich die Chance habe, meine Widerstände und blinden Flecken zu finden und zu überwinden. Vielen Dank für das Angebot!

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Barbarossa
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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Mon Jun 03, 2019 6:02 pm

Hi, ich werde dich ein Stück begleiten wenn's für dich passt.
Hast du die einführenden Worte schon gelesen?
Wenn nicht dann hol das bitte noch nach.
https://liberationunleashed.com/nation/ ... =18&t=6280


Dann legen wir mal los:
Das Ziel, die Selbst-Illusion zu erkennen und zu überwinden.
Was würde sich denn dadurch ändern?
Wie stellst du dir vor, wie es wäre, wenn das Ich als Illusion erkannt ist?

Ich praktiziere seit ein paar Jahren Vipassana, mit einem starken Fokus auf der Praxis. Das Konzept von Nicht-Selbst ist mir bekannt, aber wenn ich versuche, wirklich hinzugucken, bleibe ich immer wieder stecken.
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung von Vipassana.
Kannst du mir kurz erklären, was deine persönliche Praxis ist?
Und was würde man denn finden, wenn man hinguckt und Nicht-Selbst, also kein Selbst findet?
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RogerW
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Tue Jun 04, 2019 11:47 am

Lieber Barbarossa,

vielen Dank, dass Du mich mit Deiner Kompetenz unterstützen magst! Ich weiß das sehr zu schätzen.
Was würde sich denn dadurch ändern?
Wie stellst du dir vor, wie es wäre, wenn das Ich als Illusion erkannt ist?
Ich stelle mir vor, dass es für mich dann leichter ist, meinen Weg der Selbsterkenntnis weiterzugehen; dass es leichter wird, alte Überzeugungen und Verhaltensmuster (und meine Ängste) zu durchschauen und abzulegen oder "einzuhegen". Nach meiner Erfahrung gehe ich nicht davon aus, dass Veränderungen plötzlich passieren werden, sondern vielleicht "nur" mittelfristig. Die Erkenntnis, dass es kein Selbst gibt, wäre also eher die Grundlage für weitere "Arbeit".
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung von Vipassana.
Kannst du mir kurz erklären, was deine persönliche Praxis ist?
Gerne. Ich mach's möglichst kurz. Wenn Du mehr wissen musst oder willst, einfach nachfragen.
Das Vipassana-System ist eine sehr praxis-orientierte Reformbewegung des Theravada-Buddhismus. Wenn man gemein zu anderen Buddhisten sein will, dann sagt man, Vipassana ist die Praxis, die der Buddha wirklich gelehrt hat.

Im Zentrum meiner Praxis stehen:
  • Liebende-Güte-Meditation (unbedingte Liebe für mich und alle Lebewesen), um mein Herz zu öffnen
  • Konzentration auf den Atem, um den Geist zu beruhigen, in der Regel als Einstieg für:
  • Vipassana- oder Einsichtsmeditation
In der Einsichtsmeditation sitze ich auf dem Kissen und versuche als Beobachter:
Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühle
freundlich zu begrüßen und nur zu beobachten, ohne ihnen zu folgen (also beispielsweise nicht wütend zu werden, wenn Wut als Gefühl auftaucht, sondern die Wut weiter ziehen zu lassen). Wenn ich ein "fortgeschrittenes" Stadium erreiche, dann verschwindet auch der Beobachter, und es ist nur noch eine Art Bühne oder besser Raum da, auf der die Gedanken usw. auftauchen und wieder verschwinden. Durch diese Meditation entstehen Erkenntnisse, ohne nachzudenken. Beispielsweise über immer wiederkehrende Verhaltensmuster.
Und was würde man denn finden, wenn man hinguckt und Nicht-Selbst, also kein Selbst findet?
80 % Theorie und eigene 20 % Erfahrung: Wenn ich kein Selbst finden würde, wäre da "der Rest": Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Wahrnehmungen, Erinnerungen (sind auch Gedanken).

100% meine Erfahrung: All diese sind unbeständig und entstehen und vergehen ständig.

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Tue Jun 04, 2019 2:04 pm

Erwartungen wie es sein sollte (Glücksgefühle, Bliss, etc.) stehen dem Erkennen oft im Weg. Deshalb die Frage nach den Erwartungen.
Welchen Zweck hat denn das Beschreiten des "Weges der Selbsterkenntnis" für dich?


In der Einsichtsmeditation sitze ich auf dem Kissen und versuche als Beobachter
Ist da wirklich ein Beobachter?
Oder wird da nur eine Beobachter-Rolle eingenommenen?
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Tue Jun 04, 2019 3:30 pm

Erwartungen wie es sein sollte (Glücksgefühle, Bliss, etc.) stehen dem Erkennen oft im Weg. Deshalb die Frage nach den Erwartungen.
Welchen Zweck hat denn das Beschreiten des "Weges der Selbsterkenntnis" für dich?
Mittlerweile tatsächlich keinen mehr. Es fühlt sich gut an und stillt meine Neugier. (Das war vor ein paar Jahren tatsächlich anders, da stand so was wie Selbstoptimierung im Fokus.)
Ist da wirklich ein Beobachter?
Oder wird da nur eine Beobachter-Rolle eingenommenen?
Ja, das ist tasächlich der Knackpunkt, an dem ich hänge (oder noch nicht weiter gehe). Es fühlt sich im Moment so an, als ob der Beobachter dann nur Pause macht, wenn er nicht da ist. Aber das ist wohl die zugrundeliegende Illussion. Nur sehen tue ich das noch nicht. Ich werde mir das genauer angucken und morgen Abend berichten!

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Tue Jun 04, 2019 5:32 pm

Ich werde mir das genauer angucken und morgen Abend berichten!
Ja tu das.
Wie aber lässt es sich klären, ob es einen Beobachter gibt, oder nicht?
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Tue Jun 04, 2019 7:38 pm

Wie aber lässt es sich klären, ob es einen Beobachter gibt, oder nicht?
Ich denke, ich setze mich auf mein Kissen und gucke nach, ob ich den Beobachter von anderen Gedanken unterscheiden kann.Oder spricht da was gegen?

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Tue Jun 04, 2019 9:13 pm

Nein, das passt schon.
Schau mal nach, und berichte davon.
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Wed Jun 05, 2019 6:45 am

Ist da wirklich ein Beobachter?
Oder wird da nur eine Beobachter-Rolle eingenommenen?
Da ist definitv kein Beobachter. Ich habe mir das angeschaut, und "Ihn" auch direkt gefragt (er war etwas amüsiert, dass ich das noch nicht geschnallt habe). An der Stelle sind nur Gedanken, nichts zusätzliches. Diese Erkenntnis hat sich gut angefühlt.

Sie ist aber noch nicht sehr umfassend. So, als gäbe es doch einen Macher, aber halt nicht in dieser Situation.

Gleichzeitig ist da auch ein mulmiges Gefühl.

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Wed Jun 05, 2019 7:52 am

Da ist definitv kein Beobachter. An der Stelle sind nur Gedanken, nichts zusätzliches.
:-)
Ob Beobachter, Ich, Selbst, Macher, etc., es verhält sich überall gleich:
wenn es soetwas gibt muss es direkt gefunden werden können.

So, als gäbe es doch einen Macher
Was ist dieses "als gäbe es einen Macher"?
Sind das nur Gedanken? Sind da auch Empfindungen dabei?

Gleichzeitig ist da auch ein mulmiges Gefühl.
Warum das? Kannst du etwas genauer darauf eingehen?

Du hast auch von Widerständen geschrieben - kannst du dazu auch etwas sagen?
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Wed Jun 05, 2019 9:48 pm

Was ist dieses "als gäbe es einen Macher"?
Sind das nur Gedanken? Sind da auch Empfindungen dabei?
---
Warum das? Kannst du etwas genauer darauf eingehen?
Du hast auch von Widerständen geschrieben - kannst du dazu auch etwas sagen?
Ich denke, das passt alles vier zusammen:
Ich habe den Gedanken, dass es einen Macher geben muss, und der Gedanke ist verknüpft mit Angst, dass das nicht stimmt und ich völlig die Kontrolle verliere, wenn es den Macher nicht gibt.
Da liegt dann auch der Widerstand, genauer hinzugucken, oder vielleicht sogar eher: das, was ich sehe, nicht anzuerkennen.

"und ich völlig die Kontrolle verliere": Ich denke, ich habe Angst davor, die Möglichkeit zu verlieren, andere so zu steuern und zu manipulieren, dass sie mich ok und liebenswert finden. Dabei spielt es im Moment keine Rolle, dass ich weiß, dass ich andere Menschen nicht wirklich kontrollieren kann.

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Thu Jun 06, 2019 7:18 am

dass ich völlig die Kontrolle verliere, wenn es den Macher nicht gibt.
Wenn es wirklich Kontrolle gibt, dann kannst du sie nicht verlieren. Das geht nicht.
Die Frage ist aber nicht: "kannst du die Kontrolle aufgeben?",
sondern: "gab es jemals wirklich Kontrolle?".
Wenn es niemals Kontrolle gab war sie niemals nötig damit andere dich OK und liebenswert fanden.

Müssen andere gesteuert und manipuliert werden, damit sie dich OK und liebenswert finden?
Ist da wirklich etwas dran?
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Thu Jun 06, 2019 9:45 am

Wenn es niemals Kontrolle gab war sie niemals nötig damit andere dich OK und liebenswert fanden.
Ja genau, super! Das ist der Knackpunkt. Das gilt auch für alles andere: Erfolg, Achtung, eine liebevolle Familie, ..., habe ich erreicht, ohne die Kontrolle zu haben. Diese Einsicht muss sich aber bei mir noch etwas setzen.

Gerade habe ich die Erkenntnis: "es gibt keinen Macher" vom Kissen mit in meinen Alltag genommen, und ich achte die ganze Zeit mit Neugier darauf: In welchen Momenten kommt es mir so vor, als wäre da ein Macher am Werk, und stimmt das wirklich.

Je mehr ich zum Thema Nicht-Selbst er-fahre, desto klarer und leichter fühle ich mich, desto mehr fühlt sich mein Tag heute wie fließen an.

Das würde ich gerne heute und morgen noch im Alltag vertiefen. Ich würde mich dann morgen Abend wieder melden.
Müssen andere gesteuert und manipuliert werden, damit sie dich OK und liebenswert finden?
Ist da wirklich etwas dran?
Die Frage wollte ich eigentlich auf morgen verschieben, aber gerade beim schreiben wird mir klar: Da ist gar nichts dran. Die anderen machen wörtlich das, was sie wollen. Selbst wenn ich Kontrolle ausüben wollte, dann würde das nicht funktioneren. Und manchmal finden sie mich ok und liebenswert, und manchmal nicht.

Ich kann nur beeinflussen, wie ich mich verhalte, und im Einzelfall entscheiden, ob ich einem vermeintlich negativen Gedanken nachgehe, oder nicht. Und auch dafür brauche ich keinen Macher, das macht mein Geist auch so, meistens vollautomatisch.

Liebe Grüße,
Roger.

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Re: Und los geht's!

Postby Barbarossa » Thu Jun 06, 2019 10:01 am

Das würde ich gerne heute und morgen noch im Alltag vertiefen. Ich würde mich dann morgen Abend wieder melden.
:-) Alles klar.
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Re: Und los geht's!

Postby RogerW » Fri Jun 07, 2019 3:19 pm

Gerade habe ich die Erkenntnis: "es gibt keinen Macher" vom Kissen mit in meinen Alltag genommen, und ich achte die ganze Zeit mit Neugier darauf: In welchen Momenten kommt es mir so vor, als wäre da ein Macher am Werk, und stimmt das wirklich.
Ja, es stimmt! Es gibt keinen Macher. In keinem Moment und nirgends. Und er wird auch nicht gebraucht.

Alles passiert von alleine. Aber nicht komplett zufällig, sondern auf Basis dessen, was ich schon kann, auf Basis meiner Geschichte, meiner Fähigkeiten, usw. Ich glaube, das war auch ein Teil der Illussion: Dass ich das, was ich kann, aktiv abrufen muss, und das weg fällt, wenn es keinen Macher gibt. Aber das entfaltet sich ganz von alleine. "Entfalten" passt hier für mich sehr gut.

Auch mein Beobachter hat sich verändert. Um einen uralten Werbespruch zu zitieren, in Richtung "mittendrin statt nur dabei". Ich denke, da steckt dahinter, dass der Beobachter nicht nur Beobachter war, sondern unbewusst auch meine anderen Gedanken und Gefühle kontrollieren sollte. Besser manches unauffällig aussortieren oder wegdrücken, ohne genau hinzuschauen.

Toll!

Liebe Grüße,
Roger.


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