Erwacht und frei

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FreyaLuna
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Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Tue Feb 27, 2018 12:53 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Das bedeutet für mich aus der Gefangenschaft der Ichstruktur und dem damit verrbundenen Leid herauszufinden zu einem erfüllten Leben in Verbundenheit, Lebendigkeit und Liebe. Erkennen was meinen wahre Essenz ist. Das bedeutet für mich Liebe und Vertrauen, statt Angst zu wählen.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Die Möglichkeit, direkt in die Freiheit vorzustoßen und unmittelbar Befreiung zu erlangen. Die Hoffnung, dass es einen wirksamen, direkten Weg gibt, Der Wunsch dabei Begleitung und Unterstützung zu finden. Der Wunsch dass die Suche endlich ein Ende findet.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Ich habe über 20 Jahre VipassanaMeditation praktiziert und eine Zeitlang Mettameditation. Dabei habe ich tiefe Erfahrungen machen können, von Grenzenlosigkeit, Körperlosigkeit. Am eindrücklichsten war die Erfahrung und Erkenntnis, dass alles, was existiert, grenzenlose Liebe ist und das wir davon nie getrennt sind, und wir uns dafür nicht anstrengen müssen, da es uns immer zur Verfügung steht. Diese Erfahrungen blieben leider nicht beständig und so ist da immer eine Suche und Sehnsucht danach. Ich bin dann zum Advaita Vedanta gestoßen und habe viele Bücher gelesen von Nissargadata Maharaj, Ruperrt Spira, Jean Klein, Ramana Maharshi, Adyashanti usw. Meine Praxis hat sich verändert. Ich erlaube mir im offenen Gewahrsein beim Empfinden von "Ich bin" (Bewusstsein) zu ruhen und erforsche immer wieder die Nichtexistenz von diesem Ich, ohne große Veränderung in meinem Leben. Es bleibt sehr stabil. Ich habe auch eine Ausbildung zum MBSR-Lehrer.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Hilfestellung, ein Gegenüber, dass mir hilft klarer zu sehen, wo und wie ich mir selbst im Wege stehe. Klarheit ! Jemanden, der die Fallstricke kennt und den Weg in die Freiheit kennt, weil er/sie ihn gegangen ist. Offenheit!

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?

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Daniel777
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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Tue Feb 27, 2018 3:53 pm

Liebe FreyaLuna,

danke für Deine offene und ehrliche Vorstellung. Ich möchte Dich gerne begleiten, damit die Suche ein Ende findet.

Bitte lese Dir zuerst die "Einführenden Worte" im oberen Bereich des Forums in Ruhe durch.
Wenn es für Dich ok ist, lege für die Zeit der Untersuchung alle Lehrer und Lehren beiseite. Alles, was Du gelernt, gehört und gelesen hast ist hier zweitrangig.
Schau von nun an nur auf das, was unmittelbar von Augenblick zu Augenblick erlebt wird. Dann wird es klarer.
Diese Erfahrungen blieben leider nicht beständig und so ist da immer eine Suche und Sehnsucht danach.
Einen beständigen Zustand erreichen zu wollen hält das Hamsterrad des Suchens am laufen. Was ist schon beständig? :)
Einigen wir uns darauf, dem "erreichen wollen" erstmal weniger Beachtung zu schenken? Stattdessen schauen wir einfach mal nach, was hier und jetzt tatsächlich vorhanden ist und direkt Erfahren werden kann.

Dieses ICH, das unter der Gefangenschaft der ICH-Struktur leidet....wo genau nimmst Du es wahr? Wenn Ich Dich bitten würde auf einen Stuhl zu zeigen, dann ist klar, wohin der Zeigefinger geht. Wie sieht es mit dem in Gefangenschaft lebenden ICH aus? Zeig mal mit dem Finger auf das ICH, das da aus etwas herausfinden will. In aller Ruhe, schau nach...

Liebe Grüße
Daniel

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FreyaLuna
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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Tue Feb 27, 2018 7:10 pm

Lieber Daniel,
vielen herzlichen Dank für deine schnelle Antwort. Ich habe mich sehr gefreut, dass du dich gemeldet hast und mich bei meinen Untersuchungen begleitest. Nicht zu lesen,keinem Lehrer zu folgen ist eine große Herausforderung für mich und löst Gefühle von Hoffnungslosigkeit aus. Wie ein Entzug. Die Identifikation mit dem Sucher gibt irgendwie Trost und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit, wenn Leben anstrengend und herausfordernd ist.
Auf deine Frage,
Dieses ICH, das unter der Gefangenschaft der ICH-Struktur leidet....wo genau nimmst Du es wahr? Wenn Ich Dich bitten würde auf einen Stuhl zu zeigen, dann ist klar, wohin der Zeigefinger geht. Wie sieht es mit dem in Gefangenschaft lebenden ICH aus? Zeig mal mit dem Finger auf das ICH, das da aus etwas herausfinden will. In aller Ruhe, schau nach...


habe ich Folgendes herausgefunden:
Wenn ich nach dieser Ichstruktur suche, ist da kein greifbares Ich, das unter der Gefangenschaft leidet und doch ist da etwas, was bewusst ist, schaut und untersucht. Wie eine Bewegung und dann auch ganz still und das fühlt sich wie "Ich" an.
Es ist ganz vertraut und intim.Ich kann es nicht greifen, aber es ist zweifelslos da und weiß, was vor sich geht. Und schon entsteht eine Spaltung in etwas was beobachtet und etwas, was beobachtet wird. Was sich verändert ist nur das, was beobachtet wird und das bekommt Bedeutung, vor allem, wenn es vertraute, bekannte Gedanken, Empfindungen und Gefühle sind. Da sind Erzählungen, Erinnerungsgedanken, Zukunftsgedanken.Große Bedeutung haben Angstgedanken um die Sicherheit des Körpers. Dieses bewusste Schauen, scheint im Körper lokalisiert zu sein,an diesen gebunden zu sein. Und um das herum bildet sich die Person, mit den Erfahrungen und Geschichten. Auch wenn ich in meinen Untersuchungen erfahren kann, dass dieser Körper mir nur als Empfindungen erscheint, so kann ich dieses Konzept eines Körpers nicht fallen lassen und dass er mir gehört. Es fühlt sich so an, als ob es da ein Zentrum gibt, von dem aus geschaut, gefühlt und gehört wird. Und da ist ein Wunsch nach Kontrolle und Vermeidung von körperlichem und seelischem Schmerz. Und der ständige Wunsch einer Bestätigung dieser "Person".Dieser Positionswechsel vom Wahrnehmen zum Identifizieren/Persönlichnehmen, geht so schnell.Ich werde weiter schauen, wie dieses Empfinden von Gefangensein entsteht. Herzliche Grüße Freya Luna

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Daniel777
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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Tue Feb 27, 2018 8:43 pm

Das ist verständlich umschrieben. Danke.
zu lesen,keinem Lehrer zu folgen ist eine große Herausforderung für mich und löst Gefühle von Hoffnungslosigkeit aus.
Es ist nur ein nützlicher Tipp, es für den Moment der Untersuchung ruhen zu lassen. Vertraue auf Deine eigene Erfahrung.
Ich werde weiter schauen, wie dieses Empfinden von Gefangensein entsteht.
Tue das. Beziehe Dich dabei nur auf das, was Du auch tatsächlich erfährst, nicht auf Gedanken. Was wir hier machen ist, das was wirklich wahrgenommen wird von den Gedanken zu trennen, die die Wahrnehmung bzw. das eigentliche Erleben interpretieren. Gedanken sind nie die Erfahrung selbst.

Ich gehe vorerst nicht weiter auf Deinen letzten Post ein.
Freue mich über den weiteren Erfahrungsbericht.

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FreyaLuna
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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Wed Feb 28, 2018 10:23 pm

Nun ja, wie ging es heute so mit und ohne Ich? Ich habe eine Stunde Fahrt zur Arbeit und da lasse ich bewusst das Radio aus und versuche immer wieder als diese Präsenz zu sein. Fahren geschieht und keiner fährt, schauen geschieht und keiner schaut usw. für kurze Momente gelingt es und es gibt da Stille und Freude. Ich stelle mir auch die Frage, wem erscheint das alles? Und dann tauche ich wieder ab in Gedanken, was ansteht und was es alles zu erledigen gibt damit sind Gefühle von Schwere verbunden und Unlust.Ich muss gerade soviel tun und ich gehe da durch.Ich Kann alles wahrnehmen, wenn ich alleine für mich bin. Aber in Beziehung mit anderen geht das nicht. Dann interagiert mein Ich mit dem anderen Ich. Da spricht eine Person zur anderen. Vor allem, wenn da Gefühle im Spiel sind. Ich habe eine Kollegin, da gibt es ein Konkurrenzthema. Wenn Ihre Gruppen voll sind und meine nicht, dann nehme ich das sehr persönlich. Das hat natürlich eine lange Geschichte, dieses Gefühl nicht in Ordnung zu sein, mich abgelehnt zu fühlen, das da getriggert wird.Habe es ja auch oft zu hören bekommen von den anderen, die es ja nicht gibt ;))) Ich konnte es heute wahrnehmen. Dann ist es halt das wahrnehmende Ich. Heute habe ich viel Frustration erlebt, bei diesem Bemühen die Nichtexistenz des Ichs zu erkennen. Und manchmal denke Ich, was soll das alles, diese Anstrengung, warum ist es so mühsam zu erkennen? Ich habe mir das Buch "liberation unleashed " zugelegt und die App mit den Quotes aufs Smartphon geladen um bei der Stange zu bleiben. Ich brauche noch ein paar konkrete Übungen oder Anregungen. Nur zu schauen, wie die Ichgefangenschaft geschieht macht mich ärgerlich und frustriert mich. Bitte gehe näher darauf ein. Vielen Dank!

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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Thu Mar 01, 2018 12:26 am

Liebe FreyaLuna,

Danke für den Einblick und die Eindrücke in den Tag. Geduld mit Dir. Wir haben Zeit. :)

Frustration ist es guter Indikator, um das versuchen und erreichen wollen hier - so gut es eben geht - ad acta zu legen und einmal ganz unvoreingenommen, nüchtern und absichtslos zu schauen, was hier und jetzt wirklich vorhanden ist.

Die großen Fragezeichen im Strom der Gedanken werden dann automatisch von mal zu mal kleiner. Durch nachdenken werden womöglich weitere Jahre vergehen, ohne das klar gesehen wurde, das es kein separates ICH gibt, und nie gegeben hat. Vertrauen.

Beginnen wir mit einer simplen Übung...

Alles was gesehen, gehört, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann ist das Wirkliche, das was ist.

Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie. Die meiste Zeit bewegen wir uns in dieser Cyberwirklichkeit und nehmen gar nicht an dem Leben teil, durch das der Körper geht.


Probiere es mal aus wie es ist, in der Wirklichkeit zu sein. Dabei wirst du die Wirklichkeit auf die Namen reduzieren, die der Wahrnehmung am nächsten sind.


Mache diese Übung so häufig wie möglich über den ganzen Tag verteilt.
Benenne jede Erfahrung einfach als Farbe/Bild, Geräusch, Geruch, Geschmack, Empfindung, Gedanke.

Mache das, während du dir verschiedener Dinge bewusst wirst:
Einen Baum sehen, einfach = Bild/Farbe.
Den Kaffee riechen = Geruch.
Den Wind im Gesicht spüren = Empfindung.
Die Zahnpasta auf der Zahnbürste schmecken = Geschmack.
Ein Auto vorbeifahren hören = Geräusch.
Gedanke an die Arbeit, die Kollegin, den Konkurenzkampf = Gedanke. (Gedanken können Wörter und geistige Bilder sein).

Untergliedere einfach alle Erfahrungen in diese Kategorien, die alle direktes Erleben darstellen und berichte, wie es Dir ergangen ist.

Frag Dich auch: Findet sich unter all diesen Erfahrungen ein „Ich“, ein „Selbst“?

Freue mich wieder von Dir zu lesen.
Liebe Grüße
Daniel

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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Thu Mar 01, 2018 11:10 pm

Lieber Daniel,
vielen Dank für deine schnelle Antwort. Es ist schön, dass du sagst, dass wir Zeit haben. Es istfür mich so ein großes Geschenk, ein Gegenüber zu haben, jemanden an der Seite zu haben. Vielen Dank! Ja, Vertrauen ist auch gut. So kann ich mich wieder entspannen und doch ich bin schon so viele Jahre auf der Suche und da sind einfach so viele Zweifel. Was ist, wenn das wieder nicht funktioniert. Ichängste, ich weiß ;)) Zeit ist die Domäne des Denkens, ist das nicht so? Erwachen ist außerhalb der Zeit. Ich habe die Übungen heute immer wieder gemacht. Es braucht dafür kein Ich. Sehen geschieht, Spüren geschieht, Denken geschieht, Schmecken geschieht usw. Es läuft alles friedlich ohne dieses Mich.
Und doch finde ich deine Formulierungen irgendwie irritierend.
Alles was gesehen, gehört, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann ist das Wirkliche, das was ist.

Das kann ich so nicht nicht sehen. Alles was ich wahrnehmen kann, erscheint mit, kommt und geht und hat keinen Bestand. Wirklich kann für mich nur sein, was beständig ist und das ist das Bewusstsein, in dem das alles erscheint.

Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie

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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Thu Mar 01, 2018 11:38 pm

Lieber Daniel,
Irgendwie ist das schief gegangen mit der Antwort. Die Hälfte hat es wohl gelöscht oder nicht gesandt. Das mit dem Zitieren, habe ich verbockt. Also versuche ich es noch einmal. Du schreibst:
Gedankeninhalte können nicht wirklich erlebt werden, nur in der Fantasie. Die meiste Zeit bewegen wir uns in dieser Cyberwirklichkeit und nehmen gar nicht an dem Leben teil, durch das der Körper geht.


[/Quote. Gedanken sind doch auch nur Erscheinungen, wie alles andere auch. Und ist der Körper nicht auch nur ein gedankliches Konzept, eine Illusion,eine Cyberwirklichkeit, die es aufzulösen gilt. Was ich erlebe sind Empfindungen, die unbeständig sind, kommen und gehen, wie alle anderen Wahrnehmungen auch. Was ist der Unterschied zwischen Gedanken, Empfindungen, Geräuschen usw. Sie erscheinen alle im Bewusstsein und solange ich sie nicht ergreife, sind sie einfach. Aus dem Empfinden und Denken entsteht doch diese Person oder?
Ich habe die Übung heute immer wieder gemacht. Alles geschieht einfach mühelos. Es war schön, dem nur zuzuschauen. Friede entstand und Entrücktheit und doch war ich ganz da. Alleine geht es immer noch leichter.
Schön, dass es Dich gibt.
Herzliche Grüße
Freya Luna

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Daniel777
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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Fri Mar 02, 2018 12:07 pm

Hallo Freya Luna,
Es braucht dafür kein Ich. Sehen geschieht, Spüren geschieht, Denken geschieht, Schmecken geschieht usw. Es läuft alles friedlich ohne dieses Mich.
Prima.
Gedanken sind doch auch nur Erscheinungen, wie alles andere auch.
So ist es.
Und ist der Körper nicht auch nur ein gedankliches Konzept, eine Illusion,eine Cyberwirklichkeit, die es aufzulösen gilt.
Das Wort "Körper" bezieht sich lediglich auf die einzelnen Empfindungen, die hier und da auftauchen, ja.
Und doch finde ich deine Formulierungen irgendwie irritierend.
Frag ruhig immer wieder nach, wenn etwas unklar ist.
Mit Gedankeninhalt meinte ich etwas anderes. Dazu bitte ich Dich folgendes zu beobachten:

Nimm einen Becher oder eine Tasse und stelle sie vor dir auf den Tisch. Sieh sie so an wie du normalerweise Dinge ansiehst.

Was ist zu sehen? Was ist die reine Seh-Information, was wird nur gesehen?

Es geht am besten, wenn du entspannt erlaubst, dass die reine Seh-Information wahrgenommen wird, ohne etwas Besonderes zu tun. Du brauchst dich nicht angestrengt zu konzentrieren oder auf den Becher zu starren.

Was ist zu sehen?
Was ist nicht zu sehen?

Ist in dem, was gesehen werden kann, zb die Information "Behältnis" vorhanden, "Henkel" und wozu der Henkel da ist?
Sieht der Becher rund aus? Wie sieht die Öffnung ohne jede weitere Interpretation aus?

Achte ganz genau darauf, was gesehen werden kann und was als Interpretation, Konzept, Erinnerung hinzugefügt wurde.

Gibt es jemanden, der sieht und das Gesehene, oder wird einfach gesehen?

Bis bald
Daniel

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FreyaLuna
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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Fri Mar 02, 2018 9:05 pm

Lieber Daniel,
ich habe die Übung mit der Tasse und mit einem Glas gemacht. Ich hatte erhofft, etwas Besonderes würde geschehen. Tat es aber nicht. Irgendwie lauert etwas in mir, dass der Durchbruch endlich geschehen möge, wie so ein Aha-Erlebnis. Ich weiß, dass das Druck macht und bescheuert ist. Und dann passierte nichts Besonderes. Was habe ich erfahren:
Ich sehe und weiß auch ohne Gedanken, was es ist. Es ist vertraut und wird wiedererkannt, da braucht es keinen Begriff dazu. Wenn ich dann weiter einfach nur schaue, dann wird klar, dass das keine Bedeutung hat, schauen geschieht einfach. Der Begriff Tasse oder Glas hat irgendwie nichts mit dem zu tun, was geschaut wird. Genauso ist es mit den anderen Begriffen wie Henkel, Porzellan, durchsichtig, rund usw. Die Begriffe wirken fremd und nicht dazugehörig. Auch Kategorien wie "schön" gehören da nicht hin.Das was erscheint ist einfach, es hat keine weiteren Attribute. Das Ich als Seher wird auch nicht benötigt, aber ich tue mich etwas schwer, es nicht in einer Entfernung von "mir" zu sehen. Die Wahrnehmung kippt immer wieder in "Hier", von wo Schauen geschieht, wie ein Bezugspunkt, und "Dort" wo das Objekt erscheint.Wenn ich erkenne, dass Nah und Fern nur weitere Begriffe sind und sie fallen lasse, wird für einen Moment wieder nur Erscheinen und es gibt keine Trennung oder Distanz zum Wahrnehmen. Aber das gelingt nur kurz. Etwas will, diese Distanz immer wieder herstellen zwischen Ich hier und das Glas dort auf dem Tisch. dann habe ich meine Hand neben dasGlas gelegt und dannn waren da plötzlich zwei Erscheinungen und die Hand wurde zur gleichwertigen Erscheinung. Kein Unterschied zum Glas.Ich finde es schwierig mit dem Sehen, da es Raum, Distanz, Perspektive sugeriert.Ich weiß zwar, dass das Glas der Wahrnehmung genauso nah ist wie die Hand, aber es zu erfahren, ist schwierig.
Wenn ich die Augen schließe, verschwindet die Erscheinung, wenn ich sie öffne taucht sie mühelos wieder wieder auf.Kann kein Ich finden, dass Sehen als Aktivität macht.Und doch scheint da immer wieder ein körperlicher Bezugspunkt zu sein, von dem aus gesehen wird.
Eine weiter Frage, die mich beschäftigt:
Im Buch "liberation unleashed" wird die Frage gestellt, was ich empfinde, wenn ich höre, dass es kein separates Ich gibt?
Und dann wird empfohlen, die Angst anzuschauen, die dabei auftaucht.Aber ich fühle diese Angst nicht wirklich.Befürchtungen erscheinen, dass Leben dann sinnlos sein könnte und ohne Bedeutung, dass ich teilnahmslos werden könnte, aber ich kann die Angst nicht wirklich spüren, es ist eher Freude im Vordergrund, die Bürde, was es bedeutet getrennt zu sein, abzulegen. Ohne Ich gibt es niemanden, der verletzt ist, scheitert, Schuld ist, keiner der leidet, einsam und ungeliebt ist usw.Vielleicht ist es die Befürchtung, dass mein Leben eine Bedeutung hat, dass ich der Willkür hilflos ausgeliefert bin. Ich spüre es aber nicht. Kannst du mir da weiter helfen?
Ich kann es immer noch nicht fassen, dass du da bist und mir zur Seite stehst.Das beglückt mich zutiefst. Danke! Aber Gibt es "dich" überhaupt? Wer oder was ist Daniel?
Herzliche Grüße
Dagmar (damit bin ich schon ziemlich lange identifiziert)

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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Sat Mar 03, 2018 11:09 am

Liebe Dagmar,

ich begleite Dich gern.
Gut, wie Du es beschreibst und reflektierst. Bleib dabei, auch wenn es zu Anfang frustet. Oft rieselt die Klarheit langsam hinein. Es muss keinen Big Bang geben. Außerdem fangen wir erst an. :)
Irgendwie lauert etwas in mir, dass der Durchbruch endlich geschehen möge, wie so ein Aha-Erlebnis.
Eine Erwartungshaltung vielleicht? Diese lassen oft nicht klar sehen, was ist. Die Erfahrung, dass da weder ein ‚Jemand‘, noch ein ‚Niemand‘ ist, der kontrolliert, handelt, entscheidet und denkt, wird nicht so sein, wie Gedanken es sich vorstellen und ausmalen.
Schenk Erwartungen weniger Beachtung. Ziehen lassen...schau wie ein neugieriges, kleines Kind auf die Dinge.
Ich sehe und weiß auch ohne Gedanken, was es ist.
Wirklich?
Der Begriff Tasse oder Glas hat irgendwie nichts mit dem zu tun, was geschaut wird.
Genau.
Die Begriffe wirken fremd und nicht dazugehörig. Auch Kategorien wie "schön" gehören da nicht hin.Das was erscheint ist einfach, es hat keine weiteren Attribute
Prima.
Etwas will, diese Distanz immer wieder herstellen zwischen Ich hier und das Glas dort auf dem Tisch.
Was genau stellt diese Distanz immer wieder her?
Kann kein Ich finden, dass Sehen als Aktivität macht.
Genau, sehen geschieht einfach. Wie ist es mit den Gedanken und deren ‚Label Prozess‘? Kannst Du den Labelprozess stoppen? Oder geschieht auch das einfach?
Und dann wird empfohlen, die Angst anzuschauen, die dabei auftaucht.Aber ich fühle diese Angst nicht wirklich.
Wenn keine Angst da ist, ist keine Angst da. Nicht jeder erlebt Angst in diesem Prozess. Sollte sie auftauchen, lass es mich wissen. Dann schauen wir da hin. :)

Es ist wichtig, dass Du bitte nur untersuchst, was über die Sinne wahrnehmbar ist, ohne auf Gedanken und mentale Bilder zurückzugreifen.
Die Illusion ist nur zu erkennen, wenn wir ganz in die sog. direkte Wahrnehmung eintauchen, also alle interpretierenden Gedanken zur Seite stellen und einmal einfach wahrnehmen, was die Sinne melden.
Das Tor ist nur in der Welt der Sinne zu finden. Übe immer wieder, in die Welt der Sinne zurückzukehren.
Und doch scheint da immer wieder ein körperlicher Bezugspunkt zu sein, von dem aus gesehen wird
Wo wird dieser Bezugspunkt wahrgenommen?
Kann das, was wir „Bezugspunkt“ nennen, in der direkten Erfahrung tatsächlich gefunden werden, oder gibt es ausschließlich Gedanken über einen „Bezugspunkt“?
Aber Gibt es "dich" überhaupt? Wer oder was ist Daniel?
Eine Antwort führt Dich kein Stück ins Erleben. Finde es selbst heraus. :)

Liebe Grüße
Daniel

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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Sun Mar 04, 2018 12:52 am

Lieber Daniel,
bin auf einem Chorwochenende und habe schlechten Empfang. Das mit dem Sehen fordert mich weiter heraus. Melde mich am Sonntag wieder..
Liebe Grüße
Dagmar.
PS. Auch wenn du dein Geheimnis um deine Identität nicht lüftest, so hoffe ich, doch dass du menschlicher Natur und kein mathematischer Allogarhythmus bist :)))

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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Sun Mar 04, 2018 7:38 am

Guten morgen,

Oh wie schön. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß .
Algorithmus? Hör ich mich so an? :D
Nein nein...menschlicher Natur. Wir werden uns bestimmt noch kennenlernen.

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Re: Erwacht und frei

Postby FreyaLuna » Sun Mar 04, 2018 11:51 pm

Lieber Daniel,
war schön mein Wochenende obwohl die Egostruktur wieder voll erblüht ist im Beisein all der anderen. So eine 8ter Enneagramm- Struktur ist eine echte Herausforderung, nicht nur für die anderen, sondern auch für mich. Was auch immer dieses Ich/Mich ist. Wie ein Beobachter, der mitkriegt, was so vor sich geht. Gedanken, Verhaltensmuster, Vorlieben, Ablehnung und Scham. Da schreibe ich doch das Wort "Algorithmus" total falsch und schicke es auch noch ab. Und da sind zwei interessante Punkte. Ich habe erkannt, dass das Wort nicht richtig geschrieben ist, wusste aber nicht wie es richtig geschrieben wird. Passend zu der Sehübung, dass ich etwas erkenne ohne Gedanken.Das Wortmusster, war nicht bekannt.
Ich sehe und weiß auch ohne Gedanken, was es ist.
Wirklich?
Ja! nicht begrifflich, aber es ist wie ein Wiedererkennen, es ist vertraut, so wie das Baby auch ohne Denken die Mutter wiedererkennt oder wie ich Gedanken als Gedanken erkenne, wenn sie erscheinen und verschwinden. Oder so wie ich erkenne, dass das, was ich sehe und der Begriff nicht deckungsgleich sind.
Der zweite interessante Punkt ist, als ich die Scham suchte, war sie nicht auffindbar. Sie lässt sich nicht greifen außer in dem Satz: "Schäm Dich!" und in ein paar undefinierbaren Empfindungen. Dann war alles wieder weg. Und dann bemerkte Ich,dass es wahrscheinlich gut ist, dass ich dich nicht persönlich kenne, obwohl ich es gleichzeitig schade finde ;), aber so muss ich mir keine Gedanken darüber machen ob ich dir gefalle, es dir recht mache, du mich magst oder nicht, ob ich richtig bin oder nicht. Ich kann einfach Worte falsch schreiben und das ist völlig in Ordnung. Kennst Du den Film "Nothing personal". Da findet Begegnung statt zwischen zwei Menschen ohne eine Geschichte dazwischen. Das bleibt nicht so, aber die Frage ist spannend, wie echte Begegnung geschehen kann.
Und doch will sich da etwas immer ein Bild machen von dir. So ins Nichts hinein,bist du eine tolle Projektionsfläche. Vielleicht braucht der Mensch einfach ein Gegenüber.Oder Man schafft sich wohl eins.
Ich plaudere zuviel wahrscheinlich. Also zurück zur Untersuchung.
Das Sehen ist der schwierigste Sinn. Bin heute zwei Stunden spazieren gegangen und war ganz bei den Sinnen. Lauschen geschieht.Da gibt es keine Grenze zwischen einem Innen und Außen. Genauso mit dem Spüren und dem Denken. Ich kann immer wieder erfahren, dass ich nicht in einem Körper bin, sondern, dass mir Empfinden erscheint und durch Benennen ein Körper konstruiert wird. Der Begriff Hand ist nicht das, was wahrgenommen wird, sondern wird diesen Empfindungen zugeordnet. Ich bin stehen geblieben und da war nur lebendiges Empfinden, Geräusche und Sehen. Keiner sonst da und dann schloss ich die Augen und die Sehwelt war weg und wenn ich sie öffnete erschien sie wieder vor mir.
Der feste Bezugspunkt, nachdem du gefragt hast, den ich festmache, hat etwas mit den Augen zu tun. Naiv gesagt, befinde ich mich hinter den Augen. Kann ja auch nicht nach hinten schauen. Weiß aber, dass da was ist. Denn wenn ich mich umdrehe, erscheint es mir ja. Und ich weiß ja auch manchmal, was mir dann erscheinen wird. Auch kann ich ja meinen Körper nicht von hinten sehen, und doch scheint es ja ein Hinten zu geben, kann ich ja auf einem Foto oder im Spiegel betrachten. Wenn ich darüber nachdenke und es begreifen will, verwirrt es mich. Festigt das Nachdenken das Ich? Und es entsteht immer wiede eine Entfernung von meinem Körper," hier" und dem Baum-Objekt "dort". Die Aufmerksamkeit bewegt sich von hier nach dort.Ich hinterfrage dass natürlich und weiß dass "Baumerscheinung"der Wahrnehmung genausao nah ist wie "Handerscheinung". Aber die Hand ist mir immer noch gefühlt näher als der Baum.
Wenn ich jedoch so offen wahrnehmend spazieren gehe wird alles lebendiger offen und fließend. Freude stellte sich ein und vibrierendes Lebendigsein. Aber es switched immer hin und her zwischen dieser Offenheit und einem denkenden Ich oder Beobachter. Ist das dasselbe? Gespannt, wie sich das hier weiter entwickelt.
Schön, das du ein lebendiges Wesen bist. Nein, klingsts nicht wie Siri :))))
Wir werden uns begegnen? Das klingt ja aufregend. Wir sind uns ja auf eine Weise schon begegnet das fühlt sich nah an und ist schön.
Herzliche Grüße und eine geruhsame Nacht
Dagmar

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Re: Erwacht und frei

Postby Daniel777 » Mon Mar 05, 2018 10:50 am

Hallo Dagmar,

schön zu lesen und gut, wie du beschreibst. Ich kann nicht auf alles eingehen, sonst wird es zu viel auf einmal.
Der zweite interessante Punkt ist, als ich die Scham suchte, war sie nicht auffindbar. Sie lässt sich nicht greifen außer in dem Satz: "Schäm Dich!" und in ein paar undefinierbaren Empfindungen. Dann war alles wieder weg.
Sehr gut, genau. Damit aus Körperempfindungen Gefühle werden, müssen Gedanken hinzukommen. Im Grunde gibt es nur Körperempfindungen und Gedanken....die kommen und auch wieder gehen...
Ich kann immer wieder erfahren, dass ich nicht in einem Körper bin, sondern, dass mir Empfinden erscheint und durch Benennen ein Körper konstruiert wird. Der Begriff Hand ist nicht das, was wahrgenommen wird, sondern wird diesen Empfindungen zugeordnet. Ich bin stehen geblieben und da war nur lebendiges Empfinden, Geräusche und Sehen. Keiner sonst da..
Schön umschrieben.
Wenn ich darüber nachdenke und es begreifen will, verwirrt es mich.
...dass mir Empfinden erscheint...
Gibt es denn einen Denker der Gedanken? Schau nach....
Kannst Du eine Empfängerin oder Besitzerin, eine Eigentümerin von Empfindungen wahr nehmen?
Aber es switched immer hin und her zwischen dieser Offenheit und einem denkenden Ich oder Beobachter.
Woher weisst Du, das da ein ICH ist, das denkt? Was ist dieses „Ich”, das Gedanken denkt? Wo nimmst Du es wahr? Wie groß ist es? Wie riecht es, wie hört es sich an?

Der Prozess des Beobachtens ist da. Ist eine Beobachterin, eine Sehende involviert?
Was ist in diesem Moment hier?
Schau in die unmittelbare Erfahrung. Ist da ein Selbst – mit Ausnahme von gewohnheitsmäßigen Gedanken über ein Selbst?

Lass Dir für jede Frage einige Minuten Zeit. Löse es nicht durch nachdenken. Spüre nach....

Liebe Grüße


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