wirklich erfahren

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Mon Aug 10, 2020 12:26 pm

Ok, das habe ich jetzt mehrmals beobachtet. Einer Handlung gehen nicht immer Gedanken voraus. Viele Handlungen geschehen automatisch, ohne dass ihnen Gedanken vorausgehen.
Ja genau :)
Ja, immer wieder, wenn ich diesen Satz lese (Das ich ist ein Gedanke wie jeder andere) spüre ich Widerstand. Es ist nach wie vor ein mulmiges Gefühl.. So richtig starke Gefühle sind (noch) nicht da.
Auch das ist ganz normal. Versuche den Widerstand – wenn er aktuell fühlbar ist – genauso zu untersuchen wie die anderen Emotionen. Also ins Spüren kommen, die Gedankengeschichten ignorieren und einfach schauen was wirklich davon übrig bleibt ohne Geschichte.
Gerade hatte ich einen Anruf in Abwesenheit, ich rief meine Ärztin zurück. Schon während ich die Nummer eintippte, spürte ich ganz deutlich Herzklopfen, ein Kloß im Hals.
Es ging um ein Untersuchungsergebnis und es war alles ok.
Das veränderte körperliche Unwohlsein begann mit der Information ,Oh die Ärztin hat angerufen, es geht um dies und das.. also viele Gedanken und Gedankengeschichten, die plötzlich da waren, vieles auch aus der Vergangenheit, schlechte Nachrichten von Ärzten damals bei meinem Vater, der schwer krank war und verstarb.
Als die Ärztin am Telefon sagte, es sei alles in Ordnung, war ‚ich‘ erleichtert und die körperlichen Symptome waren sofort weg. Es war ein Gefühl von Leichtigkeit in der Brust zu spüren, ein Aufatmen.
Das war ja eine ganz aktuelle Beobachtung der Gefühle vom Feinsten :) Wunderbar...
Und ja, nichts davon muss/sollte oder wird verschwinden. Es gilt einfach nur zu untersuchen und immer wieder hinzuschauen, und vielleicht mal zu erkennen dass Gedanken und Gefühle/Stimmungen auch nicht mehr sind wie Wetterphänomene die einfach erscheinen und niemandem gehören...
Übrig bleiben Empfindungen, zB Druck im Brustbereich, Druck im Hals, Herzrasen, leichtes Zittern in den Händen. Anspannung im Nacken.
Lass es uns noch weiter runterdampfen:
Weiß das reine Spüren etwas von "Brust/Hals/Herz/Händen/Nacken"?
(Ganz spontan würde ich diese Empfindungen als negativ bezeichnen. Wahrscheinlich weil ich es nicht anders gelernt habe.) Ich hab es in Klammern gesetzt, weil ich gerade merke, dass es eine Gedankengeschichte ist.
:)
Barb, eine Frage, die sich mir gerade stellt: Sollte ich jetzt unangenehme Erfahrungen aus der Vergangenheit, die ja Erinnerungen sind und offensichtlich noch was bewirken im Körper, einfach zur Seite legen?
Weil Du ja sagtest, Emotionen nur aus der direkten Erfahrung heraus untersuchen.
Denn diese Emotionen sind ohne diese Bewertungen (Erinnerungen) einfach nur Empfindungen.
Unterdrücken oder zur Seite legen - sofern man das kann - ist nie die Option erster Wahl. Aber untersuchen, beobachten, da sein lassen, umarmen, sie als Freund der beschützen will sehen, zulassen, ist das Beste was man mit Emotionen machen kann. Einige Emotionen werden durch Erinnerungen bzw. Zukunftsängste ausgelöst und da geht es dann darum – wie du schon ganz genau erkannt hast - dass ohne Gedankengeschichten nur die Empfindungen übrig bleiben (wenn überhaupt)

Beobachte das mal im Laufe des Tages bei unterschiedlichen Gefühlen und untersuche. Versuche so oft wie möglich die Aufmerksamkeit auf das Spüren, auf die körperlichen Empfindungen zu lenken. Untersuche die Sensationen.

Schau mal ob es manchmal so ist, dass da ein Gedanke ist gefolgt von einer Emotion/Stimmung, ob es manchmal umgekehrt ist, und schau auch, ob hin und wieder vielleicht die gleichen körperlichen Empfindungen mit anderen Stimmungen assoziiert werden.

Könnte es sein, dass manche "Gefühle" einfach nur verkleidete Gedanken sind? Dass einfach manchmal nur Gedanken da sind ohne körperliche Empfindung und die auch als Gefühl bezeichnet werden?
Bei den gewohnten Vorgängen, zB morgens aufstehen, ins Bad gehen, Anziehen, das geschieht alles einfach so. Ich kann niemanden finden, der eine Entscheidung trifft, ich kann auch keinen Moment der Entscheidung festmachen. Die Dinge geschehen einfach.
Ein typisches Beispiel ist das Einkaufen, meistens kaufe ich andere ( oder zusätzliche) Dinge ein als geplant. Oder ein kleiner Hunger wird verspürt, beim Öffnen des Kühlschrankes wird nach etwas gegriffen woran ich garnicht gedacht hatte. Irgendwie witzig ;)
Haha :) Ja das könnte immer lustiger werden je mehr das Beobachten in den Vordergrund rückt. Es kann auch geschehen, dass sich ein immer größeres Amüsement beim Anschauen der Gedankengeschichten einstellt... :))
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Tue Aug 11, 2020 8:34 am

Auch das ist ganz normal. Versuche den Widerstand – wenn er aktuell fühlbar ist – genauso zu untersuchen wie die anderen Emotionen. Also ins Spüren kommen, die Gedankengeschichten ignorieren und einfach schauen was wirklich davon übrig bleibt ohne Geschichte.
Das habe ich in meinem Alltag mehr oder weniger umgesetzt. ZB heute morgen: Meine kleine Tochter hatte den Teller mit ihrem Frühstück mehrmals umgeworfen. Bei mir kam Ärger auf, ermahnende Sätze kamen aus meinem Mund wie immer.
Ich hab versucht im Körper zu bleiben, einfach zu spüren. Ich hatte den Eindruck, dass der Ärger schneller weg war als sonst.
Und ja, nichts davon muss/sollte oder wird verschwinden. Es gilt einfach nur zu untersuchen und immer wieder hinzuschauen, und vielleicht mal zu erkennen dass Gedanken und Gefühle/Stimmungen auch nicht mehr sind wie Wetterphänomene die einfach erscheinen und niemandem gehören...
Verstehe. Der Vergleich mit dem Wetter gefällt mir. Unterschiedliche Gefühle und Gedanken kommen und gehen. Also sollten wir sie annehmen wie sie sind und nicht abdriften in Gedankenspiralen. Und möglichst im Körper bleiben, weil der Körper mit seinem Sinneswahrnehmungen bleibt. Also das ‚Wirkliche‘ ist.
Lass es uns noch weiter runterdampfen:
Weiß das reine Spüren etwas von "Brust/Hals/Herz/Händen/Nacken"?
Nein. Also einfach spüren.

Unterdrücken oder zur Seite legen - sofern man das kann - ist nie die Option erster Wahl. Aber untersuchen, beobachten, da sein lassen, umarmen, sie als Freund der beschützen will sehen, zulassen, ist das Beste was man mit Emotionen machen kann. Einige Emotionen werden durch Erinnerungen bzw. Zukunftsängste ausgelöst und da geht es dann darum – wie du schon ganz genau erkannt hast - dass ohne Gedankengeschichten nur die Empfindungen übrig bleiben (wenn überhaupt)
Ok, danke für die Erläuterung.
Ein Freund, der beschützen will, ein gutes Bild :)

Beobachte das mal im Laufe des Tages bei unterschiedlichen Gefühlen und untersuche. Versuche so oft wie möglich die Aufmerksamkeit auf das Spüren, auf die körperlichen Empfindungen zu lenken. Untersuche die Sensationen.

Ja, damit habe ich begonnen. Ich werde daran denken (oder besser gesagt spüren).
Schau mal ob es manchmal so ist, dass da ein Gedanke ist gefolgt von einer Emotion/Stimmung, ob es manchmal umgekehrt ist.
Ja, mal ist es ein Gedanke gefolgt von einer Emotion, zB Spätabends das Hören der Waschmaschine, Gedanke: so spät abends? Ist viel zu laut.. war bestimmt mein Mann wer sonst.. Ärger kommt auf.

Dann heute morgen beim Aufstehen: Erst ein (waches, gutes) Gefühl, dann der Gedanke: Komisch, ich hab doch kaum geschlafen, war mehrmals wach wegen der Hitze usw..kann garnicht sein, dass ich ausgeschlafen bin..
..und schau auch, ob hin und wieder vielleicht die gleichen körperlichen Empfindungen mit anderen Stimmungen assoziiert werden.
Bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe. Kannst Du ein Beispiel nennen?

Könnte es sein, dass manche "Gefühle" einfach nur verkleidete Gedanken sind? Dass einfach manchmal nur Gedanken da sind ohne körperliche Empfindung und die auch als Gefühl bezeichnet werden?
Ja. ZB habe ich gerade den Gedanken: Morgen treffe ich nach langer Zeit eine Kollegin zum Lunch.
Keine körperliche Empfindung zu spüren.
Ist das ein verkleideter Gedanke?

Vielen Dank für Deine Geduld!

Liebe Grüße,

Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Tue Aug 11, 2020 11:16 am

Ich hab versucht im Körper zu bleiben, einfach zu spüren. Ich hatte den Eindruck, dass der Ärger schneller weg war als sonst.
Spitze :) Ja, wenn den Emotionen Raum gelassen wird kann es geschehen dass sie schneller durchziehen...
Also sollten wir sie annehmen wie sie sind und nicht abdriften in Gedankenspiralen. Und möglichst im Körper bleiben, weil der Körper mit seinem Sinneswahrnehmungen bleibt. Also das ‚Wirkliche‘ ist.
Wer weiß schon was man sollte und wer würde das bestimmen... ;) Vor allem hast du schon gesehen, dass man das nicht wirklich steuern kann. Durch derlei Untersuchungen kann es aber geschehen dass sich die Identifikation mit Gedanken und Emotionen aufweicht. Und ob der „Körper“ wirklich das „Wirkliche“ ist, das schauen wir uns demnächst mal an :)
Ein Freund, der beschützen will, ein gutes Bild :)
:)
Schau mal ob es manchmal so ist, dass da ein Gedanke ist gefolgt von einer Emotion/Stimmung, ob es manchmal umgekehrt ist.
Ja, mal ist es ein Gedanke gefolgt von einer Emotion, zB Spätabends das Hören der Waschmaschine, Gedanke: so spät abends? Ist viel zu laut.. war bestimmt mein Mann wer sonst.. Ärger kommt auf.

Dann heute morgen beim Aufstehen: Erst ein (waches, gutes) Gefühl, dann der Gedanke: Komisch, ich hab doch kaum geschlafen, war mehrmals wach wegen der Hitze usw..kann garnicht sein, dass ich ausgeschlafen bin..
Tolle Beispiele :)
..und schau auch, ob hin und wieder vielleicht die gleichen körperlichen Empfindungen mit anderen Stimmungen assoziiert werden.
Bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe. Kannst Du ein Beispiel nennen?
Manchmal haben wir einen Kloß im Hals oder einen Druck in der Brust oder ein Kribbeln im Solarplexusbereich. Auch im Kopf- Gesichtsbereich sind öfter Empfindungen die wir mit Emotionen assoziieren. Und da ist es manchmal so, dass z. B. ein aktiver Solarplexus manchmal mit Ärger verbunden wird und manchmal z.B. mit Freude. Ein Tränengefühl kann durch traurige Gedanken entstehen aber auch durch freudig Gerührtheit usw...Kommt immer draufan was im Kopfkino grade los ist... :)

Oder manchmal sind diese körperlichen Empfindungen einfach da ohne dass eine Geschichte dazu erzählt wird, dann läuft das vielleicht einfach unter „Anspannung“ (falls es überhaupt bemerkt wird). Durch sorgsames Beobachten können wir dem gut auf die Schliche kommen und die Emotionen verlieren nach und nach ihren Ping-Pong Charakter... :)

Man kann dann auch noch beobachten ob das körperliche Gefühl statisch ist und fixe Grenzen hat, oder ob es ein fließendes Phänomen ist – so wie eben die Wolken z.B...
Könnte es sein, dass manche "Gefühle" einfach nur verkleidete Gedanken sind? Dass einfach manchmal nur Gedanken da sind ohne körperliche Empfindung und die auch als Gefühl bezeichnet werden?
Ja. ZB habe ich gerade den Gedanken: Morgen treffe ich nach langer Zeit eine Kollegin zum Lunch.
Keine körperliche Empfindung zu spüren.
Ist das ein verkleideter Gedanke?
Das ist zuerst mal nur ein Gedankeninhalt :) Wenn aber der weitere Gedanke aufkommen würde: Da bin ich aber aufgeregt, oder ich hab überhaupt keine Lust dazu oder Ähnliches und keine körperliche Empfindung dabei wäre, dann wäre das ein verkleideter Gedanke... Ich weiß ja nicht wie das bei dir mit der nächtlichen Waschmaschine war, aber wenn da nur der Ärger-Gedanke war und keine Anspannung z. B., dann war auch das ein Gedanke als Emotion getarnt (wobei die Verkleidung daraus besteht, dass die Gedanken erzählen, dass es eine Emotion ist... :) )

Schaun wir doch noch weiter was die Gedanken so alles in die rohe, direkte Erfahrung hinein interpretieren:

Stelle einen Apfel (oder eine andere Frucht) vor dir auf eine weiße Fläche und untersuche:

Wo findet das Sehen statt? Draußen oder drinnen?
Gibt es eine Grenze zwischen "Außen" und "Innen"?
Schaut das pure Gesehene eher nach 2D oder 3D aus, wenn du nur auf das eigentliche Sehen achtest und nichts denkst?

Schaue genau hin: Siehst du überhaupt einen "Apfel" oder nur Farbe?
Bemerke, wie die Gedanken benennen, was gesehen wird.
Woher kennst du den Namen der Farbe?
Hat das, was du siehst bereits einen Namen wenn du es siehst? Bemerke die Lücke, die zwischen dem Sehen und dem Benennen liegt.

Gibt es jemanden, der sieht oder ist da nur sehen?
Gibt es eine Instanz/Entität, die ein wahrgenommenes Objekt wahrnimmt oder einfach nur Wahrnehmung?
Denkst du die Erfahrung oder ist da einfach nur erfahren?
Vielen Dank für Deine Geduld!
Ach liebe Lily, mach dir bloß keinen Kopf :) Es ist absolut keine Geduld erforderlich, zum einen mache ich das wirklich sehr gerne, und zum anderen ist deine ehrliche Bereitschaft genau zu schauen eine Freude... :) Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck, das hier dauert so lange wie es dauert. Zu guiden ist auch alles andere als eine Einbahnstraße... <3
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Wed Aug 12, 2020 1:52 pm

Hi Barb!

Seit gestern Abend gehts mir nicht so gut. Vermute, dass ich was Falsches gegessen habe. Melde mich morgen wieder :)
Dir einen wunderschönen Tag!

Liebe Grüße,

Lily

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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Wed Aug 12, 2020 2:17 pm

Danke fürs Bescheid geben! Stress dich bitte nicht und gute Besserung ❤️
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Thu Aug 13, 2020 10:36 am

Danke für die Genesungswünsche!
Es geht mir wieder bestens ;)

Das Gefühl der Übelkeit, dass ich die letzten Tage hatte, habe ich ebenfalls für ‚die Untersuchungen der körperlichen Empfindungen‘ herangezogen.
Ein Kloß im Hals, Druck auf dem Magen, leichtes Schwindegefühl. Mal alles gleichzeitig dann wieder einzeln auftretend.
Gedanken, die ständig sagten, wie schlecht und elend ich mich doch fühle- Selbstmitleid machte sich breit.
Die Gedanken haben die Empfindungen nicht besser gemacht, eher schlechter.
Das ging hin und her, also Gedanke- Empfindung und umgekehrt...Es war mir nicht möglich das getrennt zu beobachten.


...und schau auch, ob hin und wieder vielleicht die gleichen körperlichen Empfindungen mit anderen Stimmungen assoziiert werden.

Sehr interessant. So hatte ich das noch nicht beobachtet.
Das Beispiel mit den Tränen hatte ich gestern. Ich schaute mir ein kurzes Video an, über einen schönen Ort mit einer tollen Musik, die unter die Haut ging. Gerührtheit und Gänsehaut-Feeling. Das letztere fühlt man ja zB auch, wenn einem einfach kalt ist.
Ein Kloß im Hals hatte ich bisher nur in unangenehmen Situationen. Also bei Angst und Unsicherheit. Aber werde mehr darauf achten..

Herzklopfen habe ich in folgenden Situationen beobachtet:
Wenn ich den Schlüssel in der Türe höre ( Vorfreude).

Herzklopfen und Anspannung im Nacken:
Wenn ich als Fahrerin oder Beifahrerin nervös werde
( Angst, Kontrollverlust).
Wenn ich schneller gehe oder Dinge unter Zeitdruck erledige.
Oder manchmal sind diese körperlichen Empfindungen einfach da ohne dass eine Geschichte dazu erzählt wird..
Ja, zB ein plötzliches Ziehen im Handgelenk.
Emotionen verlieren nach und nach ihren Ping-Pong Charakter... :)
Meinst Du damit das Wechselspiel zwischen Gedanken-Emotionen, dieses Hochschaukeln? Wie weiter oben bei der Übelkeit beschrieben?
Man kann dann auch noch beobachten ob das körperliche Gefühl statisch ist und fixe Grenzen hat, oder ob es ein fließendes Phänomen ist – so wie eben die Wolken z.B...
Alle diese Empfindungen habe ich nicht als statisch empfunden. ZB die Übelkeit, das Ziehen im Handgelenk, Herzklopfen, verschwanden wieder.

Zu den verkleideten Gedanken:
...wobei die Verkleidung daraus besteht, dass die Gedanken erzählen, dass es eine Emotion ist... :))
Ganz schön raffiniert die Gedanken..
So langsam verstehe ich das..
Zb Der Gedanke, morgen habe ich einen Zahnarzttermin, dann ist das erstmal ein Gedanke, dann weitere Gedanken, die erzählen, Betäubung, Bohren, langes Mund aufhalten unangenehm..da sind aber keine körperlichen Empfindungen dabei.
Barb, eine Frage: Morgens, habe ich als Morgenmuffel schon viele Gedanken im Kopf, die eher negativ sind wie zB jetzt schon aufstehen müssen, keine Lust auf Diskussion mit meiner trotzigen Tochter, was sie anziehen soll/will. Das sind doch auch verkleidete Gedanken, oder?
Das würde ja bedeuten, dass es nur Gedanken sind mehr nicht ;)


Zu der Übung mit dem Apfel:
Wo findet das Sehen statt? Draußen oder drinnen?
Es ist einfach sehen. Der Gedanke sagt, ich bin hier und der Apfel dort drüben. Der Vorgang ‚Sehen‘ hat kein drinnen und kein draussen.
Gibt es eine Grenze zwischen "Außen" und "Innen"?
Beim Sehen kann keine Grenze bestimmt werden. Aber die Gedanken erzählen andere Dinge..
Schaut das pure Gesehene eher nach 2D oder 3D aus, wenn du nur auf das eigentliche Sehen achtest und nichts denkst?
Dann 2D.
Schaue genau hin: Siehst du überhaupt einen "Apfel" oder nur Farbe?
Eine runde Form und Farben.
Bemerke, wie die Gedanken benennen, was gesehen wird.
Woher kennst du den Namen der Farbe?
Aus der Vergangenheit, Wissen.
Hat das, was du siehst bereits einen Namen wenn du es siehst?
Nein.
Bemerke die Lücke, die zwischen dem Sehen und dem Benennen liegt.
Oh, das würde ich gerne können.
Gelingt mir noch nicht. Die Information ist sofort da.
Habe es mit verschiedenen Gegenständen probiert. Hast Du da vielleicht einen Tipp :)

Gibt es jemanden, der sieht oder ist da nur sehen?
Nur Sehen. Der Gedanke sieht das anders...
Gibt es eine Instanz/Entität, die ein wahrgenommenes Objekt wahrnimmt oder einfach nur Wahrnehmung?
Es wird wahrgenommen. Oder Wahrnehmung geschieht.
Denkst du die Erfahrung oder ist da einfach nur erfahren?
Die Erfahrung des Sehens ist einfach da.
Also da ist einfach erfahren.

..deine ehrliche Bereitschaft genau zu schauen eine Freude... :) Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck, das hier dauert so lange wie es dauert. Zu guiden ist auch alles andere als eine Einbahnstraße... <3
Es macht mir auch Spaß! Freue mich auf deine nächste Nachricht. Ein großes Dankeschön!

Liebe Grüße,
Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Thu Aug 13, 2020 12:15 pm

Oder manchmal sind diese körperlichen Empfindungen einfach da ohne dass eine Geschichte dazu erzählt wird..
Ja, zB ein plötzliches Ziehen im Handgelenk.
Ich meinte eher Empfindungen, die man ansonsten mit Emotionen assoziiert, z. B. Enge ums Herz, angespannter Bauch etc... :)
Meinst Du damit das Wechselspiel zwischen Gedanken-Emotionen, dieses Hochschaukeln? Wie weiter oben bei der Übelkeit beschrieben?
Ja und auch die Identifikation mit ihnen lässt eventuell mehr und mehr nach...
...wobei die Verkleidung daraus besteht, dass die Gedanken erzählen, dass es eine Emotion ist... :))
Ganz schön raffiniert die Gedanken..
So langsam verstehe ich das..
Zb Der Gedanke, morgen habe ich einen Zahnarzttermin, dann ist das erstmal ein Gedanke, dann weitere Gedanken, die erzählen, Betäubung, Bohren, langes Mund aufhalten unangenehm..da sind aber keine körperlichen Empfindungen dabei.
Ja genau... :)
Barb, eine Frage: Morgens, habe ich als Morgenmuffel schon viele Gedanken im Kopf, die eher negativ sind wie zB jetzt schon aufstehen müssen, keine Lust auf Diskussion mit meiner trotzigen Tochter, was sie anziehen soll/will. Das sind doch auch verkleidete Gedanken, oder?
Das würde ja bedeuten, dass es nur Gedanken sind mehr nicht ;)
Wie zeigt es sich dass sie „negativ“ sind? Sind irgendwelche körperlichen Symptome dabei (das können auch ziemlich unmerkliche, ganz subtile Empfindungen sein)? Oder bedeutet "negativ" in diesem Fall einfach dass ein anderer Gedanke erzählt dass es anders sein sollte, also dass diese vorigen Gedanken nicht da sein sollten?

Es ist halt auch immer so eine Definitionssache... Als verkleidete Gedanken bezeichne ich es wenn geglaubt wird dass Emotionen da sind (Emotionen sind körperliche Empfindungen + Geschichte), obwohl NUR Gedanken da sind. Und ja genau, wenn klar gesehen wird dass nur Gedanken da sind sind das einfach nur Gedanken so wie du schreibst...

Wo findet das Sehen statt? Draußen oder drinnen?
Es ist einfach sehen. Der Gedanke sagt, ich bin hier und der Apfel dort drüben. Der Vorgang ‚Sehen‘ hat kein drinnen und kein draussen.
Genau... Es macht nichts was Gedanken sagen, die sind wir Papageien und können nur nachplappern was gelernt wurde. Das zu erkennen reicht schon, sie müssen gar nicht aufhören... :)
Gibt es eine Grenze zwischen "Außen" und "Innen"?
Beim Sehen kann keine Grenze bestimmt werden. Aber die Gedanken erzählen andere Dinge..
Stört es was Gedanken erzählen?
Schaue genau hin: Siehst du überhaupt einen "Apfel" oder nur Farbe?
Eine runde Form und Farben.
Woraus besteht eine „Form“? Schau dir irgendein Objekt aktuell an und antworte nicht durch nach-denken... :)
Woher kennst du den Namen der Farbe?
Aus der Vergangenheit, Wissen.
Was ist „Wissen“?
Bemerke die Lücke, die zwischen dem Sehen und dem Benennen liegt.
Oh, das würde ich gerne können.
Gelingt mir noch nicht. Die Information ist sofort da.
Habe es mit verschiedenen Gegenständen probiert. Hast Du da vielleicht einen Tipp :)
Das ist einfach nur Übungssache... Probiers einfach mal mit blablablabla denken (meine ich wortwörtlich) während des Schauens... :)
Gibt es jemanden, der sieht oder ist da nur sehen?
Nur Sehen. Der Gedanke sieht das anders...
Kann ein Gedanken etwas „tun“ wie z.B. „sehen“? Oder ist das auch einfach nur eine Geschichte?
Die Erfahrung des Sehens ist einfach da.
Also da ist einfach erfahren.
Ja genau :)

Worte/Gedanken sind einfach Konzepte. Sie sind Hilfsmittel und Navigationswerkzeuge um zu kommunizieren und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Die Frage ist: Können Gedanken denn die absolute Realität verstehen?

Dafür gibt es eine sehr aufschlussreiche Übung mit einer Frucht oder etwas anderem Essbaren:

Nimm dir ausreichend Zeit zum Untersuchen und überlege vorher, was du gerne für den Zweck der Übung hernehmen möchtest und sei sicher, dass du es zu Hause hast. Bevor du es dir holst und bevor du es isst, schließe die Augen und beschreibe aus der Erinnerung den Geschmack der Frucht (oder sonstiges) ihre Textur, Farbe, den Klang den es macht beim Hineinbeißen und beim Essen. Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt.

Danach iss die Frucht und beobachte währenddessen, was du dabei wahrnimmst.

Nun schaue auf deine geschriebenen Worte und stell dir zusätzlich vor, wie du die aktuelle Erfahrung beschreiben würdest.

Nun frag dich:

Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?

Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?

Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?


Viel Spaß beim Erforschen :)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Fri Aug 14, 2020 7:27 am

Ich meinte eher Empfindungen, die man ansonsten mit Emotionen assoziiert, z. B. Enge ums Herz, angespannter Bauch etc... :)
Ach so, ok :)
Wie zeigt es sich dass sie „negativ“ sind?
Sind irgendwelche körperlichen Symptome dabei (das können auch ziemlich unmerkliche, ganz subtile Empfindungen sein)?
Direkt nach dem Aufwachen, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf. Als körperliches Symptom ist da nur Müdigkeit mehr finde ich nicht. Was wären denn subtile Empfindungen?
Beim ins Bad gehen, Zähneputzen sind einfach wieder viele Gedanken da. (Gedanken der 2.Kategorie, also Gedankengeschichten).
Oder bedeutet "negativ" in diesem Fall einfach dass ein anderer Gedanke erzählt dass es anders sein sollte, also dass diese vorigen Gedanken nicht da sein sollten?
Ja, Gedanken erzählen, dass es anders sein sollte als es ist.
Gibt es eine Grenze zwischen "Außen" und "Innen"?
Beim Sehen kann keine Grenze bestimmt werden. Aber die Gedanken erzählen andere Dinge..
Stört es was Gedanken erzählen?
Nein. Aber da ist noch eine Überzeugung/ Gewohnheit da, dass Gedanken es besser wissen. Also da ist noch ein Vertrauen in Gedanken vorhanden..Das wird bei dieser Aufgabe besonders deutlich, weil man ja Wahrnehmung und Gedanken trennen muss und die Gedanken schalten sich störend dazwischen.. Das mit dem blablabla werde ich ab jetzt öfter versuchen ;)
Woraus besteht eine „Form“? Schau dir irgendein Objekt aktuell an und antworte nicht durch nach-denken... :)
Eine Form besteht aus Farben.
Was ist „Wissen“?
Gedanken.

Bemerke die Lücke, die zwischen dem Sehen und dem Benennen liegt.
Oh, das würde ich gerne können.
Gelingt mir noch nicht...
Das ist einfach nur Übungssache... Probiers einfach mal mit blablablabla denken (meine ich wortwörtlich) während des Schauens... :)
Ja, das hilft ;) Danke!
Gibt es jemanden, der sieht oder ist da nur sehen?
Nur Sehen. Der Gedanke sieht das anders...
Kann ein Gedanken etwas „tun“ wie z.B. „sehen“? Oder ist das auch einfach nur eine Geschichte?
Ein Gedanke kann nicht sehen. Ich meinte damit, dass der Gedanke da ist: ‚Da ist jemand, der sieht’. Das ist auch wieder nur eine Gedankengeschichte.

Zu der Übung:
Ich habe mir eine Honigmelone vorgestellt.
Haben die Beschreibungen in irgendeiner Form etwas mit der eigentlichen Erfahrung zu tun?
Spontan würde ich sagen Nein. Beschreibungen sind Wörter, also wieder Gedanken.
Die Erfahrung ‚Essen‘ wird über die Sinne Schmecken, Riechen, Sehen, Hören und Fühlen wahrgenommen.

Nur in Gedanken gibt es einige Übereinstimmungen bei der Vorstellung und der tatsächlichen Erfahrung der Honigmelone.

In der Vorstellung war die Honigmelone kalt und saftig.
Diese zwei Eigenschaften stimmten mit der Erfahrung überein. Die restlichen Vorstellungen stimmten nicht überein. ( weniger süß, eher weich als knackig)
In der Vorstellung war die Honigmelone in längliche Stücke geschnitten. Beim essen hab ich sie halbiert und eine Hälfte ausgelöffelt. Und es wurde mehr gegessen als in der Vorstellung :)
Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?
Nein. Das sind Vermutungen, die auf frühere Erfahrungen basieren. Also letzendlich Gedanken.
Weiß Gedanke generell jemals etwas über Erfahrung?
Hmm, musste erstmal überlegen.
Nein. Gedanke beschreibt die Erfahrung.

Liebe Grüße,
Lily

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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Fri Aug 14, 2020 12:30 pm

Direkt nach dem Aufwachen, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf. Als körperliches Symptom ist da nur Müdigkeit mehr finde ich nicht. Was wären denn subtile Empfindungen?
Je mehr man ins Beobachten kommt, desto mehr kann man (unnötige) Verspannungen im ganzen Körper vom Kopf bis zu den Zehen wahrnehmen (nicht zu verwechseln mit Anspannungen die wir brauchen damit der Körper stabil ist und agieren kann), nur wird das meistens nicht wahrgenommen, weil die Aufmerksamkeit so sehr auf die Gedanken fixiert ist. Mit Entspannungstechniken und Achtsamkeitstraining kann man da schon einiges erreichen. Wenn du willst kann ich dir dazu gerne mal ein paar Ressourcen nennen.
Beim ins Bad gehen, Zähneputzen sind einfach wieder viele Gedanken da. (Gedanken der 2.Kategorie, also Gedankengeschichten).
Es hilft meistens auch unglaublich viel, wenn Routinetätigkeiten einen Tick langsamer gemacht werden als üblich, z.B. das ins Bad gehen, die Zahnpasta auf die Bürste geben usw... Alles langsamer als sonst, das macht auch die Gedanken langsamer und offensichtlicher... :) Darum geht es hier zwar nicht in erster Linie, aber es macht es leichter zu untersuchen.
Stört es was Gedanken erzählen?
Nein. Aber da ist noch eine Überzeugung/ Gewohnheit da, dass Gedanken es besser wissen. Also da ist noch ein Vertrauen in Gedanken vorhanden.
Einfach immer wieder nachschauen ob das was die Gedanken gerade erzählen wirklich da ist, wie gesagt – es ist einfach Übungssache... :)
Das mit dem blablabla werde ich ab jetzt öfter versuchen ;)
:))
Kann ein Gedanken etwas „tun“ wie z.B. „sehen“? Oder ist das auch einfach nur eine Geschichte?
Ein Gedanke kann nicht sehen. Ich meinte damit, dass der Gedanke da ist: ‚Da ist jemand, der sieht’. Das ist auch wieder nur eine Gedankengeschichte.
Ja, hab ich mir schon gedacht :) Ich bin nur lieber zu pingelig und hinterfrage immer wieder. In einer der Fragen könnte der Schlüssel liegen. Es geht auch gar nicht so sehr um die Fragen oder um die Antworten (es gibt keine falschen Antworten ;)), es geht einzig und alleine nur ums Schauen. Darum, diese Fragen zu finden, die dich wirklich ins Schauen bringen... :)

In der Vorstellung war die Honigmelone kalt und saftig.
Diese zwei Eigenschaften stimmten mit der Erfahrung überein. Die restlichen Vorstellungen stimmten nicht überein. ( weniger süß, eher weich als knackig)
Es geht bei dieser Frage weniger darum wie sehr die Erinnerung mit der tatsächlichen Erfahrung übereinstimmt, sondern auch ob ein Wort wie z.B. „kalt“ schon die „Kälte“ in sich trägt, oder ob z.B. bei dem Wort „süß“ Süße geschmeckt/wahrgenommen werden kann.

Hat das Wort „Süße“ irgendetwas mit der Erfahrung von „süß“ im Mund zu tun? Probier das gleich noch mal aus... :) Wenn du z.B. durstig bist und das Wort „Wasser“ denkst oder dir „Wasser“ bildlich vorstellst, kann das dann auf der Erfahrungsebene den Durst löschen? Weißt du ungefähr was ich meine?
Kann ein Wort, wie z.B. süß oder saftig, irgendetwas von der eigentlichen Erfahrung wissen?
Nein. Das sind Vermutungen, die auf frühere Erfahrungen basieren. Also letzendlich Gedanken.
Ja genau
Nein. Gedanke beschreibt die Erfahrung.
Könnte ein Gedanke jemals was beschreiben was noch nicht erlebt wurde?


Hier ist eine schöne Übung, die dir helfen kann herauszufinden ob das etikettieren wirklich so harmlos ist – sie dauert 10 bis 20 Minuten und du brauchst Papier und Schreibzeug.

Schreibe die ersten 5 - 10 Minuten alles auf was du erlebst und zwar mit ‚Ich‘:

Ich sitze hier.
Ich sehe aus dem Fenster.
Ich höre ein Auto.
Mir juckt der Fuß
Ich kratze mir meinen Fuß
Ich habe Verspannungen im Nacken
Ich schreibe hier komisches Zeugs
usw....
Reines Beschreiben, bleib dabei und achte gleichzeitig auf körperliche Wahrnehmungen.

Die nächsten 5 - 10 Minuten mach das gleiche nur ohne das Wort ‘Ich’ zu benutzen:

Sitzen
aus dem Fenster schauen
Auto hören
Vogelgezwitscher hören
Finger spüren
Nase kitzelt
kratzen an der Nase
einatmen – ausatmen
usw....
Und wieder achte auf den Körper.

Danach vergleiche beide Male:

1. Fühlt sich das eine wahrer an als das andere und wenn ja, welches?
2. Ohne Etiketten, was ist hier?
3. Beeinflussen Etiketten die Erfahrung oder beschreiben sie sie nur?
4. Ist dir ein Unterschied im körperlichen Empfinden aufgefallen?
5. Gibt es etwas was dir noch aufgefallen ist, falls ja, was?


:)
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Fri Aug 14, 2020 5:15 pm

Mit Entspannungstechniken und Achtsamkeitstraining kann man da schon einiges erreichen. Wenn du willst kann ich dir dazu gerne mal ein paar Ressourcen nennen.
Sehr gerne.
Es hilft meistens auch unglaublich viel, wenn Routinetätigkeiten einen Tick langsamer gemacht werden als üblich
Danke für den Tipp! Damit habe ich schon angefangen :)
Hat das Wort „Süße“ irgendetwas mit der Erfahrung von „süß“ im Mund zu tun?
Probier das gleich noch mal aus... :) Wenn du z.B. durstig bist und das Wort „Wasser“ denkst oder dir „Wasser“ bildlich vorstellst, kann das dann auf der Erfahrungsebene den Durst löschen? Weißt du ungefähr was ich meine?
Jetzt verstehe ich was Du meinst.
Nein, das Wort oder die Vorstellung ‚Wasser‘ kann natürlich nicht den Durst stillen.

Könnte ein Gedanke jemals was beschreiben was noch nicht erlebt wurde?
Ja, zB die vielen Gedankengeschichten oder das ‚ich‘ das ist ja auch nicht wirklich erlebbar.

Zu der Übung:
1. Fühlt sich das eine wahrer an als das andere und wenn ja, welches?
Das 2. fühlt sich wahrer an, also das Erleben ohne ‚ich‘.
2. Ohne Etiketten, was ist hier?
Wahrnehmen/erfahren.
3. Beeinflussen Etiketten die Erfahrung oder beschreiben sie sie nur?
Hm, Etiketten beeinflussen die Erfahrung nur in Gedanken. Zb bei ‚Ich sehe Farben’ erzählt der Gedanke von einem ‚Ich’ einem ‚ Jemand’, der das ‚sehen’ macht.
Bei ‚ Farbe sehen’ geht es ausschließlich um das ‚Sehen’.
Also beschreiben Etiketten nur die Erfahrung.
4. Ist dir ein Unterschied im körperlichen Empfinden aufgefallen?
Mit ‚ich’ ist das körperliche Empfinden irgendwie schwerer.
Die Sätze ohne Ich bewirken ein Gefühl von Leichtigkeit, Weite.
Bei den Sätzen ohne ‚ ich‘ ist die Wahrnehmung im Vordergrund.
5. Gibt es etwas was dir noch aufgefallen ist, falls ja, was?
Ohne ‚ich‘ ist es unpersönlicher, neutraler und angenehmer.

Einen schönen Abend!
Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Sat Aug 15, 2020 12:30 pm

Mit Entspannungstechniken und Achtsamkeitstraining kann man da schon einiges erreichen. Wenn du willst kann ich dir dazu gerne mal ein paar Ressourcen nennen.
Sehr gerne.
Ich schicke dir dafür eine PN (Ordner in der rechten oberen Ecke :) )
Jetzt verstehe ich was Du meinst.
Nein, das Wort oder die Vorstellung ‚Wasser‘ kann natürlich nicht den Durst stillen.
Ja genau :)
Könnte ein Gedanke jemals was beschreiben was noch nicht erlebt wurde?
Ja, zB die vielen Gedankengeschichten oder das ‚ich‘ das ist ja auch nicht wirklich erlebbar.
Ist das wirklich wahr, dass ein Wort/Gedanke irgendwas wissen kann was noch nicht im Erfahrungshorizont aufgetaucht ist? Nehmen wir mal an jemand kommt blind zu Welt. Gibt es irgendetwas was du tun könntest um ihm Farben zu beschreiben, könnte er sich das jemals vorstellen? Oder könnte man jemandem der taub geboren wurde den Gesang eines Vogel erklären?

Von deinen Erzählungen nehme ich an, dass deine Tochter noch recht klein ist. Da ist es eigentlich recht gut zu beobachten, wie man Kindern die Verknüpfungen von Sinneserfahrungen mit Worthülsen konditioniert. Und mit genug Vokabeln (die alle mit Erfahrungen verknüpft sind) kann dann schon begonnen werden zu kombinieren und das Kopfkino fängt an zu laufen... :)

Was ist das „Ich“ aus dieser Warte betrachtet? Ist es etwas Statisches? Ist es ein Objekt?
Ist da ein „Ich“ das atmen steuert – also ein „Atmer“, oder geschieht einfach atmen? Wie ist es beim Gehen? Oder bei den unvorstellbar aberwitzig vielen Körperprozessen die jede Sekunde ablaufen. Ist da irgendwo ein „Ich“ beteiligt?

Zu der Übung:
Sehr schön hast du das alles gesehen :)

Bleiben wir doch noch gleich beim Schreiben, denn es könnte auch geschehen, dass auffällt, dass sich ein Großteil der Gedanken um ein „Ich“ dreht, dass es nur als Gedankenkonstrukt gibt.

Kleines Experiment dazu:

Nimm dir wieder Zettel und Stift, teile ihn mit einem Strich in der Mitte und dann mache es dir zu Hause wieder richtig gemütlich, entspanne, weicher langer Atem. Schließe kurz die Augen und beobachte die Gedanken.

Und dann mache für jeden Gedanken, der sich um „Ich“ dreht einen Strich, und für jeden nicht-Ich Gedanken einen Kreis. Achte auch auf verkleidete Ich-Gedanken wie z. B. Dieses Auto ist nicht schön; das was meine Tocher anziehen will passt ja gar nicht (gefällt Lily nicht) usw....


Bin neugierig wie es damit geht... :)
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Lily234
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Sun Aug 16, 2020 10:38 am

Vielen Dank für die PN!
Ist das wirklich wahr, dass ein Wort/Gedanke irgendwas wissen kann was noch nicht im Erfahrungshorizont aufgetaucht ist?
Ok. verstehe was gemeint ist. Gedanke ist eben ‚nur‘ beschreibend/ erklärend und das hat nichts mit dem wirklichen Erleben (Erfahrung) zu tun. Das leuchtet ein.
..wie man Kindern die Verknüpfungen von Sinneserfahrungen mit Worthülsen konditioniert. Und mit genug Vokabeln (die alle mit Erfahrungen verknüpft sind) kann dann schon begonnen werden zu kombinieren und das Kopfkino fängt an zu laufen... :)
Ja, ich kann mich noch gut daran erinnern..Meine Tochter ist nun fast vier Jahre alt. ‚Ich‘ und ‚nein‘ sind ihre Lieblingswörter.. ;)
Was ist das „Ich“ aus dieser Warte betrachtet? Ist es etwas Statisches? Ist es ein Objekt?
Das ‚ich‘ ist ein Gedanke, das kommt und geht. Es kann also nichts statisches sein.
Ist da ein „Ich“ das atmen steuert – also ein „Atmer“, oder geschieht einfach atmen? Wie ist es beim Gehen? Oder bei den unvorstellbar aberwitzig vielen Körperprozessen die jede Sekunde ablaufen. Ist da irgendwo ein „Ich“ beteiligt?
Das Atmen geschieht völlig automatisch.
Auch das Gehen, ist ein komplexes Zusammenspiel von physiologischen Prozessen, die automatisch ablaufen.
Wir kriegen nichts von diesen Prozessen mit.
Gehen findet dann einfach statt.
Ja, es ist unvorstellbar, wieviele funktionierende Abläufe einfach so geschehen.
Ein ‚ich‘ ist nirgends zu finden.
Das ‚ich‘ kann nur ein Gedanke sein
.. ein sehr hartnäckiger ;)

Liebe Grüße,
Lily

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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Sun Aug 16, 2020 10:45 am

Zu dem Experiment:
Erstaunlich wieviele persönliche Ich-Gedanken auftauchen. ZB ‚Es ist sehr laut‘ ist ja auch wieder ein ‚ich‘ Gedanke. Weil ‚ich‘ das so empfinde(t).
Es waren va 90% ich-Gedanken..
In der reinen Wahrnehmung ohne Gedanken war kein ‚ich‘ zu finden. Das werde ich weiter üben :)

LG,
Lily

barb
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Re: wirklich erfahren

Postby barb » Sun Aug 16, 2020 11:37 am

Ok. verstehe was gemeint ist. Gedanke ist eben ‚nur‘ beschreibend/ erklärend und das hat nichts mit dem wirklichen Erleben (Erfahrung) zu tun. Das leuchtet ein.
Es ist schon mal ein guter Schritt dass es einleuchtet. Wichtig ist es diese vermutlich eher intellektuelle Einsicht so oft wie möglich in der Erfahrung zu überprüfen. Immer wieder die Gedanken zu erforschen und hinterfragen ob das denn wahr (also jetzt wirklich erlebbar) ist, was die Gedanken erzählen... :)
Ja, ich kann mich noch gut daran erinnern..Meine Tochter ist nun fast vier Jahre alt. ‚Ich‘ und ‚nein‘ sind ihre Lieblingswörter.. ;)
Das ist ja eine wunderbare Gelegenheit die Konditionierungsmaschinerie zu beobachten. Woher hat sie ihre Lieblingswörter? :))
Ein ‚ich‘ ist nirgends zu finden.
Das ‚ich‘ kann nur ein Gedanke sein
.. ein sehr hartnäckiger ;)
Wie macht sich das bemerkbar, dass das „Ich“ ein „hartnäckiger“ Gedanke ist?

Wie schon oben erwähnt ist intellektuelle Einsicht schon mal ganz gut, jedoch wird die Suche vermutlich erst beendet sein, wenn es zu einem Erfahrungs-basierten Erleben wird dass es kein getrenntes „Ich“ gibt. Und dahin kommt man durch das immer wieder nachschauen mit der direkten Erfahrung und dem Nichtfinden einer solchen getrennten Entität...
Zu dem Experiment:
Erstaunlich wieviele persönliche Ich-Gedanken auftauchen. ZB ‚Es ist sehr laut‘ ist ja auch wieder ein ‚ich‘ Gedanke. Weil ‚ich‘ das so empfinde(t).
Es waren va 90% ich-Gedanken..
In der reinen Wahrnehmung ohne Gedanken war kein ‚ich‘ zu finden. Das werde ich weiter üben :)
Wieder einmal super gesehen! Ja genau, einfach weiter beobachten... :)

Passend zum Thema Körper (Bodyscan) ist hier eine wundervolle Übung:

Finde wieder einen ruhigen Ort und eine ruhige Zeit.
Lege dich hin, schließe die Augen und entspanne dich so gut es geht.
Gedanken mögen die Situation vielleicht beschreiben als "Ich liege hier" oder "Mein Körper liegt hier" oder "Ein Körper liegt hier auf einem Sofa".
Versuche jedoch diese beschreibenden Gedanken für die Dauer der Übung auszublenden und in einer entspannten Art und Weise nur Empfindung zu betrachten

Wenn du dort angekommen bist, betrachte bitte folgende Fragen:

Kannst du im Spüren erkennen, wie groß der Körper ist?
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?

Hat der Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?

Nur im Spüren, weißt du wie viel Zehen da sind, weiß das Spüren überhaupt was von Zehen?

Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen? Wohnt Wahrnehmung an einem bestimmten Ort?
Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?


Viel Freude mit der Körperübung :)
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Lily234
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Re: wirklich erfahren

Postby Lily234 » Mon Aug 17, 2020 9:27 am

immer wieder die Gedanken zu erforschen und hinterfragen ob das denn wahr (also jetzt wirklich erlebbar) ist, was die Gedanken erzählen... :)
Ja, ok.

Das ist ja eine wunderbare Gelegenheit die Konditionierungsmaschinerie zu beobachten. Woher hat sie ihre Lieblingswörter? :))
Mit ungefähr 2,5 Jahren sprach meine Tochter plötzlich nicht mehr von sich in der 3. Person sondern von ‚ich’ Vorher war die Person im Spiegel ein Spielkamerad und plötzlich sagte sie dann ‚ich‘, Ich will das anziehen, die Schuhe mag ich nicht...Sie erfuhr, dass sie etwas wollen kann und, dass ihr Sprechen und Verhalten was bewirkten.
Seit der Wille entdeckt wurde gibt es viele Konflikte und Diskussionen :)
Wahrscheinlich nahm sie vorher, bevor sie das ‚ich‘ entdeckte, einfach nur wahr. Also das Denken war noch nicht so aktiv.
Wie macht sich das bemerkbar, dass das „Ich“ ein „hartnäckiger“ Gedanke ist?
Dieser ‚Ich- Gedanke schleicht sich sehr oft in das Geschehen ein. (Das ist eine Gedankengeschichte)
Es gibt keine hartnäckigen Gedanken, nur Gedanken ;)


Zu der Entspannungsübung:
Kannst du im Spüren erkennen, wie groß der Körper ist?
Nein.
Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?
Nein.
Hat der Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?
Nein.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Kleidung?
Nein. Da ist nur spüren.
Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?
Nein, wieder nur spüren da.

Nur im Spüren, weißt du wie viel Zehen da sind, weiß das Spüren überhaupt was von Zehen?
Nein.
Gibt es ein innen oder außen? Falls es ein innen gibt - innen wovon genau?
Falls es ein außen gibt, das Außen wovon genau?
Es gibt nur spüren.
Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen?
Der Körper wird wahrgenommen.
Wohnt Wahrnehmung an einem bestimmten Ort?
Nein.
Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?
Nein. Wenn die Gedanken ignoriert werden, fehlt nichts.

Sehr entspannend diese Übung.

Einen wunderschönen Tag,
Lily


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