Gesehen auflösen

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Barbarossa
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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Tue Aug 04, 2020 8:35 am

Gedanken, die mich schmerzen oder die mir Angst machen, versuche ich zu vermeiden, weil ich erfahren habe, dass sie schlecht für mich sind...
Dass ich den Gedanken wechsele ist aber kein Automatismus, ich muss erst den Schmerz zu spüren beginnen, um dann aktiv einzuschreiten.
Lässt nicht gerade dieser Umstand darauf schließen, dass es keine Kontrolle darüber gibt?


Was genau gibt dir absolute Gewissheit darüber, dass es Kontrolle darüber gibt Gedanken wegzuschieben/ andere Gedanken zu denken?
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VickyAachen
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Mon Aug 10, 2020 9:56 pm

Guten Abend,
mich lässt mein aktives Tun des Wegschiebens der Gedanken in meinem Kopf darauf schließen, dass ich ein gewisses Maß an Kontrolle habe. Ich erlebe es so. Die Verhaltenstherapie fußt darauf. Was kommt, ist zufällig, was bleiben darf, kann ich entscheiden.
Ich fühle mich hier etwas ratlos. Ich habe einen Bachelor in Psychologie und mich über Literatur und verschiedene Kreise mit Buddhistischen Ideen auf einfachstem Niveau beschäftigt. Beides hat mir Möglichkeiten geben, über die Theorie des Denkens nachzudenken und meinen Blick an den Konventionen der Psychologie mit buddhistischen Einsprengseln ausgerichtet. Gleichzeitig habe ich in meinem Alltag den Eindruck, dass ich eher Problem habe, Grenzen zu ziehen, als sie aufzuheben. Diese Mischung gibt mir gerade den Eindruck, nicht weiter zu kommen, nicht die „richtigen“ Antworten auf Deine Fragen zu haben und zu geben.

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Mon Aug 10, 2020 10:57 pm

mich lässt mein aktives Tun des Wegschiebens der Gedanken in meinem Kopf darauf schließen, dass ich ein gewisses Maß an Kontrolle habe. Ich erlebe es so. Die Verhaltenstherapie fußt darauf. Was kommt, ist zufällig, was bleiben darf, kann ich entscheiden.
Wenn ein Gedanke als unangenehm empfunden wird kann er weggeschoben werden, das ist klar.
Aber warum setzt das ein Ich voraus, welches darüber entscheidet, das kontrolliert und aktiv tut?
Vielleicht benötigt eine Entscheidung gar kein Ich.
Vielleicht benötigt das aktive Tun des Wegschiebens der Gedanken kein Ich.


Ich erlebe es so > sehr schöner Satz, und das Erleben ist auch das einzige was zählt.

Das Wegschieben von Gedanken kann erlebt werden.
Wird beim Gedankenwegschieben auch ein Ich erlebt?

Das Treffen einer Entscheidung kann beobachtet und erlebt werden.
Wenn die Entscheidung getroffen wird einen Gedanken wegzuschieben - Kann ein Ich dabei erlebt werden?
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Sun Aug 16, 2020 8:40 pm

Nun, eine Handlung setzt einen Handelnden voraus, der willentlich handeln kann. Wie dieser bezeichnet wird, finde ist zweitrangig, für mich bin „ich“ es, die handelt. Etwas empfindet, etwas agiert, das ist „ich“.
Die Veränderung durch das Wegschieben von Gedanken wird durch etwas erlebt, das bin „ich“ für mich.
Mein Ich-Erleben besteht also quasi im Erleben des Initiierens von Handlungen, dem Erleben von Handlungsfähigkeit und der Handlungs-Konsequenzen.

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Sun Aug 16, 2020 9:03 pm

Nun, eine Handlung setzt einen Handelnden voraus, der willentlich handeln kann.
Das verstehe ich nicht.
Hier wird gelesen, nachgedacht - Gedanken kommen auf, eine Antwort wird geschrieben - Finger tippen.
Handelnder ist hier aber keiner.
Auch keiner der empfindet oder erlebt.
Wenn hier hingesehen wird können Handlungen beobachtet werden. Von einem Handelnden ist aber keine Spur.
Etwas empfindet, etwas agiert
Ganz sicher? Wie sieht dieses Etwas aus?
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Thu Aug 20, 2020 9:30 pm

Was tippt, in was kommen die Gedanken auf, was liest oder denkt? Wie kann eine Handlung ohne Handelnden sein? Und was ist der Körper, den ich handeln lasse - wenn nicht ich?

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Thu Aug 20, 2020 9:46 pm

Das sind sehr gute Fragen.
Meine vorige blieb aber unbeantwortet:
Etwas empfindet, etwas agiert
Ganz sicher? Wie sieht dieses Etwas aus?
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Wed Aug 26, 2020 9:15 pm

Es spürt Trauer vorne unter der Schädeldecke, Wut und Ärger weiter hinten. Damit muss es zumindest die Empfindungen haben (können) und die Zellstrukturen unterhalb der Schädeldecke sein. Ob "ich" (mein Körper) dort als ganzer Mensch dranhänge, ist vielleicht zweitrangig.

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Wed Aug 26, 2020 11:36 pm

Findest du da wirklich etwas oder ist das nur eine Vorstellung dass da ein Selbst unter der Schädeldecke ist?


Ein täglicher Austausch wäre äußerst hilfreich.
So spärlich wie wir hier kommunizieren lässt sich kein Fokus aufbauen.
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Thu Aug 27, 2020 10:18 pm

Die beschriebenen Gefühle habe ich unter der Schädeldecke empfunden, ohne sie dorthin gelenkt zu haben. Es ist nicht die Vorstellung, dass da das "ich" ist, sondern es sind auch Orte, an denen ich spüre.
Ich versuche, häufiger / schneller zu antworten.

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Thu Aug 27, 2020 10:45 pm

Ich versuche, häufiger / schneller zu antworten.
Spitze! :-)


Versuche als nächstes bitte folgendes:
nimm dir ein paar Minuten Zeit, setze oder lege dich hin, lass mal alles zur Ruhe kommen und
beobachte ganz locker und ungezwungen, was jetzt wahrnehmbar ist.
Wenn du dann das ganze Spektrum der Wahrnehmung zerlegst, dann ist da:
Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Körperempfindungen, Gedanken.
Kannst du noch etwas anderes wahrnehmen, wenn ja, was genau, oder ist das alles?

Übe alle Eindrücke auf das zu reduzieren, was Jetzt, in diesem Moment, erfahren werden kann, im
Gegensatz zu den Geschichten, die erzählt werden, den Benennungen, den Erklärungen, die alle
Inhalt von Gedanken sind.

Mach diese kleine Übung die nächste Zeit.
Alle täglichen Aktivitäten werden mit dem benannt, was mit den Sinnen erfahren wird: Farbe/Form,
Geräusch, Geruch, Geschmack, körperliche Gefühle und die Gedanken, die beobachtet werden.

Wenn du z.B. frühstückst kannst du alles was du tust auf folgendes zurückführen:
Eine Tasse sehen = Farbe/Form
Kaffee riechen = Geruch
Die Wärme des Kaffees spüren = körperliches Gefühl
Den Kaffee schmecken = Geschmack
Das umrühren des Löffels hören = Geräusch
Der Gedanke „Gleich nehme ich den ersten Schluck“ = ist einfach nur ein Gedanke

Mach das mal eine Weile und teile mir mit was dir dabei auffällt.
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Re: Gesehen auflösen

Postby VickyAachen » Sun Aug 30, 2020 11:13 am

Guten Tag,
mir ist nicht klar, worauf Du hinaus möchtest, so dass mir nichts aufgefallen ist. Die meisten Dinge, die ich tue, sind Automatismen. Ich frühstücke recht automatisch, gebe mir Mühe, zu schmecken, um das Frühstück zu erleben und versuche, zu fühlen, dass ich satt bin. Mir fällt es leicht, körperliche Empfindungen nicht zu spüren. Das Frühstück war dennoch lecker.
Schönen Sonntag.

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Re: Gesehen auflösen

Postby Barbarossa » Sun Aug 30, 2020 1:48 pm

Das ist als Übung gedacht, die öfters am Tag gemacht werden soll.
Alle täglichen Aktivitäten sollen mit dem benannt werden, was mit den Sinnen erfahren wird:
Farbe, Geräusch, Geruch, Geschmack, Gefühle und die Gedanken, die beobachtet werden.

Wenn du z.B. frühstückst kannst du alles was du tust auf folgendes zurückführen:
Eine Tasse sehen = Farbe/Form
Kaffee riechen = Geruch
Die Wärme des Kaffees spüren = körperliches Gefühl
Den Kaffee schmecken = Geschmack
Das umrühren des Löffels hören = Geräusch
Der Gedanke „Gleich nehme ich den ersten Schluck“ = ist einfach nur ein Gedanke

Mach das mal eine Weile und teile mir mit was dir dabei auffällt.
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