Crashkurs im Erwachen

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KatjaLue
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Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Thu Jan 16, 2020 11:51 am

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Für mich bedeutet es das Ende allen Leidens, das Ende allen Schmerzes. Ich durfte das in kurzen Momenten erfahren. Diese Momente waren von solcher Schönheit, von solcher Leichtigkeit und hemmungslosen Freude. Sie waren so schön, dass ich sie dauerhaft erleben wollte.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Ich habe eben eine Kritik über Anssi Antila gelesen und der Kritiker verwies auf diese Seite. Anssi soll erwacht sein, was der Kritiker als Aussage nicht teilt. Ich habe heute morgen ein Interview mit Anssi gesehen. Seine Worte haben mich angesprochen und ich konnte innerlich mitgehen. Ich bin nun dem Verweis des Kritikers gefolgt, lese hier die Anfänge und bin beeindruckt, dass so etwas im Netz existiert. Ich folge gerade einer Inspiration und bin gespannt was daraus entsteht. Ich habe mich noch nie an einem Forum im Netz beteiligt und möchte nun so ehrlich wie es mir möglich ist, diese Fragen beantworten. Ich meine eben gelesen zu haben, dass es bei den Antworten mehr um die Erfahrung gehen soll als um Theorie und Wissen. Das möchte ich gerne tun. Dann habe ich etwas im Forum gelesen und ich konnte doch einigem nicht mehr so folgen. Ich hatte das Gefühl, es wäre mir zu theoretisch. Dann ist mir aufgefallen, dass es vielleicht auch mit der Übersetzung ins deutsche zusammen hängt. Dann habe ich versucht deutsche Schreiber zu finden. Das ist mir aber nicht gelungen. Macht aber auch gar nix.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?

Seitdem ich meine zu denken, erinnere ich mich, das ich jeden Tag mit folgendem Gefühl oder Gedanken aufgewacht bin: Schon wieder ein Tag. Muss das sein? Ich will nicht.
Mein Leben fühlte sich schon in jungen Jahren wie Pflicht an. Daran hat sich bis vor kurzem nicht viel geändert. Ich bin jetzt 45. Allerdings hat es dazu geführt, dass ich alles in Frage stellte und ich nach anfänglich totaler Ablehnung gegen Spirituelles genau diesen Weg beschritt. Reiki war der Beginn, intensive Beobachtung meiner Gedanken folgte. Nach der heftigsten Sinnkrise meines bisherigen Lebens, in der ich kurz davor war mir Gedanken über Selbstmord zu machen, begann ich EIN KURS IN WUNDERN. Die für mich radikalste und konsequenteste Lehre, der ich bisher gefolgt bin.
Jahre vor dem KURS und bis Anfang diesen Jahres führte ich mit meinem Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dieser Betrieb war mein Baby. Ich hielt es für mein Lebenswerk. Jahrelang war es die manifestierte Vision meiner Träume. Im Mai ließ ich das alles hinter mir. Geistiges Loslassen ist bisher mein liebstes Thema gewesen. Erst habe ich wochenlang geweint, dann habe ich begonnen alles was mich bewegt nieder zu schreiben. Dann bin ich gepilgert und seit über zwei Monaten verbringe ich die meiste Zeit auf dem Sofa. Ich sehe mir oft Videos von Weisheitlehrern an. Meditieren und gebe unterschiedlichen geistigen Lehren in mir einen Raum. Eckhart Tolle ist derzeit einer meiner Favoriten.
Gerne bin ich mit Menschen zusammen. Wenn ich ihnen zuhöre, höre ich auch mich. Es ist wunderbar was das Miteinander bewirken kann. Genauso wichtig ist mir die Stille des Alleinseins.
Das ist aus einer Perspektive geschrieben, die die letzten 2 Tage nicht berücksichtigt. Seit kurzem ist etwas anders. Ich habe das Gefühl einen Zustand aufrechterhalten zu können, nach dem ich mich lange gesehnt habe.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?

Neue Einsichten zu erlangen oder vorhandene Einsichten zu vertiefen wäre schön.
Ich frage mich auch gerade, ob ich Bestätigung für vorhandene Ansichten haben will, oder Anerkennung für meinen Weg. Das ist es nicht. Das war es früher und das früher liegt noch nicht lange zurück. Mir ist aufgefallen, dass der Wunsch nach Bestätigungen und Anerkennung mich in der Identifikation mit meinem Ego oder mit meinem Selbst hält und ich nicht die tolle Freiheit spüre, aufzugehen in etwas größerem.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Fri Jan 17, 2020 8:14 pm

Hallo,

Mein Name ist Daniela und ich werde Dich hier begleiten. Kurz noch etwas organisatorisches...bitte melde Dich spätestens jeden zweiten Tag. Solltest Du in Urlaub gegen ist das kein Problem. Gib nur Bitte Bescheid.

Wir werden mit Fragen und Übungen arbeiten. Bitte berichte immer aus der direkten, frischen Erfahrung.

Ist das ok für Dich?

Herzliche Grüsse

Daniels
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Fri Jan 17, 2020 9:31 pm

Hallo Daniela,
vielen Dank, dass Du mich begleitest. Das Organisatorische ist kein Problem. Ich freue mich auf die Übungen und Fragen.
Liebe Grüße
Katja

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Mon Jan 20, 2020 3:34 am

Hallo Katja,

Schön😊

Magst du Deinen Weg hierher schildern? Was hast du bis jetzt versucht um die Ich-Illusion zu durchschauen? Gab es einen Grund warum du dich mit dem Thema begonnen hast auseinanderzusetzen? Gibt es Meditationspraxis? Erzähl doch einfach mal...
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Mon Jan 20, 2020 7:54 am

Hallo Daniela
Ich habe immer wieder Zeiten im Leben gehabt, in denen ich mich leichter, unbeschwerter fühlte als in anderen. Ich wollte die schmerzhaften Momente erträglicher machen. Ich wollte herausfinden, was dieses Leichtersein ausmacht und ich wünschte es mir als dauerhaften Zustand.
Ich stellte fest, dass es oft Momente waren, in denen ich die Gedanken ziehen lassen konnte und nicht an einigen bestimmten krampfhaft festhielt. Dann wurde es stiller und ruhiger in mir. Das war meine Art zu meditieren. Dafür musste es nicht unbedingt still sein. Das ging auch in der Begegnung mit einem Menschen in einem Gespräch.
Mit Ein Kurs in Wundern lernte ich etwas über das Ego, die Identifikation damit und die Illusion dessen. Eckhart Tolle nahm mich mit auf die Reise zum gegenwärtigen Moment. Und da bin ich nun. Schmerzhafte Momente sind geblieben. Heute Nacht waren sie da. Ich spüre in diesem Augenblick ein Ziehen im Unterleib. Doch es ist nicht mehr so unangenehm wie die Stunden zuvor. In dem Moment, als ich deine Nachricht bekam, fokussierten sich meine Gedanken auf die Beantwortung deiner Fragen und die Gedanken an ein unangenehmes Gefühl im Unterleib traten in den Hintergrund. Der Schmerz ließ nach.
In diesem Moment wird mir deutlich, dass nichts von mir entschieden wird. Meine Gedanken kommen und gehen. Meine Empfindungen ebenso. Ich habe nichts im Griff.
Seitdem ich hier registriert bin, sind ja schon einige Tage vergangen und im Forum und in der App habe ich gelesen. Ein paar Übungen zur direkten Erfahrung habe ich gemacht. Die Tomate, auf die ich mich konzentriere wird durch Gedanken vielfältig benannt und gedeutet. Meine Gedanken haben ihr die gesamte Bedeutung gegeben, die sie für mich hat. Was bleibt übrig, wenn ich alle Gedanken über die Tomate beiseite lege und einfach nur schaue? Übrig bleibt nur das Schauen. Alles was über Schauen hinausgeht ist Gedankeninhalt.
Die Übungen zum direkten Wahrnehmen haben mir gezeigt, dass das Ich nur als Gedankeninhalt vorhanden ist, also nicht real ist.
Es ist so einfach und doch auch wieder nicht. In einem Moment habe ich es durchschaut und im nächsten Moment fühlt sich das Ich wieder total real.
Liebe Grüße

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Wed Jan 22, 2020 8:37 am

Hallo liebe Katja,

ich habe leider momentan immer wieder Internetprobleme (danke Vodafone) deshalb war es jetzt etwas unregelmässig.

Wenn du sagst das die Tomate(ich beziehe mich auf deinen vorherigen Post) immer wieder unterschiedlich benannt und wahrgenommen wurde dann stellt sich doch die Frage wer nimmt denn hier wahr? Welche Instanz benennt und nimmt wahr? Welche Beschaffenheit hat diese Instanz? Wo ist sie zu finden? Ist dieses Wahrnehmen ein willentlicher Akt?

Ich bin gespannt auf deine Antworten

Liebe Grüße
Daniela
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Thu Jan 23, 2020 3:02 am

Liebe Daniela,
Mach Dir keine Gedanken übers Antworten. Es passiert immer zum richtigen Zeitpunkt.

Zu deinen Fragen:
Die Augen nehmen die Tomate wahr. Die Gedanken benennen sie. Das geschieht.
Wenn es ein willentlicher Akt wäre, müsste es eine Instanz geben, die sowohl die Augen als auch die Gedanken kontrolliert. Dafür könnte das Ich in Frage kommen oder Gott, der Teufel oder mein Hypnotiseur.
Jetzt mal wieder ernsthaft: Wenn es das lch ist, wo finde ich es? Mit meinen fünf Sinnen kann ich es nicht wahrnehmen. Dann kann es nur noch ein Gedanke sein oder vielmehr ein Gedankeninhalt, an den ich glaube. Aber wie kontrolliert ein Gedankeninhalt einen anderen Gedanken? Und wie kann ein Gedankeninhalt, der nicht real ist eine reale Tomate sehen. Das Ich kann also nicht der Entscheider oder Wahrnehmer sein, da es selbst nur ein Gedanke ist. Es existiert kein Entscheider oder jemand, der wahrnimmt.
Liebe Grüße

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Sun Jan 26, 2020 9:05 am

Richtig. Da ist Niemand der wahrnimmr und trotzdem geschieht Wahrnehmung. Tricky wird es immer wenn die Gedanken beginnen sich mit etwas (hier einem Ich) zu identifizieren.

Wie würdest du den freien Willen definieren bzw haben wir einen freien Willen?

Herliche Grüsse
Dani
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Sun Jan 26, 2020 10:16 pm

Hallo Daniela,
für einen freien Willen braucht es Entscheidungen. Gedanken an sich können sich nicht entscheiden. Also würde es einen Entscheider benötigen. Doch den kann ich wieder mit meinen fünf Sinnen nicht ausmachen. Also ist auch er ein Gedanke. Wie soll ein Gedanke über einen anderen Gedanken entscheiden?

Es gibt keinen freien Willen. Dieser Satz ist nicht einfach nur daher gesagt. In diesem Moment ist es eine Kapitulation von allem bisher geglaubten und es ist gut. Es ist wie ein tiefer Fall ohne Boden und gleichzeitig ein Befreiungsschlag.
Liebe Grüße
Katja

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Wed Jan 29, 2020 8:21 am

Guten Morgen,

gibt es deinerseits Themen die wir ansprechen sollen? Offene Fragen?

liebe Grüße
Daniela
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Wed Jan 29, 2020 2:28 pm

Liebe Dani,

zwar ist das Nicht-Selbst erkannt, aber die Ich-Geschichten laufen weiter. Das ist auf jeden Fall ok und interessant. Als ich mich fragte, ob noch Themen anzusprechen seien, kam erstmal nix.
Dann sprang die Gedanken-Maschine an:"Heute morgen hab ich doch dieses Gefühl gehabt und gestern jenes und hier und da fühle ich mich nicht gut. Und die Beziehung zu Mutti und die Situation mit dem Bekannten im Altenheim und mein Nichtstun, das doch irgendwann mal ein Ende haben muss und diese kleine leise Stimme ist doch auch noch da, die immer im Hintergrund ist und sagt: da ist doch noch was herauszufinden, da muss doch noch der Aha-Moment schlechthin kommen, der meine Wahrnehmung total verändert, vielleicht muss ich einfach noch mehr üben."
Während diese Gedanken kamen, waren meine Sinne ausgeblendet. Ich war auf einmal total in dieser Geschichte drin und fühlte mich in ihr gefangen. Ich bekam kalten Schweiß und fühlte mich unwohl.
Kurz darauf kam der Gedanke: Es ist nur eine Geschichte im Kopf. Darauf folgten weitere Gedanken über das Ich und seine Nichtexistenz und ich musste über die ganze Situation lachen.
Interessant war, wie stark die Sinneswahrnehmungen ausgeblendet werden, wenn man im Kopf ist. In den Gedanken geht es nur noch um Vergangenheit und Zukunft. Da ist kein Platz für die Sinne in diesem Augenblick.

Hab keine offenen Fragen.

Einen schönen Tag wünsche ich Dir
Katja

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Thu Jan 30, 2020 1:51 pm

Dann lass uns doch zum Spass noch auf diese Gedanken eingehen.

Gibt es eine Instanz die sich an diesen Gedanken stört? Ist da etwas?

"Wer" wartet darauf das das ultimative Erlebnis stattfindet?

Ist es nicht so das die Gedanken im Kopf einfach laufen?
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Fri Jan 31, 2020 12:54 am

Ja, lass uns Spaß haben.

Nein, es ist niemand da, der sich an diesen Gedanken stört. Jeder Gedanke, der aufkommt, ist. Wenn eine Flut von Gedanken aufkommt, ist es nicht anders. Irgendwann endet die Flut und vielleicht wird dann wieder herzlich darüber gelacht, dass eigentlich nichts stattgefunden hat außer das Laufen der Gedanken.
Diese Erkenntnis war es, die mich kurz nach dem Gedankenstrudel zum Lachen gebracht hat.

Es gibt auch niemanden, der auf ein ultimatives Erlebnis wartet. Vielleicht findet es statt. Dann wird es wahrgenommen, aber es wird nicht von jemandem wahrgenommen.

Mit dem Erkennen des Nicht-Selbst, gibt es niemanden der sehnsüchtig auf einen Zustand wartet oder hinarbeitet, der anders ist als dieser Augenblick. Und das Suchen nach Erkenntnis war nicht mehr als ein Gedanke.

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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby Danylela » Fri Jan 31, 2020 8:57 am

Dann würde ich dir hier gern die Abschlussfragen stellen:

hier sind sie :-)

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

ich freue mich auf deine Antworten!
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Re: Crashkurs im Erwachen

Postby KatjaLue » Sun Feb 02, 2020 2:40 am

Liebe Daniela,

am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass es so schnell geht. Nun sind wir schon bei den Abschlussfragen.

1) Gibt es irgendwo oder in irgendeiner Art und Weise ein eigenständiges "Ich", "mich" oder "Selbst"? Gab es das jemals?

Nein, es hat nie ein Ich gegeben. Es ist nirgendwo auszumachen. Keiner meiner Sinne kann es erfahren. Es taucht nur als Gedanke auf. Und der Inhalt der Gedanken ist nicht Realität.

2) Erkläre detailliert was die Ich-Illusion ist, wie sie entsteht und wie sie funktioniert. Benutze dazu nur Deine eigene unmittelbare Erfahrung und beschreibe es so, wie Du es jetzt gerade erlebst.

Die Ich-Illusion ist ein Gedankeninhalt, der kommt und geht. Es tauchen viele Gedanken auf mit unterschiedlichem Inhalt. Sie kommen und gehen wieder. Manche entsprechen dem, was ich mit meinen Sinnen wahrnehmen kann. Sie etikettieren das was wahrgenommen wird.
Gerade jetzt nehme ich einen Raum wahr, in dem sich Gegenstände befinden und zwei menschliche Körper. Einer davon sitzt auf dem Sofa und beantwortet Fragen. Das bin ich.
In diesen drei Sätzen wimmelt es von gedanklichen Etikettierungen wie Raum, Gegenstände, Körper, Sofa etc. Auch der Gedanke Ich, Mein oder Selbst taucht als Teil in diesen Gedanke immer wieder auf. Auch ein Ich-Gefühl scheint Bestandteil der Gedanken zu sein.
Gedankeninhalte wie Ich, Mein, Selbst kann ich aber nicht direkt erfahren. Auch dieses Ich-Gefühl kann ich nirgends lokalisieren. Es ist kein körperliches Fühlen. Es ist ein Gedanke an ein Fühlen. Mit meinen Sinnen nicht erfahrbar. Und wenn ich glaube es im Körper zu fühlen, ist es aber auch wieder nur ein Gedanke von Ich, der meint er sei der Körper.
Nehmen wir beispielsweise den Gedanken: Mein Bauch ist dick. Ohne das Wort Mein handelt es sich um die Beschreibung von etwas, das gerade wahrgenommen wird. Der Zusatz "Mein" signalisiert aber, dass da scheinbar jemand ist, dem der Bauch gehört, ein sog. Ich. Halte ich diesen Gedanken für wahr entsteht eine Identifikation zwischen dem Ich und dem Körper.
In vielen meiner Gedanken ist ein Ich oder ein Ich-Gefühl Teil des Inhaltes. Da Gedankeninhalte fiktiv sind, können sie auch Zukunft und Vergangenheit erdenken. Zeit kann nicht direkt erfahren werden. Auch wenn ich sage "Jetzt nehme ich wahr." kann ich "Jetzt" nicht wahrnehmen. Mit Zeit als Konzept kann das Ich gedanklich zu einem eigenen Wesen werden mit einer Geschichte, die von Vergangenem und Zukünftigem erzählt. Diese Geschichte wiederhole ich mein Leben lang. Das ist die Ich-Illusion.

3) Wie fühlt es sich an die Illusion durchschaut zu haben? Was ist anders im Vergleich zu vor dem Dialog? Berichte aus den letzten paar Tagen.

Gedanken sind da, die ich vorher nicht dachte. Manchmal ist dann viel im Kopf los und ich merke, wie ich mir selber sage: entspann einfach, es gibt nichts zu erreichen. Die Klarheit ist da, wenn sie da ist. Ich muss ja nicht denken nur schauen und leben. Gedanken sind von ganz alleine da.
Vielleicht habe ich mich so ans Suchen gewöhnt, dass das Ende des Suchens in Intervallen verinnerlicht wird. Es gibt laufend Momente, wo erst die Ich-Illusion läuft und kurz darauf eine Erinnerung an das Nicht-Selbst im Kopf ist und ich denke: Ich kann doch einfach leben.
Den Moment erleben fühlt sich dann angenehm frei an.
Ich habe das Gefühl am Ende einer sehr langen aktiven Suche zu sein. Das fühlt sich auch nach Freiheit an. Ein Druck ist raus etwas erkennen oder erreichen zu müssen. Ich werde sicherlich weiterhin vieles entdecken, aber ich muss nicht mehr suchen. Es muss nichts mehr geschehen. Alles ist und darf sein.
Das Leben entfaltet sich einfach vor mir ganz ungezwungen.
Ansonsten ist das was erlebt wird so wie vorher nur mit einem Schuss Leichtigkeit.

4) Was hat Dir den letzten Schubs gegeben, um die Illusion zu durchschauen?

Es hat viele Schubser gegeben, die mir geholfen haben die Ich-Illusion zu durchschauen. Die Achtsamkeitsübungen mit den Sinneswahrnehmungen in der App haben mir sehr geholfen. Im Forum habe ich auch Übungen aufgeschnappt, die toll waren. Und auch die Abschlussfragen jetzt gerade haben mir noch einen Schubs gegeben und es wird weiter viele Schubser geben, denn das Ende dieser Begleitung fühlt sich eher wie ein Anfang an. Die Erkenntnis des Nicht-Selbst ist da und kann nun erlebt/gelebt werden, oder so :)

5) Beschreibe Entscheidung, Absicht, freier Wille, Wahl und Kontrolle. Wodurch entstehen sie? Wie funktionieren sie? Für was davon bist Du verantwortlich? Gib ein paar Beispiele aus Deiner direkten Erfahrung.

Alle zu beschreibenden Worte kann ich nicht mit den fünf Sinnen erfahren. Sie sind Konzepte des Verstandes und bedürfen der Vorstellung eines hinter ihnen stehenden Wesens, das Entscheidungen fällen kann, eine Absicht erklären kann, einen freien Willen hat, wählen kann und Kontrolle ausübt. Es sind Gedanken, die erst eine Bedeutung erlangen, wenn es ein Wesen gibt, das all das tun oder denken kann. Wie gesehen ist dieses Wesen aber eine Fiktion.
Der Gedanke, Ich habe die Absicht zu gehen, kann gedacht werden. Dann kann eine Handlung des Gehens erfolgen oder auch nicht. Nehmen wir an es erfolgt tatsächlich ein Gehen. Nach dieser Handlung kann ein Gedanke entstehen, dass sich die Absicht verwirklicht hat. Der Glaube an eine verwirklichte Absicht braucht also mehrere Gedanken um wahr zu erscheinen. Manchmal sind es ganze Geschichten, die im Kopf erzählt werden, damit der Glaube, man habe einen freien Willen oder Kontrolle real erscheinen kann. Handlung an sich macht keine Absicht, Entscheidung etc. Und schaut man ins Leben, geschieht keine Geschichte genauso wie sie erdacht wird.
Beispiel: Ich wurde gebeten eine Pflanzenliste zu erstellen, die man immer dabei hat. Ich kann mir Gedanken über das Format machen, dass man sie im Handy dabei haben kann, dass ich sie erstmal abtippen muss oder sie abfotografiere. All das scheint zu einer Entscheidung zu führen, die man dann genauso ausführt. Doch in dem Moment des Tuns passiert es auf seine eigene Weise und nie genauso wie man dachte. Hinterher kann der Gedanke kommen, dass es doch so lief wie man vorher entschieden hatte. Aber niemals läuft etwas genauso ab, wie gedacht und es bleiben eben Gedanken.
Eine Verantwortung für all dies ist nicht automatisch in der Welt. Sie wird nur erdacht und wo ist der Denker? Da sind nur Gedanken.
Für all das bin ich nicht verantwortlich, da es niemanden gibt, der für irgendetwas verantwortlich sein kann. Leben geschieht. Da ist keiner der die Wahl hat, oder kontrollieren kann.
Der Wind weht, ohne dass irgendwer es gerade entscheidet. Mein Körper bewegt sich, ohne dass ich ihm Befehle dazu gebe. Er atmet einfach so. Er geht zum Klo, ohne dass ich festgelegt habe, wann er das tun soll. Jetzt liegt der Körper immer noch auf dem Sofa und beantwortet Fragen ohne dass es meine Absicht war so lange wach zu bleiben. Wenn ich meine irgendwas kontrollieren zu können, kann ich mir einfach mal das Gehen anschauen. Es besteht aus vielen einzelnen Bewegungen und die Gedanken sagen bestimmt nicht:jetzt hebe ich das rechte Bein und beuge das Knie und senke das Bein… es geschieht einfach unkontrolliert.

6) Möchtest Du noch etwas ergänzen?

Ich möchte mich für die Begleitung bedanken und für dieses wunderbare kostenlose Angebot etwas zu erkennen was niemals war.
Danke Daniela :))


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