FrEchtheit

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Lucas369
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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Wed Nov 20, 2019 10:57 pm

Der Wortklang verändert sich nach einigen Wiederholungen so sehr, dass es lustig klingt. Ich habe es gemacht, aber keine besondere Reaktion wahrnehmen können. Das Gleiche würde beim Wort "Apfel" auch passieren.

Es macht keinen Unterschied, ob du das Wort „ich“ wiederholst oder das Wort „Apfel“? Ich weiß schon was du meinst, der Klang des Wortes hört sich immer absurder an, immer mehr wie ein Fremdwort. Dennoch…. schau noch mal genau hin: Betrachte das Wort „ich“ (oder deinen Vornamen) als ein Hinweisschild.

Wohin zeigt es?
Ist DAHINTER eine Instanz, auf die sich dieses Wort bezieht?
Ein Wesen, eine Präsenz, eine leere Leinwand? Die Worte beinhaltende Stille?
Was ist es? Schau ganz genau hin!


Nein. Nur den Klang des Wortes, das für uns Ich bedeutet.

Wie entsteht denn die Bedeutung? Beschreibe…

Liebe Grüße
Luke
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Lilith
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Re: FrEchtheit

Postby Lilith » Fri Nov 22, 2019 8:29 pm

Hallo Luke,
Es macht keinen Unterschied, ob du das Wort „ich“ wiederholst oder das Wort „Apfel“? Ich weiß schon was du meinst, der Klang des Wortes hört sich immer absurder an, immer mehr wie ein Fremdwort. Dennoch…. schau noch mal genau hin: Betrachte das Wort „ich“ (oder deinen Vornamen) als ein Hinweisschild. 

Wohin zeigt es? 
Ist DAHINTER eine Instanz, auf die sich dieses Wort bezieht? 
Ein Wesen, eine Präsenz, eine leere Leinwand? Die Worte beinhaltende Stille? 
Was ist es? Schau ganz genau hin!
Ok, also ich nehme schon eine Instanz wahr.... obgleich diese größer ist, als das, was ich in nicht genau hinschauenden Momenten als mein Ich wahrnehme. Und weil diese Instanz einfach immer größer ist, als das, was ich als MEIN Ich ansehe, entsteht dann etwas, dass ich "das große Fließen" nenne. Ich spüre dann quasi die Reibungsfläche des begrenzten- und des unendlichen Ichs. Wie sie ineinander fließen.
Zusammengefasst: Ich spüre da einfach eine Präsenz, eine Wachheit. Wie diese beschaffen ist weiß ich nicht, aber je mehr ich in sie hineinfühle, desto mehr beginnt das große Fließen präsent zu werden.
Also ich würde eigentlich eher sagen (auf deine Frage), "hinter dem Ich, auf das sich dieses Wort bezieht IST eine Instanz, auf die sich dieses Wort NICHT bezieht, aber sie ist viel mehr, was dieses Wort eigentlich meint."
Ja, leere Leinwand könnte man sagen. Eine wache, leere Leinwand.
Das prägnanteste ist, finde ich, die Wachheit. Pure Aufmerksamkeit.

Wie entsteht denn die Bedeutung? Beschreibe…
Ich würde sagen, sobald eine Masse an interargierenden Einzelnen anfängt, selbstzureflektieren, wird die Bedeutung des Ichs in den Mittelpunkt gestellt. Ich habe das Gefühl, dass die Bedeutung, die ich dem Wort Ich gebe schon in mir verankert war, bevor ich analytisch darüber nachdenken konnte. Ich kann also nicht sagen, wie die Bedeutung direkt bei mir entsteht, weil sie quasi immer da ist, aber ich würde sagen, je mehr man vom fließenden Zustand abrückt, desto stärker wird die Bedeutung von Ich. Also.... sie entsteht durch Mangel an Fluss (?)

LG Nico

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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Fri Nov 22, 2019 10:00 pm

Hallo Nico,

ja, sehr schön hast du das beschrieben. Du nimmst also sehr deutlich wahr, dass da noch mehr ist hinter dem „kleinen ich“: diese Präsenz, dieses Sein. Unsere Aufgabe ist nun, noch mehr Klarheit in die Strukturen zu bringen, die eben diese Präsenz allzu oft vernebeln – mit anderen Worten, dich dazu zu bringen, zu erkennen, dass dieses „kleine Ich“ und diese Strukturen eben gar nicht da sind :-)

Ich habe das Gefühl, dass die Bedeutung, die ich dem Wort Ich gebe schon in mir verankert war, bevor ich analytisch darüber nachdenken konnte.

Ja, genau so ist es, und zwar, als du ein Baby warst. Als Baby haben wir noch den „ungetrübten Blick“, den das Denken später (noch bevor das analytische Denken dazu kommt) dann vernebelt… Aber genau darum lässt sich dieser Nebel auch wieder vertreiben, das ist die gute Nachricht!

Ich spüre dann quasi die Reibungsfläche des begrenzten- und des unendlichen Ichs. Wie sie ineinander fließen.

Wenn du da nochmal reinspürst:

Genau in dem Moment, in dem du die „Reibungsfläche“ spürst
ist da wirklich ein „begrenztes ich“?

Oder ist es nur ein Gefühl, eine Empfindung, bei der unbewusst angenommen wird, dass da ein begrenztes ich sein muss, das sie auslöst...?

Vielleicht ist diese Empfindung einfach nur so da - ohne ein sie auslösendes begrenztes ich...?


Schau genau hin!
Bin gespannt auf deine Antworten… :-)
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Re: FrEchtheit

Postby Lilith » Sun Nov 24, 2019 9:53 am

Hey Luke,
Genau in dem Moment, in dem du die „Reibungsfläche“ spürst –
ist da wirklich ein „begrenztes ich“? 
Nein. Je mehr ich zwar den Fokus auf die Idee des begrenzten Ichs lege, desto manifester ist es/ wird es auch. Letztendlich ist da eine durchgehende Veränderung, nichts statisches also, das ich als begrenztes Ich, quasi, festnageln kann. Und doch nehme ich einen.... sagen wir mal Frequenzbereich wahr, innerhalb dessen ein begrenztes Ich existiert. Auch wenn ich aus einem verschmelzenden Zustand zurück zur scheinbaren Statik/Ichbegrenzung kehre, erkenne ich: Ich komme immer wieder in diesen ungefähren Ichzustand zurück.
Also.... ja, da ist ein begrenztes Ich, aber gleichzeitig: nein, es ist nicht "wirklich" da. Es bildet sich wie von selbst durch das immer wieder zum gewohnten Frequenzbereich zurückkehren, eine "Zusammenfassung" dieses Bereichs, GENANNT "Ich".
Oder ist es nur ein Gefühl, eine Empfindung, bei der unbewusst angenommen wird, dass da ein begrenztes ich sein muss, das sie auslöst...?
Nein, ich muss sagen, dieses begrenzte Ich scheint schon da zu sein. Denn egal, wie sehr sich andere Welten öffnen, andere, weitere Wahrnehmungen, ich komme wieder zurück. Für mich existieren beide Ichs bisher also wirklich, wenngleich es gilt, dem begrenzten Ich nicht zu viel Handlungsspielraum einzuräumen.
Vielleicht ist diese Empfindung einfach nur so da - ohne ein sie auslösendes begrenztes ich...?
Ich glaube, ich kann mir ungefähr vorstellen, wie du das meinst, aber nein: Sie ist nicht nur so da. Die Empfindung entspringt auch nicht dem unbegrenzten Ich, sondern dieses nimmt sie einfach (auch) wahr. Ich sehe nicht mehr den need dieses begrenzte Ich zu stärken, aber ich empfinde es trotzdem als real. Auf einer gewissen, wenn auch niederen, Bewusstseinsebene ist es da.
Soweit meine Wahrnehmung davon....


LG
Nico

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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Sun Nov 24, 2019 9:44 pm

Nein. Je mehr ich zwar den Fokus auf die Idee des begrenzten Ichs lege, desto manifester ist es/ wird es auch. Letztendlich ist da eine durchgehende Veränderung, nichts statisches also, das ich als begrenztes Ich, quasi, festnageln kann.

Du legst hier nahe, dass das begrenzte Ich eine Idee ist… Kann eine Idee denn real sein? Ist eine Idee nicht nur ein Gedanke?

Mit welcher Sinneswahrnehmung genau
nimmst du dieses begrenzte ich wahr? Ist es etwas, was du sehen, hören, spüren (im Sinne von Körperempfindungen), schmecken, riechen kannst?


Also.... ja, da ist ein begrenztes Ich, aber gleichzeitig: nein, es ist nicht "wirklich" da. Es bildet sich wie von selbst durch das immer wieder zum gewohnten Frequenzbereich zurückkehren, eine "Zusammenfassung" dieses Bereichs, GENANNT "Ich".

Du sagst, es sei nicht „wirklich“ da. „Nicht wirklich“ bedeutet, demnach, dass es eine Illusion ist, oder?

Dann sagst du im nächsten Satz „GENANNT ‚Ich‘“. Ist es dann nicht einfach eine BEZEICHNUNG, so wie „Apfel“ in unserem Experiment oben…? Kannst du sehen, dass es nur die Etikettierung der Wahrnehmungen durch Gedanken ist, die ein scheinbares ich erschafft?


Eine Übung: Bitte lege doch mal einen ganzen Tag lang den Fokus auf deine Gedanken. Immer, wenn du Zeit hast, wenn du irgendwo warten musst, wenn du in der Bahn sitzt, wenn du meditierst oder einfach nur irgendwo auf einer Bank sitzt, lenke deine Aufmerksamkeit auf die Gedanken. Untersuche:


- Woher kommen die Gedanken? Wohin gehen sie?
- Welcher Art sind die Gedanken, die auftauchen? Sind es nur Worte, oder auch Bilder und Vorstellungen?

- Kannst du die Gedanken anhalten?
- Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes erscheinen wird?
- Kannst du entscheiden, 10 Minuten lang keinen Gedanken zu denken?

- Gibt es so etwas wie einen „Verstand“ oder einen „Geist“?
- Gibt es ein ich, dem die Gedanken erscheinen?
- Oder ist dieses ich auch nur ein Gedanke?

- Haben die Gedanken Kontrolle über irgendeine andere Sinneswahrnehmung?
- Wissen die Gedanken etwas über eine der anderen Sinneswahrnehmungen?


Nimm dir gern länger Zeit für diese Untersuchung, es dürfen auch zwei oder drei Tage sein.
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Re: FrEchtheit

Postby Lilith » Tue Nov 26, 2019 6:50 pm

Du legst hier nahe, dass das begrenzte Ich eine Idee ist… Kann eine Idee denn real sein? Ist eine Idee nicht nur ein Gedanke?
Ja, ich meine ja: Es ist nur eine Idee, eine Bezeichnung. Für: Eine ganze Ansammlung an sinnlichen Erfahrungen. Ich tue mir ehrlich gesagt schwer mit den Fragen. Denn wir schreiben ja mit Worten... die ohnehin unecht sind. Es gibt ja auch nicht das Wort Geruch, aber die Bedeutung davon existiert. Die verschiedenen Gerüche eben. An sich ist das, was ich als Duft wahrnehme ja auch kein Geruch. Sondern eine Wahrnehmung. Und wenn ich noch konkreter werden würde, müsste ein anderes Medium als das Wort verwendet werden. Und so sehe ich das mit dem Ich... ich kann hier per Textnachricht nicht ausdrücken, was ich wahrnehme.... nur über Sprache. Ich kann mein Ich nicht riechen, aber es ist ja auch komplexer als eine Wahrnehmung eines Sinnes. Ich kanns nicht riechen und trotzdem ist es da. Zwar nicht wirklich, aber in Worten macht es Sinn, es so zu beschreiben.
Mit welcher Sinneswahrnehmung genau nimmst du dieses begrenzte ich wahr? Ist es etwas, was du sehen, hören, spüren (im Sinne von Körperempfindungen), schmecken, riechen kannst?
Also: Nein. Ich kann es nicht ertasten, erriechen etc, weil es sich erst aus den Sinneswahrnehmungen heraus bildet.


Eine Übung: Bitte lege doch mal einen ganzen Tag lang den Fokus auf deine Gedanken. Immer, wenn du Zeit hast, wenn du irgendwo warten musst, wenn du in der Bahn sitzt, wenn du meditierst oder einfach nur irgendwo auf einer Bank sitzt, lenke deine Aufmerksamkeit auf die Gedanken. Untersuche:

- Woher kommen die Gedanken? Wohin gehen sie?
- Welcher Art sind die Gedanken, die auftauchen? Sind es nur Worte, oder auch Bilder und Vorstellungen?
Ich kann weder sagen, woher sie kommen, noch, wohin sie gehen.
Sie sind... je unbewusster, dest worthafter. Und wenn ich in die philosophische Richtung gehe, zeigen sie sich oft als bewegtes Bild. Abstrakte Formen, die sich ineinander bewegen und so viel exakter darstellen, was ich meine, als Worte es tun.
- Kannst du die Gedanken anhalten?
- Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes erscheinen wird?
- Kannst du entscheiden, 10 Minuten lang keinen Gedanken zu denken?
Nein. Weder anhalten noch vorhersagen. Selbst kontrollieren, WAS ich denke kann ich nur mühselig. Ich kann sie aber in Richtungen lenken.
- Gibt es so etwas wie einen „Verstand“ oder einen „Geist“?
- Gibt es ein ich, dem die Gedanken erscheinen?
- Oder ist dieses ich auch nur ein Gedanke?
Also.... nein, weder ein Ich, noch Geist, noch Verstand. Auf der Erfahrungsebene... Auf der Wortebene: Ja, Es gibt einen Körper, der auf energetischer Ebene "Geist" genannt wird. Und die Instanz, die bewusst (vermeintlich) Entscheidungen treffen kann, ist das Ich.
- Haben die Gedanken Kontrolle über irgendeine andere Sinneswahrnehmung?
- Wissen die Gedanken etwas über eine der anderen Sinneswahrnehmungen?
Ich glaube nicht, dass Gedanken selbst wissen können und manchmal haben sie Kontrolle. Auf jeden Fall haben sie das Poztenzial, alles Erfahrbare umzugestalten.

LG Nico

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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Tue Nov 26, 2019 9:19 pm

Hi Nico,

ja, Worte können verwirrend sein. Deshalb: Achte nicht auf die Worte, sondern schau statt dessen bei allen Fragen immer nur JETZT hin - unvoreingenommen, frisch und direkt (OHNE den Umweg über das Denken)

Du legst hier nahe, dass das begrenzte Ich eine Idee ist… Kann eine Idee denn real sein? Ist eine Idee nicht nur ein Gedanke?
Ja, ich meine ja: Es ist nur eine Idee, eine Bezeichnung. Für: Eine ganze Ansammlung an sinnlichen Erfahrungen.

Ja, es stimmt natürlich, dass z.B. das Wort „Apfelgeruch“ für etwas steht, das es in der Sinneswahrnehmung tatsächlich gibt. Ebenso ist das Bild, welches als „Apfel“ bezeichnet wird, wirklich vorhanden.

Aber: Du würdest nie auf die Idee kommen, zu sagen „ICH bin der Apfel“, oder? Warum dann das Bild mit deinem Gesicht, deinen Namen, dein Körpergefühl mit „ICH“ bzw. „mein“ bezeichnen? Das Bild des Apfels zeigt nicht auf ein Ich, aber ebenso wenig tun es die anderen Wahrnehmungen, oder?

Es gibt kein "dahinter liegendes" ich.
Denn wo genau sollte das sein?
Worauf „zeigt“ das Wort „ich“? Was ist die Basis?
Wenn das Wort "ich" ein Hinweisschild wäre, worauf würde es zeigen?
(Nimm dir Zeit, das herauszufinden)

Also: Nein. Ich kann es nicht ertasten, erriechen etc, weil es sich erst aus den Sinneswahrnehmungen heraus bildet.

Wie genau kann es sich aus den Sinneswahrnehmungen bilden? Können die Sinneswahrnehmungen je etwas anderes sein, als das, was sie sind: Sinneswahrnehmungen??
Und warum sind diese Sinneswahrnehmungen dann plötzlich etwas „persönliches“?
Während der „Apfel“ stets etwas unpersönliches bleibt…?


Nein. Weder anhalten noch vorhersagen. Selbst kontrollieren, WAS ich denke kann ich nur mühselig. Ich kann sie aber in Richtungen lenken.

Wie genau machst du es, dass du Gedanken in eine Richtung lenken kannst? Wenn du z.B. denkst „Ich denke jetzt nur positive Gedanken“. Und dann kommen danach drei „positive“ Gedanken. Hast „du“ das dann gelenkt? Oder war es einfach so, dass zuerst der Gedanke „Ich denke jetzt nur positive Gedanken“ da war, und dann die drei anderen Gedanken – OHNE jemanden, der es gemacht hat. Schau genau hin…

Was, wenn DOCH negative Gedanken kommen…?

Ich glaube nicht, dass Gedanken selbst wissen können und manchmal haben sie Kontrolle.

Wie können Gedanken Kontrolle haben? Gib doch mal ein Beispiel.


Liebe Grüße
Luke
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Re: FrEchtheit

Postby Lilith » Fri Nov 29, 2019 9:38 am

Es gibt kein "dahinter liegendes" ich.
Denn wo genau sollte das sein?
Worauf „zeigt“ das Wort „ich“? Was ist die Basis? 
Wenn das Wort "ich" ein Hinweisschild wäre, worauf würde es zeigen? (Nimm dir Zeit, das herauszufinden)
Wenn es ein Hinweisschild wäre, würde es auf (grob) Zweierlei zeigen:
a) Auf eine klarere Verbindung zur persönlichen Vergangenheit. Obgleich wir in einem Feld leben, das ganz und gar verbunden ist, zeigt das Wort "Ich" auf eben jenen "ungefähren" Part des Ganzen, der deutlich abgegrenzter scheint als der Rest. Ich stimme ja zu, dass das "kleine Ich" eine Illusion ist, aber ich komm einfach nicht drumrum, das Akzeptieren der Illusion als solche als essenziell zu erachten. Also ich glaube ein Apfel hat kein kleines Ich. Er ist durch und durch verbunden mit dem "großen Ich" oder dem "großen Geist", etc. Sobald ein kleines Ich existiert, ist es (aus eigener Perspektive) weniger Verbunden mit dem großen Ganzen, weil es im Grunde nur ein Synonym für Abgrenzung ist.

b) Auf eine physische Abgrenzung, also auf meinen ungefähren Körper. Auf atomarer Ebene verschwimmen zwar die Grenzen, aber ich glaube, das ist genau, worauf es zeigt: Ebenjene Perspektive, von der aus man die klare Abgrenzung wahrnehmen kann.


Wie genau kann es sich aus den Sinneswahrnehmungen bilden? Können die Sinneswahrnehmungen je etwas anderes sein, als das, was sie sind: Sinneswahrnehmungen?? 
Und warum sind diese Sinneswahrnehmungen dann plötzlich etwas „persönliches“?
Während der „Apfel“ stets etwas unpersönliches bleibt…?
Hierauf kann ich gleich mal auf meine vorige Antwort hinweisen: Weil der Apfel nicht meine Vergangenheit weiß und weil der Apfel mit Sicherheit eigene Wege gehen wird. So wie ich. Er wird verwelken oder ich werde ihn verlieren. Wäre er ein Stein (also nicht verwelkbar) könnte er mich zwar überdauern, aber das ändert nichts daran, dass ich a) mich anstrengen müsste, ihn bis zu meinem eigenen Verwelken zu behalten und
b) es mehr in meiner Welt ausmachen wird, wenn ich selbst verwelke, als wenn ein Apfel es tut.
Die Sinneswahrnehmungen sind schon, was sie sind, anhand meiner Vergangenheit aber, bekommen sie... eine Art persönliche Note.
Es stimmt schon, als ich gerade die Übung/Meditation zu deiner Frage gemacht habe, da verschwand mehr und mehr die Trennung zwischen dem was jenseits- und diesseits meines Ichs liegt.... aber.... eine Zeichenlehrerin hat mir das mal ganz nahegelegt: "Ich komme doch immer wieder zu einem "gewohnt begrenzten" Zustand zurück. "



Wie genau machst du es, dass du Gedanken in eine Richtung lenken kannst? Wenn du z.B. denkst „Ich denke jetzt nur positive Gedanken“. Und dann kommen danach drei „positive“ Gedanken. Hast „du“ das dann gelenkt? Oder war es einfach so, dass zuerst der Gedanke „Ich denke jetzt nur positive Gedanken“ da war, und dann die drei anderen Gedanken – OHNE jemanden, der es gemacht hat. Schau genau hin… 

Was, wenn DOCH negative Gedanken kommen…?
Ich gehe von einem paradoxen Modell des Universums aus. Das heißt für mich: Ich habe zwar überhaupt keinen eigenen Willen, aber gleichzeitig habe ich einen 100%igen eigenen Willen. Dieser ist zwar eher eine Illusion, aber wenn man es genau nimmt, ist ja sowieso jeder Gedanke eine Illusion.
Also kommen möglicher Weise von selbst die Impulse "ich müsse jetzt dieses oder jenes tun". Soweit so gut... auf irgendeiner Ebene ist es so, aber hier wieder das Hinweisschild: Das Ich zeigt auf jenen Bereich innerhalb dessen ich meine, selbst entscheiden zu können.
Die Aussage "ich entscheide selbst" und die Aussage "es wird entschieden" sind für mich äquivalent.
Und wenn es doch negative Gedanken werden, dann ist das gar nicht schlimm. Manchmal klappt es, manchmal nicht.


Wie können Gedanken Kontrolle haben? Gib doch mal ein Beispiel.
Also, wie bei der vorigen Antwort: Absolut nicht, reell aber schon, also können sie es zu 50%.
Wenn ich eine Information bekomme, die mich belastet, hafte ich gedanklich vielleicht an ihr. Und meine Emotionen zeigen sich eher trüb und ungut. Die Wahrnehmung wird stumpf. Die Motivation sinkt. Dadurch entstehen haufenweise negative Gedanken und wir haben einen Teufelskreis.
Jetzt ist hier die Frage, wem man die "Schuld" zuschreibt... dem Gedanken?
Wenn ich einen Ball werfe, was ist der Ursprung der Bewegung des Wurfs? Der Ball, als er den Kontakt zur Hand verlor? Die Hand, als sie die Bewegung begann? Ich, als ich den Ball kaufte? Meine Mutter, als sie mich gebar? Mein Vater, als er in meine Mutter spritzte?
Man kann es nicht klar sagen und doch, wenn ich eine Unterhaltung führe, muss ich mich entscheiden und werde wohl so ungefähr beim Ball ansetzten.

LG
Nico

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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Fri Nov 29, 2019 9:13 pm

Hallo Nico,

ich glaube, ich habe dich mit dem letzten Post etwas überfordert... Ich werde versuchen, mich auf 1-2 Punkte zu konzentrieren, dass wir fokussiert bleiben ;-)

Wenn es ein Hinweisschild wäre, würde es auf (grob) Zweierlei zeigen:
a) Auf eine klarere Verbindung zur persönlichen Vergangenheit. Obgleich wir in einem Feld leben, das ganz und gar verbunden ist, zeigt das Wort "Ich" auf eben jenen "ungefähren" Part des Ganzen, der deutlich abgegrenzter scheint als der Rest. Ich stimme ja zu, dass das "kleine Ich" eine Illusion ist, aber ich komm einfach nicht drumrum, das Akzeptieren der Illusion als solche als essenziell zu erachten. Also ich glaube ein Apfel hat kein kleines Ich. Er ist durch und durch verbunden mit dem "großen Ich" oder dem "großen Geist", etc. Sobald ein kleines Ich existiert, ist es (aus eigener Perspektive) weniger Verbunden mit dem großen Ganzen, weil es im Grunde nur ein Synonym für Abgrenzung ist.

Bitte sei mir nicht böse, aber für deine Antworten hast du nicht direkt hier und jetzt hingeschaut, sondern du hast die Gedanken dazu wiedergegeben. Bitte vergiss hier ALLE(!) Konzepte, Gedanken, Vorstellungen, Theorien, einfach alles, was NICHT JETZT ist. Denn all das hilft dir nicht, sondern es verhindert das unverblümte Schauen - und genau das brauchen wir aber!
JETZT findest du keine "Vergangenheit", kein „Feld, in dem wir leben“, kein „kleines und großes“ ich. All das sind nur Gedanken. Die Illusion des ich kann man nur JETZT durchschauen, denn genau – und nur – JETZT gibt es keins.

Ich stelle keine Fragen, um Antworten zu erhalten, sondern das direkte Schauen selbst ist das, worauf es ankommt. Indem du schaust, ob es ein ich gibt, erkennst du immer mehr, dass es nicht da ist.


Eine Übung:

Bitte setze oder lege dich bequem hin. Schließe bitte die Augen und spüre deinen Körper. Spüre die Auflagefläche, wo der Körper auf einem Stuhl, Sessel oder Bett sitzt oder liegt. Spüre die Haut, deine Kleidung und den Übergang, wo der Körper in die Umgebung übergeht.

1. Beobachte genau, wie die Gedanken die Wahrnehmungen etikettieren, wie also ein Gedanke eine Wahrnehmung bezeichnet als „Bett“, „Stuhl“ oder „Sessel“, als „mein Fuß“, „meine Hand“ u.s.w. Die Gedanken etikettieren auch, indem sie bestimmte Empfindungen als angenehm, andere als unangenehm interpretieren. Lenke deine Aufmerksamkeit auf den Bereich, der von den Gedanken als „Außengrenze“ bezeichnet wird. Beobachte, wie die Gedanken die direkte Wahrnehmung interpretieren.

Auf eine physische Abgrenzung, also auf meinen ungefähren Körper. Auf atomarer Ebene verschwimmen zwar die Grenzen, aber ich glaube, das ist genau, worauf es zeigt: Ebenjene Perspektive, von der aus man die klare Abgrenzung wahrnehmen kann.

2. Du schreibst hier von einer klaren Abgrenzung, die du wahrnehmen kannst. Bitte spüre nun direkt - und OHNE Interpretation der Gedanken – in den Körper hinein. Bitte blende die Gedanken vollständig aus, indem du dich ganz in die Empfindungen fallen lässt:

- Gibt es INNERHALB der Wahrnehmung eine Abgrenzung?
- Gibt es INNERHALB der Wahrnehmung eine Grenze, an der der Körper endet und die Umgebung anfängt?
- Gibt es INNERHALB der Wahrnehmung überhaupt so etwas wie „meinen Körper“?
- Gibt es INNERHALB der Wahrnehmung so etwas wie „innen“ oder „außen“?


Freue mich auf deine Beobachtungen :-)
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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Mon Dec 02, 2019 10:49 am

Hallo Nico,

bist du einfach nicht zum Antworten gekommen - oder habe ich dich mit meiner letzten Antwort entmutigt...? Zur Erklärung vielleicht noch folgendes: Alles, was du geschrieben hat, ist von einem bestimmten Blickwinkel aus richtig - und auch nachvollziehbar. Ich kann sehen, dass du dich damit aufrichtig beschäftigt hast. Das ist super!

Aber: Um richtig zu schauen, gibt es einen "Schlüssel". Und dieser Schlüssel besteht darin, ganz glasklar zu unterscheiden zwischen tatsächlich Wahr-genommenem (=Wahr-Nehmung) und Gedachtem (=Konzepte, Vorstellungen, Erinnerungen). Durch unsere Erziehung sind wir so aufgewachsen, dass beides sich vermischt, so dass wir nicht mehr klar unterscheiden können: Was ist wirlich HIER und was nicht. DAS aber ist entscheidend für das Aufwachen... Wenn du magst, kannst du dazu folgenden Text von Christiane Michelsberger lesen:

https://www.unterwegsmitbuddha.de/wp-co ... wachen.pdf

Und bitte gib mir Bescheid, ob du weitermachen möchtest oder nicht.
Liebe Grüße
Luke
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Re: FrEchtheit

Postby Lilith » Mon Dec 02, 2019 11:14 am

Hallo Lucas,

tut mir leid, ich war mit dem Kopf woanders.
Also ich würde gerne abbrechen. Ich danke dir für deine Mühen und generell für die Bewusstseinsarbeit, die du hier leistet. Ich habe wohl auch mitbekommen, dass du meist genau weisst, worüber ich geredet habe. Ich kann mir gut vorstellen, dass du Dinge erkannt hast, die ich noch nicht zulassen gelernt habe... doch.... ich muss diese Dinge auf eigene Weise erkennen. Ich spüre eine Resonanz zu deinen Nachrichten, die mir entspringt, doch ich bin einfach an einem anderen Punkt. Ich habe jahrelang nach dem Erwachen gesucht. Jetzt bin ich auf dem Pfad der Aktzeptanz von Illusion und Leid. Vielleicht werde ich es wieder anders sehen und dann wehmütig an dich und meinen Abbruch zurückdenken, doch in der Phase, in der ich bin, geht es darum, Selbstvertrauen aufzubauen, deshalb vertraue ich weiterhin mir selbst, wenn ich meine: Es ist für mich nicht die Zeit für LU.

Ich wünsche dir das Beste,

Nico

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Re: FrEchtheit

Postby Lucas369 » Mon Dec 02, 2019 11:25 am

Hallo Nico,

danke für deine ehrlichen Worte. Wenn es kein ich gibt, dann ist auch jede Entscheidung einfach das was sie ist: eine letztlich unpersönliche Entscheidung ;-) Die ich natürlich akzeptiere. Ich würde dir nur noch mit auf den Weg geben, mal hinzuschauen, was da vielleicht für Ängste sind, was "schlimmstenfalls" passieren könnte, wenn du die Ich-Illusion durchschauen würdest...

Es geht ja nichts verloren. Eine Illusion fällt weg, das ist zunächst alles. Und ja, natürlich hat das nach und nach Auswirkungen auf das Leben, das geführt wird. Aber nicht so, dass es einen plötzlich zwingt, auf Dinge zu verzichten, die einem Spaß machen oder so was. Eher anders herum :-)

Akzeptanz von allem, so wie es ist, ist auch ein wunderbarer Weg! Wünsche dir eine besinnliche Weihnachtszeit. Alles Gute für Dich! Und solltest du mal wieder weitermachen wollen bei LU, so meldest du dich halt wieder an...

Liebe Grüße
Luke
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