Knocking on Heavens Door

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heavensdoor
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Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Thu Aug 22, 2019 3:21 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Ich habe keine Ängste, nur manch intellektuelles Fragezeichen. Gestern, als ich erstmals beim Meditieren nach dem ICH suchte, erkannte ich dass nichts außer Wahrnehmung passiert -ca 15 Std war ich befreit. Heute fragte ich mich wer AGIERT, wenn ich nicht still meditiere. Ich sehe jetzt (Re-)Aktionen als Zulassen der Impuls-Antwort auf Wahrnehmung.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Bei meiner online Suche nach buddhistischen Videoinhalten stieß ich gestern auf ein Video der Betreiberin von www.unterwegsmitbuddha.de welche eure Methode auf ihrer Webseite beschreibt. Wie in der vorherigen Frage beschrieben wendete ich gestern direkt die Frage nach der Suche nach dem Ich in Meditation an und hatte bereits nur hierdurch einen tiefen Einblick in das Sein.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Ich bin eine Frau, 36 Jahre alt. Vor 1,5 Jahren bin ich aus meinem Beruf ausgestiegen und befinde mich seitdem intensivst auf spiritueller Suche. Der Einstieg in Meditation erfolgte vor 1,5 Jahren mit einem 10-Tages Vipassana Retreat. Die Tiefe, die ich an Innenschau und Fähigkeit zur Sensitivität in diesen 10 Tagen erreichte, war für mich so bahnbrechend, dass ich daran anschließend monatelang ca 7-8 Stunden pro Tag allein zuhause meditierte. Ich habe zuvor in meinem Leben Jahrzehnte lang sehr stark gelitten, bin seit langem schwer körperlich krank und war immer extrem unbewusst, ängstlich, verspannt, nur auf das Berufliche und Analytische im Leben fokussiert, massiver Kopfmensch, extrem ehrgeizig, sehr ego-zentriert, sehr verstandes-geplagt...

Beim Einstieg in die Meditation war ich von 0 auf 100 in der Lage diese massiven inneren Blockaden zu meinem Vorteil nutzen zu können. Sie als Werkzeug zu verwenden. Plötzlich war das große Leiden ein großes Tooling geworden. Nach einer Zeit der intensiven stillen Meditation allein zuhause brauchte ich wieder Inspiration von außen. Ich besuchte dann mehrere 8-Tages-Kurse zu Mahamudra (tibetischer Buddhismus), einen 8-wöchigen MBSR-Kurs (Achtsamkeit), machte wochenlange Retreats bei einem tibetisch-buddhistischen Lehrer, besuchte eine 3- Tages-Einführung in die stufenweise Meditation und begann vor 4 Monaten buddhistische Lektüre zu lesen. Zuletzt (vor 2 Wochen) folgte ein zweites Vipassana-Retreat. Wenn ich spirituelle Bücher lese, brauche ich manchmal nur einen Satz, einen Absatz oder ein halbes Kapitel um daraufhin stundenlang in Meditation zu kontemplieren. Meine Meditation war von Beginn an geprägt durch "freiheitliches Fließen". Ich habe nie ein bestimmtes alleiniges Schema F befolgt. Es war mehr so, dass ich durch Inspiration zu einer Meditationstechnik meine eigene Technik "informieren" konnte. Ich hatte schnell die Sicht, dass 1 Million Meditations-Techniken letztendlich in die selbe Richtung laufen, dass es immer um das selbe geht. Ich wollte mich nicht in Schienen festfahren, sondern entwickelte on-the-fly eigene Methoden und floß von einer zur anderen und wieder zurück und versuchte am Liebsten alles gleichzeitig ins Sein zu integrieren. Völlige Offenheit zu allem gleichzeitig zu erlangen...

Jede Meditationsphase, jede Meditation, jeder Monat, jeder Tag ist anders. Manchmal funktionierte mein System (des System-losen) gut, manchmal weniger gut. Manchmal gab es tiefe Einsichten, Erkenntnisse, wochenlange Phasen des durchs-Leben-Schwebens, der Freude, der Liebe, des Gleichmutes, gefolgt schweren Phasen des tiefen Blickens in hochkommende Abgründe, des Klarsehens und dadurch Leidens, der Erkenntnis, dass ich trotz intensivster Transformation auf vielen Ebenen meines Lebens doch noch keine Stabilität erhalten habe. Ich habe in den vergangenen 1.5 Jahren bahnbrechende Erfolge und tiefste Abgründe erlebt. Insgesamt geht die Kurve kontinuierlich nach oben und ich möchte keine einzige Meditation, keine einzige Erfahrung missen. Mit Allem was aufkam habe ich direkt weitergearbeitet. Alles was mich blockierte wurde zum Objekt der Meditation.

In meinem Leben hat sich alles verändert, von meiner Interaktion mit Menschen, meiner Sicht auf Familienmitglieder/Freunde, auf mich und meine Vergangenheit, das Verständnis meiner karmischen Prägungen, rein physisch mein kompletter Körperbau/Wirbelsäule/Muskelgewebe/Faszien (ich meditiere im Lotussitz ohne Kissen), mein Gesichtsausdruck, meine Sprache, meine Wahrnehmung von inneren Schmerzzentren, von Düften, von Geschmäckern, von weit entfernten Geräuschen, mein Lesen der Gefühle von anderen Menschen, meine Sicht für zukünftige Entwicklungen.... Ich lebe diese 1,5 Jahre ohne Partnerschaft, ohne Kinder, ohne Job, ohne Haustierr, ohne ernstes Hobby.... alles in meinem Leben richtet sich auf Erwachen, Erkenntnis, Meditation, Selbstfindung. Trotz des intensiven Weges, der grundlegenden Veränderungen meines Seins, meiner Sicht, meiner Rede, meines Körpers etc... bin ich noch nicht frei von starker Begierde, starker Ablehnung und dem sich Verfangen in ewigen ich-bezogenen Gedanken-Schleifen. In den letzten Tagen wurde mir bewusst, dass der 'philosophische Verstehens-Ansatz' bei mir Großes bewirken kann. Da ich ein intellektueller Typ Mensch bin, haben teilweise kurze philosophische Zitate oder rein analytisches Verstehen eines buddhistischen Logik-Konzeptes zu tiefen Erfahrungen in meiner Meditation geführt. Daher hoffe ich dass euer Verständnis-basierter Ansatz bei mir ähnliches bewirken wird.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich bin sehr froh, dass ich gestern über euren Ansatz gestolpert bin und habe ein gutes Gefühl hierbei! Ich bin sehr motiviert, offen, ehrlich und bereit tief zu gehen. Ich bin überzeugt, dass die völlige Befreiung von meinem Ich in absehbarer Zeit möglich ist, nachdem ich gestern beim ersten Versuch dieses Ich zu suchen, bereits ca 15 Stunden lang die Erfahrung des völlig entspannten Seins machen durfte.

Ich hoffe auf einen Guide, der/die zu mir passt, der/die sich von meinen Texten und meinem Weg irgendwie angesprochen fühlt und dadurch in der Lage ist, die richtigen Worte zu finden, um mich auf einer tiefen Ebene des Verständnisses zu erreichen und meine Schleier zu lüften.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Re: Knocking on Heavens Door

Postby Glueckseligkeit » Fri Aug 23, 2019 10:23 am

Hallo "heavensdoor",

schön, dass Du hier bist. Kurz noch ein paar Anmerkungen.

Wenn Du einen Text von mir zitieren möchtest, dann kopiere ihn in das Schreibfeld, markiere ihn und klicke auf das Feld "Quote" oberhalb des Schreibfeldes.

Du hast Dich mit Vielem beschäftigt. Für den Dialog hier benötigst Du nichts davon, da es nicht um Vorstellungen geht, sondern immer um direktes Erfahren, direktes Erleben, direktes Wahrnehmen mit den Sinnen. Weniger um Geschichten, die im Gedankenstrom auftauchen. Wir werden uns natürlich auch den Gedankenstrom anschauen, weil es hier wohl ein intellektuelles Fragezeichen gibt.

Ok. Lass uns beginnen.

Manchmal funktionierte mein System (des System-losen) gut, manchmal weniger gut. Manchmal gab es tiefe Einsichten, Erkenntnisse, wochenlange Phasen des durchs-Leben-Schwebens, der Freude, der Liebe, des Gleichmutes, gefolgt schweren Phasen des tiefen Blickens in hochkommende Abgründe, des Klarsehens und dadurch Leidens, der Erkenntnis, dass ich trotz intensivster Transformation auf vielen Ebenen meines Lebens doch noch keine Stabilität erhalten habe.

Was ist das Ziel? Blockaden und Abgründe loszulassen und durchs-Leben-Schweben?
Welcher Anspruch ans Leben, welches Ziel treibt den Motor Deiner Bemühungen an?
Wenn Du heute erfahren würdest, dass Du bereits am Ziel bist und alle Deine Bemühungen unnötig sind, wie würde sich das anfühlen?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Sat Aug 24, 2019 3:30 pm

Lieber Andreas,

ich danke dir zuerst einmal von Herzen, dass du dich meiner annimmst :) Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die sich einer solchen Aufgabe widmen, wie du es hier tust. Was könnte man der Menschheit Wichtigeres schenken, als Guidance zu Erkenntnis und innerem Frieden...? Und das Ganze auch noch unentgeldlich und für jeden von zuhause aus erreichbar! Vielen lieben Dank im Voraus für die Widmung deiner Zeit und deiner Sicht.

Nach deinen ersten Zeilen habe ich ein gutes Gefühl was unsere Kommunikation angeht. Bevor ich näher auf diese Zeilen eingehe, möchte ich dir noch kurz mitteilen, dass ich ganz bewusst darauf verzichtet habe, mir das Buch oder andere Threads hier vorab durchzulesen. Ich habe dieses Forum vor wenigen Tagen entdeckt, gelesen worum es geht, kurz in mich hineingespürt und entschieden, dass JETZT der richtige Zeitpunkt für mich ist, dies zu tun. Und dabei wollte ich unvoreingenommen und unbeeinflusst durch die "Geschichten" Anderer sein. Jede deiner Fragen wird mich also "frisch" erreichen, da ich weder die Fragen noch die dahinterliegende Systematik dieses Spiels hier (ich nenne es mal so) zuvor gelesen oder konzeptuell durchschaut hätte. Jede meiner Antworten an dich kommt von mir selbst, ohne dass ich durch andere Antwort-Verläufe beeinflusst worden wäre...

Starten wir also das "Spiel" :)

Du hast Dich mit Vielem beschäftigt. Für den Dialog hier benötigst Du nichts davon, da es nicht um Vorstellungen geht, sondern immer um direktes Erfahren, direktes Erleben, direktes Wahrnehmen mit den Sinnen.
Hierzu möchte ich dir sagen, dass ich nichts Anderes als genau Dieses(!) in den letzten eineinhalb Jahren getan habe. Vielleicht klang meine obige Geschichte so als hätte ich mir haufenweise Vorstellungen angeeignet und mich mit vielerlei Dingen "beschäftigt", wie du schreibst. Das Einzige was ich jedoch getan habe, war zu meditieren. Immer und überall. Vollzeit. Ob zuhause, bei Meditationsseminaren, im Retreat, beim Spaziergang oder in der U-Bahn. Meine einzige "Beschäftigung" war zu lernen wahrzunehmen. Basierend auf der immer weiter geschärften Wahrnehmung haben sich somit keine neuen Vorstellungen in mir festgefressen, sondern es haben sich tiefe Einsichten eröffnet. Ich bin überzeugt dass beides, meine verbesserte Wahrnehmungs-Fähigkeit und die darauf basierenden Einsichten wichtiges Fundament für diesen Dialog sind.

Manchmal funktionierte mein System (des System-losen) gut, manchmal weniger gut. Manchmal gab es tiefe Einsichten, Erkenntnisse, wochenlange Phasen des durchs-Leben-Schwebens, der Freude, der Liebe, des Gleichmutes, gefolgt schweren Phasen des tiefen Blickens in hochkommende Abgründe, des Klarsehens und dadurch Leidens, der Erkenntnis, dass ich trotz intensivster Transformation auf vielen Ebenen meines Lebens doch noch keine Stabilität erhalten habe.
Was ist das Ziel? Blockaden und Abgründe loszulassen und durchs-Leben-Schweben?
Welcher Anspruch ans Leben, welches Ziel treibt den Motor Deiner Bemühungen an?

Während des Beschreitens meines transformativen Weges hat sich das Ziel gemeinsam mit dem Weg immer wieder neu ein wenig verändert. Bevor man am Ziel ist, weiß man wohl nie genau wie es dort aussieht. Je näher man dem Ziel kommt, desto klarer wird auch langsam das Bild davon. Der Absatz, den du aus meinem langen Vorstellungs-Text herausgepickt hast, beschreibt es wohl ganz gut - besonders das letzte Wort: Stabilität. Ich könnte jetzt noch viele weitere Worte nennen. Zum Beispiel Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht, Gleichmut etc... Aber jedes Wort kann so unterschiedlich aufgefasst, so missverständlich interpretiert und falsch verstanden werden. Und gleichzeitig bedeuten sie unterm Strich doch alle das Selbe.

Wenn ich von meiner aktuellsten tiefen Erfahrung ausgehe: Diejenige, die ich hatte, als ich mich vor 3 Tagen zur Meditation fragte, wo denn das "ich" in mir zu finden sei... dann würde ich das Ziel aktuell vielleicht wie diese Erfahrung beschreiben. (Aber wie gesagt, mit der nächsten Erfahrung kann es schon wieder klarer sein, dass auch dies nicht der eigentliche "konstante" Zustand ist). Bei dieser Erfahrung war ich für ca. 15 Stunden, die sich auf zwei Tage verteilten (Schlaf nicht mitgerechnet) in absolute Ruhe eingetreten. Es war als wäre jede zukünftige Anstrengung zur Meditation hinfällig, da ich das pure Sein selbst, die pure Meditation an sich "lebte" anstatt sie zu "vollbringen". Jegliche noch so kleine Anspannung im Körper war verschwunden. Alles an Wahrnehmung floss nur so durch mich hindurch. Als ich am nächsten Morgen einen Arzttermin mitten in der City wahrnahm, war ich überwältigt von den Unmengen an Gerüchen und Geräuschen, die durch mich hindurch rieselten. Mein ganzer Körper fühlte sich so durchlässig an, dass ich beim Entlanggehen der Straße, zweimal mit Blick nach unten checken musste, ob mein Hosentürchen tatsächlich geschlossen war *lach*. Unangenehme Gerüche und scharfe Geräusche einer Baustelle erzeugten ihre klitzekleinen Resonanzen in meinem Körper in Form von Stichen in der Lunge und sich anbahnenden Schmerzzacken von Kopfweh.... Doch aufgrund der Durchlässigkeit waren auch diese negativen Empfindungen nicht von Bestand. Sie konnten sich nicht zu wahren Lungen- oder Kopfschmerzen manifestieren, weil sie verschwanden bevor sie entstanden waren. Wenn ich es mit einer adaptierten Metapher beschreiben wollen würde: Ich war "Die Ruhe im Sturm". Diese Ruhe, diese Art der Stabilität oder wie Buddha es ausdrückt, das Wegfallen des Leidens im großen Strom der Empfindungen. Das ist mein derzeitiges Ziel.

Wenn Du heute erfahren würdest, dass Du bereits am Ziel bist und alle Deine Bemühungen unnötig sind, wie würde sich das anfühlen?
Auch bei dieser Frage erinnere ich mich an den Zustand vor 3 Tagen. Er kam so plötzlich. So einfach. So unspektakulär daher. Und doch war er so spektakulär im Erleben selbst. Doch sein Erscheinen war von einem Moment auf den anderen. Und es war vollständig. Es baute sich nicht langsam auf, sondern es war da. Die pure Präsenz.

Ich weiß auch bereits durch frühere Erfahrungen, dass sich "Zustände", ob nun wie der beschriebene, oder andere, wie des tiefen Gleichmutes, der bedingungslosen Liebe oder was auch immer... dass sich solche Zustände bei mir von einem Moment auf den anderen einstellen konnten und dann teilweise für Stunden, manchmal sogar für Tage oder wenige Wochen bleiben konnten. Aber offensichtlich war die "Erkenntnis des jeweiligen Zusandkonzeptes" nie vollständig genug gewesen, so dass mir der Zugang zu diesem Erfahren vollständig offen geblieben wäre. Was blieb war immer eine tiefere Erkenntnis, ein Lüften von inneren Schleiern und eine wunderbare Erinnerung.

Schönes Wochenende
Sofie

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Glueckseligkeit
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Re: Knocking on Heavens Door

Postby Glueckseligkeit » Sun Aug 25, 2019 10:11 am

Bevor ich näher auf diese Zeilen eingehe, möchte ich dir noch kurz mitteilen, dass ich ganz bewusst darauf verzichtet habe, mir das Buch oder andere Threads hier vorab durchzulesen...
Was ist es, das etwas mitteilen möchte? Was verfolgt hier der Gedankenstrom? Woher kommt der Antrieb? Gibt es da ein Ich, das sich mitteilen möchte? Oder ist das einfach nur ein Impuls, der auftaucht?

Jede meiner Antworten an dich kommt von mir selbst
Was genau ist dieses "Selbst"? Warum ist es wichtig, dass die Antworten von diesem "Selbst" kommen? Was soll dadurch ausgedrückt werden?

Das Einzige was ich jedoch getan habe, war zu meditieren.

Was ist dieses "Ich", das immer meditiert hat? Was bist Du ohne ein meditierendes "Ich"?

Der Absatz, den du aus meinem langen Vorstellungs-Text herausgepickt hast, beschreibt es wohl ganz gut - besonders das letzte Wort: Stabilität. Ich könnte jetzt noch viele weitere Worte nennen. Zum Beispiel Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht, Gleichmut etc...

Was bist Du ohne ein Ich, dass Stabilität, Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht, Gleichmut benötigt oder anstrebt?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Mon Aug 26, 2019 9:29 pm

Lieber Andreas,

es läuft... 'es' bröckelt bereits... mit jeder deiner Nachrichten.

Bevor ich näher auf diese Zeilen eingehe, möchte ich dir noch kurz mitteilen, dass ich ganz bewusst darauf verzichtet habe, mir das Buch oder andere Threads hier vorab durchzulesen...
Was ist es, das etwas mitteilen möchte? Was verfolgt hier der Gedankenstrom? Woher kommt der Antrieb? Gibt es da ein Ich, das sich mitteilen möchte? Oder ist das einfach nur ein Impuls, der auftaucht?

Ja. Es war der Gedankenstrom, der etwas mitteilen wollte. Gedankenimpulse. Diese Ketten von Impulsen, die ohne jegliches Zutun (m)eines 'Ich' auftauchen. Und doch hat dieser Strom irgendwie ganz viel mit diesem vermeintlichen 'Ich' zu tun. Ich hab mich dem Ganzen in den letzten eineinhalb Tagen sowohl intuitiv/meditativ als auch theoretisch/analytisch genähert. Hier erstmal meine aktuelle theoretische Sicht: Diese erkennt einen ich-bezogenen Gedanken im Moment als 3-geteilt:

Der erste Teil ist der Vorgänger bzw. die Ursache des Gedanken: Die Ursache sind Sinnesempfindungen, also Sinnesimpulse, Körperempfindungen oder vorhergehende Gedankenimpulse. Diese ursächlichen Körperempfindungen und Gedankenimpulse sind irgendwie gekoppelt an ein Ich-Konglomerat aus Gefühlen, Bedürfnissen, Komplexen, Ängsten, Sorgen, Wünschen etc.

Der zweite Teil ist der Gedanke selbst, also seine Färbung und seine Stärke: Die Färbung zeigt das Wesen des Gedanken, das Gefühl bzw. die Intention die ihm zugrunde liegt. Die Stärke zeigt sein Potenzial sich in eine unbewusste, ewig lange Gedankenkette zu verwandeln oder irgendwann in der Zukunft erneut aufzutauchen oder in einer Reaktion/Handlung meines Körpers zu resultieren etc.

Der dritte Teil ist der Nachfolger bzw. die Auswirkung des Gedanken: Also worin er letztendlich resultiert, ob in weiteren Gedanken, in Handlungen, in Bauchschmerzen, in zukünftigen Sorgen und Ängsten...

Wenn ich nun dieses Ich-Konglomerat aus Wünschen, Ängsten und Bedürfnissen einfach mal mutig aus der ursächlichen Komponente entferne,


bleibt nur noch Sein.


Plötzlich entspricht der Gedanke der Wahrheit des gegenwärtigen Momentes. Der Wahrheit der eingehenden Sinnesimpulse ohne innere Verfälschung des Ichs. Und somit ist seine Auswirkung im Einklang. Mit Allem. Sowohl mit dem vermeintlichen Ich als auch mit den 1 Mio Du's da draußen. Denn es wird einfach gespürt. Gespürt was das Ich gerade braucht und was das Du gerade braucht. Und daraus kann ein Mittelwert gebildet werden, der die aktuelle Lage und keine vergangenen Geschichten wiederspiegelt. Die Entfernung des Ich-Konglomerates aus Wünschen und Bedürfnissen führt somit zur Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen. Aber auf der Ebene der Gesamtheit aller Beteiligten, die sich unterm Strich eh alle das selbe Wünschen (nämlich Friede, Freude und Eierkuchen). Und nachdem das Ich aufgrund seiner Freiheit vom Ich ohne innere Zwänge Eierkuchen backen und verteilen konnte, bekommt es auch zukünftig um so mehr Eierkuchen zurück. Denn die 1 Mio Du's konnten die eingehenden, ursächlichen Eierkuchen-Impulse auf ganz unbewusste Weise in resultierende ausgehende Eierkuchen-Impulse umwandeln.


Puh.

Innehalten.

Sein.


Ich habe mich dem Ganzen gestern beim Spazierengehen auch intuitiv genähert. Diese Näherung war ruhiger, tiefer, entspannter und klarer. Und ohne Worte.

Jede meiner Antworten an dich kommt von mir selbst
Was genau ist dieses "Selbst"? Warum ist es wichtig, dass die Antworten von diesem "Selbst" kommen? Was soll dadurch ausgedrückt werden?
1. Dieses Selbst ist dieses Ich-Konglomerat aus Gefühlen, Bedürfnissen, Komplexen, Ängsten, Sorgen, Wünschen etc. Dieses Konglomerat, das weder im Einklang mit sich selbst noch mit der Umwelt existiert und sich dadurch immer weiter selbst am Leben erhält und sich selbst und Anderen das Leben erschwert.
2. Ist nicht wichtig.
3. Ausgedrückt werden sollte irgendein Gefühl, Bedürfnis, Komplex, blabla.. nicht wichtig.

Das Einzige was ich jedoch getan habe, war zu meditieren.
Was ist dieses "Ich", das immer meditiert hat? Was bist Du ohne ein meditierendes "Ich"?
1. Das Konglomerat.
2. Frei

So verwunderlich mein 'analytisches Ich' diese Vorstellung auch finden mag, doch ohne mein 'meditierendes Ich' bin ich endlich frei :-)

Diese Befreiung hab ich gestern und heute gespürt, wenn ich mich deinen Fragen intuitiv genähert habe. Nach ein paar solcher Versuche, reichte es aus im Tun des Momentes inne zu halten und mich an diesen Zustand der Befreiung, der immer da ist, zu erinnern. Dann war er wieder da. Oder an die Tatsache zu denken, dass es jetzt gerade überhaupt nichts zu tun oder zu suchen gibt und dass jetzt gerade kein weiterer Weg beschritten werden muss.

Mir wurde klar, was du in deiner ersten Nachricht meintest, als du meinen bisherigen Weg (etwas überspitzt gesagt) als irrelevant bezeichnet hast. Plötzlich war dieser erste Impuls 'MEINEN Weg' (diesen 'intensiven, aufwändigen, arbeitsreichen, transformativen, tollen, wichtigen, großartigen, blablabla... Weg') verteidigen zu müssen verschwunden und das Gefühl der Entspannung setzte ein. Die Entspannung über die Erkenntnis, dass kein weiterer, ellenlanger, intensiver, toller, wichtiger Weg beschritten werden muss um am Ziel zu SEIN.

Halleluja. Welche Erleichterung. Solang 'ich' 'mich' daran erinnere, dass es erleichternd ist. Und solang ich keinem aktuellen Druck ausgesetzt bin, wie die normale arbeitende, kinderhütende Welt da draußen, die sich täglich durch überfüllte U-Bahnen hetzt und mit dem Leid der Umwelt konfrontiert wird. Bei einem Tagesablauf der durch Ausschlafen, Meditieren und Spazierengehen geprägt ist, fällt es natürlich deutlich einfacher ins Sein einzutreten. Was also Tun um diesen Zustand zu festigen? Zu Automatisieren ohne sich zu erinnern? Ich kenne die Antwort (dass es auch in der harten Außenwelt nichts zu tun gibt) intellektuell, aber intuitiv ist sie noch nicht verinnerlicht. Denn in der harten Außenwelt gibt es meistens irgendetwas zu tun...

Der Absatz, den du aus meinem langen Vorstellungs-Text herausgepickt hast, beschreibt es wohl ganz gut - besonders das letzte Wort: Stabilität. Ich könnte jetzt noch viele weitere Worte nennen. Zum Beispiel Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht, Gleichmut etc...
Was bist Du ohne ein Ich, dass Stabilität, Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht, Gleichmut benötigt oder anstrebt?
Stabilität, Frieden, Ruhe, Klarheit, Liebe, Einsicht und Gleichmut

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby Glueckseligkeit » Tue Aug 27, 2019 10:24 am

Ich hab mich dem Ganzen in den letzten eineinhalb Tagen sowohl intuitiv/meditativ als auch theoretisch/analytisch genähert.

Was ist dieses Ich, das sich dem Ganzen auf verschiedenste Weise nähert? Gibt es dieses Ich oder taucht das Wort "Ich" einfach nur im Gedankenstrom auf?
Wenn jetzt eine Antwort auf diese Fragen auftaucht : Wie entsteht diese Antwort? Lässt ein "Ich" diese Antwort entstehen oder taucht die Antwort (und ggf. Überdenken der Antwort) einfach so auf?

Wie lange gelingt es generell, die Gedanken zu steuern und zu kontrollieren?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Tue Aug 27, 2019 11:15 pm

Der Gedanke "DU harter Brocken DU" steigt auf.
Darauf folgt der Gedanke "Das Spiel ist härter als ICH dachte".
Dann "Aber so einfach lasse ICH MICH nicht entmutigen".

Also neuer Versuch:

Ab hier!
______________________________________________________________


Die aktuelle Sicht, basierend auf Erfahrung, entfaltet sich folgendermaßen:

Es gibt Körperempfindungen. Sie entstehen und vergehen zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle des Körpers. Es existiert ein steter Fluss an diesen Empfindungen, ohne dass irgendjemand diese erzeugt oder beeinflusst. Jede entstehende Empfindung an einem Ort im Körper hängt lokal gesehen von den Empfindungen der benachbarten Orte ab und zeitlich gesehen von den vorhergehenden Empfindungen desselben Ortes. Zeitlich und örtlich gesehen ist der gesamte Körper die gesamte Zeit im Fluss. Alles kommuniziert mit allem. Alles geht von Einem ins Andere über. Alles organisiert sich selbst, ohne eine zentrale Verwaltungseinheit.

Diese Empfindungen (oder Ereignisse) sind alles was im Körper passiert:

- Schallwellen die von den Ohren empfunden (gehört) werden
- Lichtwellen die von den Augen empfunden (gesehen) werden
- Gerüche die von der Nase empfunden (gerochen) werden
- Geschmäcker die von der Zunge empfunden (geschmeckt) werden
- Körperempfindungen (wie Schmerz, Temperatur, Kitzeln, Jucken, Druck...) die vom Körper empfunden (gefühlt) werden
- Gedanken (wie Vorhaben, Sorgen, Wünsche, Ängste, Phantasien...) die vom Gehirn empfunden (gedacht) werden

Es gibt zwei Optionen der Reaktion auf Empfindungen: Anspannung oder Entspannung.

Sobald Anspannung (bewusst oder unbewusst) in einem bestimmten Bereich des Körpers erfolgt, verfestigt sich die Form der Empfindung in diesem Bereich des Körpers. Jede Anspannung führt zu einer Identifikation mit dem Ereignis. Und umgekehrt: Jede Identifikation mit einem Ereignis führt zur Anspannung. Je stärker angespannt (festgehalten) wird, desto expliziter werden die Gestalten bestimmter Identifikationsobjekte im Körper und desto weniger Möglichkeiten des Flusses neuer Empfindungen durch diese Regionen entsteht. Anspannung als Reaktion auf eine Empfindung führt zu einer Speicherung dieser Empfindung im Körper. Anspannung passiert oft unbewusst und blockiert den freien, sich selbst organisierenden Fluss. Das Ich-Gehäuse mit all seinen Fixierungen basierend auf vergangenen Empfindungen nimmt Form an.

Meldet zum Beispiel eine Zelle der Darmschleimhaut eine schmerzvolle Empfindung und passiert als Folge auf diese Empfindung eine Anspannung, wird der Schmerz verfestigt und kann nicht weiterfließen. Weil alles mit allem in Verbindung steht, beeinflussen sich auch festgehaltene Objekte untereinander. So entsteht zum Beispiel nach einer Zeit des Bauchschmerzes der ich-bezogene Gedanke "Ich bin eine arme Sau, die immer Bauchweh hat". Dieser Gedanke, wenn er sich verfestigt, führt zum Gang zum Arzt, der eine Diagnose stellt. Die nächste Identifikation im Gehirn passiert "Ich habe eine schwere Krankheit" und "Ärzte sind unmöglich."

Ein großes Gebäude an Vorstellungen und Glaubenssätzen über sich und die Umwelt wird aufgebaut und lebt weiter, selbst wenn die ursprünglich dafür verantwortlichen Empfindungen vielleicht gar nicht mehr existent sind. Je mehr verfestigte Empfindungen im Körper entstehen, desto stärker wird das Ich-Gefühl und desto realitätsferner das Verhalten. Weil es auf vergangenem Empfinden basiert.

Jede Entspannung wiederum führt zur Auflösung der festen Formen aus alten Empfindungen und ermöglicht dem steten Fluss neuer Empfindungen wieder zu fließen. Die Identifikation mit Objekten die diesen Formen zugeordnet werden, die Identifikation mit einem Ich, das diese Objekte beherbergt, lässt nach. Wenn alle Anspannung losgelassen wird verschwindet das Ich-Gefühl. Und so auch umgekehrt: Wenn das Ich-Gefühl intellektuell als Illusion erkannt wird, verschwindet alle Anspannung im Körper.

Als Folge auf diese Betrachtung der Situation erscheint ein Gedanke mit einer Frage im Gehirn "Sind Anspannung und Entspannung von jemandem erzeugt oder passieren auch sie ohne zutun von irgendeiner Instanz?"

Ein weiterer Gedanke ploppt auf, der besagt, dass das aktuelle Empfinden sich so eröffnet, als wäre die Kontrolle zur Anspannung und Entspannung tatsächlich vorhanden. Da das Schreiben in diesem Forum jedoch passiert, weil jegliche Kontrollinstanz eine Illusion sein soll, wäre die logische Schlussfolgerung, dass auch Anspannung und Entspannung einfach nur PASSIEREN. Als einfache Folge auf das Maß an Anspannung und Entspannung in der Vergangenheit.

______________________________________________________________

So, hier hänge ich jetzt gerade. Nur intellektuell. Wenn ich hier und jetzt loslasse und entspanne ist alles wieder gut. Raum entsteht, festgefahrene Gedankenkonstrukte verschwinden. Aber da hat halt wieder irgendjemand losgelassen.

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Tue Aug 27, 2019 11:31 pm

hmm... vielleicht hat da nicht mal jemand losgelassen. Vielleicht wurde das Loslassen auch einfach nur gelernt, so wie alles im Leben. Und es passiert jetzt häufiger als Folge des angelernten positiven Effektes. Vielleicht ist es nur so eine Reaktion auf einen dieser angelernten und verfestigten Glaubenssätze... nämlich den ich-bezogenen Glaubenssatz "Loslassen befreit, also lass los verdammt!"

Und zuvor war da wohl der unbewusste Glaubenssatz "Spann an, sonst kannst du nicht schnell genug von der Welt wegrennen!"

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Wed Aug 28, 2019 3:30 am

Spitzenmäßig! ICH kann nicht schlafen... weil da so viel spannendes Impulsgedöns in MIR vorgeht.

Also ich hab den ellenlangen Kladderadatsch jetzt nochmal zu nem Punkt gebracht. Ohne Konzepte wie Ich, Körper, Gehirn blabla...

___________

Es passieren Impulse. Fortlaufend. Ständig. Ohne Pause. Einer bedingt den nächsten. Niemand erzeugt sie. Sie passieren einfach.
- Sinnesimpulse
- körperliche Impulse (Empfindungen und Gefühle, aber auch körperliche Handlungen wie z. B. Loslassen oder Festhalten!)
- Gedankenimpulse

Sinnesimpulse und körperliche Impulse können Gedankenimpulse zur Folge haben. Gedankenimpulse können körperliche Impulse zur Folge haben.

Niemand entscheidet sich Loszulassen! Es passiert einfach. Weil die Kausalkette sich dazu hinentwickelt hat. Punkt.

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby Glueckseligkeit » Wed Aug 28, 2019 6:14 am

Es gibt Körperempfindungen. Sie entstehen und vergehen zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle des Körpers. Es existiert ein steter Fluss an diesen Empfindungen, ohne dass irgendjemand diese erzeugt oder beeinflusst.
Und wo ist das Ganze im Tiefschlaf?

Niemand entscheidet sich Loszulassen! Es passiert einfach. Weil die Kausalkette sich dazu hinentwickelt hat. Punkt.

Gibt es diese Kausalkette in der realen, sinnlich wahrnehmbaren Welt oder ist das eine Geschichte, die im Gedankenstrom auftaucht?

hmm... vielleicht hat da nicht mal jemand losgelassen. Vielleicht wurde das Loslassen auch einfach nur gelernt, so wie alles im Leben. Und es passiert jetzt häufiger als Folge des angelernten positiven Effektes. Vielleicht ist es nur so eine Reaktion auf einen dieser angelernten und verfestigten Glaubenssätze... nämlich den ich-bezogenen Glaubenssatz "Loslassen befreit, also lass los verdammt!"

Und zuvor war da wohl der unbewusste Glaubenssatz "Spann an, sonst kannst du nicht schnell genug von der Welt wegrennen!"

Gibt es ein Ich, das Loslassen kann? Ist das Loslassen immer erfolgreich? Oder gelingt es mal und mal nicht? Wer oder was bestimmt, ob es losgelassen werden kann oder nicht? Der, der loslassen möchte, kann derjenige das bestimmen? Wenn nicht, hat er dann überhaupt Kontrolle darüber? Was bist Du ohne Kontrolle über Gedanken und Loslassen können?

Was bist Du ohne ein Bedürfnis oder Zwang, loszulassen?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Thu Aug 29, 2019 10:53 pm

Es gibt Körperempfindungen. Sie entstehen und vergehen zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle des Körpers. Es existiert ein steter Fluss an diesen Empfindungen, ohne dass irgendjemand diese erzeugt oder beeinflusst.
Und wo ist das Ganze im Tiefschlaf?
Ich bin noch nicht so weit als dass ich im (Tief)schlaf bewusst wäre. Außerdem kenne ich mich nicht mit Schlafphasen aus. Deshalb kann ich zu dieser Frage nicht aus Erfahrung sprechen.

In Bezug auf Schlaf generell: Die Wahrnehmungs-Empfindungen, die es gibt, entstehen nicht einfach nur im Körper, wie ich das zuvor geschrieben habe. Und es sind auch nicht einfach Körper-Empfindungen um die es geht. Es existiert ein Wahrnehmungsraum, der über den Körper hinaus geht. In ihm leben alle Empfindungen. Im Schlaf beispielsweise entstehen und vergehen in diesem Raum auch die Traumbilder. Sie sind nicht an den Körper gebunden. Das selbe passiert im Wachzustand. Wenn die Augen geöffnet sind, gehört das ganze Sichtfeld zum Wahrnehmungsraum. Auch die Schallwellen, die von weit weg die Ohren erreichen können, "leben" in diesem Wahrnehmungsraum.

Letztendlich würde ich jetzt gerade sagen, ist es sogar egal, ob ein Geräusch aus großer räumlicher Entfernung kommt oder nicht, bzw. ob ein Gegenstand im Sichtfeld weiter entfernt ist oder nicht... Der Wahrnehmungsraum macht keine Unterschiede zwischen Entfernungen, er sieht einfach das Bild des Gesichtsfeldes und er nimmt Laute wahr. Aber das Gehirn interpretiert alles irgendwie und erzeugt Zeit und Raum und die Objekte darin und darauf basierend alle objekt- und ich-bezogenen Gedanken. Diese Gedanken beschreiben dann Raum und Zeit, sind aber selbst an keinen Ort gebunden, sondern entstehen auch einfach im Wahrnehmungsraum. Selbst Körperempfindungen sind irgendwie schwammig zu lokalisieren. Wenn ich auf dem Boden sitze, dann spüre ich den Boden unter mir. Der Kontakt zum Boden wird wahrgenommen. Da ist keine wirkliche Grenze zwischen Körper und Boden. Es entsteht einfach ein Druckgefühl im Wahrnehmungsraum ohne feste Lokalisierung.

Niemand entscheidet sich Loszulassen! Es passiert einfach. Weil die Kausalkette sich dazu hinentwickelt hat. Punkt.
Gibt es diese Kausalkette in der realen, sinnlich wahrnehmbaren Welt oder ist das eine Geschichte, die im Gedankenstrom auftaucht?
Nein die Kausalkette gibt es nicht (allerdings wäre da auch zu klären, was denn die "reale" Welt sein soll ;-)

Die Kausalkette war ein erster Versuch das Geschehen im Wahrnehmungsraum zu beschreiben. Alles was mit Worten beschrieben wird, ist bereits konzeptuell in Schranken gefasst und entspricht allein dadurch, dass es ausgesprochen wird nicht mehr der "wahrgenommenen Realität". Trotzdem liegen natürlich manche Worte näher an der Realität als andere. Heute würde ich aus der Kausalkette einen Fluss machen und aus dem Fluss einen Ozean.

Eine Kette hat einzelne Kettenglieder. Jedes Kettenglied wäre also bereits ein identifiziertes Wahrnehmungs-Objekt. Da aber alles ineinander übergeht und nichts Festes, keine wirklichen Objekte entstehen, gibt es auch keine Kettenglieder. Außerdem hat eine Kette eine ein-dimensionale Ordnung. Bei einem Fluss gibt es keine einzelnen Wasserobjekte (keine Kettenglieder), sondern die Tropfen gehen ineinander über. Außerdem gibt es keine eindimensionale Ordnung, sondern der Fluss fließt in der Breite und Tiefe. Doch auch ein Fluss hat noch eine Richtung und eine gewisse Formbegrenzung. Im Wahrnehmungsraum dagegen huscht irgendwie alles gegenseitig ineinander über, ohne festgelegte Richtung oder äußere Begrenzungsform.

Daher sehe ich den Entstehungsort für Wahrnehmungen heute als Wahrnehmungsraum (anstatt als den Körper) und die Wahrnehmungen in diesem Raum als pulsierenden Ozean (anstatt als Kausalkette).

Gibt es ein Ich, das Loslassen kann? Ist das Loslassen immer erfolgreich? Oder gelingt es mal und mal nicht? Wer oder was bestimmt, ob es losgelassen werden kann oder nicht? Der, der loslassen möchte, kann derjenige das bestimmen? Wenn nicht, hat er dann überhaupt Kontrolle darüber? Was bist Du ohne Kontrolle über Gedanken und Loslassen können?

Was bist Du ohne ein Bedürfnis oder Zwang, loszulassen?
Nein, es gibt niemanden der loslässt oder bestimmt loszulasen. Das Loslassen passiert wenn es passiert. Es kann in Folge an den Gedanken ans Loslassen passieren, muss aber nicht. Die Wahrscheinlichekeit ist nur höher dass es passiert, wenn zuvor der Gedanke auftaucht (Kausalketten-Ding). Aber es liegt nicht in der Kontrolle von irgendwem und somit ist es auch nicht immer erfolgreich, wenn daran gedacht wird.

"Ich bin" immer das selbe. Ob ich nun gerade anspanne oder loslasse, anspannen will oder loslassen will. Das macht keinen Unterschied. Ich bin dieser Wahrnehmungsraum. In dem zum Beispiel der Wunsch loszulassen präsent ist. Und wenn dieses Bedürfnis, dieser Zwang nicht (mehr) da ist, ist der Raum mit irgendetwas anderem gefüllt. Je nachdem worauf die Aufmerksamkeit gerade gerichtet ist. Je höher die Aufmerksamkeit, je bewusster die Präsenz, desto voller und unerschöpflicher und ausgefüllter der Raum. (zumindest ist das meine aktuelle Erfahrung. irgendwann solls wieder Meditationsstadien geben, wo keine sinnlichen Erfahrungen mehr da sind, aber das hab ich bisher nicht erlebt). Je unbewusster, je mehr Wunsch nach irgendetwas (zum Beispiel nach Loslassen) da ist, desto eingeschränkter die Wahrnehmung im Augenblick des Wünschens. Wenn da ein Zwang ist, dann ist da nur dieser eine einzige zwanghafte Gedanke im Raum präsent und füllt diesen voll aus und nimmt dadurch allem anderen den Raum. Aber der Raum selbst bzw. seine Art zu funktionieren ändert sich nicht mit den Inhalten, die darin auftauchen.

Wenn das Loslassen allerdings "passiert" (als Folge des Gedankens ans Loslassen, ohne dass das jemand tut) dann ist das sehr hilfreich um den Wahrnehmungsraum besser beobachten und begreifen zu können. Weil sich in der Folge ans Loslassen (nach meiner Erfahrung) der Raum öffnet, er ist weiter und klarer und nimmt viel mehr auf einmal wahr. Aber er ändert sich nicht in seiner grundsätzlichen Beschaffung, in seiner Funktionalität. Darin ist er immer gleich. Egal was passiert oder nicht passiert.

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Thu Aug 29, 2019 11:52 pm

Mit dem aktuellen Stand meiner Sicht stelle ich mir seit zwei Tagen die Frage ob denn dann tatsächlich einfach nur konstant ein unbeeinflussbarer Film abläuft. Ob der Wegfall des Ichs denn tatsächlich zum Wegfall jeglicher Kontrolle der Beeinflussung von irgendetwas führt. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass das ganze Leben vorbestimmt ist. Also diese ausgeweitete Kausalkettentheorie. Es würde bedeuten, dass nicht Ich vor 1,5 Jahren mich von einem Moment zum Anderen entschieden habe, der Informatik nach 14 Jahren den Rücken zuzuwenden, und mich erstmal nur noch der Meditation zu widmen. Es würde bedeuten, dass dieses Ereignis einfach nur die unabwendbare Folge der vorherigen Ereignisse war.

Ne Moment!

Ja, da ist dieser unbeeinflussbare Film, ohne ein Ich. ABER DA IST DIESER IN SEINER WEITE UND KLARHEIT UND BE-FÜLLT-HEIT VERÄNDERLICHE WAHRNEHMUNGSRAUM. Wenn alles nur als Folge von Wahrnehmung passiert, hängt das was passiert davon ab was und wieviel gleichzeitig wahrgenommen wird. Es ist also alles abhängig vom Grad der Aufmerksamkeit. Dieser bestimmt die wahrgenommenen Impulse, die wiederum irgendwelche Handlungen zur Folge haben. Hmm.. okay, ne, die Katze beißt sich erneut in den Schwanz. Es bleibt es dabei (nach meiner aktuellen Sicht der Dinge), dass auch der Grad der Aufmerksamkeit nichts von einem Ich Erzeugtes ist. Es ist eine Art durch Ursache und Wirkung gelernte hilfreiche Fähigkeit, in der Kausalkette, wie alles andere. Und es passiert. Ohne zutun. Bewusstheit, Aufmerksamkeit passiert. Oder nicht. Sie kann nicht gesteuert werden.

Aber bedeutet das, dass ALLES vorbestimmt ist? Das alle Menschen mehr oder weniger schnell zur Bewusstheit hinstreben und sonst nix. Aber das niemand selbst strebt, sondern dass jeder nur diesem strebenden Film zuguckt? Und dass das Streben zur Bewusstheit "passiert", weil irgendwann die Kausalkette "lernt", dass das Streben zur Unbewusstheit, zur Fixiertheit, zur Ich-Bezogenheit nur Probleme mit sich bringt?

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Fri Aug 30, 2019 12:09 am

Es war das Ich, dass im letzten Post gesprochen hat. Das Ich lebt in Zeit und Raum und fühlt sich von dem Begriff der Vorbestimmtheit völlig in die Ecke gedrängt.

Dem Wahrnehmungsraum dagegen ist das alles ziemlich schnuppe. Der ist entspannt. Der kennt keine Vorbestimmtheit und findet es auch nicht langweilig, dass so was existieren soll. Der sieht nur Dinge passieren und sonst nix. Und nix davon is langweilig. Alles ist okay, gerechtfertigt, erlaubt, da.

Ne zweite Frage die ich mir stelle (äh... die das Ich sich selbst stellt) ist die, ob Aktionen/Handlungen tatsächlich gleichzusetzen sind mit den Wahrnehmungen. Meine letzten Erkenntnisse haben sich dahingehend entwickelt, dass körperliche Handlungsimpulse nix anderes sind, als Sinnesimpulse. Alles sind Impulse die auf Folge anderer Impulse entstehen und vergehen. Dann müsste man den Wahrnehmungsraum allerdings umtaufen in Impulsraum.

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby Glueckseligkeit » Fri Aug 30, 2019 10:44 pm

Ne zweite Frage die ich mir stelle (äh... die das Ich sich selbst stellt) ist die, ob Aktionen/Handlungen tatsächlich gleichzusetzen sind mit den Wahrnehmungen. Meine letzten Erkenntnisse haben sich dahingehend entwickelt, dass körperliche Handlungsimpulse nix anderes sind, als Sinnesimpulse. Alles sind Impulse die auf Folge anderer Impulse entstehen und vergehen. Dann müsste man den Wahrnehmungsraum allerdings umtaufen in Impulsraum.

Und für wen oder was hat das eine Bedeutung, ob es Wahrnehmungs- oder Impulsraum benannt wird?
Alle Gedanken, die bei Dir auftauchen, woher kommen sie und wohin gehen sie? Und WER oder WAS ist der Steuermann dieser Gedanken?

Wenn es keinen Steuermann gibt, wen interessieren dann die Gedanken und was bringen dann Erkenntnisse? Was gibt es gedanklich dann zu tun?

...

Ich bin ab morgen, Samstag, für 1 Woche im Ausland. Da kann es sein, dass meine Antworten etwas länger dauern...
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Knocking on Heavens Door

Postby heavensdoor » Sun Sep 01, 2019 6:32 pm

Lieber Andreas,

ich werde deinen Auslandsaufenthalt nutzen, um ein paar Tage auszuspannen, den Kopf durchzulüften, unseren Thread und Alles damit verbundene ein wenig sacken zu lassen.

Wir wissen beide, dass das Analytische und Sprachliche ein zentraler Brennpunkt meines Ichs ist. Einerseits kann das als Eintrittstor ins Verständnis der Ich-Losigkeit genutzt werden. Und darauf baut dieses Forum ja auf! Andererseits kann es einen durch die Hintertür in der Ich-Haftigkeit gefangen halten.

Ich brauche ein paar Tage Ruhe im Hirn und in der Kommunikation, um das bisher Gesagte und Gespürte sich tiefer setzen zu lassen. Es wurde viel gesagt und gespürt und ich will dem die Möglichkeit geben zu reifen, bevor es mit weiteren Fragen und Antworten überladen wird.

Wünsche dir eine gute Reise - bis bald!


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