Hallo Barb,
ganz schön viele Aufgaben für heute :-)
Lass uns mal die Natur der Gedanken ein wenig näher untersuchen.
Begib dich dazu in eine angenehme Position, schließe die Augen, atme sanft und langsam, entspanne den Körper und dann beginne die Gedanken zu beobachten.
1. Wo kommen die Gedanken her und wo gehen sie hin? Warte neugierig auf den nächsten Gedanken und sieh nach.
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Ein Gedanke erscheint "aus dem nichts" und ist auch sofort wieder weg. Augenblicklich erscheint sofort ein neuer Gedanke, der verschwindet sowie er aufgetaucht ist.
2. Kannst du vorhersagen, welcher Gedanke als nächstes kommt? Kannst du verhindern, dass er erscheint, wenn er dir nicht gefällt? Kannst du einen Gedanken ungeschehen machen, wenn er einmal erschienen ist?
Nein, das kann ich nicht vorhersagen :-). Ich kann auch sein Erscheinen nicht verhindern, da er nicht von mir geplant wird. Ich weiß also vorher nicht, welcher Gedanke kommen wird. Ich kann ihn auch nicht ungeschehen machen. Ich habe keinen Einfluss auf die Gedanken.
3. Kannst du die Entscheidung treffen, für lange Zeit NICHT zu denken?
Nein, das kann ich nicht. Das funktioniert für einige Augenblicke, dann ist wieder ein Gedanke da.
4. Kannst du kontrollieren nur besonders schöne und angenehme Gedanken zu denken?
Wenn ich das möchte, kann ich in Gedanken z. B. schöne Bilder entstehen lassen, an eine Blumenwiese denken, eine schöne Geschichte etc.. Das funktioniert eine Zeit lang, dann kommt wieder ein unkontrollierter Gedanke, wie aus dem Nichts.
5. Denke an eine Zahl zwischen 1 und 100. Weißt du, welche Zahl kommt, bevor sie erscheint?
Wenn ich ganz unvoreingenommen an diese Fragestellung gehen, weiss ich vorher nicht welche Zahl erscheinen wird.
Wenn ich nicht so spontan und unvoreingenommen an diese Frage gehe, kann auch ein Gedanke kommen, der mir sagt: nimm doch die ...x, das ist z. B. dein Alter oder dein Geburtsjahr.
6. Ist der Gedanke "Ich" eine besondere Art Gedanke, der andere Gedanken denken kann? Oder kommt er von derselben Stelle wie die anderen Gedanken
Bei einem Ich-Gedanken kann ich keinen anderen Ursprung erkennen, er erscheint wie alle anderen aus dem Nichts.
7. Findest du jemanden, der denkt, oder geschieht das alles von selbst, ohne Kontrolle durch einen Denker?
Nein, ich finde niemanden, der denkt. Die Gedanken kommen und gehen.
Ich dachte zu Anfang, da gäbe es eine Ausnahme, wenn ich über ein bestimmtes Thema nachdenken möchte. Aber selbst in diesem Fall kann ich zwar ein Thema vorgeben, also in eine bestimmte Richtung denken, aber was genau für Gedanken dazu kommen, kann ich nicht beeinflussen und nicht kontrollieren.
Wenn ich in der Meditation ruhig werde und die Gedanken für eine Weile aufhören, dann kann ich keine Begrenzung spüren, dann stellt sich auch nicht die Frage von innen oder außen - von irgendeiner Trennung oder sonst etwas …
Ist das wahr? Ist da wirklich – wenn Gedanken da sind – eine Trennung zu spüren? Oder ist das vielleicht auch einfach nur ein Gedanke?
Ein Ich-Gedanke suggeriert mir: hier bin ich, und die Person, die mir gegenüber steht, ist getrennt von mir. Und die Trennung ist umso mehr spürbar, je größer die Ablehnung der gegenüberstehenden Person ist.
Die Ablehnung dieser Person wird natürlich auch nur von Gedanken verursacht. Diese Person wird also durch meine Gedanken negativ beurteilt, daraus schließen die Gedanken, dass diese Person nichts mit "mir" zu tun haben kann und es entsteht eine -gedankliche- Trennung.
Wie sehr diese Trennung "spürbar" ist, muss ich noch genauer erforschen. Ich schreibe dir morgen nochmal zu diesem Punkt.
Dieses "getrennt von allem anderen", also dass ich mich als Person wahrnehme, ist ja nur im Alltag der Fall, ausgelöst durch meine gelernte Sichtweise, durch Gedankenmuster.
Was wäre, wenn diese Selbstgefühl einfach nur eine Orientierungshilfe wäre (die übrigens auch nach dem torlosen Tor nicht verschwindet), und nur Gedanken sagen, dass das bedeutet „getrennt von allem anderen“?
Das wäre wunderbar, dann müsste ich nur noch meine Gedanken beeinflussen können, oder meinen Gedanken keinen Glauben mehr schenken :-). Nur - wie geht das?
Vielen Dank, Barb. Gute Nacht.