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archimedes83
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Postby archimedes83 » Thu Jan 24, 2019 7:29 am

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Bei meiner Selbsterforschung konnte ich erkennen, dass das „Ich“ wahrscheinlich ein Konstrukt in der sozialen Interaktion ist. Statt „ich“ könnte auch der Schreiber dieser Zeilen stehen.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?

Mich hat vor allem angezogen, was ihr in der Anleitung zur Registrierung schreibt: dass es nicht um Erleuchtung, Glück und Glückseligkeit, ein Selbstverbesserungsprogramm usw. geht. Ich habe bei spirituellen Veranstaltungen oft erlebt, das viele „Suchende“ gerade diese von Euch ausgeschlossenen Ziele im Blick haben.

Viele spirituellen Lehrer betonen, dass spirituelle Einsichten nicht durch „den Kopf“ erreichbar sind. Es wird ein grundlegender Unterschied zwischen Wissen durch Verstehen, Erkenntnis und durch irgendwie geartete nicht näher erklärte Erfahrungen gemacht.

Meine Erfahrung ist eine andere, nämlich, dass ich dies nicht klar trennen kann. Das englische Wort „realisation“ ist geeigneter, es zu beschreiben. Wie die Erkenntnis zustande kommt, ist ein ungeheuer komplexer Prozess, den ich nicht durchschauen kann. Auf jeden Fall ist mein Gehirn beteiligt, das von einer schier unendlichen Zahl innerer und äußerer Einflüsse gesteuert wird. In der frühen Kindheit, in der wir alles naiv aufnehmen, was unsere Eltern oder andere Personen sagen und tun, entsteht ein implizites Wissen, dessen Herkunft wir nicht kennen, das uns aber gleichwohl als selbstverständlich gegeben erscheint. Dann gibt es die Macht der Kultur in der jemand aufwächst und die Indoktrinierung, der er ausgesetzt ist.

Ich habe von einem ZEN-Meister ein blumigen Spruch gehört, der auch meiner eigenen Erfahrung entspricht: “Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“. Wichtig ist, aufmerksam zu verfolgen, welche Gedanken in meinem Kopf herumschwirren und welche Konditionierung ich habe. Das Enneagramm kann mir helfen, meine Fixierungen zu erkennen und mich etwas davon frei zu machen.

Vielleicht kann Liberation Unleashed mir in Bezug auf diese Themen Anregung geben, meine Realization zu vertiefen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Als Jugendlicher habe ich mich gefragt, was ich in dieser Welt eigentlich „soll“. Dies vor dem Hintergrund des unermesslich großen Universums, in dem ich völlig bedeutungslos bin.

Ich habe Physik studiert und war dann durch Studium, Beruf und Familie so eingespannt, dass ich mich erst seit meiner Rentnerzeit und einer neuen Partnerin wieder intensiver mit spirituellen Gedanken beschäftigt habe. Neben einer Menge von spirituellen Büchern über Advaita, die ich gelesen, habe ich bei verschiedenen Lehrern Satsangs und Retreats besucht, insbesondere bei Samarpan und Christian Meyer.

Im Moment habe ich den Eindruck, die Suche ist eigentlich beendet und ich brauche keine neuen Lehrer. Ich bin jetzt 83 Jahre alt.

Bei meiner Selbsterforschung habe ich erfahren: Ich kann zwar meinen Körper (Arme, Beine, innere Organe, Haut, Muskeln, usw.) spüren und weiß, wo genau welche Empfindungen auftreten, aber mein Bewusstsein, meine Gedanken, meine tieferen Erfahrungen kann ich nirgends wo in meinem Körper lokalisieren. Auch wie meine Gedanken meinen Körper bewegen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es ist vielmehr so, dass aus einem wimmelnden Strom von unbewussten oder halbbewussten Impulsen plötzlich eine Bewegung, ein neuer Gedanke, ein Impuls entsteht (z.B. morgens aufzustehen), ohne dass „ich das eigentlich mache“.

Mir wurde bewusst, dass möglicherweise das, was ich als mein „ich“ erlebe, ein soziales Konstrukt ist, das erst im Kontakt mit anderen Menschen, insbesondere in meiner frühen Kindheit entstanden ist. Diese soziale Konditionierung ist überlebenswichtig für alle Kinder und wird von ihnen als Primärerfahrung (implizite Erfahrung) wahrgenommen. Ähnlich ist es mit dem freien Willen, auch er ein Konstrukt, das durch die Sozialisation fest in mir „eingebrannt“ ist.

Spiritualität hat mich deshalb angezogen, weil es nicht um Glauben, Ideologie oder Übernahme der Meinung von anderen geht, sondern jeder „Suchende“ selbst herausfinden muss, was für ihn stimmt und was er auf Grund seiner Erfahrung für wahr halten kann. Als Physiker ist mir Esoterik und jede Form „mythischer, übersinnlicher oder überirdischer“ Erfahrung suspekt.

Deshalb ist es für mich wichtig, dass die moderne Hirnforschung und überhaupt die Naturwissenschaft zu Ergebnissen kommt, die meine geschilderten Erfahrungen nicht als Spinnerei erscheinen lassen, sondern im Gegenteil zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. Ich will hier nur kurz erwähnen, dass die Hirnforscher bekanntlich kein „Ich“ im Gehirn gefunden haben und auch der freie Wille in seiner absoluten Form als unvereinbar mit den Naturgesetzen angesehen wird (Willensfreiheit ist bekanntlich ein komplexes Thema, „absolute Form“ soll hier die dualistische Position kennzeichnen).

Selbstverständlich kann auch die Naturwissenschaft kein endgültiges „absolutes“ Wissen hervorbringen, sondern immer nur das, was gegenwärtig erkannt werden kann. Schon gar nicht können wir uns auf „Autoritäten“ verlassen. Ich muss damit leben, „vorläufig“ zu sein. Auch unser Erkenntnisvermögen ist relativ, sicher kann es im Universum Wesen geben, deren Intelligenz die unsere weit übersteigt.

Ich glaube, dass wir in Zukunft viel mehr über unsere Hirnfunktionen, über unser Bewusstsein, über das, was den Menschen ausmacht, wissen werden und dass dieses Wissen unsere spirituellen Erfahrungen sehr verändern werden.

Die Suche nach Spiritualität hat für mich zwei Motivationen. Bisher habe ich über die erste gesprochen, das Erkennen: „wer bin ich?“ (oder besser „was bin ich?“).

Die zweite, grundlegendere Motivation ist, was Buddha „Befreiung vom Leiden“ nennt. Es geht mir darum zu erkennen, dass Schuldzuweisungen in Bezug auf mein Leben keine „eigene Substanz“ haben. Es handelt sich um etwas, was vergangen ist. Und es gibt in Wirklichkeit nur das Jetzt. Auch kann ich sehen, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht anders handeln konnte und auch dort mein Bestes gegeben habe. Die Dinge sind so wie sie sind und nicht wie ich sie gerne hätte. Auf den ersten Blick eine Trivialität, auf den zweiten Blick aber keineswegs.

Es geht mir darum, ehrlich zu mir selber zu sein und zu erkennen, wer und was ich wirklich bin. Und den Tod zu akzeptieren, ja nicht nur zu akzeptieren, sondern zu sehen, dass ohne den Tod ich auch nicht da wäre, dass er letztlich ein Freund ist. Diese Erfahrungen möchte ich vertiefen. Ich kann sehen: die erste Motivation „wer bin ich“ unterstützt die zweite Motivation „Befreiung vom Leiden“.

Auch wenn ich immer von „Ich“ rede, so bin ich mir doch bewusst, dass dieses „Ich“ keine eigene Substanz hat.

Damit mag ich erst mal enden. Ich hoffe, ich habe meinen Hintergrund (Titel der Frage) etwas verständlich machen können.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?

Es gibt viele spirituelle Sucher mit unterschiedlichen Motivationen und sehr verschiedene Vorstellungen, was Spiritualität im Kern eigentlich bedeutet. Ich möchte ausprobieren, ob ich durch dieses Forum Gesprächspartner finde, die eine ähnliche spirituelle Ausrichtung haben wie ich oder die mir zeigen können, wo ich mich eventuell irre und sehen kann, was ich bisher noch nicht „realisiert“ habe.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
8

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Katinkah
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Re: Realisation

Postby Katinkah » Thu Jan 24, 2019 11:04 am

Lieber Archimedes83,

herzlich wilkommen bei LU :-)
Mein Name ist Kerstin (wie möchtest du angesprochen werden?) und ich werde dich hier ein Stück begleiten.

Spiritualität hat mich deshalb angezogen, weil es nicht um Glauben, Ideologie oder Übernahme der Meinung von anderen geht, sondern jeder „Suchende“ selbst herausfinden muss, was für ihn stimmt und was er auf Grund seiner Erfahrung für wahr halten kann.
Wunderbar :-)

Ich werde dir Übungen geben und Fragen stellen, die du bitte immer aus dem direkten Schauen
(wenn ich dich frage wie das Wetter bei dir ist, kannst du es googeln, in der Zeitung nachlesen oder du schaust direkt aus dem Fenster) und nicht aus dem Wissen , beantwortest.

Wir untersuchen hier die Illusion einer getrennten Entität (Ich) anhand der direkten Erfahrung.

Direkte Erfahrung ist alles, was wir sinnlich wahrnehmen können

sehen
hören
riechen
schmecken
empfinden

+ Gedanken als solche. (es wird wahrgenommen, dass da ein Gedanke ist)



Hast du Fragen dazu?



Bitte benutze bei deinen Antworten die Zitierfunktion. Eine Anleitung dazu findest du hier

viewtopic.php?f=18&t=6275

Hast du die einführenden Worte von Matthias schon gelesen?
Hier ist der Link

viewtopic.php?f=18&t=6280

Gut :-), fangen wir mit den Erwartungen an....

Wie wird es sich anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?

Was wird sich verändern, was wird gleich bleiben?


Ich freu mich auf deine Antworten,

liebe Grüße,
Kerstin

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archimedes83
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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Thu Jan 24, 2019 2:07 pm

Hallo liebe Kerstin,
danke für Deine Begleitung! Auf Deine Frage, wie ich angesprochen werden möchte: Wolfgang

Zu Deinen Fragen:

Wie wird es sich anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
Ich weiß es nicht genau. Ich vermute, es wird so sein, wie wenn ich etwas Neues erlebe, und mir dann sage, genauso habe ich es mir eigentlich vorgestellt. Also eigentlich nichts Besonderes, nur dass die Erfahrung sicherer und klarer ist als vorher. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. Innere Unruhe und auch Angst werden vielleicht weniger.

Was wird sich verändern, was wird gleich bleiben?
Auch darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Verändern wird sich vielleicht, dass das Wissen, die Ich-Illusion zu durchschauen, immer präsent und in den normalen Alltag integriert sein wird. Kein überwältigendes Glücksgefühl, aber etwas mehr innere Freiheit, Ruhe und Gelassenheit.

Liebe Grüße
Wolfgang

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Katinkah
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Re: Realisation

Postby Katinkah » Thu Jan 24, 2019 8:51 pm

Lieber Wolfgang,



danke für Deine Begleitung!
Sehr gern :-)


Wie wird es sich anfühlen, wenn die Ich-Illusion durchschaut wird?
..........Ich weiß es nicht genau. Ich vermute, es wird so sein, wie wenn ich etwas Neues erlebe, und mir dann sage, genauso habe ich es mir eigentlich vorgestellt.

Vorsicht mit den Vorstellungen :-). Es kann kann ganz anders sein, als es die gedanklichen Vorstellungen erzählen.

Und... was sind Vorstellungen?

Hier ist eine schöne Übung dazu.


Bitte nimm dir ein bisschen Zeit, schliesse die Augen und stell dir eine Tasse mit warmem Tee vor, so genau wie möglich.
Spüre Dir Tasse in deinen Händen, wie fühlt sie sich an? Spüre die Wärme, rieche den aufsteigenden Duft des Tees. Wie riecht er? Nun nimm einen Schluck. Wie schmeckt er? Kannst du spüren, wie die Wärme des Tees sanft in deiner Kehle nach unten fließt und dich dann ausfüllt?
Bitte lies die restlichen Fragen erst nach der Übung.....







.............................
Dann öffne die Augen ;-)
Wo ist die Tasse mit dem Tee?
Was sagt das über die Wirklichkeit von Gedankeninhalten aus und damit auch über die Wirklichkeit von Vorstellungen?
Was sagt das über die Wirklichkeit des Ich-Gedanken?

Also eigentlich nichts Besonderes, nur dass die Erfahrung sicherer und klarer ist als vorher. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollten
Das ist eine realistische Erwartung.
Innere Unruhe und auch Angst werden vielleicht weniger.
Angst und Unruhe... welche Empfindungen bekommen bei dir das Label Angst, welche das Label Unruhe?

Was wird sich verändern, was wird gleich bleiben?
Auch darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Verändern wird sich vielleicht, dass das Wissen, die Ich-Illusion zu durchschauen, immer präsent und in den normalen Alltag integriert sein wird. Kein überwältigendes Glücksgefühl, aber etwas mehr innere Freiheit, Ruhe und Gelassenheit.

Es kann durchaus sein, dass es auch nach dem Durchschauen im normalen Alltag nicht sofort und immer glasklar
erkennbar ist, dass Ich eine Illusion ist.
Wenn du die Ich-Illusion als Fata Morgana betrachtest....auch nach dem Durchschauen kann es passieren, dass du noch ein paar Schritte in Richtung Illusion machst. Es wird dir aber unterwegs bewusst, dass da kein Wasser zu holen ist.
Ruhe, Gelassenheit und mehr innerer Frieden, das ist sehr wahrscheinlich.



Liebe Grüße, Kerstin

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archimedes83
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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Sat Jan 26, 2019 1:14 pm

Liebe Kerstin,

Danke für Deine Anregung. Ich habe einige Zeit für die Antwort gebraucht weil ich mit meinen Antworten nicht zufrieden war und mich gefragt habe, stimmt das so oder ist das missverständlich? Auch ändern sich meine Vorstellungen und was ich vor 2 Stunden empfunden habe, ist jetzt anders.

Dein Vorschlag, mir die Tasse Tee vorzustellen, war nicht einfach zu realisieren. Es kamen immer andere Gedanken und Empfindungen dazwischen. Die Vorstellungen über die verschiedenen Sachen (Wärme, Geschmack, ...) waren undeutlich. Ich hatte damit Schwierigkeiten. Als ich die Übung wiederholte, war es schon "besser".

Und... was sind Vorstellungen?
Vergangenes, Erinnerungen, nicht im JETZT sein

Wo ist die Tasse mit dem Tee?
es ist nur ein Bild oder eine Empfindung in meinem Gehirn, in meinem Bewusstsein, nicht in der "Wirklichkeit"

Was sagt das über die Wirklichkeit von Gedankeninhalten aus und damit auch über die Wirklichkeit von Vorstellungen?
Gedankeninhalte sind nicht die Wirklichkeit

Was sagt das über die Wirklichkeit des Ich-Gedanken?
Auch er ist nur eine Fiktion, trotzdem ist der "Ich-Gedanke" so "eingebrannt", dass er immer wieder auftaucht. Wenn ich genau hinschaue, wo ist denn mein "ICH", kann ich nichts finden, erst mal verwirrend.

Angst und Unruhe... welche Empfindungen bekommen bei dir das Label Angst, welche das Label Unruhe?

Wenn ich in "mich" hineinspüre, ist die Angst plötzlich sehr präsent, dann wird sie wieder schwächer und verschwindet. Unruhe bleibt länger, ist diffus. Sie ist einfach da, eine Art körperliche Empfindung. Wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke, ist sie immer da.So ähnlich wie mit meinem Tinitus: normalerweise spüre ich ihn nicht, er ist "ausgeblendet", wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke, spüre ich ihn ganz stark.

All das ist vielleicht etwas durcheinander, wenig klar, aber das entspricht dem, was ich gerade empfinde.

Liebe Grüße
Wolfgang

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Re: Realisation

Postby Katinkah » Sat Jan 26, 2019 3:45 pm

Lieber Wolfgang,
Ich habe einige Zeit für die Antwort gebraucht weil ich mit meinen Antworten nicht zufrieden war und mich gefragt habe, stimmt das so oder ist das missverständlich?

Bitte mach dir keinen Stress. Versuche an die Erkundungen mit der Neugier eines kleinen Kindes heranzugehen.
Und schreibe einfach das, was gerade aufkommt und soviel du möchtest.
Ich sortiere das dann. Im Lauf des Dialogs kann es passieren, dass ich nicht auf alles eingehe um den Fokus zu halten.
Wenn ich etwas nicht verstehe oder missverständlich finde, frage ich einfach nach. Und du frag bitte auch :-).

Auch ändern sich meine Vorstellungen und was ich vor 2 Stunden empfunden habe, ist jetzt anders.

Ja :-) Gibt es irgendetwas, was sich nicht verändert?

Dein Vorschlag, mir die Tasse Tee vorzustellen, war nicht einfach zu realisieren. Es kamen immer andere Gedanken und Empfindungen dazwischen. Die Vorstellungen über die verschiedenen Sachen (Wärme, Geschmack, ...) waren undeutlich. Ich hatte damit Schwierigkeiten. Als ich die Übung wiederholte, war es schon "besser".

Gut :-)

Und... was sind Vorstellungen?
Vergangenes, Erinnerungen, nicht im JETZT sein

Existiert Vergangenheit, Erinnerung irgendwoanders als in Gedanken?


Wo ist die Tasse mit dem Tee?
...........es ist nur ein Bild oder eine Empfindung in meinem Gehirn, in meinem Bewusstsein, nicht in der "Wirklichkeit"
Ist es dein Bewusstsein oder ist Bewusstsein einfach da?


Und Gehirn....


Ist Gehirn direkt erfahrbar? Kannst du es sehen, hören, riechen oder schmecken, kannst du es spüren?

Die Frage klingt vllt. ein bisschen absurd :-), aber geh mal auf die Suche nach deinem Gehirn.

Was sagt das über die Wirklichkeit von Gedankeninhalten aus und damit auch über die Wirklichkeit von Vorstellungen?
..........Gedankeninhalte sind nicht die Wirklichkeit
Und kannst du mit absoluter Sicherheit sagen, dass sie wahr sind?

Was sagt das über die Wirklichkeit des Ich-Gedanken?
.........Auch er ist nur eine Fiktion, trotzdem ist der "Ich-Gedanke" so "eingebrannt", dass er immer wieder auftaucht. Wenn .........ich genau hinschaue, wo ist denn mein "ICH", kann ich nichts finden, erst mal verwirrend.

Ja. Er scheint wie eingebrannt zu sein. Einfach eine lebenslange Gewohnheit und ein Mittel zur Kommunikation.
Und Verwirrung ist gut :-)
Wenn ich in "mich" hineinspüre, ist die Angst plötzlich sehr präsent, dann wird sie wieder schwächer und verschwindet.
Gibt es eine körperliche Empfindung die nicht diesem Auftauchen und wieder verschwinden unterliegt?

Unruhe bleibt länger, ist diffus. Sie ist einfach da, eine Art körperliche Empfindung. Wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke, ist sie immer da.So ähnlich wie mit meinem Tinitus: normalerweise spüre ich ihn nicht, er ist "ausgeblendet", wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke, spüre ich ihn ganz stark.
Kannst du deine Aufmerksamkeit wirklich lenken?
Oder ist da nur ein Gedanke der sagt....Ich lenke meine Aufmerksamkeit jetzt auf....


Wie ist das überhaupt mit den Gedanken?


Kannst du die lenken?
Kannst du dir aussuchen, welcher Gedanke gedacht wird?
Gibt es einen Denker und das Gedachte, oder einfach nur denken?
Hast du die Kontrolle darüber, welcher Gedanke gerade auftaucht?


All das ist vielleicht etwas durcheinander, wenig klar, aber das entspricht dem, was ich gerade empfinde
.

Nein, es ist nicht durcheinander :-)

Liebe Grüße

Kerstin

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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Sun Jan 27, 2019 11:06 pm

Hallo liebe Kerstin,

danke für Deine Antworten und neuen Fragen. Ich bin überrascht, wie schnell Du reagierst, ich brauche einfach länger mit meinen Antworten. Ich versuche, sie kurz zu formulieren, sonst würde es noch länger dauern.
Existiert Vergangenheit, Erinnerung irgendwoanders als in Gedanken?
nein
Ist es dein Bewusstsein oder ist Bewusstsein einfach da?
Bewusstsein ist einfach da. Trotzdem bin ich meistens in der Illusion befangen, dass es von einem "ich" ausgeht.
Ist Gehirn direkt erfahrbar? Kannst du es sehen, hören, riechen oder schmecken, kannst du es spüren?
nein. Direkt erfahrbar ist es nicht. Aber durch unsere Kultur und die Hirnforschung, die mich sehr interessiert und fasziniert, ist der Gedanke tief in meinem Bewusstsein verankert, dass Bewusstsein in meinem Gehirn entsteht. Wenn ich jetzt tot umfalle, ist mein Bewusstsein verschwunden. Viele Dinge können wir nicht unmittelbar sehen, hören, riechen, schmecken oder spüren, obwohl ich zutiefst überzeugt bin (warum könnte ich im Einzelnen begründen), dass sie existieren, z.B. Magnetismus, Röntgenstrahlen, Atome und daraus aufgebaute Mikrochips, ohne die wir beide nicht über das Internet kommunizieren könnten und vieles andere mehr.
Und kannst du mit absoluter Sicherheit sagen, dass sie (Gedankeninhalte) wahr sind?
ich weiß nicht, was mit "Wahrheit" gemeint ist.
Gibt es eine körperliche Empfindung die nicht diesem Auftauchen und wieder verschwinden unterliegt?
es kommt darauf an, ob "ich" die Aufmerksamkeit auf den Körper lenke, dann kann ich meine Beine, Arme, Hände, Atem usw. immer wahrnehmen. Wenn "ich" die Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenke, dann passiertes, dass ich meinen Körper "vergesse".
Kannst du deine Aufmerksamkeit wirklich lenken?
Oder ist da nur ein Gedanke der sagt....Ich lenke meine Aufmerksamkeit jetzt auf....
Es kommt mir so vor, als ob "ich" das könnte. Aber wenn ich tiefer nachspüre, kann ich realisieren, dass das auch zu den Illusionen gehört, denen ich ständig unterliege. Irgendetwas passiert ständig in meinem Gehirn. Gedanken, Bilder, Körperempfindungen, Gefühle, "tiefere Erfahrungen" (essentielle Einsichten meines Body-Mind-Organismus) kommen und gehen. Natürlich hat alles seine Ursache. Dass gerade der Gedanke X auftaucht, hat vielleicht eine lange Vorgeschichte, die bis zu meiner Geburt zurück reicht. Das ist aber verborgen.
Kannst du die lenken?
Kannst du dir aussuchen, welcher Gedanke gedacht wird?
Gibt es einen Denker und das Gedachte, oder einfach nur denken?
Hast du die Kontrolle darüber, welcher Gedanke gerade auftaucht?
nein, genauere Antwort siehe vorherige Frage.

Ich brauche immer viel Zeit für meine Antworten, deshalb will ich jetzt erst mal schließen

Danke und liebe Grüße
Wolfgang
SO 27.1.2019 23:06

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Re: Realisation

Postby Katinkah » Mon Jan 28, 2019 12:50 pm

Lieber Wolfgang,



Ist Gehirn direkt erfahrbar? Kannst du es sehen, hören, riechen oder schmecken, kannst du es spüren?
nein. Direkt erfahrbar ist es nicht.
Ganz genau. Es ist nicht direkt erfahrbar.
es kommt darauf an, ob "ich" die Aufmerksamkeit auf den Körper lenke, dann kann ich meine Beine, Arme, Hände,
Atem usw. immer wahrnehmen.
Wenn du z. Bsp. deine Hände betrachtest....was wird wirklich gesehen?

Wird „Hand“ gesehen oder ist „Hand“ das gedankliche Etikett was hinzugefügt wird?

Versuche das, was wirklich gesehen wird, so weit wie möglich runterzubrechen.


Probier das auch mal mit anderen Objekten. Wenn du dich im Raum umsiehst....was wird wirklich gesehen und was wird gedanklich hinzugefügt?

Kannst du deine Aufmerksamkeit wirklich lenken?
Oder ist da nur ein Gedanke der sagt....Ich lenke meine Aufmerksamkeit jetzt auf....
.........Es kommt mir so vor, als ob "ich" das könnte. Aber wenn ich tiefer nachspüre, kann ich realisieren, dass das auch zu den ..........Illusionen gehört, denen ich ständig unterliege.
Gut :-)

Irgendetwas passiert ständig in meinem Gehirn. Gedanken.......
Kann wirklich direkt erfahren werden, das Gedanken in deinem Gehirn entstehen?
Oder ist das eine Annahme, eine Vorstellung?

Setze dich hin und beobachte die Gedanken.
Entspanne dich und warte neugierig. Gedanken tauchen auf....und dann sieh nach...

Woher kommen die Gedanken her und wo gehen sie hin?


Liebe Grüße, Kerstin

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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Wed Jan 30, 2019 6:18 pm

Liebe Kerstin,

danke für Deine Anregungen.
Wird „Hand“ gesehen oder ist „Hand“ das gedankliche Etikett was hinzugefügt wird?
Probier das auch mal mit anderen Objekten. Wenn du dich im Raum umsiehst....was wird wirklich gesehen und was wird gedanklich hinzugefügt?
Woher kommen die Gedanken her und wo gehen sie hin?
Ich möchte heute etwas weiter ausholen. Beruflich habe ich als Physiker in einem biologisch-medizinischen Forschungsinstitut gearbeitet und kann Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung nicht einfach ausklammern. Unsere Wahrnehmung ist ein konstruktiver Prozess unseres Gehirns, in dem optische, akustische, taktile und olfaktorische Sinneseindrücke in komplizierten Algorithmen verarbeitet werden und zum Schluss entsteht daraus der Eindruck z.B. von einem Hund, der mit dem Schwanz wedelt und bellt und in mir Angst oder Vertrauen auslöst (je nach Vorerfahrungen). Das alles ist heute Lehrbuchweisheit und sehr genau erforscht. Von diesen komplizierten Berechnungen in unserem Gehirn bekommen wir nichts mit. Dass in unserem Bewusstsein - ganz unmittelbar - sofort der Hund auftaucht, ist eine der vielen Täuschungen, der wir unterliegen. Nichts ist unmittelbar gegeben. In Wahrheit ist Wahrnehmung ein Konstrukt, in dem frühere Erfahrungen, also auch Gedanken, unbewusst eine entscheidende Rolle spielen. Ich sehe nichts "wirklich", wie Du es nennst, alles ist vorgeprägt durch die kognitiven Leistungen unseres Gehirns.

Die Hirnforschung hat auch gezeigt, dass es keine zentrale Instanz gibt, in der alles zusammen kommt, in der Entscheidungen getroffen werden, also keine "Ich-Instanz". Alles ist verteilt in einem Netzwerk von Neuronen, die reziprok verschaltet sind und nach Naturgesetzen arbeiten. Hinzugekommen ist die kulturelle Entwicklung, in der Millionen von Menschen miteinander in Beziehung treten und sich austauschen. Ein isolierter Mensch hätte vermutlich gar kein Bewusstsein. Vieles an den Mechanismen ist aber noch unklar.

Ich bin aber kein Hirnforscher und will niemanden belehren. Vielleicht ist das alles für Dich auch schon viel zu lang. Auf jeden Fall ist bei Hirnforschern Konsens, dass es kein eigenständiges Ich gibt. Es enttäuscht mich immer wieder, dass spirituell interessierte Menschen so wenig davon wissen und sich auch nicht dafür interessieren. Meines Wissens hat lediglich der Dalai Lama versucht, die Wissenschaft einzubeziehen. In einigen Jahrzehnten werden diese Erkenntnisse unser Menschenbild jedoch radikal verändern.

Damit Du erkennst, dass diese Überlegungen für mich nicht "Philosophie" oder nur intellektuelle Spielerein sind, will ich ganz kurz von langjährigen Erfahrungen mit meinem Prostatakarzinom berichten. Unmittelbar nehme ich nichts von den Karzinom wahr. Zum Arzt bin ich gegangen, weil ich Probleme bei Wasserlassen hatte - dies also meine einzige unmittelbare, "wirkliche" Wahrnehmung. Der Arzt machte einen PSA-Test. Da dieser Wert sehr hoch war, wurde das Karzinom über viele Jahre beobachtet, bis ich mich vor einem Jahr eine Strahlentherapie unterzog. Ich habe davon in meinem Körper wiederum nichts wahrgenommen, sondern mich auf die Ärzte mit ihrem Wissen (Gedanken, Theorien über Zellvorgänge) und das Labor (Gedanken, Apparate, PSA-Messungen) verlassen. Zur Vorbereitung wurden umfangreiche Untersuchungen angestellt, z.B. PET (Positronen-Emission-Tomographie), mit der ermittelt werden kann, ob schon Metastasen aufgetreten sind. Dazu musste ich einen Becher mit radioaktiver Substanz trinken und mich in ein großes Gerät legen. Hätte die MTA versehentlich die tausendfache Dosis verabreicht, ich hätte anfangs nichts davon gespürt, wäre aber bald tot gewesen.

Die Untersuchungsmethoden dafür basieren auf Erkenntnissen der Quantentheorie, die nur wenige Menschen verstehen und die der menschlichen Intuition radikal widersprechen. Unmittelbar erfahren oder wahrnehmen kann man das sowieso nicht. Nur die besondere kognitive Fähigkeit des Menschen, Theorien aufzustellen (Gedanken), die Teile der Wirklichkeit richtig beschreiben, hat zu der Explosion des Wissens (Gedanken) über die Welt geführt, die sich Buddha und seine Zeitgenossen nicht im Entferntesten vorstellen konnten. Auch die Röntgenbestrahlung habe ich nicht gespürt, nur der Gedanke, dass die Ärzte und Physiker das schon richtig machen werden, hat mich bewogen, diese Prozedur über mich ergehen zu lassen. Dass am Prostatakarzinom viele Männer sterben, habe ich persönlich vor zwei Jahren bei einem guten Freund erfahren müssen. Das Ganze ist für mich daher ein existentielles, nicht ein fiktives Problem. Mir geht es erfreulicherweise gut.

Wozu diese lange Geschichte? Wir leben in einer Welt, in der eigene Erfahrungen nur eine sehr eingeschränkte Rolle spielen. Dazu kommt, dass das, was wir "unsere unmittelbare Erfahrungen" nennen, in Wahrheit alle Konstrukte unseres Gehirns sind, nichts Unvermitteltes. Das meiste übernehmen wir von dem Wissensschatz, den Millionen Menschen seit Jahrhunderten angehäuft haben und der immer größer wird. Zusätzlich zu dem Wissensschatz der Evolution des Leben auf dieser Erde.

Mir ist es ganz wichtig, zu vermitteln, ich möchte Dich und auch andere nicht belehren, nur darstellen, was mich bewegt. Spiritualität ist für mich vor allem, ehrlich gegenüber mir selbst zu sein, ohne Rücksicht, was andere darüber meinen.

Jetzt will ich erst mal enden. Ich könnte noch schreiben, was für mich Spiritualität ist und weshalb sie wichtig ist. Vielleicht später.

Liebe Grüße und danke für Deine Geduld mit mir,
Wolfgang

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Re: Realisation

Postby Katinkah » Wed Jan 30, 2019 7:28 pm

Lieber Wolfgang,
Ich möchte heute etwas weiter ausholen. Beruflich habe ich als Physiker in einem biologisch-medizinischen Forschungsinstitut gearbeitet und kann Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung nicht einfach ausklammern. Unsere Wahrnehmung ist ein konstruktiver Prozess unseres Gehirns, in dem optische, akustische, taktile und olfaktorische Sinneseindrücke in komplizierten Algorithmen verarbeitet werden und zum Schluss entsteht daraus der Eindruck z.B. von einem Hund, der mit dem Schwanz wedelt und bellt und in mir Angst oder Vertrauen auslöst (je nach Vorerfahrungen). Das alles ist heute Lehrbuchweisheit und sehr genau erforscht. Von diesen komplizierten Berechnungen in unserem Gehirn bekommen wir nichts mit. Dass in unserem Bewusstsein - ganz unmittelbar - sofort der Hund auftaucht, ist eine der vielen Täuschungen, der wir unterliegen. Nichts ist unmittelbar gegeben. In Wahrheit ist Wahrnehmung ein Konstrukt, in dem frühere Erfahrungen, also auch Gedanken, unbewusst eine entscheidende Rolle spielen. Ich sehe nichts "wirklich", wie Du es nennst, alles ist vorgeprägt durch die kognitiven Leistungen unseres Gehirns.
Ja.
Die Hirnforschung hat auch gezeigt, dass es keine zentrale Instanz gibt, in der alles zusammen kommt, in der Entscheidungen getroffen werden, also keine "Ich-Instanz". Alles ist verteilt in einem Netzwerk von Neuronen, die reziprok verschaltet sind und nach Naturgesetzen arbeiten. Hinzugekommen ist die kulturelle Entwicklung, in der Millionen von Menschen miteinander in Beziehung treten und sich austauschen. Ein isolierter Mensch hätte vermutlich gar kein Bewusstsein. Vieles an den Mechanismen ist aber noch unklar. 

Genau.
Ich bin aber kein Hirnforscher und will niemanden belehren. Vielleicht ist das alles für Dich auch schon viel zu lang. Auf jeden Fall ist bei Hirnforschern Konsens, dass es kein eigenständiges Ich gibt. Es enttäuscht mich immer wieder, dass spirituell interessierte Menschen so wenig davon wissen und sich auch nicht dafür interessieren. Meines Wissens hat lediglich der Dalai Lama versucht, die Wissenschaft einzubeziehen. In einigen Jahrzehnten werden diese Erkenntnisse unser Menschenbild jedoch radikal verändern.

Ja. Hoffnung:-)

Damit Du erkennst, dass diese Überlegungen für mich nicht "Philosophie" oder nur intellektuelle Spielerein sind, will ich ganz kurz von langjährigen Erfahrungen mit meinem Prostatakarzinom berichten. Unmittelbar nehme ich nichts von den Karzinom wahr. Zum Arzt bin ich gegangen, weil ich Probleme bei Wasserlassen hatte - dies also meine einzige unmittelbare, "wirkliche" Wahrnehmung. Der Arzt machte einen PSA-Test. Da dieser Wert sehr hoch war, wurde das Karzinom über viele Jahre beobachtet, bis ich mich vor einem Jahr eine Strahlentherapie unterzog. Ich habe davon in meinem Körper wiederum nichts wahrgenommen, sondern mich auf die Ärzte mit ihrem Wissen (Gedanken, Theorien über Zellvorgänge) und das Labor (Gedanken, Apparate, PSA-Messungen) verlassen. Zur Vorbereitung wurden umfangreiche Untersuchungen angestellt, z.B. PET (Positronen-Emission-Tomographie), mit der ermittelt werden kann, ob schon Metastasen aufgetreten sind. Dazu musste ich einen Becher mit radioaktiver Substanz trinken und mich in ein großes Gerät legen. Hätte die MTA versehentlich die tausendfache Dosis verabreicht, ich hätte anfangs nichts davon gespürt, wäre aber bald tot gewesen. 
Die Untersuchungsmethoden dafür basieren auf Erkenntnissen der Quantentheorie, die nur wenige Menschen verstehen und die der menschlichen Intuition radikal widersprechen. Unmittelbar erfahren oder wahrnehmen kann man das sowieso nicht. Nur die besondere kognitive Fähigkeit des Menschen, Theorien aufzustellen (Gedanken), die Teile der Wirklichkeit richtig beschreiben, hat zu der Explosion des Wissens (Gedanken) über die Welt geführt, die sich Buddha und seine Zeitgenossen nicht im Entferntesten vorstellen konnten. Auch die Röntgenbestrahlung habe ich nicht gespürt, nur der Gedanke, dass die Ärzte und Physiker das schon richtig machen werden, hat mich bewogen, diese Prozedur über mich ergehen zu lassen. Dass am Prostatakarzinom viele Männer sterben, habe ich persönlich vor zwei Jahren bei einem guten Freund erfahren müssen. Das Ganze ist für mich daher ein existentielles, nicht ein fiktives Problem. Mir geht es erfreulicherweise gut.
Schön, dass es dir gut geht.


Wozu diese lange Geschichte? Wir leben in einer Welt, in der eigene Erfahrungen nur eine sehr eingeschränkte Rolle spielen. 

Ja. Aber ist es nicht das was dich bewogen hat, dich hier anzumelden? Selbst zu erfahren,  was die Wissenschaft mittlerweile herausgefunden hat?

Geht es dir hier nicht darum, eigene Erfahrungen zu machen?


Dazu kommt, dass das, was wir "unsere unmittelbare Erfahrungen" nennen, in Wahrheit alle Konstrukte unseres Gehirns sind, nichts Unvermitteltes.
 Das meiste übernehmen wir von dem Wissensschatz, den Millionen Menschen seit Jahrhunderten angehäuft haben und der immer größer wird. Zusätzlich zu dem Wissensschatz der Evolution des Leben auf dieser Erde.
Mir ist es ganz wichtig, zu vermitteln, ich möchte Dich und auch andere nicht belehren, nur darstellen, was mich bewegt. 


Spiritualität ist für mich vor allem, ehrlich gegenüber mir selbst zu sein, ohne Rücksicht, was andere darüber meinen.
Wunderbar :-). 



Lieber Wolfgang, wonach suchst du?



Liebe Grüße,  Kerstin

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archimedes83
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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Sun Feb 03, 2019 1:30 pm

Liebe Kerstin,

danke für Deine rasche Antwort. Bei mir dauert es etwas länger. Ich überlege, wonach suche ich wirklich? Mir fallen viele Antworten ein, ich muss sie sortieren und frage mich, welche Antwort stimmt? Dieser Prozess der Selbsterforschung ist wichtig für mich. Wenn ich schreibe, lege ich mich fest. Lese ich es nochmal durch, merke ich, es stimmt so noch nicht oder ich bin nicht ganz ehrlich und ich forsche weiter, um selber Klarheit zu gewinnen. Irgendwann jedoch muss ich zum Ende kommen und den Text abschicken in dem Wissen, dass Selbsterforschung wohl nie enden wird.
Aber ist es nicht das was dich bewogen hat, dich hier anzumelden? Selbst zu erfahren, was die Wissenschaft mittlerweile herausgefunden hat?
Geht es dir hier nicht darum, eigene Erfahrungen zu machen?
Ja,
Lieber Wolfgang, wonach suchst du?
Das ist die zentrale Frage. Danke, dass Du mich wieder darauf hingewiesen hast.

Was suche ich: inneren Frieden und Freiheit von inneren Zwängen. Erkennen, was bin ich? Erkennen, dass ich nicht weiß, wer der Handelnde war und ist. Realisieren, das vorgestellte ich ist eine Fiktion, eine Illusion. Mein Leben so akzeptieren, wie es war, mit den guten und nicht guten Begebenheiten, nicht wie ich es gerne gehabt hätte. Nichts "unter den Teppich kehren", total ehrlich und aufrichtig sein, mir gegenüber. Das kann eine schmerzhafte Übung sein, aber nur durch sie kann Befreiung gelingen. Dies alles kann ich sehen, aber es ist noch nicht "in Fleisch und Blut" übergegangen, nicht eine andauernde tiefe innere Erfahrung geworden. Das merke ich z.B. an bedrückenden Träumen, die ich öfter habe und einer latenten inneren Unruhe. Manchmal verliere ich mich in inneren Phantasien, bin nicht im Jetzt. Selten spüre ich die Angst, die vielleicht allem zu Grunde liegt.

Das Wissen um Ergebnisse der Hirnforschung und anderer Disziplinen können dieses Erkennen unterstützen. Ich habe einen schönen Spruch gelesen: "Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an". Was hältst Du davon?

----------------------------

Noch eine Info für Dich: ich fahre jetzt eine Woche weg, ohne Laptop, um mit meiner Frau einen schönen Urlaub zu genießen, in der Natur wandern, relaxen ... Deshalb kann ich erst nach dem 11.2. antworten.

Liebe Grüße
Wolfgang

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Katinkah
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Re: Realisation

Postby Katinkah » Sun Feb 03, 2019 6:35 pm

Noch eine Info für Dich: ich fahre jetzt eine Woche weg, ohne Laptop, um mit meiner Frau einen schönen Urlaub zu genießen, in der Natur wandern, relaxen ... Deshalb kann ich erst nach dem 11.2. antworten

Danke für's Bescheid geben. Hab eine schöne Zeit:-)

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Katinkah
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Re: Realisation

Postby Katinkah » Tue Feb 12, 2019 3:41 pm

Lieber Wolfgang,


ich hoffe, du hattest eine schöne Zeit beim wandern :-)




Aber ist es nicht das was dich bewogen hat, dich hier anzumelden? Selbst zu erfahren, was die Wissenschaft mittlerweile herausgefunden hat?
Geht es dir hier nicht darum, eigene Erfahrungen zu machen?

.......Ja, 

Schön :-)


Wenn das direkte Erfahren/Erleben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen wird,
könnte es mit den Worten hören, riechen, schmecken,  sehen und beobachtete Gedanken beschrieben werden?


Gibt es sonst noch etwas, was wir mit Sicherheit wissen können?

Falls ja, was wäre das und wie genau wird das erfahren?

Lieber Wolfgang, wonach suchst du?
........ Das ist die zentrale Frage. Danke, dass Du mich wieder darauf hingewiesen hast. 
.........Was suche ich: inneren Frieden und Freiheit von inneren Zwängen. 
Taucht innerer Frieden auf, wenn Widerstand gegen das , was ist, verschwindet?



 
Mein Leben so akzeptieren, wie es war, mit den guten und nicht guten Begebenheiten, nicht wie ich es gerne gehabt hätte. 

Ja. Gedanken erzählen gern Geschichten darüber, wie das Leben verlaufen wäre wenn nicht dieses oder jenes....


Hätte irgendetwas anders sein können als es war? Kann der Moment anders sein, als er ist? 



Nichts "unter den Teppich kehren", total ehrlich und aufrichtig sein, mir gegenüber. Das kann eine schmerzhafte Übung sein, aber nur durch sie kann Befreiung gelingen.
 


Ja.


Das Wissen um Ergebnisse der Hirnforschung und anderer Disziplinen können dieses Erkennen unterstützen. Ich habe einen schönen Spruch gelesen: "Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an". Was hältst Du davon?
Hm. Seele....was verstehst du unter dem Begriff Seele?




Liebe Grüße, 

Kerstin 

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archimedes83
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Re: Realisation

Postby archimedes83 » Fri Feb 15, 2019 10:45 am

Liebe Kerstin,

danke für Deine guten Wünsche.

Auch für Deine anregenden Fragen. Darauf zu antworten ist für mich ein Prozess, in dem ich selber nachspüre, ja, wie ist das eigentlich mit meiner Erfahrung, woher und wodurch kommt sie, kann ich mich auf sie verlassen oder täuscht sie mich auch manchmal? Ich will ja nicht "meine Schularbeiten machen", sondern mir selber klarer über diese Dinge werden. Deshalb brauche ich manchmal etwas Zeit. Wenn ich nochmal lese, was ich geschrieben habe, frage ich mich, habe ich das richtig ausgedrückt, die passenden Worte gefunden? Was ist für mich "Erfahrung", "Stimmung", "Gefühl", "Erkenntnis", "tiefe Erfahrung", "Realisation", "implizites Wissen", "Glauben", "Überzeugung", dasselbe wie für andere Menschen?

Beim Schreiben kommen mir so viele "Einfälle", dass der Text sehr lang wird. Und ich muss mich "bremsen", um nicht noch mehr zu schreiben. Entschuldige, wenn Dir das zu ausführlich ist!
Wenn das direkte Erfahren/Erleben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen wird,
könnte es mit den Worten hören, riechen, schmecken, sehen und beobachtete Gedanken beschrieben werden?
Gibt es sonst noch etwas, was wir mit Sicherheit wissen können?
Falls ja, was wäre das und wie genau wird das erfahren?
"Ich" bin mit bestimmten genetischen Anlage geboren worden (die mit unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, das meiste gemein haben, aber die wenigen Unterschiede bewirken, dass z.B. Schimpansen trotz intensiver Bemühungen nicht sprechen können wie wir). Schon während der Schwangerschaft und besonders in den ersten Lebensjahren nehme "ich" unbewusst ganz viele prägende Erfahrungen auf, die in der funktionellen Architektur meines Gehirns gespeichert sind, von denen ich aber nichts weiß. Z.B. habe ich mich als Kind gefürchtet, alleine in den Keller zu gehen, warum? Auch jetzt nehme ich ständig - das meiste unbewusst - durch meine Sinnesorgane Eindrücke auf, die in meinem Gehirn gespeichert sind. Eine Stunde in der Fußgängerzone - und mein Gehirn hat viel neue Synapsen gebildet, ich bin nicht mehr derselbe wie vorher.

In unserem Leben nehmen wir eine Unmenge von Dingen war, die wir im Gedächtnis behalten, in der Schule lerne ich Mathematik, Chemie, Geographie, .... Ich war noch nie in der Antarktis, werde auch nie dort hinkommen, trotzdem habe ich viele Vorstellungen, Bilder etc. davon und die Gewissheit, das es sie gibt. Das meiste, was ich weiß, habe ich von anderen Menschen oder aus Büchern gelernt. Das Meiste übernehme ich einfach, was bleibt mir auch anderes übrig. Wenn ich in einer orthodoxen jüdischen Familie oder in einem streng gläubigen muslimischen Elternhaus aufgewachsen wäre, würde ich Homosexualität vielleicht für ein Verbrechen halten und vor 500 Jahren hätte es mich möglicherweise mit Befriedigung erfüllt, Menschen auf dem Scheiterhaufen brennen zu sehen.

Was will ich damit sagen: die Kultur (Austausch mit und Beeinflussung durch vielen andere Menschen, wodurch gemeinsame Erfahrungen und Mythen entstehen) prägt unbewusst meine eigenen Erfahrungen. Auch was ich tiefere (existentielle) Erfahrungen, Ahnung, Gefühl, implizites Wissen nenne, entsteht in meinem Gehirn und unterliegt wie alles in der Welt den Naturgesetzmäßigkeiten. Die Reaktionen meines Gehirns in Wechselwirkung mit Tausenden von anderen Menschen, die jetzt oder früher gelebt haben, ist so komplex, dass ich das nicht auch nur ansatzweise nachvollziehen kann. Das führt zur Demut und Bescheidenheit: ich weiß sehr vieles nicht und kann es auch nicht wissen. Ich bin wie alle Menschen ein Produkt der Evolution, der es nur darauf ankam, sich gegenüber anderen Lebewesen auf der Erde durchzusetzten. Dass Menschen imstande sind, Differentialgleichungen lösen, ist Zufall, hat keine "tiefere" Bedeutung.

Du fragst, können wir das mit Sicherheit wissen? Ein ganz klares NEIN! Mit Sicherheit kann ich gar nichts wissen, es ist immer vorläufig, bis ich zu anderen Überzeugungen komme. Täuschung ist immer möglich (im geschichtlichen Rückblick kann ich das gut sehen). Da ich aber nur eine sehr begrenzte Zeit (im Vergleich zu den zig-Tausenden von Jahren, die es Menschen gibt) lebe, kann ich nicht anderes als das zu akzeptieren und von dem ausgehen, was meine aktuelle innere Erfahrung mir JETZT sagt. Welche Erfahrungen Menschen in tausend Jahren haben werden, darüber kann ich nur spekulieren.
Taucht innerer Frieden auf, wenn Widerstand gegen das , was ist, verschwindet?
ja,
Hätte irgendetwas anders sein können als es war? Kann der Moment anders sein, als er ist?
nein, das kann er nicht
Hm. Seele....was verstehst du unter dem Begriff Seele?
Ich verstehe, dass Du an dem Begriff "Seele" Anstoß nimmst. "Seele" bedeutet für mich meine "Psyche", es ist nichts eigenständiges, nur eine Metapher. Dieser Ausspruch (den ich wörtlich so übernehmen wollte, wie ich ihn gelesen haben) sollte nur verdeutlichen, was ich an mir feststelle: wenn Gedanken (woher sie auch kommen) immer wieder auftauchen und ich sie als "wahr" (mit meiner Erfahrung in Einklang) erfahre, so werden sie langsam zur Selbstverständlichkeit, zur Überzeugung. Deshalb "muss ich" auf meine Gedanken "aufpassen". Es ist nicht egal, was ich denke. Es hat Auswirkungen auf meine Stimmung, meine Gefühle, meine inneren Erfahrungen. Wenn ich überwiegend optimistische Gedanken habe, wird Optimismus eine grundlegende Erfahrung. Anders bei überwiegend pessimistischen Gedanken. Natürlich "mache" ich letztendlich nicht meine Gedanken, sie kommen einfach, weil mein Gehirn so" tickt". "Ich" mache nichts, es geschieht, wie der Regen kommt und geht.

Liberation geht es ja vor allem darum - wenn ich das richtig sehe - zu erkennen, dass es kein eigenständiges "ich" gibt. Wenn ich mich oft mit Hirnforschung beschäftige, die das auch heraus gefunden hat und immer mehr erstaunliche Details dazu entdeckt, so geht das langsam in meine innere Erfahrung (Überzeugung, Realisierung) über. Ich habe gehört, dass Mathematiker, die sich ihr Leben lang mit Räumen mit mehr als 3 Dimensionen beschäftigen, mit der Zeit eine Anschauung davon bekommen.

Liebe Grüße
Wolfgang

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Katinkah
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Re: Realisation

Postby Katinkah » Fri Feb 15, 2019 4:05 pm

Lieber Wolfgang,
Beim Schreiben kommen mir so viele "Einfälle", dass der Text sehr lang wird. Und ich muss mich "bremsen", um nicht noch mehr zu schreiben. Entschuldige, wenn Dir das zu ausführlich ist!
Alles gut :-)
Ich werde später auf Einiges aus deinem letzten Post eingehen.

Jetzt möchte ich gern den Fokus auf die direkte Wahrnehmung/Erfahrung lenken, raus aus den gedanklichen Vorstellungen. (Bitte versuche aus dem zu antworten, was du bei der Übung erfährst. Intellektuelle Herleitungen oder angelesenes Wissen mögen zwar interessant sein, bringen dich aber nicht in die direkte Wahrnehmung/Erfahrung. Und nur darum geht es hier.)

Lege dich für ungefähr 15 Minuten hin.
Atme ruhig und dann achte nur auf die reinen Empfindungen, ohne dich auf Gedanken oder geistige Bilder zu stützen.


Kannst du erkennen, wie groß der Körper ist?

Hat der Körper ein Gewicht oder Umfang?

Hat dein Körper in der aktuellen Erfahrung eine Gestalt oder Form?

Gibt es eine Grenze zwischen dem Körper und der Unterlage?

Wieviel Zehen hast du?

Bist du männlich oder weiblich?

Hast du einen Namen?

Gibt es ein Innen oder Außen? Falls es ein Innen gibt - das Innen wovon genau?

Falls es ein Außen gibt, das Außen wovon genau?

Worauf bezieht sich das Wort/die Bezeichnung 'Körper' eigentlich?

Fehlt irgendetwas, wenn du so erfährst?

Ist da ein Körper, der wahrnimmt oder wird der Körper wahrgenommen?

"Wohnt" Wahrnehmen an einem bestimmten Ort?

Wenn du den Gedanken dazu nicht glaubst, ist da irgendetwas, was gerade fehlen könnte, irgendetwas, was an dieser Erfahrung unvollständig sein könnte? Versuche die Unvollständigkeit zu finden.


Viel Spaß mit der Übung, ich bin gespannt, was du herausfindest.
Liebe Grüße, Kerstin


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