Graue Theorie

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Christian88
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Graue Theorie

Postby Christian88 » Wed Dec 26, 2018 5:53 am

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Freiheit, Frieden. Das Ende des Gedankenkarussels. Aber auch Angst, nicht mehr derselbe zu sein, die Kontrolle zu verlieren.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Ich bin über einen schönen Erfahrungsbericht auf LU gestoßen. Ich habe das Gefühl, die ganze intellektuelle Beschäftigung führt zu nichts, man kann es 100mal lesen, 100mal meine ich es verstanden zu haben, aber die Identifikation mit dem Ich bleibt bestehen . Im Grunde weiß ich, dass man das Ich nicht willentlich auflösen kann. Ich habe keine Energie und Lust mehr, mir noch eine Herangehensweise, noch ein Konzept anzueignen. Aber ich kann die Suche auch nicht lassen. LU finde ich interessant, weil dieses Konzept direkt auf die eigenen Vorstellungen und Wahrehmungen ausgerichtet ist und nicht auf eine Lehre.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Seit ich denken kann, suche ich. Ich habe früh mit LSD experimentiert, was aber Ängste und Depressionen ausgelöst (oder verstärkt?) hat. Ich besuchte einige Jahre eine Selbsterfahrungsgruppe (Holotropes Atmen), las über die Jahre J. Krishnamurti, Osho usw.
Wenn ich ehrlich bin, hielt mich eigentlich nur die Angst und das Gefühl der Leere am Suchen. Was am Anfang jungendlicher Übermut war, wurde nun zur Notwendigkeit, um mit der Angst zurecht zu kommen. Wenn sie stark war, war ich gezwungen, mich damit zu beschäftigen. Lies sie nach, auch über Jahre hinweg, suchte ich nicht weiter, zumindest nicht intensiv. So vergingen 20 Jahre, bis die Angst ohne ersichtlichen Grund wieder stärker wurde und mein Leben so beeinträchtigt hat, dass ich mich erneut auf die Suche gemacht habe. Letztlich möchte ich ohne Angst Leben. Ich hatte vor kurzem ein Erlebnis, das sehr schön war. Zunächst war nur Angst und Panik da, ich lag reglos auf dem Sofa und konnte mich nur überrollen lassen. Irgendwann war die Angst dann plötzlich weg und stattdessen war da nur Frieden, ein Gefühl dass alles so wie es ist, immer genau richtig ist. Richtig trifft es nicht so ganz, in diesem "Zustand" war der Gedanke, es könnte anders sein, irgendwie abstrus. Im Grunde war und ist eigentlich nie etwas passiert. Das ging aber wieder so wie es gekommen war.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?

Einen praktischen Bezug, eine Art Werkzeug, um klar zu sehen. Ich möchte erkennen, warum ich jedes Mal von neuem glaube, es wäre "meine" Angst und warum sie mich so beherrscht.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Verananda
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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Wed Dec 26, 2018 11:54 am

Lieber Christian88,

herzlich Willkommen bei Liberation Unleashed.

Meine Name ist Verananda und ich bin dein Guide hier wenn du magst.
Wie darf ich Dich ansprechen?

Bevor wir beginnen, lese bitte die einführenden Worte:
viewtopic.php?f=18&t=6280

Wenn du meine Fragen beantwortest, nutze bitte die Zitierfunktion:
viewtopic.php?f=18&t=6275

Für unsere gemeinsame Zeit hier ist es wichtig, dass du alle Bücher, Videos, Internetrecherche, Zeitungsartikel und wissenschaftliche Analysen beiseite legst. Auch all das Wissen daraus. Hier geht es nicht um Wissen, sondern das direkte Erfahren der Wahrheit im hier und jetzt. Das beste ist, du startest mit der Neugierde und dem Nichtwissen eines kleinen Kindes, das gerade die Welt erkundet. Wie findest du das?

Auch ist es gut, wenn wir uns etwa 1x täglich schreiben, damit das ganze im Fluß bleibt.

Bist du mit dem obigen einverstanden?

Du hast ja schon einiges erlebt, und auch das ist eine sehr wertvolle Erfahrung:
Ich hatte vor kurzem ein Erlebnis, das sehr schön war. Zunächst war nur Angst und Panik da, ich lag reglos auf dem Sofa und konnte mich nur überrollen lassen. Irgendwann war die Angst dann plötzlich weg und stattdessen war da nur Frieden, ein Gefühl dass alles so wie es ist, immer genau richtig ist. Richtig trifft es nicht so ganz, in diesem "Zustand" war der Gedanke, es könnte anders sein, irgendwie abstrus. Im Grunde war und ist eigentlich nie etwas passiert. Das ging aber wieder so wie es gekommen war.
wie war es bei dem Erlebnis ? Waren da diese Wünche auch da? :
Ich möchte erkennen, warum ich jedes Mal von neuem glaube, es wäre "meine" Angst und warum sie mich so beherrscht.
Letztlich möchte ich ohne Angst Leben.
War da jemand da, der diese Angst auf sich bezog?
Oder kamen diese Gedanken alle später dazu?
LU finde ich interessant, weil dieses Konzept direkt auf die eigenen Vorstellungen und Wahrehmungen ausgerichtet ist und nicht auf eine Lehre.
Genau. es geht um direkte Erfahrung und darin zu untersuchen was wahr ist und was alte übernommene Überzeugungen sind die eine Illusion schaffen wie die Ich-Illusion. Diesen Weg können wir zusammen gehen, wenn du möchtest.

alles Liebe
Verananda

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Wed Dec 26, 2018 11:56 am

Hier nochmal die Links, ich glaube, die wurden in dem letzten Post nicht richtig übernommen:

Bevor wir beginnen, lese bitte die einführenden Worte:
viewtopic.php?f=18&t=6280

Wenn du meine Fragen beantwortest, nutze bitte die Zitierfunktion:
viewtopic.php?f=18&t=6275

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Christian88
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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Wed Dec 26, 2018 2:25 pm

Hallo Verananda,

danke für deine Begleitung. Ich heiße Christian und bin einverstanden, unvoreingenommen zu antworten.
wie war es bei dem Erlebnis ? Waren da diese Wünche auch da? :


Nein, da waren keine Wünsche, keine Hoffnungen, kein schön oder nicht schön. Erst als das scheinbar wieder verschwand und ich darüber nachdachte, empfand ich es als schön im Gegensatz zu der Angst. Ich empfand es im Nachhinein sozusagen als das Gegenteil von Angst. Wenn Angst da ist, ist "ich soll/soll nicht", "ich will/ will nicht", "ich werde/ werde nicht" da und zwar so stark, dass da nur noch Angst und Gedanken da sind. In diesem Erlebnis fiel alles ab ohne durch etwas ersetzt zu werden, ich fühlte keine Ekstase oder Glückseligkeit. Es fühlte sich irgendwie natürlich an, fließend.
War da jemand da, der diese Angst auf sich bezog?
Oder kamen diese Gedanken alle später dazu?
Die Gedanken kamen später. Während des Erlebnisses kamen solche Gedanken nicht auf. Ich hatte so ein Erlebnis schonmal vor Jahren, auch unmittelbar nach oder während einer Panikattacke. Ich ging im Wald spazieren und Panik überkam mich. Ich hatte damals so eine Art Mantra, das ich in solchen Situationen innerlich immer wieder wiederholte "Ich denke, ich werde, ich will". Und als ich da so lief und diese Worte wiederholte, war die Angst plötzlich weg. Stattdessen realisierte ich, dass schon der Gedanke "da gibt es etwas was geändert werden müsste" abstrus ist und ich musste lachen.

Ich kann diese Erlebnisse nicht reproduzieren, es passiert oder eben nicht. Ich bin trotzdem dankbar dafür.

Angst verbinde ich gedanklich mit Kontrollverlust. Ich stehe zum Beispiel der Schlange einer Supermarktkette und Panik kommt auf. Ich denke, jetzt kippe ich um, alle sehen es, peinlich peinlich, was wird bloß werden usw. Wie ein Film läuft das alles ab. Natürlich passiert nichts und hinterher frage ich mich, was eigentlich das Problem war. Jetzt müsste ich es doch verstanden haben, dass da nichts passiert. Trotzdem kommt immer wieder die Angst auf. Es ist so als ob man einen Horrorfilm schon zig mal gesehen hat und 100%ig weiß, wie die Handlung ist und wie er enden wird und trotzdem hält man ihn jedes Mal für real. Das einzige was mehr oder weniger hilft ist die Konzentration auf die dingliche und sinnliche Welt, ich schaue mir die Produkte an, die auf dem Band liegen, lese die Inhaltsstoffe, schaue mich um, beobachte die Leute, lausche den Stimmen und Geräuschen. Dadurch bekommt die Angst bzw. das Gedankenkarussell weniger Energie und es wird erträglicher. Dennoch ist es anstregend und wenn ich ehrlich bin versuche ich solche Situationen dann auch zu meiden (Angst vor der Angst).

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Wed Dec 26, 2018 3:36 pm

Lieber CHristian,

was wir hier zusammen machen können, ist uns diese scheinbare ICH anzusehen bis durchschaut ist in allen Aspekten, das es eine Illusion ist. Nicht verstanden, sondern wirklich durchschaut. Was dabei oder danach mit der Angst geschieht ist offen. Da wo sie diesem Weg im Weg steht werden wir sie betrachten, erkennen als das was sie ist. Es geht dabei aber nicht drum, etwas zu verbessern oder wegzumachen. Eher so, wie du es elbst schon erlebt hast:
Stattdessen realisierte ich, dass schon der Gedanke "da gibt es etwas was geändert werden müsste" abstrus ist und ich musste lachen.
Was meinst du ?
Bist du dabei?

alles Liebe Verananda

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Christian88
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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Wed Dec 26, 2018 4:41 pm

Hallo Verananda,

ok, ich bin dabei :-)

Grüße

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Wed Dec 26, 2018 4:57 pm

wunderbar!

Dann erzähl doch mal, dieses Ich von dem du sprichst wenn du zB sagst "es wäre "meine" Angst" und das ohne Angst leben will, was ist dieses ICH? Sitzt es an einer bestimmten stelle im Körper? Wo ist es? Wie ist es? Was ist es?
Untersuche es und schreib mir was du findest!

alles Liebe Verananda

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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Wed Dec 26, 2018 6:32 pm

Wenn ich "ich" sage, nehme ich mich aus der Erfahrung als begrenztes, individuelles und körperliches Wesen war, das ein Gehirn hat und da sagt irgendjemand ich. Aber alles was ich finden und wahrnehmen kann sind Gedanken und Gefühle, die mal so sind, mal anders. Ich habe keine Kontrolle, was erscheint, was gedacht und gefühlt wird. Dennoch tauchen Gedanken auf, die das nicht akzeptieren. Das darfst du nicht denken, dies ist richtig, jenes ist falsch. Dieses Gefühl ist angenehm, das darf bleiben, die Angst ist unangenehm, die soll verschwinden. Gefühlt gibt es ein Zentrum, dem das alles "zustößt", das meint, einen Einfluss darauf zu haben. Eine Art Richter, der unablässig urteilt.
Und es hört nie auf. Der Gedanke erscheint "der ist aber doof", worauf ein weiterer Gedanke erscheint "das ist jetzt aber gemein von dir", worauf ein weiterer Gedanke auftaucht "warum musst du dich als Richter deiner Gedanken aufspielen". Letztlich ist das aber auch ein Gedanke, der auch nichts anderes macht als zu urteilen. Verrückt irgendwie, aber das nehme ich als Ich wahr. Ich dem Moment wo die Gedanken erscheinen, scheint es ICH zu sein, der das denkt.
Aber wenn ich mir das genau anschaue, sind es letztlich nur Gedanken. Sie tauchen auf, mit oder ohne Gefühle und sie verschwinden auch wieder. Ist gibt keinen, der das steuert. Dennoch gibt es jemanden, der sich damit identifiziert.

Grüße

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Wed Dec 26, 2018 8:20 pm

Wenn ich "ich" sage, nehme ich mich aus der Erfahrung als begrenztes, individuelles und körperliches Wesen war, das ein Gehirn hat und da sagt irgendjemand ich.
Was wir machen, ist ein bischen zu sortieren, was wirkliche Erfahrung ist und was Gedanken sind die etwas erzählen von dem wir nicht wirklich wissen können ob es wahr ist oder nur so oft erzählt, das es wahr scheint.

Was davon wird wirklich erfahren und was sind Gedanken?
Aber alles was ich finden und wahrnehmen kann sind Gedanken und Gefühle, die mal so sind, mal anders. Ich habe keine Kontrolle, was erscheint, was gedacht und gefühlt wird.
genauso ist es.
Dennoch tauchen Gedanken auf, die das nicht akzeptieren. Das darfst du nicht denken, dies ist richtig, jenes ist falsch. Dieses Gefühl ist angenehm, das darf bleiben, die Angst ist unangenehm, die soll verschwinden.
Sind das mehr als Gedanken? Irgendwas besonderes, ich-iges daran? Oder einfach nur Gedanken wie viele andere auch?
Gefühlt gibt es ein Zentrum, dem das alles "zustößt", das meint, einen Einfluss darauf zu haben. Eine Art Richter, der unablässig urteilt.
Untersuche mal genau - in direkter Wahnehmung - was davon wirklich erfahren wird und was Gedanken sind!
Und es hört nie auf. Der Gedanke erscheint "der ist aber doof", worauf ein weiterer Gedanke erscheint "das ist jetzt aber gemein von dir", worauf ein weiterer Gedanke auftaucht "warum musst du dich als Richter deiner Gedanken aufspielen". Letztlich ist das aber auch ein Gedanke, der auch nichts anderes macht als zu urteilen.
genau. viele Gedanken. Und wer will die anders oder weg haben?
suche mal denjenigen!
Was findest du?
Verrückt irgendwie, aber das nehme ich als Ich wahr. Ich dem Moment wo die Gedanken erscheinen, scheint es ICH zu sein, der das denkt. Aber wenn ich mir das genau anschaue, sind es letztlich nur Gedanken. Sie tauchen auf, mit oder ohne Gefühle und sie verschwinden auch wieder.
genau!
Ist gibt keinen, der das steuert. Dennoch gibt es jemanden, der sich damit identifiziert.
Wer oder was ist das, der sich da identifiziert?
Untersuche genau was du findest!

liebe Grüße

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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Wed Dec 26, 2018 10:06 pm

Was wir machen, ist ein bischen zu sortieren, was wirkliche Erfahrung ist und was Gedanken sind die etwas erzählen von dem wir nicht wirklich wissen können ob es wahr ist oder nur so oft erzählt, das es wahr scheint.

Was davon wird wirklich erfahren und was sind Gedanken?
Wenn ich den Alltag, die Vergangenheit und alles Wissens beiseite lasse, dann ist hier nur ein Art Gewahrsein, ein "ich bin", in dem Gedanken und Gefühle auftauchen. Wenn ich noch genauer hinschaue, scheint da nur Wahrnehmung zu sein.
Dennoch tauchen Gedanken auf, die das nicht akzeptieren. Das darfst du nicht denken, dies ist richtig, jenes ist falsch. Dieses Gefühl ist angenehm, das darf bleiben, die Angst ist unangenehm, die soll verschwinden.
Sind das mehr als Gedanken? Irgendwas besonderes, ich-iges daran? Oder einfach nur Gedanken wie viele andere auch?
Ich-ig, lustiges Wort ;-) Da ist schon ein Unterschied in der Wahrnehmung zwischen einem Gedanken wie "ich muss noch xy erledigen" und "was habe ich da nur angerichtet?" Der eine Gedanke ist funktional, erscheint, wird registriert und verschwindet wieder, mit dem anderen wird sich beschäftigt. Es folgen weitere Gedanken. Aber grundsätzlich sind es alles Gedanken, insofern besteht da kein wesentlicher Unterschied.
Und es hört nie auf. Der Gedanke erscheint "der ist aber doof", worauf ein weiterer Gedanke erscheint "das ist jetzt aber gemein von dir", worauf ein weiterer Gedanke auftaucht "warum musst du dich als Richter deiner Gedanken aufspielen". Letztlich ist das aber auch ein Gedanke, der auch nichts anderes macht als zu urteilen.
genau. viele Gedanken. Und wer will die anders oder weg haben?
suche mal denjenigen!
Was findest du?
Ich musste schmunzeln, als ich deinen Kommentar las. Ja genau! Da ist niemand, nur Gedanken, die sich scheinbar auf andere Gedanken beziehen.
Ist gibt keinen, der das steuert. Dennoch gibt es jemanden, der sich damit identifiziert.
Wer oder was ist das, der sich da identifiziert.
Untersuche genau was du findest!
Im Prinzip wie oben beschrieben, manche Gedanken lösen Gefühle aus, die wiederum zu weiteren Gedanken führen. Wenn ich das jetzt untersuche, nehme ich nur Gedanken und Gefühle wahr und manchmal gar nichts. Aber wenn im Alltag Gedanken auftauchen, die Angst machen und das Karussell an Fahrt gewinnt, dann ist das nicht mehr klar. Dann bin ICH der Gedanke, das Gefühl. Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, spielt es bei der direkten Erfahrung, die hier gemacht werden soll, kein Rolle (also wie etwas in der Vergangenheit war oder zukünftig erwartet/befürchtet wird)

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Thu Dec 27, 2018 9:10 am

Wenn ich den Alltag, die Vergangenheit und alles Wissens beiseite lasse, dann ist hier nur ein Art Gewahrsein, ein "ich bin", in dem Gedanken und Gefühle auftauchen. Wenn ich noch genauer hinschaue, scheint da nur Wahrnehmung zu sein.
genau! Gibt es dabei einen Wahrnehmenden und das Wahrgenommene oder nur Wahrnehmung?
Da ist schon ein Unterschied in der Wahrnehmung zwischen einem Gedanken wie "ich muss noch xy erledigen" und "was habe ich da nur angerichtet?" Der eine Gedanke ist funktional, erscheint, wird registriert und verschwindet wieder, mit dem anderen wird sich beschäftigt. Es folgen weitere Gedanken. Aber grundsätzlich sind es alles Gedanken, insofern besteht da kein wesentlicher Unterschied.
Genau so ist es. Und du beschreibst dabei genau den Prozess wie Illusionen entstehen und sich erhalten. Es scheint so zu sein und wurde lange so geglaubt weil es uns auch von klein auf erzählt wurde .... und dann schaust du genau hin und findest so oder so nix als Gedanken.
Sind die einen Gedanken "wahrer" als die anderen?
Sind irgendwelche Gedanken wahr?
Im Prinzip wie oben beschrieben, manche Gedanken lösen Gefühle aus, die wiederum zu weiteren Gedanken führen. Wenn ich das jetzt untersuche, nehme ich nur Gedanken und Gefühle wahr und manchmal gar nichts.
genau.
Aber wenn im Alltag Gedanken auftauchen, die Angst machen und das Karussell an Fahrt gewinnt, dann ist das nicht mehr klar.
dann scheinen erstmal viele Gedanken und Gefühle da zu sein.
Dann bin ICH der Gedanke, das Gefühl.
das wäre dann jetzt zu untersuchen. was auch immer auftaucht, schau hin ob mehr als die Gedanekn und Gefühle und anderen Wahrnehmungen gefunden werden können! Ob du dieses Ich findest! Oder ob es nur eine alte lange geglaubte Überzeugung (Gedanken) ist, die gar nicht stimmt ?!?!
Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, spielt es bei der direkten Erfahrung, die hier gemacht werden soll,
die direkte Erfahrung soll nicht gemacht werden. es ist das was immer ist. das einzige was ist....
kein Rolle (also wie etwas in der Vergangenheit war oder zukünftig erwartet/befürchtet wird)
... dabei können auch Gedanken, einfach als Gedanken erkannt werden. denn wenn sie da sind sind sie ja da und wahrnehmbar. Sind Vergangenheit und Zukunfz mehr als Gedankeninhalte? Kannst du irgendwas sicheres beständiges anderes darin finden?

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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Thu Dec 27, 2018 4:58 pm

Gibt es dabei einen Wahrnehmenden und das Wahrgenommene oder nur Wahrnehmung?
Beides. Wenn ich Dinge anschaue oder Geräusche wahrnehme, scheinen es Objekte zu sein, die von diesem Körper wahrgenommen werden. Aber da ist auch manchmal auch einfach nur Wahrnehmung da.
Sind die einen Gedanken "wahrer" als die anderen?
Sind irgendwelche Gedanken wahr?
Nein, beides sind Gedanken. Gedanken sind weder wahr noch falsch. Die Frage erscheint mir gerade genauso absurd, wie die Frage ob die Christbaumkugel, die ich gerade sehe, wahr oder falsch ist. Interessant, ist es wirklich so einfach? Wenn ein Gedanke weder wahr noch falsch sein kann und im Gegensatz zur Christbaumkugel auch nicht sinnlich wahrnehmbar ist, dann ist ein Gedanke ja praktisch nichts bis auf seine Funktion!
Sind Vergangenheit und Zukunfz mehr als Gedankeninhalte? Kannst du irgendwas sicheres beständiges anderes darin finden?
Nein, tatsächlich sind es lediglich Gedanken.

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Fri Dec 28, 2018 9:01 am

Beides. Wenn ich Dinge anschaue oder Geräusche wahrnehme, scheinen es Objekte zu sein, die von diesem Körper wahrgenommen werden. Aber da ist auch manchmal auch einfach nur Wahrnehmung da.
beobachte das nochmal genau. Nimmst du das
scheinen es Objekte zu sein, die von diesem Körper wahrgenommen werden
wiklich wahr? wie genau?
oder ist es nur eine alte Überzeugung die sich über das wirklich erlebte legt?
Wenn ein Gedanke weder wahr noch falsch sein kann und im Gegensatz zur Christbaumkugel auch nicht sinnlich wahrnehmbar ist, dann ist ein Gedanke ja praktisch nichts bis auf seine Funktion!
genau. Gedanken sind auch einfach nur. Wahrnehmbar sind die Gedanken aber oder? Du kannst feststellen: das ist gerade der Gedanke xy. Oder auch: da sind gerade keine Gedanken. Wenn sie weder wahr noch falsch sind, (das ist richtig, für die bewertung bräuchte man wieder Gedanken, von denen man auch nicht weiss ....) ist die Frage ob Gedanken mehr sind als eben einfach nur Gedanken? Was ist die Funktion?


du machst das gut!
alles Liebe Verananda

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Re: Graue Theorie

Postby Christian88 » Fri Dec 28, 2018 10:16 pm

Hallo Verananda,
beobachte das nochmal genau. Nimmst du das
scheinen es Objekte zu sein, die von diesem Körper wahrgenommen werden
wiklich wahr? wie genau?
oder ist es nur eine alte Überzeugung die sich über das wirklich erlebte legt?
Es muss eine Überzeugung, ein Wissen sein. Die Wahrnehmung selbst unterscheidet ja nicht, sie ist das was Wahrnehmung ist. Allerdings geschieht die Benennung und Einteilung in Objekte automatisch, wohl weil es das ganze Leben so gelernt wurde.
genau. Gedanken sind auch einfach nur. Wahrnehmbar sind die Gedanken aber oder? Du kannst feststellen: das ist gerade der Gedanke xy. Oder auch: da sind gerade keine Gedanken. Wenn sie weder wahr noch falsch sind, (das ist richtig, für die bewertung bräuchte man wieder Gedanken, von denen man auch nicht weiss ....) ist die Frage ob Gedanken mehr sind als eben einfach nur Gedanken? Was ist die Funktion?
Ja, sie tauchen in der Wahrnehmung auf gehen wieder. Es sind nichts weiter als Gedanken. Mit Funktion meine ich, dass sie notwendig sind, um als Mensch in der Welt zurecht zu kommen. Schwer vorstellbar ohne Gedanken :-) Da frage ich mich, warum es gut sein soll, einen gedankenfreien Zustand zu erlangen ;-)
Seit deiner Frage von vor zwei Tagen ob Gedanken wahr oder falsch sein können, ist da eine bestimmte Klarheit oder Einfachheit, die sich weder besonders anfühlt, noch sonstwie außergwöhnlich ist. Gedanken werden wahrgenommen, Sinneseindrücke usw., aber irgendwie ist da keine Identifikation. Mir fällt es leicht, das was erscheint, als das zu sehen als was es erscheint. Schwer zu umschreiben irgendwie. Gestern habe ich im Forum hier noch etwas quer gelesen und bei einem "Suchenden" wären mir früher sofort zig Gedanken durch den Kopf geschossen, nach dem Motto "oje was für ein Esoterikfreak, der kapiert es nicht, usw.usf.). Gestern war da nichts, es ist das was sich bei der Person zeigte, was formuliert wurde und als solches einfach da. Das abzulehnen oder anzunehmen erschien mir abstrus, wer sollte das machen?
Das bedeutet aber nicht, dass bei den Texten keinerlei Gedanken aufkamen, es war nur schlichtweg unerheblich. Ihre Funktion ist aufzutauchen und wieder zu gehen. Wenn ich jetzt ein Begleiter wäre, würden sich aus den Gedanken wahrscheinlich Handlungen ergeben im Sinne einer Antwort, aber da sie für mich in keinster Weise relevant sind, verschwinden sie wieder.

Allerdings tauchen auch immer wieder Gedanken auf: Bleibt das jetzt so, habe ich mir das eingebildet, was ist wenn es stressiger wird und ich nicht mehr so entspannt bin? usw. Auch nur Gedanken, mal sehen!

Liebe Güße und Danke!

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Re: Graue Theorie

Postby Verananda » Sat Dec 29, 2018 1:19 pm

Lieber Christian,
Es muss eine Überzeugung, ein Wissen sein. Die Wahrnehmung selbst unterscheidet ja nicht, sie ist das was Wahrnehmung ist. Allerdings geschieht die Benennung und Einteilung in Objekte automatisch, wohl weil es das ganze Leben so gelernt wurde.
ja genau. und es reicht zu erkennen. Wahrnehmung geschieht und der Rest sind Gedanken, die daraus die Illusion bauen, die wir immer geglaubt haben.
Mit Funktion meine ich, dass sie notwendig sind, um als Mensch in der Welt zurecht zu kommen. Schwer vorstellbar ohne Gedanken :-)
Das wird masslos überschätzt ;-)
Für manches, was uns als Mensch ausmacht brauchen wir Gedanken. Aber an vielen anderen Stellen plappern sie mit, obwohl vieles im Leben auch ohne Gedanken ganz wunderbar läuft.

Dafür hab ich hier noch ein kleines Experiment für dich... nimm dir dafür ein bischen ungestörte Zeit!

1. Leg beide Hände auf einen Tisch vor dir, Handflächen unten.
2. Dann halte einen Moment inne und dann heb eine Hand an (nur eine, die andere nicht)

Geh nicht in Gedanken sondern bleib bei der direkten Erfahrung. Mach das öfters, sooft du magst und erforsche dabei jedes mal:

Wer oder was genau wählt welche Hand gehoben wird?
Kannst du irgendein ich, selbst oder irgendwas anderes finden, das diese Wahl trifft?
Was kontrolliert die Hand?
Kann eine Kontrollinstanz, welcher Art auch immer, gefunden werden?
Kannst du irgendwas finden, das die Hand bewegt?
Wie wird die Entscheidung getroffen?
Da frage ich mich, warum es gut sein soll, einen gedankenfreien Zustand zu erlangen ;-)
Genau. Daher geht es hier auch nicht darum, irgendeinen Zustand zu erlangen! ;-)
Das abzulehnen oder anzunehmen erschien mir abstrus, wer sollte das machen?
genau :-)
Allerdings tauchen auch immer wieder Gedanken auf: Bleibt das jetzt so, habe ich mir das eingebildet, was ist wenn es stressiger wird und ich nicht mehr so entspannt bin? usw. Auch nur Gedanken, mal sehen!
Genau. Auch nur Gedanken! :-)
Und: Es geht nicht um irgendeinen Zuständ!
Dazu bin ich über einen guten Text aus den LU Enlightening Quotes gestolpert: "The wish for a final “done” is — surprise, surprise — a story of the final carrot to be reached, a reason for the fictional “I” to try to get “somewhere.” Everything is constantly changing, moving, and interacting. There is no “done” in the real world. If you want to be at home, be at home in the flow."
VErstehst du das in English? Sonst übersetze ich es nochmal ...

alles Liebe Verananda


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