Andreas

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Sariputta
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Andreas

Postby Sariputta » Sun Nov 11, 2018 7:12 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Diese Erfahrung war mir schon einige Mal beschieden, aber sie verflog nach einigen Tagen. Ich sehne mich danach, auf Dauer in dieser Wahrheit zu leben und aus dieser Wahrheit heraus zu wirken.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Meine Sehnsucht nach der Wahrheit und der Freiheit. Meine bisherigen Erfahrungen haben mich hierher geführt. Meine Offenheit, neue Wege zu gehen und meine Überzeugung, dass die zwanghafte Identifikation mit der Ich-Illusion auf Dauer unseren Planeten zerstört und das Leben, das ich bin unnötig beengt.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Ich hatte schon als Jugendlicher "mystische Erfahrungen" der All-Einheit, die ich natürlich nicht einordnen konnte. Ich arbeite seit über 30 Jahren als Psychotherapeut. Seit 35 Jahren praktizierend und verbunden mit dem Theravada-Buddhismus. Erfahrungen der Ich-Losigkeit habe ich vor 25 Jahren mit einem Psychedelikum gemacht; vor einigen Jahren mit dem Enlightenment Intensive nach Charles Berner und mit der sog. Bewusstheitsübung nach Christian Meyer. Alle diese Erfahrungen waren sehr bewegend und haben mich verändert, aber - sind nicht zur dauerhaften Grundlage meiner Erfahrung im Alltag geworden.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich weiss, dass die Erfahrung der Ich-Losigkeit beides ist : sowohl grandios, als auch nüchtern. Ich habe sie daa letzte Mal ganz klar als einen Beginn erlebt; weniger eine Erfüllung, sondern ein Start.
Ich erwarte, durch klare und direkte Fragen wieder in diese Erfahrung geführt zu werden.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Joram
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Re: Andreas

Postby Joram » Tue Nov 13, 2018 8:32 pm

Hi :-)
Diese Erfahrung war mir schon einige Mal beschieden, aber sie verflog nach einigen Tagen. Ich sehne mich danach, auf Dauer in dieser Wahrheit zu leben und aus dieser Wahrheit heraus zu wirken.
Wieso sehnst du dich danach?
Was ist da so besonders?

_()_
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Sariputta
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Tue Nov 13, 2018 10:55 pm

Hi Joram,
vielen Dank für Deine anregenden Fragen.
Das Besondere an diesen Erfahrungen war, dass die komplette Abwesenheit der Ich-Erfahrung Raum gegeben hat, das zu erfahren, was wirklich ist :
Eine unbegrenzte Liebe, so überwältigend, so allumfsssend und gleichzeitig so selbstverständlich.
Und - als 2. Facette - eine klare, an sich inhaltsleere Bewusstheit, aus der die Liebe, wie aus einer Quelle entspringt.
Ich sehne mich danach, weil ich das als zweifelsfrrie Wahrheit und Erfüllung erlebt habe und auch jetzt als unbezweifelbare Wahrheit erinnere. Wie soll man sich danach nicht sehnen, wenn man die befreiende Wahrheit einmal geschmeckt hat ?
Liebe Grüsse
Andreas

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Joram
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Re: Andreas

Postby Joram » Wed Nov 14, 2018 5:14 am

Wie soll man sich danach nicht sehnen, wenn man die befreiende Wahrheit einmal geschmeckt hat ?
Leidenschaft die Leiden schafft ;-)
Kann sein, dass das was daran hindert „die komplette Abwesenheit der Ich-Erfahrung“ dauernd zu erleben, die Sehnsucht danach ist? Das wiederhabenwollen? ;-)

„Ich“ war auch mal da wo „du“ heute stehst. Damals, um das Erleben wieder zu haben, habe ich die Jhanas, die meditativen Vertiefungen gelernt und mir „die komplette Abwesenheit der Ich-Erfahrung“ immer wieder, wann immer ich es wollte, geholt. War geil. Aber am Ende genau so wie jede Droge, wirkte es schal, unecht. Es gibt diesen Begriff „jhana junkie“. Übersetzt: „Vertiefungssüchtiger“. Ich meditiere schon seit Jahren nicht mehr. Brauche es nicht.
Wieso?
Weil es nicht um die Erfahrung geht. Es geht um das was man aus der Erfahrung lernt.
Tja, sorry wenn es sich so nüchtern liest ;-)

Das Besondere an diesen Erfahrungen war, dass die komplette Abwesenheit der Ich-Erfahrung
Ist jetzt ein „Ich“ vorhanden?
Das Wahrgenommene, bist du nicht. Was bleibt?

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Sariputta
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Wed Nov 14, 2018 9:20 am

Kann sein, dass das was daran hindert „die komplette Abwesenheit der Ich-Erfahrung“ dauernd zu erleben, die Sehnsucht danach ist? Das wiederhabenwollen? ;-)
Interessante Frage !!!
Bisher dachte ich, dass mich die Sehnsucht mit dem Ersehnten in Verbindung hält. Aber Du hast natürlich recht : die Sehnsucht kann mich aus der Realität dessen, was ist, ziehen.
Vielleicht kommt es ganz darauf an, ob mir das Ersehnte oder die Sehnsucht an sich gegenwärtig ist. Das Ersehnte ist nicht hier und nicht jetzt, die Sehnsucht aber schon.

Weil es nicht um die Erfahrung geht. Es geht um das was man aus der Erfahrung lernt.
Tja, sorry wenn es sich so nüchtern liest ;-)

Nein, das liest sich gar nicht nüchtern. Das ist genau das, worum es mir geht.
Schöne Erfahrungen, die mich dann doch wieder in der Verblendung landen lassen, suche ich nicht. Die haben ja schon damals den Buddha nicht zufrieden gestellt, weshalb er seine beiden Yogalehrer verlassen hat.

Ist jetzt ein „Ich“ vorhanden?

Diese Frage ist von dankenswerter Direktheit.
Ehrlich gesagt : Ja, ich erlebe ein ICH, obwohl ich schon erfahren habe, dass das eine Illusion ist, eine Vorstellung, ein mentales Konstrukt.
Es ist wie bei einem Kind, das fühlend weiß, dass da ein böser Mann hinter dem Vorhang steht, obwohl der Papa vorhin erst den Vorhang zur Seite gemacht hatte und nichts zu sehen war. Der böse Mann ist dann eine irreale Wirklichkeit So erfahre ich das ICH auch.

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Re: Andreas

Postby Joram » Wed Nov 14, 2018 9:24 am

Was ist das "Ich" was "Du" erlebst?
Ist es eine irreale Wirklichkeit, oder Wirklichkeit?

_()_
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Wed Nov 14, 2018 10:04 am

Was ist das "Ich" was "Du" erlebst?
Ist es eine irreale Wirklichkeit, oder Wirklichkeit?

Die Frage bringt mich emotional etwas in die Bredouille.

Intellektuell würde ich Dir antworten, dass ich das ICH als etwas erlebe, das etwas bewirkt und in diesem Sinne Wirklichkeit ist, obwohl ich weiß, dass es nicht existiert, also irreal ist. Aber ich weiß auch, dass mich mein schlauer Kopf oft in die Irre führt. Deshalb möchte ich mich lieber der Bredouille zuwenden :
Ich werde unruhig und etwas ängstlich bei Deiner Frage. Ein Gefühl, als drohten mir, "die Felle davon zu schwimmen"

LG von Andreas

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Re: Andreas

Postby Joram » Wed Nov 14, 2018 10:26 am

Intellektuell würde ich Dir antworten, dass ich das ICH als etwas erlebe
"Ich" Nr.1 sieht "Ich" Nr.2 als Etwas...
Wie viele "Ich" gibt es da? ;-)
Ein Gefühl, als drohten mir, "die Felle davon zu schwimmen"
Die Angst basiert auf eine Illusion. Die Illusion etwas zu verlieren, wenn das "Ich" (der eine Illusion ist) zu verlieren...
Verloren geht nur eine falsche Vorstellung ;-) Es gibt eben kein Weihnachtsmann... na und?

_()_
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Re: Andreas

Postby Sariputta » Wed Nov 14, 2018 12:44 pm

Hi Joram,
ich muss leider bis heute 21 Uhr arbeiten.
Nehme Deine Fragen aber mit und melde mich heute Abend.
LG

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Re: Andreas

Postby Joram » Wed Nov 14, 2018 1:20 pm

Lass dir immer so viel Zeit wie du brauchst.
Nur kein Stress :-)

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Re: Andreas

Postby Sariputta » Thu Nov 15, 2018 7:40 am

"Ich" Nr.1 sieht "Ich" Nr.2 als Etwas...
Wie viele "Ich" gibt es da? ;-)
"MICH" gibt's einerseits nur einmal; aber oft erlebe ich eine Art innerer Aufspaltung : Ich, der Beobachter und ICH, der Beobachtete. Darüber hinaus svcheint es manchmal widerstreitende ICHS zu geben ; ICH handele ganz anders, als ICH es eigentlich will.
Die Angst basiert auf eine Illusion. Die Illusion etwas zu verlieren, wenn das "Ich" (der eine Illusion ist) zu verlieren...
Verloren geht nur eine falsche Vorstellung ;-) Es gibt eben kein Weihnachtsmann... na und?
Ja, das weiß ich und habe es auch schon so erfahren, aber ich erlebe es doch immer wieder anders.

Gestern, zwischen meinen beruflichen Terminen, habe ich immer wieder nach dem ICH Ausschau gehalten und alleine diese Suche hat mich irgendwie hintergründig belustigt. Belustigen ist vielleicht nicht das richtige Wort : es war eher so eine Art aufkommender innerer Jubel.

Liebe Grüße

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Re: Andreas

Postby Joram » Thu Nov 15, 2018 8:25 am

Gestern, zwischen meinen beruflichen Terminen, habe ich immer wieder nach dem ICH Ausschau gehalten und alleine diese Suche hat mich irgendwie hintergründig belustigt. Belustigen ist vielleicht nicht das richtige Wort : es war eher so eine Art aufkommender innerer Jubel.
Kannst du es genauer beschreiben?
Was hat zu innerer Jubel gebracht?

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Re: Andreas

Postby Sariputta » Thu Nov 15, 2018 7:13 pm

Kannst du es genauer beschreiben?
Was hat zu innerer Jubel gebracht?

Dieser "innere Jubel" ist noch nicht ausgebrochen. Aber ein Vor-Gefühl ist da, als ob er nur noch von ein paar Fäden gehalten würde, um "durchzubrechen". Wie ein Vorgefühl vor etwas Großem.
Jedenfalls hat dieses Gefühl eindeutig etwas mit Befreiung zu tun. Aber auch mit einer überbordenden Freude.

Was dazu geführt hat, weiß ich letztendlich nicht. Vielleicht die Ahnung der ICH-Losigkeit ?
Jedenfalls hat es schon eingesetzt, seit ich mich entschlossen hatte, mich bei LU anzumelden und auf den Prozess einzulassen.

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Re: Andreas

Postby Joram » Thu Nov 15, 2018 7:49 pm

"MICH" gibt's einerseits nur einmal
Bist du also ein "Ding" unter anderen "Dingen"?
Was macht dich aus?
Wo ist die Trennung zwischen dir und die "Anderen"?

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Re: Andreas

Postby Sariputta » Fri Nov 16, 2018 8:48 am

Bist du also ein "Ding" unter anderen "Dingen"?
Nein, ein "Ding" natürlich nicht. Nichts Substantielles. Eher ein erdachtes Zentrum der Wahrnehmung und des Handelns dieses Organismus. Aber auch Erdachtes und Vorstellungen - wie z.B. Gott - haben ja Wirkungen und erscheinen dadurch Real; können jedenfalls so erlebt werden.
Was macht dich aus?
Schwierige und gute Frage.

Vielleicht die Geschichte, die sich mir immer wieder erzählt.
Vielleicht das einzigartige Bündel von Konditionierungen (Karma), das auf bestimmte Reize reagiert.
Jedenfalls ein mentales Konstrukt; etwas, was über all die Jahre unverändert bleibt, obwohl sich mein Körper und alles andere verändert hat und ständig verändert.
Wo ist die Trennung zwischen dir und die "Anderen"?
Noch so eine Frage, die umso schwieriger zu beantworten ist, je länger ich mich mit ihr beschäftige und sie auf mich wirken lasse.
Erst wollte ich auf der körperlichen Ebene antworten, aber natürlich bin ICH ja nicht mein Körper, folglich kann auf der Ebene auch keine Trennung sein.
Dann wollte ich auf der Ebene des Willens antworten : "Die Trennunglinie ist da, wo der Einflußbereich meines Willens hinreicht und auf den entsprechenden Einflußbereich der Anderen stößt." Aber auch das ist Unsinn, denn erstens unterliegt vieles, das ich als mir zugehörig betrachte gar nicht meinem Willen und zweitens, kann mein Wille schon weit in die Anderen hineinwirken.
Als Psychotherapeut sind mir Phänomene wie Gegenübertragung und Konfluenz auch ein Begriff, die zeigen, dass es auf der emotionalen Ebene keine klare Trennung gibt.
Was bleibt ?
Immerhin nehme ich manchmal etwaswahr, was andere nicht wahrnehmen. Diese Erfahrung trennt uns. Oder ?
Ich will die Frage weiter auf mich wirken lassen.

Ich stelle fest, dass es mir schwer fällt, mir Deine Fragen präsent zu halten, obwohl sie sehr klar, kurz und prägnant sind. Ich muß sie mir aufschreiben und immer wieder lesen, sonst erinnere ich sie nicht. Das ist ungewöhnlich, denn ich habe ein gutes Gedächtnis.

Vielen Dank mal zwischendurch für Dein Engagement.
Liebe Grüße


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