Der Weg ohne Weg

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Samourie
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Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Sun Jun 03, 2018 8:36 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Meiner Sehnsucht nach Freiheit zu folgen. Meiner inneren Erfahrung dass es kein getrenntes Selbst gibt immer mehr Raum zu geben. Das kurze Erkennen, dass es kein innewohnendes Ich gibt tiefer zu durchdringen.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Bei einem Retreat rund um das Thema "Aufwachen" erkannte ich, dass das Fallen in die Ich-lose Unendlichkeit schon erfahren hatte. Nur hätte ich das nicht so benannt. Damit wuchs noch mehr meine Sehnsucht dieses Erkennen wirklich zu realisieren. Als mir dann meine Zimmerkollegin beim Bettenabziehen von "Lieberation Unleashed" erzählte gab es eine sehr intensive Resonanz in mir und mir liefen die Tränen. Die Möglichkeit auf diesem Weg Unterstützung und Begleitung zu bekommen ließ mich tief aufatmen.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Von klein auf kenne ich die Sehnsucht hinter die Dinge zu blicken, tiefer zu sehen und das Gefühl in meiner sehr bodenständigen Familie mit dieser Sehnsucht sehr alleine zu sein ließ meine Sehnsucht nur noch stärker werden. Meinen Ausbildungsvertrag bei einer Bank tauschte ich gegen das Studium der Religionspädagogik. Hier fand ich ein Teil meiner Sehnsucht Heimat und hier schon waren es die Mystker, die mich begeisterten. Meine philosophische Abschussarbeit schrieb ich über Nikolaus von Kues und hatte in der Auseinandersetzung mit ihm tiefe Erfahrungen. Ein anderer Teil suchte immer weiter bei anderen Mystikern, Meditationsformen und der Weisheit in Büchern. Durch das Lesen von inzwischen wohl über tausend Büchern zum Thema Spiritualität und Seminaren hat sich mir die Tiefe immer mehr offenbart. Als ich dann 2013 bei einem Seminar über intuitives Singen und Stille in einer Meditation immer mehr in die Tiefe kam und die Einladung kam "Gehe nun an dem Punkt an dem sich nichts mehr bewegt..." entstand ein Sog in meine Herz hinein, eine Angst und ein Erschrecken erfasste mich, jedoch war der Sog so groß, dass ich mich immer weiter sinken ließ und dann plötzlich fiel ich in die Unendlichkeit hinein. Etwa ein halbes Jahr darauf kam es dann zu der Erfahrung, dass ich in der Wiese lag und plötzlich alles war: das Blatt, der Vogel, der Baum, der Wind...Da ich all diese Erfahrungen nicht aus "Aufwachen" deutete ging ich weiter und hatte in der darauffolgenden Zeit damit zu tun, dass ich Herzbeschwerden bekam, viel krank war und viele Themen aus meiner Kindheit wieder auftauchten. Nach dem Seminar in der vergangenen Woche zum Thema "Aufwachen" kann ich nun so einiges besser einordnen. Nach diesen Erfahrungen zog es mich dann zur Körperarbeit und ich machte eine Ausbildung in "Integrativer Körperarbeit". Daran begeisterte mich hauptsächlich, dass es eine nicht-infasive Methode ist, die mit dem arbeitet, was JETZT ist. Immer wieder habe ich Erfahrungen mit diesem Ich-losen Raum.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Die Erfahrung der Abwesenheit eines getrennten Ichs immer tiefer zu erfahren und mich von dieser Erfahrung ganz erfassen zu lassen. Die Vorstellung einen Begleiter, der diesen Weg schon gegangen ist und ihn realisiert hat lässt meine Herz höher schlagen.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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Joram
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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 5:48 am

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Die Erfahrung der Abwesenheit eines getrennten Ichs immer tiefer zu erfahren und mich von dieser Erfahrung ganz erfassen zu lassen. Die Vorstellung einen Begleiter, der diesen Weg schon gegangen ist und ihn realisiert hat lässt meine Herz höher schlagen.
Hi :-)

Gibt es Zweifel daran, dass das „Ich“ nur eine Illusion ist?
Könnte es sein, dass das „Ich“ „echt“ sei?

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Samourie
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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 9:01 am

Hallo Joram,

danke für diese Frage. Als ich sie las tauchte als erstes auf: Es gibt keinen Zweifel, dass das "Ich" eine Illusion ist. Da gibt es kein "Könnte das "Ich" "echt" sein?". Dann tauchten alle möglichen Gedankenformen auf: Ist das eine Testfrage? Las er aus meinen Zeilen heraus, dass da Zweifel sind? Mache ich mir vielleicht selbst etwas vor? Ich kann gerade wahrnehmen, wie ich mir (welches ich? welches mir?) selbst nicht traue und Verunsicherung sich breit macht. Die Erfahrung, dass es kein getrenntes Ich gibt war so klar und wahr. Da gibt es keinen Zweifel. Darüber liegen Schichten von Gedankenformen und der Gedanke, ich würde das alles nur faken, wäre so eine Möchte-Gern-Aufgewachte ist zäh und stark. Wenn ich das jetzt so schreibe komme ich in Kontakt mit einer Traurigkeit und einem Schmerz und einem Gefühl von Zerrissenheit. Heiße Tränen kullern...

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 11:06 am

Ich kann gerade wahrnehmen, wie ich mir (welches ich? welches mir?) selbst nicht traue und Verunsicherung sich breit macht.
Und die Verunsicherung? Wem gehört sie?
Wieso „Hacken rein schlagen“? Wieso der Verunsicherung nicht das sein lassen was sie ist – nur Verunsicherung?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 1:22 pm

...sein lassen...nur Verunsicherung...erleichtertes Ausatmen und befreites Einsinkenlassen...Danke!

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 1:27 pm

Und wenn die Verunsicherung wieder kommen wird?
Was garantiert der Fall wird?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 2:24 pm

Sie mit einem „Ah, da bist du ja wieder...nur Verunsicherung...“ sein lassen, ja sein lassen mich dranzuhängen...Das Bedüfnis nach Gewissheit...oder nach einer äußeren Instanz, die mich „blau“ macht sein lassen.

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 2:34 pm

Eigentlich kommen keine weiteren Fragen hoch…
Hast du noch was, was du klären willst?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 3:03 pm

in mir ist es gerade ganz still und leer, wie wenn es keine Landeplätze für die Formen gibt. Wer unterhält sich denn da gerade in diesem Chat?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 3:21 pm

Wieso soll es hier ein "Wer" geben?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 3:56 pm

Wieso soll es hier ein "Wer" geben? Als Antwort ist da wieder nur Stille in mir.
Wie sagt man denn zu dem Wesen, das hier auf dem Stuhl sitzt, sieht wie die Blätter sich im Wind bewegen, das die Vögel singen hört und dessen Herz gerade intensiv schlägt?

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 4:08 pm

auf dem Stuhl sitzend, die Blätter sich im Wind bewegen sehend,
die Vögel singen hörend,
das Herz gerade intensiv schlagen fühlend
und niemand da…

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 6:30 pm

Und wieder ist es still, frei und leicht beim Lesen deiner Zeilen.

Doch irgendetwas knabbert an dieser Erfahrung herum. Wenn ich mich da dranhänge beginnt es sich zu drehen. Wenn ich einfach sage: "Ah, da ist ein Knabbern..." entspanne ich mich wieder und lächle. Da taucht gerade ein Gedanke auf der sagt: da ist eine Ego-Struktur, die Angst vor dem Tod hat und deshalb sich gerne an Erklärungen, Konzepten und Bildern festhalten möchte. Niemand lächelt...und trotzdem zappelt etwas in mir. Und gleich fällt mir Rumi ein:

Die Liebe packt uns alle beim Genick und schleppt uns Zappelnde zu Gott.

Niemand lächelt.

Ich sitze gerade da und Niemand schaut beim Fenster raus. Irgendwie krass und irgendwie der allernatürlichste Zustand.

Sagst du "Ich bin Niemand und Niemand sitzt, sieht, schreibt, atmet...?" Hier ist ein Niemand mit dem Namen Joram, der so aussieht, diese Familie, Vorlieben, Begabungen...hat? Sind wir das gleiche Niemand, nur in unterschiedlicher Form? Das kommt aus der Knabberecke:-)

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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Joram » Mon Jun 04, 2018 6:53 pm

Sagst du "Ich bin Niemand und Niemand sitzt, sieht, schreibt, atmet...?" Hier ist ein Niemand mit dem Namen Joram, der so aussieht, diese Familie, Vorlieben, Begabungen...hat? Sind wir das gleiche Niemand, nur in unterschiedlicher Form? Das kommt aus der Knabberecke:-)
Joram sagt nicht „Ich bin Niemand“. Es gibt kein „Ich“ was „Etwas“ sein könnte oder etwas sagen könnte.
Es gibt hier nur SEIN. In all „seine“ Facetten.
Wenn der Name „Joram“ gerufen wird, gibt es eine Reaktion. Da ist eine momentane Identifikation. Die ist aber spielerisch, auf der Oberfläche. In Wirklichkeit gibt es nur eine Erscheinung die „Joram“ GENANNT wird. Flüchtig, vergänglich weder bedeutend noch unbedeutend. Keine Bewertung. Nur schauen, erleben.

Vielleicht hilft das hier, von Laotse: Tao Te King:

Der Sinn, der sich aussprechen läßt,
ist nicht der ewige Sinn.
Der Name, der sich nennen läßt,
ist nicht der ewige Name.
»Nichtsein« nenne ich den Anfang von Himmel und Erde,
»Sein« nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
Darum führt die Richtung auf das Nichtsein
zum Schauen des wunderbaren Wesens,
die Richtung auf das Sein
zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten.
Beides ist eins dem Ursprung nach
und nur verschieden durch den Namen.
In seiner Einheit heißt es das Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.


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Re: Der Weg ohne Weg

Postby Samourie » Mon Jun 04, 2018 7:13 pm

Jaaaaaaaaaaaaaaaa, das ist sehr hilfreich. DANKE!!!!!!!!!!!!!!!!

Da ist gerade pure Freude und heiß laufen die Tränen der Erkenntnis.

Die Richtung auf das Nichtsein führt zum Schauen des wunderbaren Wesens.

Die Richtung auf das Sein zum Schauen auf der räumlichen Begrenztheit. Spielend...nur schauen, erleben.

Oh, welche Befreiung...


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