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Lazar
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Postby Lazar » Sun Apr 22, 2018 8:50 am

LU is focused guiding for seeing there is no real, inherent 'self' - what do you understand by this?
Das Selbst ist das, was ich bin und mein Leben bestimmt. Es ist das Ego - das was mich ausmacht. Betrachtet man das Selbst näher und beginnt, danach zu suchen stellt man fest, dass es nicht fassbar ist. Doch diese Feststellung ist vorübergehend. Sie geht im Alltag unter und man lebt sein Leben weiterhin, als ob es das Ego tatsächlich gäbe.


What are you looking for at LU?
Wenn mich meine Freunde beschreiben fallen oft die Worte 'selbstdiszipliniert' und 'viel zu strukturiert'. Ich mache mir immer über allfällige Ereignisse in der Zukunft gedanken, führe Konversationen (oder Streitgespräche) die eventuell irgendwann eintreffen in meinem Kopf. Es ist erschreckend, wie ich feststelle, dass mein Kopf diese Dinge automatisch tut und dass ich sie nicht kontrollieren kann, gleichzeitig aber auch nicht loslassen kann. Ich habe Angst, zu Reisen. Auf Reisen könnte ja etwas mit meiner Gesundheit passieren und was mache ich dann? Finde ich rechtzeitig ein Krankenhaus? Ich bin fest im Griff von solchen Gedanken und will, dass das aufhört. Nachdem ich über LU gelesen habe, glaube ich, dass ich hier finde, wonach ich suche.


What do you expect from a guided conversation?
Ich habe bereits diverse Bücher über Nondualität, Advaita Vedanta, Zen u.ä. gelesen. Das Wissen aus Büchern ist oft widersprüchlich und hat mich oft beinahe verzweifeln lassen, wie ich nun weiter vorgehen soll. Mittlerweile glaube ich, dass ich alles, was man aus Büchern lernen kann, bereits gelesen habe und zweifle daran, dass mich weitere Bücher weiterbringen können. Dennoch möchte ich wissen, was es mit den Themen in diesen Büchern auf sich hat. Das lässt mich nicht mehr los. Ich hatte nie einen Guru, war nie an einem Satsang oder einer Versammlung - aber ich brauche jemanden, der mir hilft auf meiner Suche.


What is your experience in terms of spiritual practices, seeking and inquiry?
Vor drei Jahren hatte ich eine Panikattacke und eine alles einnehmende Angst vor dem Tod hat mich überwältigt. Seit dieser Erfahrung suche ich danach, diese Angst, diese übermässige Kontrollsucht loszulassen. Ich habe zuerst über Buddhismus und Erleuchtung gelesen. Danach diverse Bücher über Nondualität, Advaita Vedanta u.ä. und habe mir immer wieder die Frage gestellt 'wer hat Angst?' in Anlehnung an Selbsterkenntnis von Ramana Maharshi. Auch Bücher wie 'Direct Path' von Greg Goode haben mir sehr gut gefallen und mich vieles erkennen lassen.


On a scale from 1 to 10, how willing are you to question any currently held beliefs about 'self?
10

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Glueckseligkeit
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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Sun Apr 22, 2018 10:50 pm

Hallo Lazar,

schön, dass Du zu Liberation Unleashed gefunden hast. Soll ich Dich mit Lazar ansprechen oder mit einem anderen Namen? Du kannst mich Andreas nennen.

Für das Guiding musst Du nichts wissen. Es geht hier nicht darum, den Intellekt zu befriedigen oder spirituelle Dialoge zu führen. Es geht nicht darum, neues Wissen zu erlangen oder besonders gute Antworten zu geben. Ich bin nicht der Lehrer und Du nicht der Schüler und wir arbeiten auch nicht auf eine Abschlussprüfung hin. Du kannst also vollkommen unbekümmert Antworten geben. Je ehrlicher Du antwortest, desto einfacher wird der Dialog. Um überhaupt ehrlich antworten zu können ist es wichtig, ggf. für eine Antwort inne zu halten, direkt und genau zu beobachten. Wir wollen erkennen und nicht einfach irgedwelches Wissen aus dem Verstand nachplappern. Deshalb lass alle Bücher und alles Wissen tatsächlich einmal weg. Wir brauchen keine Zitate von Dritten.

Ich werde immer wieder Texte von Dir markieren und dann Fragen stellen oder kommentieren. Dasselbe kannst Du auch mit Aussagen von mir machen. Das geht ganz einfach. Markiere den Text, den Du hervorhaben möchtest, dann klicke oben am Kasten auf die Schaltfläche "Quote".

Also legen wir los...

Wenn ich Deine Beantwortung der Eingangsfragen richtig verstehe, ist bei Dir die Angst der Treiber, sich mit spirituellen Lehren zu beschäftigen und auch hier durch das Guiding eine Lösung oder einen Ausweg zu finden.

Wenn Du keinerlei Ängste hättest, würde Dich dann das Guiding überhaupt interessieren?

Es ist erschreckend, wie ich feststelle, dass mein Kopf diese Dinge automatisch tut und dass ich sie nicht kontrollieren kann, gleichzeitig aber auch nicht loslassen kann.

Gedanken kommen also einfach willkürlich? Und Du kannst sie nicht kontrollieren und nicht loslassen?
Wenn das so ist, wer steuert dann diese Gedanken?

Könnte das, was Du mit den Gedanken erlebst (nicht steuern und kontrollieren können) mit Menschen in einer Fußgängerzone vergleichbar sein? Kannst Du die willkürlich auftauchenden Menschen steuern oder kontrollieren? Wer steuert und kontrolliert, welche Menschen wann auftauchen, was sie tun, welchen Gesichtsausdruck sie haben, ob sie Dir gegenüber freundlich oder feindlich gesonnen sind? Usw.

Gibt es jemanden oder eine Instanz in Dir, der/die Verantwortung für die aufkommenden Gedanken hat?

...und habe mir immer wieder die Frage gestellt 'wer hat Angst?'

Der, der die Frage stellt und der, der Angst hat, sind das zwei Instanzen/Wesen oder ein und dasselbe?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Mon Apr 23, 2018 8:57 am

Hallo Andreas,

Mein Name ist Raphael. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für mich nimmst und mit mir arbeiten möchtest. Ich freue mich auf einen tollen Austausch mit dir.
Wenn Du keinerlei Ängste hättest, würde Dich dann das Guiding überhaupt interessieren?
Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen war, dass ich mit meinem Vater den Film Gautama Siddharta (darin geht es um den Werdegang von Buddha) geschaut habe und sehr fasziniert davon gewesen bin. Allerdings habe ich immer Gedacht, dass Erleuchtung nur für einige wenige bestimmt ist und habe mich deshalb lange Zeit nicht mehr darum gekümmert. Die Angst war tatsächlich ein Auslöser für mich, mich wieder mit diesen Thematiken zu beschäftigen.

Mittlerweile ist es so, dass mich die Frage wer ich bin und was es mit Erleuchtung auf sich hat brennend interessieren. Es ist also nicht mehr nur die Angst als treibende Kraft sondern vielmehr das Verlangen, hinter die Kulisse zu sehen. Die Angst zu besiegen ist ein schöner Nebeneffekt, falls es denn auch überhaupt soweit kommt. Ich glaube mittlerweile, dass Angst zu haben völlig in Ordnung ist, nur sollte das Leben nicht davon dominiert werden.
Gedanken kommen also einfach willkürlich? Und Du kannst sie nicht kontrollieren und nicht loslassen?

Wenn das so ist, wer steuert dann diese Gedanken?
Dein Vergleich mit der Fussgängerzone trifft es sehr gut. Ich kann meine Gedanken nicht kontrollieren, verändern, unterdrücken. Zwar kann ich mir vornehmen, jetzt über einen Elefanten nachzudenken und tu das auch kurzzeitig. Doch sobald die Konzentration nachlässt, bin ich wieder in anderen Gedanken. Und das mit dem 'ich denke nun an das und das' ist auch sehr irreführend. In dem Moment in dem ich denke, ich denke nun an einen Elefanten, ist der Gedanke ja schon da. Also niemand der sich vorgenommen hat, daran zu denken. Sehr schwierig das zu beschreiben. Weisst du ungefähr was ich meine?

Auch das mit dem unterdrücken der Gedanken ist nicht klar. Unterdrücke ich die Gedanken wirklich oder nehme ich nur wahr, dass momentan keine Gedanken da sind und dann sind sie wieder da und ich bemerke, dass sie wieder da sind. Von 'Kontrolle' kann keine Rede sein.

Eine Instanz mit der Verantwortung gibt es somit nicht. Aber es gibt jemanden, der die Gedanken bemerkt. Sie 'hört' sozusagen.

Witzig, dass du fragst, ob der der die Frage stellt eine andere Instanz ist wie derjenige der Angst hat. Ich weiss es nicht. Wenn ich hinschaue, bemerke ich das beklemmende Gefühl in der Brustgegend und merke, dass das Angst ist. Und dann kommt der Gedanke 'ich will keine Angst mehr haben - das Gefühl soll gehen. Es ist beklemmend'. Aber das Gefühl bleibt und der Gedanke verschwindet nicht. Ich denke weder das Angstgefühl noch die Gedanken davon sind Instanzen...

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Tue Apr 24, 2018 7:16 am

Eine Instanz mit der Verantwortung gibt es somit nicht. Aber es gibt jemanden, der die Gedanken bemerkt. Sie 'hört' sozusagen.

Wenn es keinen Verantwortlichen gibt, welche Bedeutung haben dann die Gedanken für "jemanden", der sie bemerkt?

Gibt es diesen "Jemand"?

Schau Dir Mal diesen Film an und Berichte von Deiner Erfahrung damit:

https://youtu.be/YanLQwrzwaU
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Tue Apr 24, 2018 12:12 pm

Hallo Andreas,

Den Film habe ich angeschaut und mich auch bereits vorhin mit dieser Frage beschäftigt. Ich komme zum Schluss, dass der Hörende und das Gehörte nicht auseinander gehalten werden können. Es gibt im Gehörten nichts, was auf ein 'externes' Objekt hindeuten würde. Dennoch kann es ohne einen Hörenden keinen Ton geben. Wie beim Strom - ohne zwei Pole fliesst kein Strom. Ohne einen Empfänger (jemanden) kann es nichts geben, was empfangen wird.

Bei den Gedanken verhält es sich gleichermassen. Die Gedanken kommen und gehen und können nicht kontrolliert werden. Doch bin ich (der jemand) die einzige Entität, welche die Gedanken wahrnehmen kann. Ohne mich als Wahrnehmenden, gäbe es keinen Gedanken. Aber es stimmt, dass ich den Wahrnehmenden nicht vom Gedanken trennen kann. Der Gedanke scheint zwar separat, aber der Wahrnehmende kann nicht als solches, bzw. als separat wahrgenommen werden.

Diesem Wahrnehmenden kann ich aber nicht ich sagen, ohne dabei wieder einen Gedanken, der das denkt, wahrzunehmen. Und hier kommt wieder diese widersprüchliche Trennung ins Spiel. Ich glaube einen Wahrnehmenden erkennen zu können bzw. diesen nicht wahrnehmen zu können. Aber dieses ich, welches den Wahrnehmenden erkennen können sollte, ist der Wahrnehmende.

Je tiefer ich gehe, desto mehr verheddere ich mich in widersprüchlichen und komplexen Gedankengängen...

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Tue Apr 24, 2018 1:51 pm

Je tiefer ich gehe, desto mehr verheddere ich mich in widersprüchlichen und komplexen Gedankengängen...

Vielleicht ist Denken auch gar nicht logisch? Vielleicht hat Denken gar nicht den Anspruch, logisch zu sein. Ebensowenig wie ein Gärtner den Anspruch hat, einen Airbus 380 fliegen zu können? Und ebensowenig, wie eine Frau in hohen Stöckelschuhen den Anspruch hätte, darin gegen die Nationalmannschaft im Basketball anzutreten?

Was ist der größte Anspruch an Dich selbst, der Dir im Moment einfällt?
Wie ist dieser Anspruch entstanden? Hast Du ihn Dir selbst überlegt? Oder woher kommt er?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Tue Apr 24, 2018 3:39 pm

Erstaunlich - denken ist nicht logisch sondern versucht das zu beschreiben, was wahrgenommen wird. Es basiert auf Lauten, deren Bedeutung irgendwann definiert wurde. Sie haben nicht den Zweck logisch zu sein, sondern wahrgenommenes zu beschreiben. Vorhin habe ich versucht, krampfhaft zu denken, was nicht wahrgenommen wird. Wahrgenommen wird der Ton, der Gedanke und diese kann ich beschreiben in Gedanken. Doch das wahrnehmende Element kann nicht beschrieben werden, da es nicht wahrgenommen wird.

Ich stelle im Alltag viele Ansprüche an mich. Wie im Eingangspost erwähnt, werde ich oft als sehr strukturiert und diszipliniert wahrgenommen, da ich mich immer wieder selber unter Druck setze. Allerdings stelle ich die Ansprüche nicht mir selbst. Der Anspruch viel zu verdienen kommt zum Beispiel von meinem Vater und war eigentlich nie mein Ziel. Dennoch merke ich immer wieder im Alltag, wie ich diesen Anspruch von ihm übernommen habe, ohne bewusst zu sein, dass das nicht von mir stammt.

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Tue Apr 24, 2018 4:55 pm

Erstaunlich - denken ist nicht logisch sondern versucht das zu beschreiben, was wahrgenommen wird.

Es ist schön, dass Du dieses Thema anbringst:
Haben Gedanken tatsächlich etwas damit zu tun, was über die Sinne wahrgenommen wird? Bzw. beschreiben sie tatsächlich das, was über die Sinne wahrgenommen wird? Wenn ein Bekannter auf Dich zukommt, was wird wahrgenommen, was beschreiben die Gedanken? Beschreibe doch mal...

Oder in diesem Fall:
Du läufst durch die Fußgängerzone und siehst einen dunkelhäutigen Menschen. Was siehst Du, was sagen die Gedanken?
Was beschreiben die Gedanken? Ein gespeichertes Wissen oder das Tatsächliche?

Ich stelle im Alltag viele Ansprüche an mich. Wie im Eingangspost erwähnt, werde ich oft als sehr strukturiert und diszipliniert wahrgenommen, da ich mich immer wieder selber unter Druck setze. Allerdings stelle ich die Ansprüche nicht mir selbst. Der Anspruch viel zu verdienen kommt zum Beispiel von meinem Vater und war eigentlich nie mein Ziel. Dennoch merke ich immer wieder im Alltag, wie ich diesen Anspruch von ihm übernommen habe, ohne bewusst zu sein, dass das nicht von mir stammt.

Interessant, oder? Du schreibst, dass Du den Anspruch viel zu verdienen übernommen hast. Schaue auf Deine gesamten Ansprüche und dann nenne einen, den Du nicht übernommen hast...

Als Du den Anspruch Deines Vaters übernommen hast, was war das Empfinden dabei? Warst Du begeistert darüber? Oder hat Dich das eigentlich gar nicht interessiert und Du hast es halt - kommt ja von Deinem Vater - übernommen?

Wann taucht besonders stark der Ich-Gedanke auf? Wenn Du glücklich einer geliebten Tätigkeit nachgehst und Dich darin verlierst :) oder wenn Du etwas tust, wozu Du keine Lust hast?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Tue Apr 24, 2018 6:20 pm

Haben Gedanken tatsächlich etwas damit zu tun, was über die Sinne wahrgenommen wird?
Ich drücke mich etwas genauer aus: die Gedanken beschreiben eine (meine) Interpretation dessen, was durch die Sinne wahrgenommen wird. In deinem Beispiel wäre mein erster Gedanke wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Menschen um einen Asylanten handelt (obwohl dieser Mensch sehr gut auch schon in der dritten Generation in Europa leben könnte). Es ist also keine objektive Beobachtung, sondern ein Beschreib dessen, was ich durch jahrelange Konditionierung interpretiere.
Du schreibst, dass Du den Anspruch viel zu verdienen übernommen hast. Schaue auf Deine gesamten Ansprüche und dann nenne einen, den Du nicht übernommen hast...
Es gibt keine Ansprüche, welche nicht übernommen wurden. Mein erster Gedanke ist immer: 'was würde diese Person denken, wenn ich das tun/nicht tun würde.' Mit der Übernahme der Ansprüche hatte ich nichts zu tun. Das ist wohl einfach so passiert. Wobei ich glaube, dass die Möglichkeit besteht, dass sämtliche Persönlichkeitsmerkmale der Menschen durchaus nur ein Produkt ihres Umfelds sind.
Wann taucht besonders stark der Ich-Gedanke auf? Wenn Du glücklich einer geliebten Tätigkeit nachgehst und Dich darin verlierst :) oder wenn Du etwas tust, wozu Du keine Lust hast?
Ganz klar. Der Ich-Gedanke taucht auf, wenn ich mich langweile und keine Lust habe. Oder mich aufrege. 'Wieso bin ich in dieser Situation?' 'Warum trifft es mich?' 'Ich will nicht hier sein' 'Ich habe von Anfang an davon abgeraten.' Bin ich glücklich, geniesse ich einfach den Moment...

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Tue Apr 24, 2018 7:52 pm

Bin ich glücklich, geniesse ich einfach den Moment...

Könnte es auch heißen: Wenn ich voll und ganz im Moment bin, bin ich glücklich?
OK, genug der Gedanken :)

Wir suchen das "Ich", das diesen glücklichen Moment erlebt. Oder den unglücklichen. Oder einfach nur den Moment.
Kannst Du dieses "Ich" irgendwie beobachten oder erkennen? Du brauchst Dir nichts vormachen wollen. Nichts schön reden. Nichts schlecht reden. Wir suchen das "Ich". Bedingungslos und ehrlich. Wo ist es? Wie sieht es aus?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Tue Apr 24, 2018 9:27 pm

Könnte es auch heißen: Wenn ich voll und ganz im Moment bin, bin ich glücklich?
Das könnte es tatsächlich :)
Wir suchen das "ich", das diesen glücklichen Moment erlebt.
Das ist so eine Sache mit dem Aufenthaltsort des "ich". Ich kann es nirgends wirklich festnageln. Wenn ich jedes Körperteil amputieren würde, wäre ich immer noch ich, würde ich trotzdem noch existieren, solange der Kopf noch unbeschädigt ist. Aber auch nicht der ganze Kopf. Ich kann auch ohne Ohren. Und Nase. Trotzdem finde ich das ich nicht im Kopf. Nicht so, dass ich darauf zeigen könnte.

Wenn ich mich nun auf das "ich" konzentriere spüre ich etwas im Bereich der Brust aber auch dies ist ein Gefühl und ich kann es nicht festnageln. Die Suche nach dem ich fühlt sich an wie ein Hund der seinem Schwanz nachjagt. Jedes Mal wenn ich denke, dass ich dem "ich" auf der Spur bin, ist es wieder weg.

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Wed Apr 25, 2018 10:20 am

Wenn ich mich nun auf das "ich" konzentriere spüre ich etwas im Bereich der Brust aber auch dies ist ein Gefühl und ich kann es nicht festnageln.

Wiederhole den Satz nochmals in den Gedanken und gehe dabei in das Empfinden.
Jetzt formulieren wir den Satz um. Lies den folgenden Satz und achte wieder auf alle Empfindungen, die erscheinen:

"Wenn die Konzentration auf ein "Ich" da ist, ist da auch ein Empfinden in der Brust, das sich nicht festnageln lässt."

Bei Lesen welchen Satzes ist das Empfinden in der Brust stärker?

Wenn Dir heute gelegentlich auffällt, dass Du das Wort "Ich" im Denken verwendest, dann versuche mal den Satz ohne "Ich" zu formulieren und achte darauf, ob dann die Gedanken anders empfunden werden und ob unangenehme Gedanken ohne "Ich"-Bezug schneller verpuffen als wenn der "Ich-Bezug" hergestellt wird.

Prüfe einmal, ob sich Gedanken-Geschichten "schwerer" oder "leichter" anfühlen, wenn darin ein "Ich-Bezug" hergestellt wird.

Was ist der Unterschied im Empfinden, wenn Du:

"Mein Auto" oder "Mein Körper" sagst und stattdessen

"Auto", "Körper".
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Wed Apr 25, 2018 2:45 pm

Bei Lesen welchen Satzes ist das Empfinden in der Brust stärker?
Das Empfinden ist beim ersten Mal stärker.
Prüfe einmal, ob sich Gedanken-Geschichten "schwerer" oder "leichter" anfühlen, wenn darin ein "Ich-Bezug" hergestellt wird.
Die Geschichten fühlen sich persönlicher an. Ein ich ist involviert, sobald der Gedanke mit Ich-Bezug erscheinen. Wenn die Gedanken ohne Ich-Bezug erscheinen fühlt es sich an, als ob keine emotionale Involvierung stattfinden. So als ob die Gedanken nicht mich betreffen.

Aber Andreas - eine Frage ist nun aufgetaucht, als ich diese Untersuchung gemacht habe. Wieso kann ich, obwohl ich vorhin festgestellt habe, dass ich Gedanken nicht wirklich selber steuern kann, einen Satz so umformulieren wie du es vorgegeben hast. Eine gewisse Steuerung der Gedanken muss also doch möglich sein?

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Re: Loslassen

Postby Glueckseligkeit » Wed Apr 25, 2018 5:55 pm

Wenn die Gedanken ohne Ich-Bezug erscheinen fühlt es sich an, als ob keine emotionale Involvierung stattfinden. So als ob die Gedanken nicht mich betreffen.

Gut beobachtet. Werden die Aussagen dadurch unwahrer, wenn der Ich-Bezug nicht stattfindet? Oder gibt es dann einfach niemanden, der sich involviert fühlt?

Wieso kann ich, obwohl ich vorhin festgestellt habe, dass ich Gedanken nicht wirklich selber steuern kann, einen Satz so umformulieren wie du es vorgegeben hast. Eine gewisse Steuerung der Gedanken muss also doch möglich sein?

Wo war die Steuerung eines "Ich"? Du hast etwas vorgegeben bekommen und ein Impuls hat reagiert. Woher kommen die Gedanken? Tauchen sie einfach auf?

Mit den auftauchenden Gedanken wird dann vielleicht ein "Ich-Bezug" hergestellt. Kannst Du Gedanken steuern? Wenn es ein Ich gäbe und dieses die Gedanken steuern würde, würde es dann jemals negative Gedanken denken?

Uns interessiert jedoch viel mehr die Frage, ob es tatsächlich, also faktisch, ein Ich gibt oder nicht. Sollte es kein Ich geben, dann wäre ein Ich-Bezug ja auch Unsinn. Das lässt sich eindeutig durch direkte Wahrnehmung prüfen und erkennen.

Schaue eine Deiner Hände an. Was wird gesehen? In der direkten Wahrnehmung, also nicht über den Umweg von Interpretationen. Beschreibe, was gesehen wird.
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Loslassen

Postby Lazar » Wed Apr 25, 2018 6:52 pm

Werden die Aussagen dadurch unwahrer, wenn der Ich-Bezug nicht stattfindet? Oder gibt es dann einfach niemanden, der sich involviert fühlt?
Die Aussagen sind gleich wahr bzw. unwahr (eigentlich sind sie ja nur Beschriebe meiner Interpretation dessen, was wahrgenommen wird und damit grundsätzlich immer unwahr). Ein Auto das beschädigt wird ist mir gleichgültig und involviert mich nicht. Jedoch macht mich mein beschädigtes Auto wütend und ich frage mich wer mein Auto geschrottet hat. Aber auch unabhängig davon ob es ein Ich-Bezug gibt oder nicht macht Besitz ja nur imaginär Sinn. Es gibt in schlichtweg nicht und basiert nur auf einer Übereinkunft der Menschen untereinander. Meinem Hund ist es Wurst ob er in den Garten meines Nachbars pinkelt. Für ihn ist es einfach eine Wiese und nicht des Nachbars Wiese.
Wo war die Steuerung eines "Ich"? Du hast etwas vorgegeben bekommen und ein Impuls hat reagiert. Woher kommen die Gedanken? Tauchen sie einfach auf?
Ja das stimmt - die Frage war unüberlegt. Ich habe auf deinen Impuls reagiert und du auf einen Vorhergehenden der wiederum auf einen Vorhergehenden reagiert hat - ad infinitum. Das ich würde, wäre eine Steuerung möglich, nur positive Gedanken haben. Oder würde damit aufhören dieses verdammt lästige Lied aus dem Radio permanent zu wiederholen. Ich habe auch schon festgestellt, dass der freie Wille nicht existiert. In dem Moment in dem ich den freien Willen demonstriere, reagiere ich auf den Impuls desjenigen der meinen freien Willen dementiert. Und dies wiederum verneint meinen freien Willen, da es sich nur um eine Reaktion handelt. Verständlich, was ich meine?
Schaue eine Deiner Hände an. Was wird gesehen? In der direkten Wahrnehmung, also nicht über den Umweg von Interpretationen. Beschreibe, was gesehen wird.
Ich sehe eine hautfarbene Hand und die zugehörigen Finger. Visuell lässt rein gar nichts darauf schliessen, dass es sich um meine Hand handeln könnte.


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