Wer geht und wohin?

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Nani2017
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Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Sat Oct 07, 2017 3:02 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Einerseits ist der Gedanke wunderbar - andererseits macht sich das Ego bereit massiven Widerstand zu leisten.
Für mich läuft es auf Einssein hinaus, darauf dass der Widerstand nachlässt und ich mich einlasse auf das Leben so wie es jetzt ist.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Der Wunsch die Illusion loszuwerden. Das Leben so wie es ist zu erfahren ohne die ganzen Erwartungen und die damit verbundenen Ängste dass die Erwartungen nicht erfüllt werden. Auch möchte ich hier sein - jetzt - und nicht laufend gedanklich in der Vergangenheit oder in der Zukunft.
Ständig dieses Abschweifen vom hier und jetzt - und dann ist man schon wieder ganz tief in die eigenen Geschichten verstrickt. All diese Gedankenspiele von denen die meisten es nie vom Kopf in die "Wirklichkeit?" schaffen. All das "was wäre gewesen wenn?" und "zukünftig werde ich auf jeden Fall......."

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?

Ich habe schon einige Herangehensweisen ausprobiert.
Yoga, Meditation, Retreat (Zen-Zentrum), zahllose Bücher über Yoga, Meditation und Buddhismus gelesen. Dann habe ich mich intensiver mit Non-Dualität beschäftigt - also Advaita Vedanta. Dann bin ich zufällig auf Liberation Unleashed gestossen und habe "Gateless Gatecrashers" gelesen und nun schreibe ich diese Zeilen.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Bisher habe ich nur intellektuellen Zugang zum Verständnis der Ich-Illusion. Mit der Erfahrung klappt es nicht. Ich möchte das was ich verstandesmäßig "berührt" habe jetzt erfahren/erleben. Manchmal blitzt etwas auf und dann ist es wieder weg - oder vielleicht ist es eher so, dass ich nah rankomme und dann zieht mich meine "Geschichte/Ego" wieder weg. Eigentlich will ich einfach ankommen - hier und jetzt, im Fluß des "was auch immer".

Es gibt da diese Aussage im Buddhismus:
"Alle Wellen auf der Oberfläche des Ozeans sind der Ozean selbst." Das möchte ich erfahren.

Ich bin sehr neugierig was auf der anderen Seite ist und diese Frage lässt mich nicht mehr los - also muß ich die Antwort finden. Und das ist es was ich erwarte - die Antwort und die Wahrheit und das pure Leben mit der puren Freude an der Existenz.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
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flowings
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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Sun Oct 08, 2017 7:09 pm

Hallo, Nani2017!

Mein Name ist Daniel; ich begleite "dich" gerne - wohin auch immer ;)
Bitte lies die Bekanntmachungen im oberen Teil des Forums aufmerksam durch.
( Einführende Worte, Direct Pointing vs. "Wer bin Ich"-Erforschung und auch Wie man die Zitierfunktion verwendet )

Du hast in deiner Anmeldung ja schon recht eindeutig deine Erwartungen bezüglich des Prozesses formuliert.
Das ist gut; es ist wichtig, sich über diese Erwartungen bewusst zu sein UND noch wichtiger, sich nicht von diesen Erwartungen (oder Wünschen) vereinnahmen zu lassen:
Was wirklich passieren wird, kann nämlich völlig von dem abweichen, was diese Erwartungs-Gedanken so erzählen!
Das unmittelbare Erleben ist alles, was hier zählt. Im schlimmsten Falle können die Erwartungen die klare Sicht auf das, was wirklich ist, verzerren oder verschleiern.

Untersuche doch mal, woher diese Erwartungen stammen und berichte anschliessend darüber.
Gelesen? Gehört? Geglaubt?


Alles Liebe,
Daniel
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Nani2017
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Sun Oct 08, 2017 10:18 pm

Lieber Daniel,

"Ich" freue mich sehr darüber, dass "Du" "mich" begleitest ;-)

Werde mich morgen Abend zur Herkunft meiner Erwartungen melden.

Vielen lieben Dank für Deine Zeit und Unterstützung bei diesem spannenden Prozess!

Liebe Grüße
Nani

PS: Habe die Bekanntmachungen gelesen.

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Nani2017
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Mon Oct 09, 2017 11:14 am

Lieber Daniel,
Untersuche doch mal, woher diese Erwartungen stammen und berichte anschliessend darüber.
Gelesen? Gehört? Geglaubt?
Habe festgestellt, dass es da nicht viel zu untersuchen gibt - es ist wie Du sagst:
Gelesen und/oder gehört - dann analysiert - und dann geglaubt bzw. als Wunschvorstellung/Erwartung übernommen. Mehr steckt nicht dahinter - obwohl es ziemlich lange gedauert hat diese ganzen Konzepte zusammen zu basteln.
Im schlimmsten Falle können die Erwartungen die klare Sicht auf das, was wirklich ist, verzerren oder verschleiern.
Das klingt 100% wahr :-)

Liebe Grüße
Nani

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flowings
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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Tue Oct 10, 2017 1:08 pm

Prima!

Eine deiner Aufgaben für diesen Prozess wird sein, immer wieder aufmerksam und ehrlich hinzuschauen, wenn Erwartungen, Wunschdenken oder auch Interpretationen deine tatsächlichen Betrachtungen der Wirklichkeit zu beeinflussen drohen.
Wichtig ist dabei, zu erkennen, dass all diese Gedanken zwar real, aber deshalb nicht unbedingt wahr sind!

Wie du das hier beschrieben hast...
Gelesen und/oder gehört - dann analysiert - und dann geglaubt..
...genauso funktioniert im Grunde genommen unsere komplette Wahrnehmung.
Da ist zuerst das Erleben einer Sinneswahrnehmung, dazu tauchen dann Gedanken auf, die das reine Erleben etikettieren und anschliessend hat der Verstand dann ein vermeintliches Wissen zu dem wahrgenommenen 'Objekt' und wie es mit 'mir' in Beziehung steht.

Untersuche das mal am Beispiel des Sehens:

Image

"Ich sehe eine Kirsche" - so benennen wir für gewöhnlich.

Aber was siehst du wirklich?
Und was wird dazu gedacht/etikettiert/analysiert/vermutet/geglaubt usw?
Werden diese Gedanken von dir willentlich 'produziert'?
Wo kommt hier beim 'Sehen der Kirsche' eigentlich das 'Ich' ins Spiel?


Bin gespannt auf deinen Bericht!
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Nani2017
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Tue Oct 10, 2017 5:01 pm

Lieber Daniel,
"Ich sehe eine Kirsche" - so benennen wir für gewöhnlich.

Aber was siehst du wirklich?
In Wirklichkeit sehe ich eine Form und Farben.
(Die Farben haben keine Namen - aber es sind unterschiedliche Färbungen)
Und was wird dazu gedacht/etikettiert/analysiert/vermutet/geglaubt usw?
Das erste Label welches zugeordnet wird ist natürlich der Name des Objekts - „Kirsche“.

Und dann geht es los: Die Kirsche ist eine Süsskirsche und sie ist rot und feucht - da sind Wassertropfen - der Stiel ist grün.
Sie sieht wunderbar knackig und saftig aus - und sie wird süß schmecken, das Fruchtfleisch ist relativ fest und es wird ein Geräusch geben wenn ich reinbeiße. Jetzt habe ich plötzlich Lust auf Kirschen.
Hoffentlich ist kein Wurm drin - Würmer mögen Süßkirschen…………usw.

(Form und Farbe halt ;-))
Werden diese Gedanken von dir willentlich 'produziert'?
(Das habe ich wirklich mal geglaubt.)

Die Gedanken werden nicht willentlich produziert - durch das Sehen der Kirsche wird ein Unterprogramm aufgerufen welches dann die Kirsch-Geschichte „schreibt“.
Wo kommt hier beim 'Sehen der Kirsche' eigentlich das 'Ich' ins Spiel?
Das „Ich“ kommt so ins Spiel:

Da ist ein Körper und das ist der Körper auf den ich in meiner Wahrnehmung der Welt begrenzt bin, soll heißen ich kann nur wahrnehmen was dieser Körper mit seinen Sinnen erfährt bzw. was die Sinne dieses Körpers an das Gehirn übermitteln.
Die Person die draußen auf der Straße vorbeigeht, kann diese Kirsche nämlich nicht sehen - die sehe momentan nur ich. Und wenn ich mir bspw. auf die Zunge beiße, dann kann nur ich diesen Schmerz empfinden und kein anderer.
Es heißt: „ICH sehe eine Kirsche „um auszudrücken, dass wir sie nicht alle sehen sondern nur ich.
(Falls da überhaupt „Jemand“ ist - weil eigentlich ist ja wahrscheinlich „Niemand“ da)

Aber eine Kirsche würde sowieso niemand sehen denn es handelt sich um Form/Farbe.

So siehts momentan aus.

Liebe Grüße
Nani

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flowings
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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Tue Oct 10, 2017 11:25 pm

Liebe(r) Nani!

Du hast da sehr präzise hingeschaut!
Ununterbrochen etikettiert der Fluss der Gedanken (der nicht willentlich produziert wird) das direkte Erleben...
In Wirklichkeit sehe ich eine Form und Farben.
Genau. Das ist die Wirklichkeit. Das Erleben - in unserem Beispiel hier also das Sehen von Form/Farbe.
Dann kommen Gedanken: Labelling/Interpretation/Glauben und andere 'Kirschgeschichten' stülpen sich sozusagen über das direkte Erleben.
Sind all diese Gedanken nun wahr?
Ein dreijähriges Kind, dass keine Computer kennt, würde wahrscheinlich genauso Form/Farbe sehen, gefolgt von anderen 'Kirschgedanken' - und vielleicht auch glauben, die Kirsche sei echt und nach ihr greifen...

Wo kommt hier beim 'Sehen der Kirsche' eigentlich das 'Ich' ins Spiel?
Das „Ich“ kommt so ins Spiel: ..... ..... ..... ..... ..... ..... ..... .....
...Hier hast du nun recht anschaulich beschrieben, wie du dir das 'Ich' erklärst.
Beziehungsweise weshalb der Glaube an ein 'Ich' da ist...
Aber das sind nur Gedanken, die zum Thema 'Ich' aufgetaucht sind, nicht wahr?
Wenn so etwas wie ein 'Ich' -ein fester Wesenskern- wirklich existiert, sollte das ja auch wirklich erfahrbar sein... oder?


Lass uns einen tieferen Blick werfen auf das 'ich' in der Aussage "In Wirklichkeit sehe ich eine Form und Farben."

Schau dir nochmal die Kirsche an (oder irgendetwas anderes - wichtig ist nicht das Objekt, sondern der Prozess des Sehens an sich) und untersuche, ob im puren Erleben des Sehens ein 'Ich' zu finden ist - oder ob es sich mit "Ich" nicht ähnlich verhält wie mit "Kirsche".
Hier ein paar Pointer:

Ist das Sehen etwas, was von dir erzeugt wird? Ist da ein 'Ich', dass das Sehen macht?
Ist das Sehen etwas, was von dir empfangen wird? Ist da ein 'Seher' im Sehen zu finden?
Kannst du im Sehen einen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Objekt (Die Kirsche da draussen) und dem Subjekt (Ich hier in meinem Körper)?

Wo ist das 'Ich'? Kannst du es wirklich erleben, wenn du sagst "Ich sehe..."?
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Nani2017
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Wed Oct 11, 2017 5:56 pm

Lieber Daniel,
Liebe(r) Nani!
Liebe Nani :-))

So das ist ja eine kniffelige Aufgabe - da stellt man fest, dass man eine der natürlichsten Sache der Welt (SEHEN) immer so gewohnheitsmäßig macht/anwendet und dann scheint es plötzlich ganz anders zu sein als man immer dachte.
Bin etwas verunsichert :-/
Aber das sind nur Gedanken, die zum Thema 'Ich' aufgetaucht sind, nicht wahr?
Wenn so etwas wie ein 'Ich' -ein fester Wesenskern- wirklich existiert, sollte das ja auch wirklich erfahrbar sein... oder?
Ja, es sind nur Gedanken zum „Ich“ die aufgetaucht sind.
Und ja, so ein fester Wesenskern sollte tatsächlich erfahrbar sein.
Ist das Sehen etwas, was von dir erzeugt wird? Ist da ein 'Ich', dass das Sehen macht?
Ist das Sehen etwas, was von dir empfangen wird? Ist da ein 'Seher' im Sehen zu finden?
Kannst du im Sehen einen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Objekt (Die Kirsche da draussen) und dem Subjekt (Ich hier in meinem Körper)?
Ich erzeuge „Sehen“ nicht und es gibt auch niemanden der das Sehen macht.

Nein ich empfange nichts und ich kann keinen Seher im Sehen ausmachen.
Empfängt vielleicht mein Gehirn über die Sehnerven Impulse und macht dann das Bild?

Obwohl ich schon an die Label Subjekt/Objekt „glaube“, kann ich während des Sehens keinen Unterschied ausmachen - da ist nur „Sehen“ also irgendwie die Erfahrung von „Sehen“ -> Gewahrsein welches durch die Etikettierung dann getrübt wird - die ganz automatisch einsetzt.
Wo ist das 'Ich'? Kannst du es wirklich erleben, wenn du sagst "Ich sehe..."?
Ich sehe kein „Ich“, ich kann es nicht spüren und auch nicht hören. Ich denke mein „Ich“.

Das „ich“ wird nur gedacht, als Label für die physische Form mit Hilfe derer die Welt für mich erfahrbar ist. Das ich ein "Ich" habe oder bin, glaube ich weil ich so konditioniert wurde.

Ich glaube jeder Satz der mit Ich beginnt erzeugt die „Trennung“ - das erzeugt erst die Abspaltung bzw. das „Ich“ ist die Abspaltung bzw. das Einzige was überhaupt getrennt ist. Jedes gesprochene oder gedachte "ich" trennt wieder und immer wieder.

Ich glaube jetzt zu wissen, dass ich gar nichts weiß. Ist etwas merkwürdig aber irgendwie kommt es mir so vor als wäre das kein großes Drama (das mit dem nix wissen).

Liebe Grüße
Nani

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flowings
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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Wed Oct 11, 2017 9:40 pm

Grossartig hingeschaut!
da stellt man fest, dass man eine der natürlichsten Sache der Welt (SEHEN) immer so gewohnheitsmäßig macht/anwendet und dann scheint es plötzlich ganz anders zu sein als man immer dachte.
Bin etwas verunsichert :-/
Das ist völlig OK, liebe Nani.
Empfängt vielleicht mein Gehirn über die Sehnerven Impulse und macht dann das Bild?
Hört sich richtig an - aber das ist wieder ein Erklärungsversuch, der in Form von Gedanken daherkam, oder?
Wenn dir ein Biologe genau erklären würde, wie das alles funktioniert, wäre er dabei auf Konzepte wie 'Ich' oder 'Selbst' angewiesen?
Obwohl ich schon an die Label Subjekt/Objekt „glaube“, kann ich während des Sehens keinen Unterschied ausmachen - da ist nur „Sehen“ also irgendwie die Erfahrung von „Sehen“ -> Gewahrsein welches durch die Etikettierung dann getrübt wird - die ganz automatisch einsetzt.
Ganz genau!
Dieses Sehen findet einfach statt. Das ist die Wirklichkeit des Erlebens, das Schauen auf das direkte Erleben!
Das „ich“ wird nur gedacht
...unaufhörlich und äusserst hartnäckig - aber es ist und bleibt nur ein Gedanke, ein Wort. Genauso wie das Label "Kirsche" in dem Satz "Ich sehe eine Kirsche" ...
Ich glaube jetzt zu wissen, dass ich gar nichts weiß. Ist etwas merkwürdig aber irgendwie kommt es mir so vor als wäre das kein großes Drama (das mit dem nix wissen).
Wunderbar!
Wissen hilft hier nicht weiter - im Gegenteil!
Es geht nur darum, das Offensichtliche, was schon immer da ist, zu sehen - und das für selbstverständlich als "Wissen" angenommene zu hinterfragen - und letztendlich als Lüge, als falschen Glauben zu entlarven.
(Siehe auch meine Signatur)

◇─◇──◇────◇────◇────◇────◇────◇─────◇──◇─◇

Das war wirklich gut Nani!

Schau dir nun einmal diesen Gedankenstrom an, der alles, was erlebt wird, ständig benennt, unterscheidet, kommentiert, interpretiert usw. Mach's dir gemütlich und schau auf den Denkprozess (nicht auf die Inhalte).


Bist 'Du' Erzeuger von Gedanken? Oder Empfänger von Gedanken?
Schau genau hin:
Erschafft eine "Generalmanagerin" neue Gedanken aus dem Nichts? Wie geht das?
Kannst du den nächsten Gedanken vorhersagen? Oder den aktuellen anhalten?
Kannst du in der direkten Beobachtung - ohne gedankliche Spekulationen - einen Denker wahrnehmen, der vom Gedachten getrennt ist?
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Nani2017
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Thu Oct 12, 2017 2:35 pm

Vielen Dank :-))

(Die Signatur ist wirklich (gut))
Wenn dir ein Biologe genau erklären würde, wie das alles funktioniert, wäre er dabei auf Konzepte wie 'Ich' oder 'Selbst' angewiesen?
Habe mal kurz bei Wiki..... nachgeschaut - da ist keine Rede von Ich oder Selbst :-) spielt da wohl echt keine Rolle.
Bist 'Du' Erzeuger von Gedanken? Oder Empfänger von Gedanken?
Schau genau hin:
Erschafft eine "Generalmanagerin" neue Gedanken aus dem Nichts? Wie geht das?
Kannst du den nächsten Gedanken vorhersagen? Oder den aktuellen anhalten?
Kannst du in der direkten Beobachtung - ohne gedankliche Spekulationen - einen Denker wahrnehmen, der vom Gedachten getrennt ist?
Kann keinen Erzeuger oder Empfänger finden - auch keine Generalmanagerin - ich kann die Gedanken nur wahrnehmen.
Einen Denker kann ich auch nicht wahrnehmen - da sind Gedanken.
Habe keine wirkliche Kontrolle - aber:

manchmal ist es so, dass die Gedanken zu dem "passen" auf was die Aufmerksamkeit bzw./Wahrnehmung gerichtet ist.
Beispiel: Ein Buch aus dem Regal nehmen -> Titel wahrnehmen -> Gedanke: ach, das ist doch das Buch in dem der kleine Typ den Ring ins Feuer werfen soll.....

Auf jeden Fall ist es sonst immer so, dass Gedanken auftauchen und wieder vergehen - von irgendwohin nach wohin auch immer.
Außerdem entstand der "Gedanke", dass diese Gedanken gar nicht an mich adressiert sind - da sind Gedanken und ich muss mich von keinem einwickeln lassen weil ich damit gar nichts zu tun habe.

Als würde ich beim Wandern an einen Fluß kommen und (abhängig davon auf welcher Uferseite ich stehe) das Wasser kommt von irgendwo links und verschwindet dann irgendwann rechts aus meinem Blickfeld. Da ist es ja auch egal woher oder wohin - ich bin da nicht verantwortlich - habe nichts damit zu tun.

Es entsteht der Eindruck, dass das mit dem Sehen einfacher war. Ich sage da sind Gedanken - aber ich kann nicht sagen da ist einfach "Denken". Ich habe noch nicht das Gefühl dass da gar keine Trennung ist, eher so etwas wie Distanz/Abstand (es sei denn ich lasse mich in die Geschichte reinziehen, dann fängt gleich wieder das analysieren und etikettieren an). Ich muss wohl noch genauer hinschauen - wobei das schwierig ist - die Kirsche konnte ich sehen aber ich sehe den Gedankenstrom nicht.

Wenn ich anfange auch den Gedankenstrom zu achten ist da erstmal nicht so viel los - als hätte er sich ertappt gefühlt und wäre erstmal in Deckung gegangen. Ach ja und anhalten kann ich einen Gedanken auch nicht.........

Werde weiter üben.

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flowings
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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Fri Oct 13, 2017 8:13 am

Habe keine wirkliche Kontrolle - aber:
manchmal ist es so, dass die Gedanken zu dem "passen" auf was die Aufmerksamkeit bzw./Wahrnehmung gerichtet ist.
Beispiel: Ein Buch aus dem Regal nehmen -> Titel wahrnehmen -> Gedanke: ach, das ist doch das Buch in dem der kleine Typ den Ring ins Feuer werfen soll.....
Klar. Aber ist dafür ein 'Ich' notwendig?
Das kann doch jeder Computer... IF (title=herrderringe) THEN GOTO (mordor) würde das auf Basic heissen ;)
Genauso werden natürlich auch die passenden "Kirschgedanken" abgerufen, wenn die entsprechenden Farben/Formen betrachtet werden. Aber ist dafür ein 'Ich' notwendig?
Außerdem entstand der "Gedanke", dass diese Gedanken gar nicht an mich adressiert sind
Sehr gut! Wie könnten sie auch - wenn es ein 'mich' garnicht gibt?
Als würde ich beim Wandern an einen Fluß kommen und (abhängig davon auf welcher Uferseite ich stehe) das Wasser kommt von irgendwo links und verschwindet dann irgendwann rechts aus meinem Blickfeld. Da ist es ja auch egal woher oder wohin - ich bin da nicht verantwortlich - habe nichts damit zu tun.
Ein schönes Bild! Da ist dieser Strom von Gedanken, der dahinfliesst...

Versuch mal, dein gesamtes Erleben so zu betrachten...
Nimm dir etwas Zeit, entspann dich und schau auf diese Prozesse, die passieren... Sehen, Hören, Denken, Fühlen - nimm einfach den 'Strom des Erlebens' wahr, was auch immer gerade passiert.

Ist da irgendetwas 'an dich adressiert'?
Bist du für irgendetwas, was da passiert, verantwortlich?
Musst du etwas tun, damit das (Er)Leben geschieht?
Und: Steht da irgendjemand am Ufer und ist ein vom Erleben getrennter Beobachter?
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Sat Oct 14, 2017 1:25 pm

Lieber Daniel,
Klar. Aber ist dafür ein 'Ich' notwendig?
Das kann doch jeder Computer... IF (title=herrderringe) THEN GOTO (mordor) würde das auf Basic heissen ;)
Genauso werden natürlich auch die passenden "Kirschgedanken" abgerufen, wenn die entsprechenden Farben/Formen betrachtet werden. Aber ist dafür ein 'Ich' notwendig?
Nein, dafür ist natürlich kein "Ich" notwendig :-)
Versuch mal, dein gesamtes Erleben so zu betrachten...
Nimm dir etwas Zeit, entspann dich und schau auf diese Prozesse, die passieren... Sehen, Hören, Denken, Fühlen - nimm einfach den 'Strom des Erlebens' wahr, was auch immer gerade passiert.

Ist da irgendetwas 'an dich adressiert'?
Bist du für irgendetwas, was da passiert, verantwortlich?
Musst du etwas tun, damit das (Er)Leben geschieht?
Und: Steht da irgendjemand am Ufer und ist ein vom Erleben getrennter Beobachter?
Da ist nichts an mich adressiert.
Keine Verantwortung und ich muß nichts tun damit Leben geschieht.
Ich nehme wahr - ich beobachte nicht, ich erlebe was ich wahrnehme - ergo keine Trennung.

Das Denken macht mir noch Schwierigkeiten.

Sehen - hinsehen
Hören - hinhören
Fühlen - hineinspüren

Denken - ??????

Wenn ich versuche das Denken wahrzunehmen ist da erstmal nichts und dann falle ich irgendwann raus und merke, dass ich mich von Gedanken habe mitreissen lassen. Also ich kann nicht denken und gleichzeitig das Denken wahrnehmen - wenn ich denke dann ist da nichts anderes, da werde ich unbewußt.
Außer wenn ich über etwas nachdenke oder etwas analysiere dabei bin ich (glaube ich) bewußter.

Wenn ich bisher geschaute habe - also mich auf sehen, hören und fühlen konzentriert habe, dann war da nichts was ich hätte hinzufügen wollen oder hätte kommentieren müssen:
ALLES IST JETZT HIER.

Teilnahmslosigkeit klingt negativ und wird nicht gewünscht.
Nicht mehr an Allem teilnehmen müssen klingt erstrebenswert - aber an was muß noch teilgenommen werden und wie soll das ohne ICH gehen? Klar es gibt und gab nie ein reales ich - aber ich meine hier das konstruierte Konzept das es möglich macht im „Alltag“ zu funktionieren. Das was verhindert dass alle einen für einen Freak halten weil man sich nicht NORMAL (den Konventionen entsprechend)?!? verhält.

Szenario: Viele Leute in einem Raum, es gibt mehrere Gruppen und ich nehme einfach wahr, lasse meinen Blick schweifen, höre dies und das, spüre die Stuhllehne in meinem Rücken (oder einfach Druck von was auch immer). Dann schaut mich jemand an - ok ich lasse meine Blick weiterwandern - der andere nimmt halt auch wahr.
Aber dann stellt mir jemand eine Frage und ich schaue den Fragesteller an und ———-? da kommt dann nix, da muß dann das Ich antreten und antworten.
(Stelle fest, dass die Sprache ein völlig beschränktes und ungenügendes Werkzeug ist, ich hoffe du verstehst trotzdem was ich meine.)

Ohne das "ICH" kommt keine Antwort aus dem "System Nani" - wie kann denn die Frage was mit mir zu tun haben wenn es mich gar nicht gibt.

Szenario 2: Geschäftsessen mit Kollegen - jemand am Tisch berichtet dass er Zitronengras und Ingwer fürchterlich findet, Ingwer ginge ja noch aber Zitronengras geht gar nicht. ????? ok - da ist kein Wunsch oder Bedürfnis darüber zu berichten wie Nani zu Ingwer und Zitronengras steht.
Verbales Mitteilungsbedürfnis schrumpft.

Das ist spooky und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll.

Ich will ja nicht einsam in den Bergen in einer Höhle wohnen nur damit mir niemand mehr Fragen stellt oder eine Reaktion von mir erwartet………..

Es gibt Momente da fühle ich mich bis in die Grundfesten erschüttert.

Liebe Grüße
Nani

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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Sat Oct 14, 2017 3:27 pm

Liebe Nani!
Da ist nichts an mich adressiert.
Keine Verantwortung und ich muß nichts tun damit Leben geschieht.
Ich nehme wahr - ich beobachte nicht, ich erlebe was ich wahrnehme - ergo keine Trennung.
Wunderbar!

Kannst du irgendetwas finden, was nicht auf 'Autopilot' ist?
Kannst du im direkten Erleben Irgendetwas finden, dass abgetrennt ist von irgendetwas Anderem (ausser als gedankliches Konzept)?


Hier noch ein paar Kommentare von mir:
Das Denken macht mir noch Schwierigkeiten.
Das verstehe ich. Aber schau, du hast beim Beobachten des Denkprozesses festgestellt, dass da kein 'Ich' ist, dass das Denken macht; Niemand, der Gedanken produziert; du hast gesehen, dass Gedanken einfach so vorbei ziehen, ohne dass ein 'Ich' da irgendeine Kontrolle hätte.
Mehr ist nicht notendig! Lass das sacken! Stay simple!
Es gibt Momente da fühle ich mich bis in die Grundfesten erschüttert. (...) Szenario 1 & 2...
Ja, ohne den Glauben an ein 'Ich'kann man durchaus etwas den Boden unter den Füssen verlieren und das kann alles erstmal sehr spooky sein.
Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit, ein Gefühl von Sinnlosigkeit und ähnliches sind häufige Begleiterscheinungen des Erwachens.
Grübel nicht zuviel - vertraue dem Prozess. Versuch einfach, dich all dem hinzugeben, zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist - vergleichbar mit hohem Seegang auf einem Boot - die Wogen werden sich schon noch glätten...egal, wie du mit dem Seegang umgehst.

Der Ende dieses Prozesses, der hier im Forum angeboten wird, ist aber auch nicht das Ende 'deines' Prozesses! Es gibt "After Gate" verschiedene Gruppen, wo wir uns gegenseitig unterstützen, die Erkenntnis der Ichlosigkeit ins 'normale' Leben zu integrieren (und ein paar wertvolle Buchtipps).

ALLES IST JETZT HIER
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Re: Wer geht und wohin?

Postby Nani2017 » Sun Oct 15, 2017 8:24 am

Lieber Daniel,
Kannst du irgendetwas finden, was nicht auf 'Autopilot' ist?
Kannst du im direkten Erleben Irgendetwas finden, dass abgetrennt ist von irgendetwas Anderem (ausser als gedankliches Konzept)?
1. Nein - alles entsteht aus sich selbst heraus, ganz ohne Zutun von irgendwem/was.

2. Nun, da sind andere Personen mit ihren eigenen Geschichten und ihrem individuellen/direkten Erleben, aber im Grunde genommen sind alle (und alles) in dieser einen Bewegung, in diesem einen Strom - dem Leben - enthalten und somit verbunden.

In meinem direkten Erleben (sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen, denken) gibt es absolut keine Trennung.

Da sind Gedanken - was wenn ich wieder zurückfalle in die Illusion? Werde ich mich immer so fühlen wie jetzt? - aber da ist keine emotionale Ladung. Gedanken dürfen sein, keine Anhaftung - keine Aversion.

Ich vermute, dass sich die ganzen Verhaltensmuster von Nani nicht einfach - puff - in Luft auflösen. Aber wenn sie irgendwann auftauchen sind sie da, werden erfahren/angeschaut, getrennt von dem was wirklich wahr ist und dann geht auch das vorüber.
Der Ende dieses Prozesses, der hier im Forum angeboten wird, ist aber auch nicht das Ende 'deines' Prozesses! Es gibt "After Gate" verschiedene Gruppen, wo wir uns gegenseitig unterstützen, die Erkenntnis der Ichlosigkeit ins 'normale' Leben zu integrieren (und ein paar wertvolle Buchtipps).
Das ist ein sehr guter Hinweis - wir sprechen schon über die Nachsorge? Das soll wohl ein Witz sein - es hat doch gerade erst begonnen :-)

Ich fühle tiefe Dankbarkeit.

Alles Liebe
Nani

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Re: Wer geht und wohin?

Postby flowings » Sun Oct 15, 2017 10:26 am

Da sind Gedanken - was wenn ich wieder zurückfalle in die Illusion? Werde ich mich immer so fühlen wie jetzt? - aber da ist keine emotionale Ladung. Gedanken dürfen sein, keine Anhaftung - keine Aversion.
Wie war das als Kind, als du die 'Weihnachtsmann-Illusion' durchschaut hattest, als du herausgefunden hattest, dass der Weihnachtsmann nur eine Illusion ist, die dir vorgegaukelt wurde?
Konntest du wirklich wieder in die Illusion zurückfallen und plötzlich wieder glauben, dass am Nordpol ein Mann mit weissem Bart lebt, der in einer einzigen Nacht Millionen von Kindern mit Geschenken versorgt?

Und: Nein, wahrscheinlich wirst du dich nicht immer so fühlen wie jetzt. Wen kümmert's? ;)

Ich vermute, dass sich die ganzen Verhaltensmuster von Nani nicht einfach - puff - in Luft auflösen. Aber wenn sie irgendwann auftauchen sind sie da, werden erfahren/angeschaut, getrennt von dem was wirklich wahr ist und dann geht auch das vorüber.
Treffender könnte ich das nicht formulieren!

wir sprechen schon über die Nachsorge? Das soll wohl ein Witz sein - es hat doch gerade erst begonnen :-)
Liebe Nani!
Nur 'du selbst' (hihihi) kannst letztendlich beurteilen, wann und ob du die Ich-Illusion durchschaut hast.
Zeit spielt dabei keine Rolle.
Wenn du mit einem dicken fetten 'JA' sagen kannst, dass das 'Ich' nur eine Illusion ist - dann ist das so.

Nimm dir doch mal die Zeit und geh hinaus in die Natur.
(Notfalls tut es auch ein Blick aus dem Fenster oder ein Spaziergang um den Häuserblock.)

Schau, wie alles in stetiger Bewegung und Veränderung ist - Wolken, Wind, Menschen, Tiere, Pflanzen - alles geschieht einfach so, ohne dass da eine 'Steuerzentrale' die Finger im Spiel haben muss.
Schau, wie Alles als ein Erleben geschieht - Hören, riechen, fühlen, schmecken, riechen, denken - alles geschieht einfach so, ohne dass da eine 'Steuerzentrale' die Finger im Spiel haben muss...

Wie sieht es aus? Wie ist deine Wahrnehmung? Hast du noch das Gefühl, dass da irgendwo ein 'Ich' / eine zentrale Steuereinheit / ein fester Wesenskern zugange ist?

Oder kannst du mit einem dicken fetten 'JA' sagen, dass das 'Ich' nur eine Illusion ist?
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