Hallo Luke,
nochmal zu gestern: Nachdem ich meine Antwort abgeschickt hatte, haben meine Gedanken Überstunden gemacht, um zu beweisen, dass es durch Konzentration, Fokussierung, Meditation doch einen Zugriff auf Gedanken gibt. Mir ist dabei aufgefallen, dass das ganze gedankliche Durchkauen einfach nur ein Gedanke nach dem anderen war.
Ratlosigkeit ist auf jeden Fall eine sehr gute Grundlage für wahre Erkenntnis! Und falls es dich beruhigt: Wenn das so ist, dann WAR es auch schon immer so, es hat sich ja nichts geändert... Und bisher bist du damit ganz gut klar gekommen, oder?
Ja, dieses Gedankenempfangen ohne Kontroll- und Kommando-Instanz war womöglich schon immer so. Es kommt mir zwar neu und frisch vor, aber alles läuft weiter wie bisher.
Okay. Neues Experiment.
Schließe einmal die Augen und achte auf irgendein regelmäßiges Geräusch, das Ticken einer Uhr oder die Lüftung deines Computers. Lausche einen Moment auf dieses Geräusch und bemerke, ob da ein 'ich' ist, zu dem dieses Geräusch gehört, dem es also zugeordnet ist?
Eindeutig nein. Das Geräusch selbst, das leise Summen des Computers ist einfach nur da. Im Geräusch gibt es kein Ich und es gibt auch kein Ich, das dieses Summen hat, besitzt oder das dem Geräusch zugeordnet ist. Da ist nur das Summen. Alles, was mit dem Ich zu tun hat, müsste dazu gedacht werden, z.B. die Gedanken: Das ist mein Computer. Oder: Ich höre das Summen. Ohne Gedanken ist da das pure Geräusch.
Oder ist da ein 'ich', zu dem es gerade NICHT gehört?
Nein. Es gibt im oder neben dem Geräusch kein Ich, das sich davon distanzieren könnte. Keine Zugehörigkeit, keine Ablehnung. Da ist nur das Erleben dieses Geräusches.
Nun schalte um und lausche in der gleichen Weise den Gedanken, die erscheinen. Gibt es hier ein 'ich', dem die Gedanken zugeordnet sind?
Wenn ich genauso wahrnehme, wie bei dem Geräusch, dann merke ich keine Ich-Instanz, von der aus die Gedanken starten. Der jeweilige Gedanke ist einfach da.
Und ich nehme auch keinen Ich-Landeplatz für den Gedanken wahr. Der Gedanke erscheint und dann ist er weg. Ich kann den Gedanken-Entstehungsort nicht erkennen. Ich kann auch nicht erkennen, wohin der Gedanken verschwunden ist.
Anders als bei dem Geräusch, steckt in den Gedanken (nicht allen Gedanken) das Wort ich oder mein oder mir. Die Gedanken mit den Ich-Worten kreisen um diesen Babette-Körper hier. Sie, die Gedanken, nennen diesen Körper ich. (Z.B. diese Gedanken: Ich müsste mal wieder zum Friseur. Meine Haare sind zu lang.)
Wie genau entsteht der Eindruck, dass dies 'deine' Gedanken sein könnten?
Knifflige Frage. Mmmhh ....
Ich habe schon gemerkt, dass die Gedanken von keiner Ich-Instanz gemacht oder geregelt oder kontrolliert werden.
Wie genau entsteht der Eindruck, dass dies meine Gedanken sein könnten?
Diese Gedanken sprechen ganz selbstverständlich von einem Ich. Die Gedanken erscheinen hier, im Erleben von Babette. Ich glaube, diese Gedanken erscheinen nur für mich, für Babette, ganz einmalig und exklusiv. Kein anderer Mensch nimmt diese Gedanken wahr, wenn sie hier auftauchen. Das macht sie zu meinen Gedanken. Wie meine Atmung oder meine Verdauung nur für mich da sind.
Warte mal. Da steh ich gerade auf dem Schlauch. Kleine Pause.
Die Worte ich, mein, mir sind schwierig.
Denn ich kann in der puren Wahrnehmung keine Sache finden, zu der diese Ich-Worte gehören. Im reinen Merken ist kein einziges Ich sichtbar, fühlbar, hörbar etc. Da ist nur das, was jetzt gerade gesehen wird, die Geräusche, das Empfinden, auch ein wenig Geruch und Geschmack. Kein merkbares Ich.
Jetzt gerade kommt der Gedanke: Ich, Babette, bin hier und tippe das alles.
Wie genau entsteht der Eindruck, dass das mein Gedanke ist?
Der Gedanke passt zu dem, was gerade passiert. Aber wie der Gedanke mein Gedanke wird – nee... da weiß ich nicht weiter.
Liebe Grüße!
B.