endlich bereit

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Babette57
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endlich bereit

Postby Babette57 » Sun Sep 03, 2017 3:54 pm

Die Begleitung auf LU konzentriert sich darauf zu erkennen, dass es kein wirkliches innewohnendes Ich oder Selbst gibt - was bedeutet das für Dich?
Es bedeutet, dass das Ich als zentrale und unabhängige Steuerung meines Lebens eine Einbildung ist. Dieses Steuerungs-Ich ist ausgedacht, eine Täuschung, eine Art Hypnose. Diese Ich-Einbildung taucht bei mir wie eine alte Gewohnheit immer wieder auf und hat mich im Griff. Das möchte ich gern durchschauen und beenden.

Was führt dich zu Liberation Unleashed?
Soweit ich weiß, ist Liberation Unleashed das einzige Forum, dass direkt und praktisch dieses Durchschauen der Ich-Illusion anbietet. Ich möchte diese Ich-Einbildung tiefer durchschauen und loslassen können. Es gab Momente, in denen das klare Erkennen da war. Da habe ich zweifelsfrei gemerkt, dass nur das da ist, was da ist. Und da war kein Ich. Nirgendwo. Das war eine riesige Erleichterung. Aber dieses Erkennen verschwand wieder. Ich weiß nicht, warum und wie das genau passiert ist.

Welchen Hintergrund hast du in Bezug auf deine Suche?
Mit dem Thema der Nondualität beschäftige ich mich seit über zwanzig Jahren. Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis ich herausgefunden habe, worum es dabei im Kern geht. Für mich waren die alten Meister und Klassiker der Nondualität eher verwirrend. Erst die Bücher von Douglas Harding haben mir gezeigt, dass ich das, worum es geht, selber merken kann und zwar sofort. Damit begannen die Momente des direkten Merkens und das Erkennen der Ich-Losigkeit. Es ist einfach nur das da, was da ist – ohne eine Ich-Zentrale. Allerdings haben diese Momente des klaren Sehens nicht gereicht, um die Ich-Einbildung wirkungslos zu machen.

Was erwartest du von dem Gespräch in diesem Forum?
Ich möchte die Ich-Einbildung nachhaltiger durchschauen und loslassen können. Seit drei Jahren bin ich Mitleserin im englischsprachigen und deutschsprachigen Forum. Irgendwie dachte ich, ich könnte das vollständige Durchschauen der Ich-Illusion allein schaffen – ohne Guide. Aber das hat nicht geklappt. Ich brauche Hilfe. Ich mag das Praktische, das Direct Pointing. Das erwarte ich.

Wie bereit bist du, deine Glaubensvorstellungen über dich in Frage zu stellen und um jeden Preis die Wahrheit zu finden?
10/10

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Lucas369
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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Mon Sep 04, 2017 7:52 pm

Hallo Babette,

ich bin einer der Guides hier auf LU und würde dich gern begleiten. Bitte bestätige mir kurz, dass du die Dokumente unter 'Announcements' oben gelesen und verstanden hast, v.a. den Haftungsausschluss und die Anleitung zur Benutzung der Zitierfunktion.

Da du ja schon seit einiger Zeit die Dialoge hier gelesen hast, weißt du ungefähr, wie diese ablaufen. Ich werde dir einfach Fragen stellen, die du bitte so genau und ehrlich wie möglich, und zwar nur aus der direkten Erfahrung (DE) beantworten solltest. Während unseres Dialoges wäre es sinnvoll, keine anderen Bücher oder Videos über Nondualität und ähnliche Themen zu lesen oder zu schauen, damit du dich voll und ganz auf das Erforschen der Ich-Illusion konzentrieren kannst.

Du solltest, wenn möglich, einmal täglich antworten, das Gleiche gilt natürlich auch für mich :-) Falls du einmal nicht kannst oder ein paar Tage weg bist, möglichst vorher Bescheid geben.

So, das war's auch schon mit den Formalitäten... Ich danke dir für das Vertrauen und dafür, dass du den Mut gefunden hast, in diesen Dialog zu gehen. Du wirst sehen, es ist alles halb so schlimm :-)) Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Liebe Grüße
Luke
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Babette57
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Tue Sep 05, 2017 4:20 pm

Danke Luke.
Ja, ich lass die Bücher im Regal. Und ich hoffe auch, dass alles halb so schlimm wird.
Meistens bin ich um diese Uhrzeit online, also am späten Nachmittag.
Gut, dass es endlich losgeht.
B.

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Babette57
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Tue Sep 05, 2017 4:26 pm

Kurzer Nachtrag: Ich habe die Announcements und den Haftungsausschluss gelesen, verstanden und bin damit voll und ganz einverstanden. Die Anleitung für die Zitierfunktion habe ich mir angeschaut.

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Lucas369
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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Tue Sep 05, 2017 7:20 pm

Hallo Babette,

wunderbar, dann fangen wir an!

Ich habe vor ca. 15 Jahren auch ein Buch von Douglas Harding gelesen und recht oft vor dem Spiegel gestanden, um zu schauen, ob HIER jemand ist... ;-) Zu jener Zeit haben mich die „Tests“ von Harding aber auch inspiriert, folgende Übung, die ich „IST-Test“ genannt habe, zu entdecken. Es geht darum, herauszufiltern, was in diesem Augenblick wirklich (da) IST, und was einfach Einbildung ist, also NICHT da ist. Dieser Test geht so:

Bitte setze dich in einem ruhigen Moment gemütlich hin. Schau dir eine Wahrnehmungsebene nach der anderen genau an:

1. Gesehenes: Schau dir an, was gesehen werden kann, direkt, ohne Interpretation (falls du die Augen schließen möchtest, schau einfach mit geschlossenen Augen... Was ist da?)
2. Gehörtes: Was wird auf dieser Ebene wahrgenommen? Nur Hören...
3. Gefühle: Ist da Wut, Freude, Traurigkeit? Auch hier – nicht interpretieren, nur wahrnehmen, was IST
4. Gespür: Damit ist das „Körpergefühl“ gemeint. Ist etwas unbequem? Wie fühlen sich Arme, Beine, Rumpf an? Gibt es überhaupt so etwas wie 'Körperteile'?
5. Geruch: Wird hier etwas wahrgenommen?
6. Geschmack: wahrnehmen ohne zu benennen...
7. Gedanken: Lausche auf die Gedanken, so als ob sie in einer Sprache wären, die du nicht verstehst...

Fehlt noch etwas? Gibt es noch andere Ebenen?

Ist in irgendeiner dieser Wahrnehmungsebenen ein 'Ich' aufgetaucht?

Schau jetzt genau hin: Findest du ein 'ich' (oder ein 'Gefühl von ich')? Falls ja, wo genau? Liegt es in einer dieser Wahrnehmungsebenen? Oder irgendwo anders? Wo?

Freue mich auf deine Antwort.
Liebe Grüße
Luke
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Wed Sep 06, 2017 4:20 pm

Okay Luke, ich hab den Ist-Test gemacht.

Gesehenes: Da ist die Tastatur, meine Finger, die drauf herumtippen. Der Bildschirm, auf dem die Worte erscheinen. Schreibtisch mit Telefon, Teile der Wand dahinter. Der Rand meiner Brille. Nirgendwo ein Ich zu sehen. Auch kein Ich zu merken, bei dem das Gesehene irgendwie ankommt.

Gehörtes: Das Summen der Computers, das Klicken der Tastatur, gluckern im Bauch, Windgeräusche, ausatmen. Kein Ich zu hören. Kein Ich, bei dem die Geräusche landen. Da ist keine Ich-Instanz.

Gefühle: bisschen erschöpft, angespannt, leicht unsicher. Kein Ich zu fühlen. Nur das Gemisch aus Gefühlen.

Gespür: Verspannungen in den Schultern, warmer Raum, gequetschter Bauch, heißes Gesicht. Kein Ich zu spüren.

Geruch: riecht irgendwie nach Papier und Deo. Kein Ich wird gerochen und kein Ich, das den Geruch empfängt. Nur das Riechen.

Geschmack: Teegeschmack im Mund. Auch da ist nur der leichte Geschmack, kein Ich.

Gedanken: Ja, da sind Gedanken. Sie wahrzunehmen, als wären sie eine Sprache, die ich nicht verstehe, fällt mir schwer. Ich höre den Gedanken zu und ich verstehe sehr gut, was da gedacht wird.
Ich habe gerade gemerkt, dass die Gedanken bei keiner Ich-Instanz landen. Gedanken erscheinen einfach im puren Merken. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Quelle gibt, von der aus Gedanken entstehen oder starten.

Ich kann diese Gedanken-Start-Quelle nicht erkennen oder spüren.

Mir fällt keine weitere Wahrnehmungsebene ein.

Im bloßen Wahrnehmen, von egal was, finde ich kein Ich. Das Ich ist etwas, das die Gedanken inhaltlich sagen, wie zum Beispiel jetzt gerade: Ich kann mir absichtlich Gedanken machen. Oder der Gedanke: Alles, was ich merke, landet bei mir, in meinem Körper. Oder der Gedanke: Oh, ich hab die Zitierfunktion weggelassen.
Da wird ein Ich behauptet. In der reinen Wahrnehmung ist das Ich nicht da.

Schöne Grüße
B.
Da ist doch noch was:
Ich glaube diesen Gedanken: Ich habe die Zitierfunktion weggelassen. Ich glaube auch den Gedanken: Ich kann mir absichtlich Gedanken machen. Aber ich finde in der reinen Wahrnehmung kein Ich, dass das alles glauben könnte. Seltsam. Wer glaubt das bloß alles?

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Lucas369
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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Wed Sep 06, 2017 8:07 pm

Hallo Babette,

das hast du sehr gut gemacht!
Das Ich ist etwas, das die Gedanken inhaltlich sagen, wie zum Beispiel jetzt gerade: Ich kann mir absichtlich Gedanken machen. Oder der Gedanke: Alles, was ich merke, landet bei mir, in meinem Körper. Oder der Gedanke: Oh, ich hab die Zitierfunktion weggelassen.
Da wird ein Ich behauptet. In der reinen Wahrnehmung ist das Ich nicht da.
Das ist eine wichtige Beobachtung :-) Schauen wir doch hier noch einmal genauer hin:
Ich kann mir absichtlich Gedanken machen.
Beobachte mal eine Weile deine Gedanken und schau, ob es ein ich gibt, dass die Gedanken „machen“ kann?

Kannst „du“ einen Gedanken verhindern?

Kannst „du“ Gedanken in der Mitte anhalten?

Gibt es überhaupt eine Kontrollinstanz, die irgendeine Kontrolle über die Gedanken hat?

Damit eine solche Instanz Kontrolle über die Gedanken hätte, müsste sie ja auf einer ANDEREN Ebene liegen. Gibt es eine solche Ebene?

Bitte antworte aus der direkten Erfahrung, hier und jetzt.

Liebe Grüße
Luke
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Thu Sep 07, 2017 4:04 pm

Hallo Luke,
ja ich schaue gern genauer hin. (Zitierfunktion klappt leider nicht.)

Beobachte mal eine Weile deine Gedanken und schau, ob es ein ich gibt, dass die Gedanken „machen“ kann?

Puh! Es fühlt sich so an, als würde ich mir Gedanken machen. Aber wenn ich wieder in die einzelnen Sinneswahrnehmungen gehe (wie gestern), ist da keine Gedanken-mach-Instanz zu finden. Das ist im Moment seltsam verwirrend. Wie kommen die Gedanken zustande?
Jetzt gerade gibt es ein paar Gedanken, die etwas vom Gehirn erzählen. Dort würden Gedanken entstehen. Aber falls das Gehirn etwas damit zu tun hat, bringt mich das auch nicht weiter. Ich kann mich nicht daran erinnern, irgendwann einmal in meinem Gehirn absichtlich irgendwelche Neuronen und Synapsen in Wallung gebracht zu haben, damit ein Gedanke entsteht. Gedanken entstehen von selbst, automatisch, willkürlich? Ich habe keine Ahnung. Da sitze ich und weiß nicht weiter.

Kannst „du“ einen Gedanken verhindern?

Ich glaube, dass ich die Aufmerksamkeit von einem Gedanken abziehen kann. Zum Beispiel, wenn sich eine Erinnerung anbahnt, die mich heute immer noch wütend macht. Aber das ist nicht wasserdicht. Manche Gedanken kommen immer wieder. Und Aufmerksamkeit abziehen klappt nicht immer.

Entschuldigung, das war nicht deine Frage.

Nein, ich kann nicht verhindern, ein Gedanke entsteht. Es fällt mir ehrlich schwer, das alles in die Tastatur zu tippen. Meine Gedanken suchen gerade händeringend nach Beispielen, wie ich bestimmte Gedanken doch verhindern kann.
Nein, ich kann einen Gedanken nicht verhindern. Ich weiß nicht, was ich in den nächsten 30 Minuten denken werde. Ich kann den jeweils aufkommenden Gedanken nicht abstellen oder ersetzen.

Kannst „du“ Gedanken in der Mitte anhalten?

Das ist eine lustige Vorstellung: Heute nur halbe Gedanken.
Nein, auch wenn ein Gedanke nur aus einem Wort besteht, wie z.B. bei meiner Einkaufsliste, ist das ein ganzer Gedanke. Ich kann den Gedanken an Waschpulver nicht in der Hälfte stoppen. Gedanken in Form von Bildern sind ganze Bilder, keine halben. Nein, ich kann einen Gedanken nicht in der Mitte anhalten.

Gibt es überhaupt eine Kontrollinstanz, die irgendeine Kontrolle über die Gedanken hat?

Ich kann diese Kontrollinstanz nicht finden.
Um ehrlich zu sein, mir kommen gerade viele Gedanken, die behaupten, es gäbe doch eine Form von Kontrolle oder Regelung der Gedanken. Zum Beispiel: Wenn ich am Geldautomaten stehe, kann ich den Gedanken auslösen, der mir sagt, wie die PIN meiner Kontokarte lautet.

Ich merke selbst, dass das Beispiel nicht plausibel ist. Weil ich den Gedanken an meine PIN nicht auslöse. In dem Moment weiß ich, wie meine PIN lautet. Der Gedanke ist einfach da. Also, im Alltag gibt es Gedanken, die passen zu dem, was ich gerade tue oder vorhabe. Aber ich kann die Gedanken nicht machen. Sie sind einfach da.

Damit eine solche Instanz Kontrolle über die Gedanken hätte, müsste sie ja auf einer ANDEREN Ebene liegen. Gibt es eine solche Ebene?

Ja, das wäre logisch. Es müsste eine übergeordnete Ebene geben. Eine Kommando-Ebene. Mit meinen Sinnen kann ich die allerdings nicht finden.
Manche reden von Über-und Unterbewusstsein. Aber das kann ich im Moment auch nicht finden. Ich weiß nicht, wo ich hingucken oder hinfühlen müsste, um solche anderen Ebenen zu finden.

Manche meiner Gedanken sind mehr im Hintergrund leiser, weniger sensationell, wie zum Beispiel eben der Gedanke: Der Tee wird kalt.
Nein, da ist nur ein Gedanke und dann der nächste. Und das, was ich jetzt sehe, höre und fühle. Keine andere Ebene. Keine Kontrollinstanz. Nur das, was da ist.

Das macht mich jetzt ratlos. Bin ich für immer allen Gedanken hilflos ausgeliefert?
Zeit für einen Schluck kalten Tee.

Ebenfalls liebe Grüße zurück
B.

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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Thu Sep 07, 2017 4:14 pm

Mir kam gerade der Gedanke, dass ich die Zitierfunktion falsch benutzt habe.
Ich probiere es noch einmal.
Beobachte mal eine Weile deine Gedanken und schau, ob es ein ich gibt, dass die Gedanken „machen“ kann?
Mal sehen, ob das jetzt die richtige Zitierfunktion war. Wenn ja, hab ich den Bogen raus.

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Lucas369
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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Fri Sep 08, 2017 12:10 am

Hallo Babette,

tut mir leid, dass dein Tee kalt geworden ist ;-) Du hast auf jeden Fall richtig gute Arbeit geleistet! Und: Ja, es ist verwirrend, zu entdecken, dass Gedanken von allein kommen und gehen ohne dass es jemanden gäbe, der Einfluss darauf hat.
Das macht mich jetzt ratlos. Bin ich für immer allen Gedanken hilflos ausgeliefert?

Ratlosigkeit ist auf jeden Fall eine sehr gute Grundlage für wahre Erkenntnis! Und falls es dich beruhigt: Wenn das so ist, dann WAR es auch schon immer so, es hat sich ja nichts geändert... Und bisher bist du damit ganz gut klar gekommen, oder? (Oder auch nicht, sonst wärst du nicht bei LU gelandet, hihi...)

Aber im Ernst: Um Gedanken hilflos ausgeliefert zu sein, müsste es ja ein 'ich' geben, dass ihnen ausgeliefert sein könnte... Aber gibt es das? Wie wäre es mit noch einem kleinen Experiment:

Schließe einmal die Augen und achte auf irgendein regelmäßiges Geräusch, das Ticken einer Uhr oder die Lüftung deines Computers. Lausche einen Moment auf dieses Geräusch und bemerke, ob da ein 'ich' ist, zu dem dieses Geräusch gehört, dem es also zugeordnet ist? Oder ist da ein 'ich', zu dem es gerade NICHT gehört?

Nun schalte um und lausche in der gleichen Weise den Gedanken, die erscheinen. Gibt es hier ein 'ich', dem die Gedanken zugeordnet sind?

Wie genau entsteht der Eindruck, dass dies 'deine' Gedanken sein könnten?


Freue mich schon auf deine Antwort!
Gute Nacht und liebe Grüße
Luke

PS: Du kannst immer vor dem Abschicken einer Antwort unten auf „Preview“ klicken, dann kannst du sehen, ob alles so formatiert wurde, wie du es gewollt hast, bevor du es dann entgültig abschickst.
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Fri Sep 08, 2017 4:42 pm

Hallo Luke,
nochmal zu gestern: Nachdem ich meine Antwort abgeschickt hatte, haben meine Gedanken Überstunden gemacht, um zu beweisen, dass es durch Konzentration, Fokussierung, Meditation doch einen Zugriff auf Gedanken gibt. Mir ist dabei aufgefallen, dass das ganze gedankliche Durchkauen einfach nur ein Gedanke nach dem anderen war.
Ratlosigkeit ist auf jeden Fall eine sehr gute Grundlage für wahre Erkenntnis! Und falls es dich beruhigt: Wenn das so ist, dann WAR es auch schon immer so, es hat sich ja nichts geändert... Und bisher bist du damit ganz gut klar gekommen, oder?
Ja, dieses Gedankenempfangen ohne Kontroll- und Kommando-Instanz war womöglich schon immer so. Es kommt mir zwar neu und frisch vor, aber alles läuft weiter wie bisher.

Okay. Neues Experiment.
Schließe einmal die Augen und achte auf irgendein regelmäßiges Geräusch, das Ticken einer Uhr oder die Lüftung deines Computers. Lausche einen Moment auf dieses Geräusch und bemerke, ob da ein 'ich' ist, zu dem dieses Geräusch gehört, dem es also zugeordnet ist?
Eindeutig nein. Das Geräusch selbst, das leise Summen des Computers ist einfach nur da. Im Geräusch gibt es kein Ich und es gibt auch kein Ich, das dieses Summen hat, besitzt oder das dem Geräusch zugeordnet ist. Da ist nur das Summen. Alles, was mit dem Ich zu tun hat, müsste dazu gedacht werden, z.B. die Gedanken: Das ist mein Computer. Oder: Ich höre das Summen. Ohne Gedanken ist da das pure Geräusch.

Oder ist da ein 'ich', zu dem es gerade NICHT gehört?
Nein. Es gibt im oder neben dem Geräusch kein Ich, das sich davon distanzieren könnte. Keine Zugehörigkeit, keine Ablehnung. Da ist nur das Erleben dieses Geräusches.
Nun schalte um und lausche in der gleichen Weise den Gedanken, die erscheinen. Gibt es hier ein 'ich', dem die Gedanken zugeordnet sind?


Wenn ich genauso wahrnehme, wie bei dem Geräusch, dann merke ich keine Ich-Instanz, von der aus die Gedanken starten. Der jeweilige Gedanke ist einfach da.
Und ich nehme auch keinen Ich-Landeplatz für den Gedanken wahr. Der Gedanke erscheint und dann ist er weg. Ich kann den Gedanken-Entstehungsort nicht erkennen. Ich kann auch nicht erkennen, wohin der Gedanken verschwunden ist.
Anders als bei dem Geräusch, steckt in den Gedanken (nicht allen Gedanken) das Wort ich oder mein oder mir. Die Gedanken mit den Ich-Worten kreisen um diesen Babette-Körper hier. Sie, die Gedanken, nennen diesen Körper ich. (Z.B. diese Gedanken: Ich müsste mal wieder zum Friseur. Meine Haare sind zu lang.)
Wie genau entsteht der Eindruck, dass dies 'deine' Gedanken sein könnten?
Knifflige Frage. Mmmhh ....
Ich habe schon gemerkt, dass die Gedanken von keiner Ich-Instanz gemacht oder geregelt oder kontrolliert werden.
Wie genau entsteht der Eindruck, dass dies meine Gedanken sein könnten?
Diese Gedanken sprechen ganz selbstverständlich von einem Ich. Die Gedanken erscheinen hier, im Erleben von Babette. Ich glaube, diese Gedanken erscheinen nur für mich, für Babette, ganz einmalig und exklusiv. Kein anderer Mensch nimmt diese Gedanken wahr, wenn sie hier auftauchen. Das macht sie zu meinen Gedanken. Wie meine Atmung oder meine Verdauung nur für mich da sind.

Warte mal. Da steh ich gerade auf dem Schlauch. Kleine Pause.

Die Worte ich, mein, mir sind schwierig.
Denn ich kann in der puren Wahrnehmung keine Sache finden, zu der diese Ich-Worte gehören. Im reinen Merken ist kein einziges Ich sichtbar, fühlbar, hörbar etc. Da ist nur das, was jetzt gerade gesehen wird, die Geräusche, das Empfinden, auch ein wenig Geruch und Geschmack. Kein merkbares Ich.
Jetzt gerade kommt der Gedanke: Ich, Babette, bin hier und tippe das alles.
Wie genau entsteht der Eindruck, dass das mein Gedanke ist?
Der Gedanke passt zu dem, was gerade passiert. Aber wie der Gedanke mein Gedanke wird – nee... da weiß ich nicht weiter.

Liebe Grüße!
B.

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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Fri Sep 08, 2017 9:06 pm

Sehr schön! Man merkt wirklich, dass du dir viel Zeit genommen hast und genau hingeschaut hast. Super!
Mir ist dabei aufgefallen, dass das ganze gedankliche Durchkauen einfach nur ein Gedanke nach dem anderen war.
Ja, genau so ist es! Es ist einfach nur eine Abfolge, mehr nicht...
Denn ich kann in der puren Wahrnehmung keine Sache finden, zu der diese Ich-Worte gehören. Im reinen Merken ist kein einziges Ich sichtbar, fühlbar, hörbar etc. Da ist nur das, was jetzt gerade gesehen wird, die Geräusche, das Empfinden, auch ein wenig Geruch und Geschmack. Kein merkbares Ich.
Jetzt gerade kommt der Gedanke: Ich, Babette, bin hier und tippe das alles.
Hier hast du schon erkannt, wie es funktioniert: Die reinen Wahrnehmungen sind unpersönlich, sie erscheinen einfach. Dann kommt ein Gedanke, der bestimmten Wahrnehmungen den Stempel „ich“ oder „mein“ aufdrückt. Aber kann er das? Ein Gedanke ist doch nur ein Gedanke... mehr nicht. Oder? Hat ein einfacher Gedanke die Macht, Besitz zu definieren?

Hier ist noch eine kleine Übung: Bitte schaue dich um in dem Raum, in dem du dich befindest. Bemerke, was gesehen wird. Und achte darauf, wie die Gedanken das Gesehene etikettieren. Also z.B. siehst du ein Bild an der Wand. Dann kommt vielleicht der subtile Gedanke „das Bild von Kerstin“. Oder du siehst eine Tür. Wie wird aus dem Gesehenen eine „Tür“? Schau dich einfach um und beobachte...

Ich warte so lange.
[wartend]

Du hast gesehen, wie der Etikettierungsprozess funktioniert. Alles, was durch Gedanken als „Tastatur“, „Fenster“, „Tisch“ etc. bezeichnet wurde, existiert auch real in den Wahrnehmungen.

In der folgenden Aufstellung gehören diese Dinge zur 1. Kategorie. Es gibt aber auch andere:

1. Dinge, die einen realen Bezug zu den Wahrnehmungen haben. Also bspw. das Wort „Computer“ steht für das, was du gerade vor dir siehst. Andere wären: Hand, Stuhl, Wand, Auto etc.

2. Begriffe, die abstrakt sind, die aber als Oberbegriff für reale Dinge zu sehen sind, z.B. „Fiat“. Die Firma Fiat kann man nicht sehen, wohl aber Autos, die diesen Namen tragen oder Mitarbeiter, die für diese Firma arbeiten. Als Beispiele seien genannt: Universität, Regierung, Partei, u.s.w.

3. Dinge, die keinen realen Bezug haben, die also rein fiktiv sind und in der Wirklichkeit nicht auftauchen. Z.B. Weihnachtsmann, Mickey Mouse, Batman, die Zahnfee


- Zu welcher Kategorie gehört das Wort „Babette“? (wenn das nicht dein wirklicher Name ist, bitte durch diesen ersetzen...)

- Zu welcher Kategorie gehört das Wort „ich“?


Liebe Grüße
Luke
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Sat Sep 09, 2017 9:28 am

Hallo Luke,
ich bin zurzeit etwas im Stress. Ich kann dir die Antwort erst heute Abend ganz spät schicken. Tut mir leid.
Liebe Grüße
B.

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Re: endlich bereit

Postby Lucas369 » Sat Sep 09, 2017 7:03 pm

Hallo Babette,

kein Problem. Vielleicht bin ich auch zwei Schritte voran gegangen, wo einer gereicht hätte? Wir können kleinere Schritte machen, wenn es dir lieber ist... Wichtig ist nur, dass wir im Dialog bleiben.

Liebe Grüße
Luke
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Re: endlich bereit

Postby Babette57 » Sat Sep 09, 2017 9:33 pm

Hallo Luke,
ist alles gut. Das waren nur unerwartete Turbulenzen, die meinen Zeitplan durcheinander gebracht. Das hat nichts mit dem zu tun, was wir hier machen.
Zuerst: Vielen Dank für deine großartige Begleitung.
Es geht weiter.

Hier hast du schon erkannt, wie es funktioniert: Die reinen Wahrnehmungen sind unpersönlich, sie erscheinen einfach. Dann kommt ein Gedanke, der bestimmten Wahrnehmungen den Stempel „ich“ oder „mein“ aufdrückt. Aber kann er das? Ein Gedanke ist doch nur ein Gedanke... mehr nicht. Oder? Hat ein einfacher Gedanke die Macht, Besitz zu definieren?
Nein, ein Gedanke ist einfach nur eine Reihe von Worten. Oder es sind Bilder, manchmal auch kleine Filmchen. Ein Gedanke macht nichts anderes, als einfach nur da zu sein. Und dann ist er wieder weg. Ein Gedanke kann keine Besitzurkunden ausstellen. Es sind die Worte, der Inhalt der Gedanken, die den Besitz kennzeichnen, wie z.B. die Worte: Das sind meine Hände. Das ist meine Armbanduhr. Aber das ist keine Macht. Ich kann durch bloße Gedanken nicht die Besitzerin des Hauses auf der anderen Straßenseite werden. Der Inhalt von Gedanken kann sich um Behauptungen, Kennzeichnungen und Einteilungen drehen. Aber es bleibt immer nur etwas Gedachtes.
Hier ist noch eine kleine Übung: Bitte schaue dich um in dem Raum, in dem du dich befindest. Bemerke, was gesehen wird. Und achte darauf, wie die Gedanken das Gesehene etikettieren. Also z.B. siehst du ein Bild an der Wand. Dann kommt vielleicht der subtile Gedanke „das Bild von Kerstin“. Oder du siehst eine Tür. Wie wird aus dem Gesehenen eine „Tür“? Schau dich einfach um und beobachte...

Da ist das, was gesehen wird, diese große rechteckige Holzplatte in der Wand. Und ich weiß, wie das heißt: Tür. Im bloßen Sehen der Tür gibt es das Wort Tür nicht. Das Wort Tür ist zum dem Gesehenen hinzugedacht worden. Das passende Wort wie Tür, Bild oder Schreibtisch taucht als Gedanke jeweils automatisch auf.
Du hast gesehen, wie der Etikettierungsprozess funktioniert. Alles, was durch Gedanken als „Tastatur“, „Fenster“, „Tisch“ etc. bezeichnet wurde, existiert auch real in den Wahrnehmungen.
Ja.
In der folgenden Aufstellung gehören diese Dinge zur 1. Kategorie. Es gibt aber auch andere:

1. Dinge, die einen realen Bezug zu den Wahrnehmungen haben. Also bspw. das Wort „Computer“ steht für das, was du gerade vor dir siehst. Andere wären: Hand, Stuhl, Wand, Auto etc.

2. Begriffe, die abstrakt sind, die aber als Oberbegriff für reale Dinge zu sehen sind, z.B. „Fiat“. Die Firma Fiat kann man nicht sehen, wohl aber Autos, die diesen Namen tragen oder Mitarbeiter, die für diese Firma arbeiten. Als Beispiele seien genannt: Universität, Regierung, Partei, u.s.w.
J
3. Dinge, die keinen realen Bezug haben, die also rein fiktiv sind und in der Wirklichkeit nicht auftauchen. Z.B. Weihnachtsmann, Mickey Mouse, Batman, die Zahnfee

- Zu welcher Kategorie gehört das Wort „Babette“? (wenn das nicht dein wirklicher Name ist, bitte durch diesen ersetzen...)
Zur ersten Kategorie. Das Wort Babette ist die Kennzeichnung für diesen Körper hier. Den Körper, der Babette heißt, gibt es wirklich.

-
Zu welcher Kategorie gehört das Wort „ich“?
Das Wort ich ist eine Orts- oder Positionsbeschreibung.
Ich hier - im Gegensatz zu - du dort.
Aber darüber hinaus ist das Wort ich eigentlich eine Luftnummer. Es bezeichnet kein reales Ding, sondern mehr den Standort des Erlebens.
Das Wort ich markiert ein Teil des Erlebens als meins, z.B. meine Hände, mein Gluckern in meinem Bauch.
Ein anderer Teil der Wahrnehmung ist damit automatisch Nicht-ich. Zum Beispiel: die Raumtemperatur, die Geräusche des Regens – das wird zwar erlebt, aber das bin ich nicht.
Allerdings das ist nur eine gedachte Unterteilung. Im puren Erleben, ohne gedachtes Ich (oder gedachtes Mein, Mir etc). ist da keine Unterteilung in Ich und den Rest der Welt.
- Zu welcher Kategorie gehört das Wort „ich“?
Zur dritten Kategorie: fiktiv und ausgedacht.

Seltsam.

Verblüffte Grüße
B.


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