Versuch mit Begleitung

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Joram
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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Sat Nov 17, 2018 11:26 am

Wir müssen wieder ein Stück zurück:
Wenn ich das Ticken der Wanduhr wahrnehme, dann ist in dem Moment nur das Ticken da.
Ist dabei „Jemand der all dies wahrnimmt“, als Erfahrung, da?
Wie wird derjenige wahrgenommen? Mit was für ein Sinnesorgan?

Untersuche es noch mal :-)

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Luk
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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Sun Nov 18, 2018 12:03 pm

Ist dabei „Jemand der all dies wahrnimmt“, als Erfahrung, da?
Nein, und genau da liegt mein Problem. Das was wahrnimmt kann nicht wahrgenommen werden. Und wenn ich damit an den Satz komme „erkenne dich selbst“, dann kommen ich da nicht weiter. Erfahrung ist immer dort, wo der Körper ist. Alles wird im, oder durch den Körper erfahren. Damit hängt Erfahrung mit dem Körper zusammen, oder vom Körper ab. Dann heißt es aber wieder „du bist nicht der Körper“. Ich erkenne nicht, was ich bin, wo ich bin. Ich weiß aber, DASS ich bin. Es ist nie nichts da. Etwas ist immer da.
Wie wird derjenige wahrgenommen? Mit was für ein Sinnesorgan?
Wie werden Gefühle wahrgenommen? Mit welchem Organ? Wenn ich die Augen zu habe, dann ist nie nichts da. Es ist immer etwas da, auch wenn keine Gedanken und keine Gefühle bewusst da sind. Es ist nie nichts da. Das was immer da ist, hat aber keine Eigenschaften. Es ist wie die Erdanziehung. Sie ist immer da, aber man kann sie nicht direkt spüren, so wie man z.B. Wärme spüren kann. Man kann z.B. nur den Druck auf der Haut spüren, wenn man auf dem Boden liegt und von der Erde angezogen wird. Die Gravitation ist da, doch keiner sieht sie, keiner hört sie.

Es gibt Wahrnehmung, aber sie scheint mir so flüchtig, so subtil, dass ich sie nicht direkt erkennen kann. Wie könnte ich denn auch? Wahrnehmung ist das, was wahrnimmt. Wie kann man sie denn überhaupt wahrnehmen? Es geht vom Prinzip überhaupt nicht. Dennoch sehe ich immer wieder Leute (im Internet) die erkennen, dass sie der Erkenner sind. Ich weiß nicht, was mir denn überhaupt fehlt. Ich sehe alles. Es kommt aber kein „WOW!“, kein Frieden, keine Entspannung. Und die Suche läuft weiter. Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich habe nur gehört, was ich in Wirklichkeit bin: der „ultimative Erkenner“, gar nichts, alles, … Alles nur Worte, die mir nichts sagen.

Ich weiß, dass etwas da ist. Etwas ist immer da, wenn ich „nachsehe“, oder nachspüre. Es ist immer dasselbe. Es „fühlt“ sich immer gleich an. Es fühlt sich konstant an. Das Erkennen der Welt ist immer da, wo der Körper ist. Doch das Wissen, dass Ich bin, dass etwas immer ist, das kann immer erfahren werden.

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Sun Nov 18, 2018 12:45 pm

Ich merke, dass mir die 100% ige, eindeutige Klarheit darüber fehlt, dass ich nicht das Gesehene bin und es auch nicht sein kann. Es fehlt diesen "aha! ja natürlich, klar kann ich es nicht sein, klar bin ich es nicht!"

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Sun Nov 18, 2018 4:39 pm

Dann heißt es aber wieder „du bist nicht der Körper“. Ich erkenne nicht, was ich bin, wo ich bin. Ich weiß aber, DASS ich bin. Es ist nie nichts da. Etwas ist immer da.
„ICH bin“?
Oder „Wahrnehmungsprozess ist da“?

Versuche nur wahrzunehmen, ohne Wahrnehmender.
Was ist DIE Übung. Nimm dir Zeit, setze dich hin und vergesse dich selbst.
Nur Wahrnehmung.

Was wird erfahren?

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Thu Dec 06, 2018 11:19 am

„ICH bin“? Oder „Wahrnehmungsprozess ist da“?
Wahrnehmung ist, und der Gedanke „ich bin“ ist da.
Versuche nur wahrzunehmen, ohne Wahrnehmender.
Was ist DIE Übung. Nimm dir Zeit, setze dich hin und vergesse dich selbst.
Nur Wahrnehmung.
Was wird erfahren?
Es wird nix erfahren, außer dem, was schon immer da war. Lebendigkeit im Körper ist da, Ruhe ist da. Aber kein Gott, keine Herrlichkeit, keine Freude, kein Aha. Stattdessen ist Hoffnung da und Warten, dass sich irgendetwas ändert. Die Hoffnung oder das Warten ist da. So, wie es jetzt ist, ist nicht genug, es ist gewöhnlich, nix besonderes, enttäuschend. Das ist da.

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Thu Dec 06, 2018 1:01 pm

Es wird nix erfahren, außer dem, was schon immer da war. Lebendigkeit im Körper ist da, Ruhe ist da. Aber kein Gott, keine Herrlichkeit, keine Freude, kein Aha. Stattdessen ist Hoffnung da und Warten, dass sich irgendetwas ändert. Die Hoffnung oder das Warten ist da. So, wie es jetzt ist, ist nicht genug, es ist gewöhnlich, nix besonderes, enttäuschend. Das ist da.
Formuliere genauer was fehlt.
Was willst du? Feuerwerk der "Erleuchtung"?

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Thu Dec 06, 2018 6:47 pm

Was willst du? Feuerwerk der "Erleuchtung"?
Ja mindestens!;-) Osho schreibt, dass seine Erleuchtung heller war als 1000 Sonnen, oder so ähnlich. Wenn ich Satsangs bei Youtube schaue, dann sehe ich Menschen wie verrückt lachen, wenn sie „die Erkenntnis“ haben. Sie sehen ganz selig aus, beglückt, dankbar, oder sonst wie beglückt. Keiner sitzt da und fragt sich „toll, und jetzt?“. Und bei Dir? Irgendwas muss sich in deinem Leben gewaltig geändert haben, dass du dir so viel Zeit nimmst, um anderen Menschen zu dieser Einsicht zu verhelfen. Das alles, und noch vieles mehr hat ein Bild erschaffen, dass es irgendeine Erkenntnis gibt, die sowas bewirkt, und danach die Welt anders gesehen wird.
Ein genaues Bild von Erleuchtung habe ich, geht ja auch gar nicht, das habe ich oft genug gelesen. Ich habe mich schon oft gefragt, was mir denn fehlt. Es ist mir nie etwas eingefallen. Ich kann es nicht benennen. Ich will, dass sich etwas ändert, weil das, was ich wahrnehme keine „wow!“, keine Euphorie, keine Dankbarkeit erzeugt.
Das einzige, das ich jetzt einem Suchenden sagen könnte, wäre ein resigniertes „es ist alles so, wie es ist, und das ist alles“. Keine Freude, keine Hoffnung. Ein beständiges „vor sich hin existieren“. Ich müsste doch sowas wie Dankbarkeit empfinden dafür, dass es mich gibt. Dafür, dass ich jetzt hier in meinem Bett liegen kann und auf meinem Laptop tippen kann. Dafür, dass ich auf den Bildschirm schauen kann und die Gedanken in meinem Kopf wahrnehmen kann.
Deshalb denke ich, dass es etwas geben müsste, das all diese Dankbarkeit und Freude bewirken könnte. In dem, was ich wahrnehmen kann, kann ich nicht die Herrlichkeit Gottes erkennen, oder was auch immer. Überall Formen, Farben, Gedanken, Gefühle, Emotionen, blablabla. Wie ein endloses starren auf Wellen auf dem Meer. Ein Endloses, sinnfreies Spiel der Formen, ohne Ziel, ohne einen tieferen Sinn. Bäume werden Grün, dann braun, dann fallen die Blätter ab und nächstes Jahr genau dasselbe Spiel, und das Jahr für Jahr.
Formuliere genauer was fehlt.
Freude fehlt, Dankbarkeit fehlt, Staunen fehlt, Frieden fehlt, eine Gefühl der Verbundenheit fehlt, ein „jetzt ist es endlich gut“ fehlt. Das was ich wahrnehmen kann, kann mir das irgendwie nicht geben.

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Fri Dec 07, 2018 5:52 am

Erleuchtung hat eher mit innerer Stille zu tun. Weniger mit Feuerwerk.

Die Suche nach Erleuchtung ist ja „Wollen“ und „Wollen“ führt immer zu „raus aus der Stille“, „Wollen“ führt zu Unzufriedenheit. Je stärke das Wollen desto stärke die Unzufriedenheit.

Wo gibt es in deinem Leben Hingabe?
Wo bist du mit allem „Eins“?

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Fri Dec 07, 2018 4:10 pm

Wo gibt es in deinem Leben Hingabe?
Ich weiß nicht ob ist in meinem Leben sowas wie Hingabe gibt. Ich weiß nicht was Hingabe bedeutet. Es gibt Sachen, die ich mehr mag, als andere. Ich kenne das Gefühl des „im Flow“ seins. Es gibt Tätigkeiten, oder Erlebnisse, die ich mehr mag als andere. Es gibt Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass nichts fehlt und es nicht gibt, was den Moment besser machen könnte. Ich weiß nicht, was Hingabe bedeutet.
Wo bist du mit allem „Eins“?
Ich habe es noch nie erlebt mit allem eins zu sein. Ich kenne das Gefühl nicht. Hatte auch noch nie irgendein spirituelles Erlebnis. Wenn ich das so Tippe, dann frage ich mich, wie ich denn dazu komme irgendwas Spirituelles zu suchen. Wahrscheinlich auf Verzweiflung;-)

In letzter Zeit kann ich mich eher mehr auf das Gefühl einlassen, oder es mehr zulassen, mich ganz alleine zu fühlen. Ich fühle die Verzweiflung darin, von allem getrennt zu sein. Komme mir vor, als hätt man mich irgendwo ausgesetzt und dann vergessen. Manchmal bete ich, damit ich sowas wie einen Hinweis, oder ein Zeichen bekomme, dass es da etwas gibt, eine Kraft, eine Wesenheit, irgendetwas außer mir, mit dem ich mich verbunden fühle, zu dem ich mich zugehörig fühle, das mir wohlgesonnen ist, das mir führt, auf mich aufpasst. Aber ist passiert nichts. Keine Antwort, keine Reaktion, keine Resonanz. Dann ist Weinen da, starke Gefühle, und alle geht einfach weiter seinen Weg, vollkommen unbeeindruckt. Und ich Atme und beobachte alles, fühle die Lebendigkeit im Körper, usw… Was ich wahrnehme, ist eine tiefe Resignation, Wut und Enttäuschung darüber, hier zu sein, ohne zu wissen wozu und warum.

Wenn ich das so tippe, dann schäme ich mich fast, dass ich nicht irgendwie spirituell „weiter“ bin. Dann kommt es mir vor, hier in dem Dialog mit dir, unpassend zu sein. Ich denke, ich müsste irgendwie „weiter“ sein. Darum habe ich das letzte mal den Dialog unterbrochen. An dem Punkt bin ich jetzt. Ich denke, ich enttäusche und bin hier falsch.

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Fri Dec 07, 2018 4:37 pm

Vielleicht soll ich erstmal Hingabe üben

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Fri Dec 07, 2018 4:48 pm

So wie du bist, bist du genau richtig.
Alles anders ist eine Illusion.

Was machst du gerne?

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Sat Dec 08, 2018 8:49 pm

Mit meinem Ebike fahren, spazieren gehen, Filme schauen, im Internet surfen, tanzen, mit Menschen reden, Inline fahren, Frisbee spielen, meditieren,

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Sat Dec 08, 2018 9:29 pm

Beim Ebike fahren, spazieren gehen, tanzen, oder meditieren – denkst du dabei, oder gibt es Momente wo nur das Tun vorhanden ist? Gibt es da keine Momente der Hingabe?

Beim spazieren gehen – gibt es da keine stillen Momente wo nur Erleben da ist?

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Luk » Sun Dec 09, 2018 10:46 pm

Beim Ebike fahren, spazieren gehen, tanzen, oder meditieren – denkst du dabei, oder gibt es Momente wo nur das Tun vorhanden ist? Gibt es da keine Momente der Hingabe?
Beim spazieren gehen – gibt es da keine stillen Momente wo nur Erleben da ist?
Bei intensiven Tätigkeiten, die die Aufmerksamkeit stark binden, da gibt es Momente, wo nur das Tun da ist, keine Zeit Nachdenken, oder Analysieren. Beim spazieren gehen ist fast immer der Versand aktiv, Fragen kommen, es wird analysiert, usw… Um dann stiller zu werden, wird die Aufmerksamkeit auf den Atem gelenkt, oder auf die Körperempfindungen, oder es wird einfach nachgedacht. Es ist selten, dass einfach alles so gut ist wie es ist, ohne, dass irgendwas gesucht werden oder analysiert werden müsste. Ich kann oder will einfach nicht nichts finden, weil da die tiefe Überzeugung da ist, dass es noch nicht das ist, um was es in dieser Existenz geht. Unsere Suche hier bestätigt diese Vermutung. Es wird erst dann gut sein, wenn ich erkenne, dass es mich nicht gibt. Erst dann bin ich angekommen und werde mich richtig entspannen können.

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Re: Versuch mit Begleitung

Postby Joram » Sun Dec 09, 2018 11:33 pm

Ich kann oder will einfach nicht nichts finden, weil da die tiefe Überzeugung da ist, dass es noch nicht das ist, um was es in dieser Existenz geht. Unsere Suche hier bestätigt diese Vermutung. Es wird erst dann gut sein, wenn ich erkenne, dass es mich nicht gibt.
Um was geht es in dieser Existenz?
Was bedeutet es "dass es mich nicht gibt", gibt es keine Erfahrungen mehr?

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